Herbert Dreilich und die Band Karat: Eine Biographie

Die Band Karat gilt als eine der erfolgreichsten Bands der ehemaligen DDR, die es auch im Westen zu großen Achtungserfolgen gebracht hat.

Die Anfänge von Karat

Im Jahre 1975 wurde die Gruppe KARAT von Henning Protzmann und Ulrich Pexa gegründet. Offiziell heißt es, KARAT sei aus der Band Panta Rhei hervorgegangen, aber das ist nicht richtig, vielmehr verließ Henning die Jazzrock-Formation bewußt, um neue Wege gehen zu können. Protzmanns Ziel war, eine publikumswirksamere Musik als bei Panta Rhei zu machen, dabei aber anspruchsvoll zu bleiben.

Als Protzmann auf den vormals bei Frank Schöbel beschäftigten Gitarristen Ulrich Pexa traf, der den Namen „Karat“ für die Gruppe vorschlug, und sich mit Hans-Joachim „Neumi“ Neumann ein Sänger, mit Konrad Burkert ein Schlagzeuger und mit Christian Steyer ein Keyboarder fanden, konnten die ersten Proben der neuen Band im Herbst 1974 beginnen.

Zur ursprünglichen Besetzung, die erstmals im Herbst 1974 gemeinsam probte, gehörten neben Henning Protzmann und Ulrich Pexa auch Hans-Joachim Neumann, Konrad Burkert und Christian Steyer (vielen Leuten als die Stimme bei "Elefant, Tiger & Co" auf dem MDR bekannt). Steyer stieg bereits nach wenigen Wochen wieder aus, weil er sich auf die Schauspielerei konzentrieren wollte.

An seiner Stelle engagierte man Ulrich „Ed“ Swillms, den früheren Pianisten von Panta Rhei, der als Koryphäe in seinem Fach galt. Mit Ed Swillms kam auch der ehemalige Sänger und Gitarrist von Panta Rhei, Herbert Dreilich, in die Gruppe, womit die Gründungsbesetzung von Karat geboren war.

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Ulrich Pexa hatte die Idee, die Band "KARAT" zu nennen. Für Steyer verpflichtete die Gruppe Ulrich "Ed" Swillms, der gemeinsam mit Herbert Dreilich zur Band stieß.

Nachdem sie ihre ersten vier Aufnahmen beim Rundfunk erstellt hatten (Du und ich, Schwester, Leute, welch ein Tag und Ich lauf’ durch die Stadt, aufgenommen vom 24. bis 28. Januar 1975), gaben Karat am 22. Februar 1975 ihr erstes Konzert. Bis Ende 1975 produzierte Karat insgesamt 13 Rundfunkaufnahmen, die die Gruppe schnell bekannt machten.

Kurz nach ihrer Gründung (Januar 1975) bekam die Gruppe KARAT die Möglichkeit, vier Songs beim Rundfunk der DDR zu produzieren. Die Titel "Du und ich", "Ich lauf' durch die Stadt", "Leute, welch ein Tag" und "Schwester" entstanden. Einen Monat später gab die Band (am 21. Februar 1975) im Kulturhaus "Otto Buchwitz" in Heidenau ihr erstes Konzert.

Der Aufstieg und die Zeit bis zur Wende

Schon im ersten Jahr ihres Bestehens produzierte KARAT mehr als 10 Titel im Rundfunk. Im Jahre 1976 stiegen Pexa und Burkert aus und wurden durch Bernd Römer und Michael Schwandt ersetzt. Ein weiteres Jahr später (1977) verließ Hans-Joachim Neumann die Gruppe. Ab sofort war Herbert Dreilich der alleinige Sänger.

Seit Juni 1976 ersetzten Bernd Römer (Gitarre) und Michael Schwandt (Schlagzeug), die beide von der Horst-Krüger-Band kamen, Ulrich Pexa und Konrad Burkert. 1977 trat Hans-Joachim „Neumi“ Neumann schließlich seinen Militärdienst an, wodurch Herbert Dreilich, vormals Gitarrist und Sänger zugleich, zum alleinigen Sänger wurde. Seine Stimme wurde schließlich zum Markenzeichen von Karat.

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Mit dem Gewinn des Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival 1978, bei dem sie die Songs "König der Welt" und "Über sieben Brücken" präsentierten, setzten sie die Erfolgsgeschichte fort. Beide Songs führten die DDR-Jahrescharts an, wodurch auch das Label AMIGA nicht mehr an KARAT vorbei kam.

Bereits 1979 wurde das zweite Album Über sieben Brücken bei Amiga herausgebracht.

Im Jahre 1978 gewannen Karat ihren ersten Preis. Im gleichen Jahr gewannen sie den „Kunstpreis der FDJ“, „Grand Prix beim internationalen Schlagerfestival“ und den „Preis der Presse“.

Die Teilnahme der Rockband an einem Schlagerfestival kommentierte Herbert Dreilich später wie folgt: „Wir haben das gerne angenommen, denn wir waren und sind heute noch der Meinung, man sollte nicht in Schubladen denken. Schlager, Pop und Rock, da sind die Grenzen doch fließend. Weshalb sollten wir so ein internationales Podium nicht nutzen? Es konnte doch nur von Vorteil sein!“

Im Herbst 1979 spielte KARAT erstmals in der BRD, und das Westlabel Teldec veröffentlichte das Album "Albatros", das bis auf einen ausgetauschten Titel ("König der Welt" für "He Mama") der Amiga-LP entsprach. Das Album erreichte später Goldstatus!

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Nach der dritten LP "Schwanenkönig", die sowohl auf AMIGA als auch bei der Teldec (mit anderem Cover) erschien, folgte im Jahre 1982 der größte Erfolg der Band.

Beim Auftritt zum Weltfriedenstag in Ostberlin stellte KARAT erstmals die Single "Der blaue Planet" vor. Das gleichnamige Album folgte in Ost wie West gleichermaßen (wieder mit unterschiedlichen Covern). Die LP hielt sich in der BRD 48 Wochen lang in den Top 100 Album-Charts und kletterte bis auf einen beachtlichen 8. Platz.

Damit war Karat die erste Ostband, die einen Top 10-Hit in der BRD landen konnte. "Der blaue Planet" wurde Karats erstes Gold-Album.

Im Jahre 1985 veröffentlichte die Band ihr erstes Live-Album. Es war eine Doppel-LP (bis heute noch nicht vollständig auf CD veröffentlicht) mit dem Titel "Auf dem Weg zu Euch", die im Westen wieder mit anderem Coverartwork und dem simpleren Namen "Karat Live" erschien.

Zahlreiche Konzertreisen im In- und Ausland und eine weitere LP ("Die sieben Wunder der Welt") folgten.

Im Jahre 1986 drehte sich wieder das Personalkarussell. Zuerst stieg Henning Protzmann aus und wurde durch Christian Liebig ersetzt. Nach Veröffentlichung des Albums "Fünfte Jahreszeit" ging auch Ed Swillms endgültig, so dass der inzwischen schon seit zwei Jahren bei Karat spielende Thomas Kurzhals (1984 von der Stern-Combo Meißen gekommen) nun der alleinige Keyboarder war, der sich fortan auch wesentlich mehr im kompositorischen Bereich zeigen konnte.

Bis 1990 veröffentlichte KARAT mit "...im nächsten Frieden" nur noch ein weiteres Album. Die zeitlich recht kurz geratene LP "...im nächsten Frieden" erschien bei AMIGA und auf einem kleinen Label im Westen. Die Platte ging in den Wirren der Wende nahezu unter.

Die Zeit nach der Wende

Das erste Album im vereinten Deutschland erschien im Jahre 1991 und hieß schlicht "KARAT". Nach der Veröffentlichung der Scheibe und ausbleibendem Erfolg sowohl in den Charts als auch beim Live-Spiel verließ Thomas Kurzhals die Band, um sich nur noch auf sein Tonstudio konzentrieren zu können. Im Jahre 1992 wurde die freie Stelle an den Tasten durch Martin Becker besetzt.

Ab 1994 entdeckten die alten Fans (aber auch viele neue Musikfreunde) die deutsche Musik wieder, und auch die Auftrittsmöglichkeiten mehrten sich zusehens. Pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum produzierte die Gruppe KARAT ihre zehnte LP "Die geschenkte Stunde". Das Jubiläumskonzert auf der Berliner Trabrennbahn Karlshorst, bei dem auch die Puhdys, City, Ute Freudenberg und Hans die Geige zum Gratulieren kamen, war fast ausverkauft!

Die Gruppe KARAT berappelte sich wieder und auch die TV-Auftritte nahmen wieder zu. Knapp drei Jahre später erschien das 11. Album der Band mit dem Titel "Balance".

Gesundheitliche Probleme und der Tod von Herbert Dreilich

Während eines Konzerts der "Balance"-Tour in Magdeburg im Jahre 1997 erlitt Frontmann Herbert Dreilich auf der Bühne einen Schlaganfall. Bereits ein Jahr später, aber sichtlich gezeichnet von diesem gesundheitlichen Schlag, stand Herbert bei einem Konzert von Peter Maffay erstmals wieder auf einer Bühne.

Im Jubiläumsjahr 2000 erschien bei der BMG/Amiga die Doppel CD "Ich liebe jede Stunde", eine Best Of-Kopplung mit diversen neuen Titeln und einigen Neuaufnahmen. Das Jubiläumskonzert in der Berliner Wuhlheide am 9. September fand vor knapp 20.000 Menschen statt. Auch Peter Maffay ließ es sich nicht nehmen, der Band auf der Bühne zu gratulieren und gemeinsam mit Herbert Dreilich die Titel "Über sieben Brücken" und "Mich zwingt keiner auf die Knie" zu singen.

Im Sommer des gleichen Jahres wurde bei Herbert Dreilich Krebs diagnostiziert. Sämtliche Konzerte und TV-Termine mussten deswegen abgesagt werden. Doch schon im Dezember, ein paar Tage nach seinem Geburtstag, hatte Herbert Dreilich den schwersten Kampf seines Lebens verloren. Er starb am 12. Dezember 2004 im Alter von 62 Jahren.

Herbert Dreilich wurde am 5. Dezember 1942 in Mauterndorf geboren und verstarb am 12. Dezember 2004 in Berlin. Er war ein deutscher Rockmusiker und Frontmann der Band "Karat".

Herbert Dreilich war ein deutscher Rockmusiker, der am 5. Dezember 1942 in Mauterndorf geboren wurde und am 12. Dezember 2004 in Berlin verstarb.

Nach einem Schlaganfall 1997 erkrankte Dreilich 2003 an Leberkrebs, dem er im Alter von nur 62 Jahren erlag.

Neubeginn mit Claudius Dreilich

Am 10. Januar 2005 gab die Gruppe KARAT bekannt, dass sie mit dem Sohn von Herbert Dreilich einen neuen Sänger gefunden hatte. Claudius Dreilich sollte fortan den Posten am Mikrophon bekleiden. Die Ähnlichkeiten mit der Stimme seines Vaters ließen beim ersten Konzert der Band nach Herberts Tod die Fans und Pressevertreter gleichermaßen in Jubel verfallen.

Im Frühjahr 2005 stellte die Band in der Samstagabend TV-Show "Willkommen bei Carmen Nebel" ihre erste Single mit neuem Sänger vor: "Melancholie". Interessante Randnotiz: Der Song stammt aus der Feder von Hans-Joachim Neumann, der bis 1977 selbst Sänger von Karat war.

Ebenfalls im Frühjahr vermeldet die Gruppe, dass zukünftig wieder Ulrich "Ed" Swillms als ständiger Gast mit ihr unterwegs sein würde. Bei einigen ausgewählten Konzerten konnte man Ed ab Mai 2005 wieder mit seiner alten Band auf der Bühne sehen.

Im Herbst des Jahres wurden die Band und ihre Fans gleichermaßen geschockt, als die Witwe von Herbert Dreilich der Gruppe die Verwendung des Namens KARAT, den sich Herbert zu Lebzeiten beim Patentamt in München hatte sichern lassen, untersagte und ihnen ab 1.1.2006 keine weitere Genehmigung zur Verwendung des Bandnamens gab.

Am 19. Juni 2007 entschied ein Landgericht Berlin, dass die Musiker der Gruppe den Namen "KARAT" wieder verwenden dürfen.

Die 10er Jahre

Im Jahre 2010 feierte die Gruppe den 35. Bandgeburtstag. Im März des Jahres erschien ein von Christine Dähn geschreibenes und unter Mitwirkung der Musiker entstandenes Buch ("Über sieben Brücken"). Einen Monat später - pünktlich zum Tourstart - wurde das neue Album "Weitergehn" veröffentlicht.

Im Spätsommer 2014 erschien das Album "Rock Legenden", ein Gemeinschaftswerk der Gruppe KARAT mit den Kollegen der Bands PUHDYS und CITY. KARAT ist auf diesem Album mit ihren Versionen der Songs "Glastraum" (im Original von CITY), "An den Ufern der Nacht" (im Original von den PUHDYS) und "Eiszeit" (im Original von Peter Maffay), sowie beim Song "Sternstunden" und "Wir sind wir" zusammen mit den anderen Bands zu hören.

Das Jahr 2015 stand ganz im Zeichen des 40. Bandgeburtstags. Mit "Seelenschiffe" erschien ein neues Studioalbum beim neuen Label Electrola/Universal. Ein neues Studioalbum ließ nicht lange auf sich warten. "Labyrinth" erschien im Herbst 2018.

Die 20er Jahre

Nicht weniger für Verwunderung sorgten zwei Personalentscheidungen im Herbst 2022. Zuerst stieg Michael Schwandt bei KARAT aus. Grund dafür sollen interne Streitigkeiten gewesen sein. Kurz darauf wurde bekannt, dass man sich von Christian Liebig getrennt hatte. Nähere Gründe dafür nannte die Band nicht.

Das 50-jährige Jubiläum

Die Berliner Kultband KARAT feiert 2025 ihr 50jähriges Jubiläum. 50 Jahre - das sind zwei Generationen und fast ein Leben. Die heute den 50. Bandgeburtstag feiern, kommen zum Teil aus anderen Generationen, bieten von ihrer Lebenserfahrung her ein breit gefächertes Spektrum.

Mit einer umfangreichen Tournee, die mindestens so viel Konzerte wie die Band an Jahren hat, mit einem neuen Album, einer TV-Doku, einem neuen Buch und einer großen Jubiläums-Kreuzfahrt mit der AIDAdiva nach Norwegen im nächsten Mai werden KARAT fünf Jahrzehnte Revue passieren lassen und damit auch an die verstorbenen Musiker Herbert Dreilich, Thomas Kurzhals sowie Ed Swillms erinnern.

Bandmitglieder

Aktuelle Mitglieder:

  • Claudius Dreilich (Gesang)
  • Bernd Römer (Gitarre)
  • Martin Becker (Keyboard)
  • Daniel Bätge (Bass)
  • Heiko Jung (Schlagzeug)

Ehemalige Mitglieder:

  • Herbert Dreilich (Gesang)
  • Henning Protzmann (Bass)
  • Ulrich "Ed" Swillms (Keyboard)
  • Thomas Kurzhals (Keyboard)
  • Christian Liebig (Bass)
  • Michael Schwandt (Schlagzeug)
  • Hans-Joachim Neumann (Gesang)
  • Konrad Burkert (Schlagzeug)
  • Ulrich Pexa (Gitarre)
  • Christian Steyer (Keyboard)
  • Thomas Natschinski (Keyboard)

Diskographie (Album-Übersicht)

Ihr erstes Album hat Karat 1978 veröffentlicht. Das Debüt-Album trägt den Titel „Karat“. Ein Jahr später brachten sie das Album „Über sieben Brücken“ raus, welches sieben Wochen in den deutschen Charts stand. Karats erfolgreichstes Album ist das 1982 erschienene Album „Der blaue Planet“. Karats aktuelles Album erschien 2020 und trägt den Titel „Labyrinth“.

  • 1978: Karat
  • 1979: Über sieben Brücken
  • 1979: Albatros
  • 1980: Schwanenkönig
  • 1982: Der Blaue Planet
  • 1984: Die sieben Wunder der Welt
  • 1985: 10 Jahre Karat - Auf dem Weg zu Euch
  • 1987: Fünfte Jahreszeit
  • 1990: …im nächsten Frieden
  • 1991: Karat (1991)
  • 1992: vierzehn Karat - Die größten Hits
  • 1995: Die geschenkte Stunde
  • 1997: Balance
  • 1998: sechszehn Karat - Ihre größten Hits
  • 2000: Ich liebe jede Stunde
  • 2001: 25 Jahre - Das Konzert
  • 2003: Licht und Schatten
  • 2005: 30 Jahre Karat
  • 2010: Weitergeh´n
  • 2013: Symphony
  • 2014: Rock-Legende (Puhdys, City, Karat)
  • 2015: Rock-Legende-Live (Puhdys, City, Karat)
  • 2015: 40 Jahre-Live von der Waldbühne Berlin
  • 2015: Seelenschiffe
  • 2017: Rock-Legende- Vol.2 (Puhdys, City, Karat)
  • 2018: Labyrinth

Auszeichnungen

Neben vielen weiteren Preisen gewann Karat vier Mal die „Goldene Schallplatte“ und drei Mal den „nl-Interpretenpreis“.