Michael Kuhr: Vom Kickbox-Weltmeister zum bekanntesten Türsteher Deutschlands

Michael Kuhr ist Deutschlands bekanntester Türsteher und Inhaber einer Security Firma in Berlin. Seine Karriere begann jedoch im Kampfsport, genauer gesagt im Kickboxen.

Kickboxen: Eine Einführung

Kickboxen (englisch: Kickboxing) ist eine Kampfsportart, bei der neben Boxtechniken auch Tritttechniken erlaubt sind. Es ist eine Weiterentwicklung von Karate und Taekwondo und wurde erfunden, um interdisziplinäre sportliche Wettkämpfe austragen zu können. Im Regelwerk der einzelnen Kickboxverbände finden sich Unterschiede und Abweichungen zum Beispiel bei der erlaubten Trefferfläche oder ob der Gegner gehalten werden darf.

Tiefschläge sind immer tabu, jedoch sind in manchen Verbänden Tritte auf die Oberschenkel (Lowkicks) wie beim Muay Thai oder Thaiboxen erlaubt. Verbandsabhängig unterschiedlich geregelt ist auch die Verwendung von Handdrehschlägen (Spinning back fist) und Fußfegern (Techniken, mit denen der Gegner aus dem Gleichgewicht gebracht wird). Allen Verbänden gemeinsam ist das Verbot des Schlagens auf den Rücken und auf Gegner, die am Boden liegen, sowie das Werfen (Takedown) des Konkurrenten.

Im Kickboxen wird unterschieden zwischen Semikontakt, Leichtkontakt und Vollkontakt. Parallel zum Boxen startete Vitali Klitschko seine Karriere im Kickboxen.

Michael Kuhrs Anfänge im Kickboxen

Auch Michael Kuhr startete seine Karriere als Kickboxer und wurde als Amateur zehnmal Deutscher Meister, viermal Europameister und 1985 Weltmeister der WAKO. Nach seinem Wechsel in das Profilager wurde er 1990 erster deutscher Profi Kickbox-Weltmeister.

Lesen Sie auch: Hinter den Kulissen des Kämpfers: Michael Smoliks persönlicher Kampf

Bereits im Alter von nur 12 Jahren betrat Michael Kuhr zum ersten Mal das Sportstudio Blankenburg in der Luxemburger Straße in Berlin Wedding. Er wollte TAE-KWON-DO lernen. Sehr schnell wurde Michaels außergewöhnliches Talent vom Trainer P. Blankenburg erkannt und zielgerichtet gefördert. Charakterzüge, die auch heute noch den Grundstein für dauerhaften Erfolg legen. Er wurde in der Klasse bis 57 kg auf Anhieb Berliner Meister. Seine erste wirkliche Bewährungsprobe stand dann mit nur 16 Jahren bevor: die Deutsche Meisterschaft im Full-Contact Kick-Boxen. Diesen Erfolg konnte Michael noch 9-mal wiederholen. Im Jahr 1979 wurde er bei den Weltmeisterschaften in Florida als 17-Jähriger Vize-Weltmeister. Später wechselte er ins Profilager. Seine ersten Erfahrungen sammelte er im Judo und Boxen. 1965 wechselte zu Georg Brückner um Tae Kwon Do zu lernen.

Vom Kickboxer zum Bodyguard

Michael Kuhr, 1962 in Berlin geboren, ist sechsfacher Weltmeister im Kickboxen. 1994 gründete er die Sicherheitsfirma Kuhr Security und betreut zusammen mit über 50 Angestellten Hotels, Firmen, Großveranstaltungen und Prominente in Sicherheitsfragen. Seine „Türsteher“-Videos sind Kult im Internet, sie wurden bei YouTube insgesamt über 7 Millionen Mal angeklickt, darüber hinaus wurde er bereits von mehreren Fernsehteams bei seinen Einsätzen begleitet.

Michael Kuhr ist Bodyguard und kümmert sich mit seinen rund 50 Mitarbeitern um die Sicherheit von Prominenten, einflussreichen Geschäftsleuten und Veranstaltungen. Er begleitet Stars wie Sarah Connor und Mario Adorf über den roten Teppich und er sorgt dafür, dass Events wie die Bambi-Verleihung sicher über die Bühne gehen. Er erzählt von seinem spannenden Alltag als Beschützer der Schönen und Reichen, aber auch von der dunklen Seite der Hauptstadt, wo er »Pate von Berlin« genannt wird. Denn seine Sicherheitsfirma Kuhr Security betreut zahlreiche Diskotheken, seine Männer kontrollieren Nacht für Nacht den Einlass. Michael Kuhr hat die Macht, zu entscheiden, wer reinkommt und wer nicht. Und damit die Macht darüber, ob Drogen und Prostitution in die Clubs gelangen. Er arbeitet konsequent mit der Polizei zusammen und verhindert so, dass die Unterwelt immer mehr Einfluss gewinnt.

Rund dreißig Jahre arbeitet er schon als Türsteher und Bodyguard, er ist einer der bekanntesten Personenschützer des Landes. Lady Gaga, Leonardo DiCaprio, Usain Bolt - die Prominentenliste, die sich von seiner Firma schützen lassen, ist lang.

Kuhrs Autobiografie: "Bodyguard - Zwischen High Society und Unterwelt"

Nun ist Kuhrs Autobiografie "Bodyguard - Zwischen High Society und Unterwelt" erschienen. Darin erzählt Kuhr, wie er in einfachen Verhältnissen in Wedding aufwuchs. In Geschichten von der ersten Liebe, dem Arbeitsalltag als Postbote und seinen WM-Kämpfen inszeniert Kuhr sein Leben wie eine deutsche Version des amerikanischen Traums. Besonders brüstet er sich mit seinem Verhältnis zur Unterwelt. "Ich kenne die alle. Aber jeder weiß - mit dem Kuhr kann man feiern, trinken, aber man kann ihm nicht alles erzählen. Ich bin der verlängerte Arm der Polizei."

Lesen Sie auch: Schweizer Star kämpft in Taiwan

Ebenso das zentrale Anliegen seines Buches. "Der Kampf gegen die Unterwelt ist in Berlin so gut wie verloren", orakelt er darin. Arabische Clans würden immer stärker, sagt er, glaubten sich allmächtig.

Michael Kuhr im Gespräch

Mit flinken Schritten eines muskulösen Pit Bulls läuft Michael Kuhr durch die Lobby des Soho-Houses in Mitte. Zur Glatze trägt er Sonnenbrille. Das weiße Hemd hat er weit aufgeknöpft. "Ich bin kein normaler Türsteher", sagt er und lächelt. "Ich bin eher ein Priester!"

Gewalt gehört zu Kuhrs Alltag. Es gibt ein Video, in dem man den heute 49-Jährigen im Streit mit einem jungen, arabisch aussehenden Mann sieht, den er an der Tür zu einem Club abweist. "Ich fick dich, ich fick deine Mutter", provoziert er Kuhr. Der bleibt gelassen. "Ich kenn dich doch, ich hab doch deinen Bruder trainiert", sagt Kuhr und zückt sein Handy. "Wenn ich den anrufe, der wird dir wahrscheinlich richtig den Arsch versohlen." Damit ist der Streit beendet - der Pöbler sucht das Weite. Dabei hatte Kuhr die Nummer gar nicht, erzählt er. "Manchmal musst du tricksen."

Endgültig auf ideologisches Glatteis begibt sich Kuhr, wenn er von Ausländern als Urheber zunehmender Brutalisierung spricht. Gerade weil er, wie er sagt, mehr ausländische Freunde habe als deutsche, kämpfe er für ihr Ansehen. Aber: "Zehn Prozent der Ausländer spielen hier Wilder Westen." Hätte er genug Macht und Geld, würde er mehr Polizei auf die Straße schicken. Und wenn er noch mal von vorn anfangen könnte, dann würde er vielleicht, wie könnte es anders sein, in die Politik gehen.

Hall of Fame des Kickboxens

In der „Hall of Fame“ werden all diejenigen Sportler und Funktionäre aufgenommen, die durch ihre Taten und Leistungen den Kickboxsport nach vorne gebracht haben. Ohne diese Persönlichkeiten würde es den Sport Kickboxen in dieser Form nicht geben.

Lesen Sie auch: Kickbox-Legende Michael Berk

Name Leistungen
Georg F. Brückner Gründer der Sportart Kickboxen, "Vater des Kickboxsports", Gründer der WAKO.
Dr. Ludger Dietze Weltmeister im Semikontakt, Bundestrainer, Vizepräsident der WAKO.
Ferdinand Mack Viermal Europameister und viermal Weltmeister der Amateure, Europameister der PKO, Intercontinental Champion der ISKA, Bundestrainer.
Peter Zaar Vier Deutsche Meistertitel, Bundestrainer im Leichtkontakt Kickboxen, Präsident der WAKO Deutschland.
Peter Harbrecht 3x Deutschen Meister, 3x Europameister und 1x Weltmeister.
Andreas Riem Einzel- und Mannschaftsweltmeister im Semikontakt Kickboxen, Bundestrainer im Semikontakt Kickboxen.
Birgid Sasse 3-fache WAKO Weltmeisterin und 3-fache Tae Kwon Do Weltmeisterin, Deutschlands erfolgreichste Leichtkontakt Kickboxerin und Taekwondo Kämpferin.