Es duftet nach Advent. Nach Früchtetee und der gerade angezündeten Kerze. Herbert Dreilichs Tochter Christina, 41 Jahre alt, schaut aus dem Fenster, sucht nach den richtigen Worten. Es fällt ihr nicht leicht, über ihren Vater zu sprechen. Sie hat sich lange, sehr lange zurückgehalten. Noch nie hat sich die Krankenschwester aus Erfurt öffentlich über ihren berühmten Vater geäußert. Doch jetzt ist alles anders. Wir treffen uns in ihrer kleinen Drei-Raum-Wohnung im Zentrum der Blumenstadt. Christina will loswerden, was ihr sehr am Herzen liegt. Und sie sagt es gleich am Anfang des Gesprächs: „Mein Bruder ist der legitime Nachfolger meines Vaters.
Frühe Jahre und musikalische Anfänge
Herbert Dreilich wurde am 5. Dezember 1942 im österreichischen Mauterndorf bei Salzburg geboren. Im Jahre 1950 folgten zuerst eine Übersiedlung in die BRD und dann jahrelange Aufenthalte bei Verwandten in England. Das Verhältnis zu seinem Vater soll nicht so gut gewesen sein, wie sich ein Freund heute noch erinnert. Dies war wohl auch der Grund, weshalb seine Mutter mit ihm zusammen im Jahre 1959 schließlich nach Halle/Saale auswanderte.
Ebenfalls im Jahre 1959 begann Herbert eine Lehre zum Gebrauchswerber (heute sagt man Fachmann für Schaufenstergestaltung), die er 1962 auch abschloss. Anschließend arbeitete er auch eine Zeit lang in diesem Beruf. Das Spielen auf der Gitarre hatte der junge Herbert autodidaktisch erlernt, als Sänger war er ein Naturtalent. Eigentlich wollte er als Musiker mehr im klassischen Bereich und weniger beim Rock sein Glück finden. Er hatte eine Laufbahn als Harfenist ins Auge gefasst, das Spielen auf der Harfe erlernt und damit auch ein Studium angestrebt. Da dieses Instrument in der Klassik eher für Frauen vorgesehen war, verwarf er seinen Plan wieder.
Ein Jahr nach dem Umzug in die Leopoldina-Stadt Halle fand Dreilich als Gitarrist und Sänger seinen Einstieg in die lokale Musikszene. Er schloss sich im Jahre 1960 den dort bereits aktiven JAZZ YOUNGSTERS an und spielte Gitarre. Mit ihm zusammen waren dort u.a. Reinhard Lakomy am Piano und Ecke Bethmann am Schlagzeug aktiv. Einige Zeit später spielte er parallel dazu auch noch in der Leipziger Band BELL BOYS, zusammen mit den Gebrüdern Barthel, Ecke Bethmann und Sieghart Schubert. Im Jahre 1965 schloss sich Herbert als Gitarrist und Sänger der Gruppe BLAU GOLD DELITZSCH an.
Bei einem Auftritt dieser Kapelle zum Pressefest auf der Peißnitzinsel in Halle/Saale lernten sich Herbert und die Musiker Rudolf Lecke und Jörg Dobersch kennen und freundeten sich an. Einige Monate später gründeten die drei Freunde zusammen mit Gregor Stenzel die Gruppe HALNICS, in der Herbert bis ins Jahr 1967 spielte. Dort machte der junge Musiker dann auch erstmals Bekanntschaft mit staatlichen Restriktionen. Von der Stadträtin für Kultur, so erinnert sich sein Musikerkollege Rudi Lecke heute noch, hatte Herbert ein Spielverbot ausgesprochen bekommen. Dies wurde aber geschickt hintergangen: Die für einen Auftritt in der DDR nötige Spielerlaubnis wurde vom damaligen Manager, Joachim Hühnefeld, von der Halleschen UNI JAZZ BAND besorgt, mit der die Gruppe dann zusammen mit dem unter Spielverbot gestellten Herbert Dreilich wieder auftreten konnte.
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Der Weg zu Karat
Im Jahr 1967 zog es den jungen Herbert u.a. auch deswegen nach Berlin, wo er seine Profilaufbahn als Musiker startete. Seine erste Station dort waren die MUSIC-STROMERS, eine ehemalige Skiffle-Band, die inzwischen im Bereich Beat-Musik aktiv war. Hier spielte er u.a. gemeinsam mit Gerhard "Hugo" Laartz, dem späteren Gründer der MODERN SOUL BAND, und Udo Reichel. Dreilich war dort u.a. auch dafür verantwortlich, dass erste eigene Titel entstanden. Damals noch instrumental und ohne Texte, die beim Publikum aber extrem angesagtm waren. Durch die steigende Popularität der Band holte ihn bei den MUSIC-STROMERS die Vergangenheit wieder ein. Wie auch in der Zeit in seiner Heimatstadt Halle/S. musste er 1968 die Erfahrung machen, dass seiner Band von Seiten der Behörden ein Auftrittsverbot ausgesprochen wurde. Ein Problem, mit dem zu dieser Zeit viele Bands im ganzen Land zu kämpfen hatten, das speziell Herbert aber ein weiteres Mal ausbremste.
Nach dem Aus der MUSIC-STROMERS schloss sich Dreilich noch im gleichen Jahr dem HENRY KOTOWSKI QUINTETT und - als Ersatz für den zur Volksarmee eingezogenen Quaster Hertrampf - den PUHDYS an. Die PUHDYS waren damals aber noch weit davon entfernt, eigene Lieder zu spielen oder ein eigenes Profil zu haben. Es war zu diesem Zeitpunkt eine reine Coverband und Herberts Zeit dort nur kurz. Ihn zog es im Jahre 1969 zu den ALEXANDERS, wo er auf ehemalige Kollegen wie Reinhard Lakomy und Udo Reichel, aber auch auf Kollegen traf, mit denen er später große Erfolge feiern sollte, nämlich Henning Protzmann und Ed Swillms. Mit den ALEXANDERS gab es auch erste Studioproduktionen. Beim Rundfunk der DDR produzierte die Gruppe die Lieder "Honigmond", "Hoffnung" und "Nachts", die häufig im Rundfunk gespielt wurden.
Im Jahre 1970 verließ Herbert zusammen mit Johannes Lemke, Ulrich "Ed" Swillms, Henning Protzmann und Joachim Schmauch die ALEXANDERS und gründete mit diesen und einigen anderen Kollegen, z.B. Frank Hille und Veronika Fischer, die Gruppe PANTA RHEI. Zwischen 1971 und 1974 gehörte Herbert dieser All-Star-Truppe an, in der die Creme de la Creme der ostdeutschen Musikszene gemeinsam musizierte. Ein Album (1973), drei Singles und eine Vielzahl von Rundfunk- und Live-Produktionen, die Jahre später erst auf Platte und CD erschienen sind, sind Dokumente des kreativen Schmelztiegels aus dieser Zeit, wobei die letzte Single ("Stunden") bereits unter Herberts Namen mit dem Zusatz "und die Gruppe Panta Rhei" erschienen ist. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits viele der Kollegen ausgestiegen und hatten sich anderen Bands angeschlossen. Protzmann hatte z.B. gerade den Grundstein für seine neue Band KARAT gelegt. Darum gilt die Single "Stunden" auch als ein Zwischending aus Band- und Solo-Platte.
Nachdem sich die Gruppe PANTA RHEI ab 1974 Stück für Stück auflöste, hing Herbert ein wenig in der Luft. Für ihn hatte sich noch keine neue Band aufgetan, der er sich hätte anschließen können. Dafür produzierte er beim Rundfunk der DDR eine Reihe von Kinderliedern. Die dabei entstandenen Titel "Thomas, unser Neuer in der Klasse" (hier stand Herberts jüngerer Bruder Thomas Pate), "Die Lehrerin", "Lied über die Wochentage" und "Marie, die Verkehrspolizistin", die allesamt aus Herberts Feder stammen, wurden damals aber nicht auf Platte veröffentlicht. Warum sie im Studio produziert, letztlich aber nicht veröffentlicht wurden, lässt sich heute nicht mehr klären.
Bei Henning Protzmanns neuer Band KARAT war indes der Pianist Christian Steyer nach nur wenigen Wochen wieder ausgestiegen. Henning suchte deshalb einen Ersatz und hatte Ed Swillms ganz oben auf seiner Wunschliste stehen. Als Henning Ed fragte, ob dieser sich seiner Band anschließen wolle, machte er zur Bedingung, dass auch Herbert als Sänger mitkommen müsse. Herbert und Ed waren damals nicht nur befreundet, Ed fühlte sich durch Herbert außerdem stark inspiriert, Musik zu schreiben, quasi ihm direkt auf den Leib zu schneidern. Diese Energie wollte Ed nicht verlieren und deshalb zukünftig nur gemeinsam mit Herbert arbeiten. Henning wollte Ed bei KARAT unbedingt mit an Bord haben, und obwohl er mit Neumi Neumann seinen Sänger längst gefunden hatte, ließ er sich nicht ganz freiwillig auf den von Ed vorgeschlagenen Deal ein und holte Herbert als zweiten Sänger mit in die Band. Ab 1975 gehörte Herbert Dreilich somit der Gruppe KARAT an.
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Erfolge mit Karat
Mit ihr feierte Herbert Dreilich die größten Erfolge seiner musikalischen Laufbahn. Ab 1978 und dem Ausstieg von Neumi war Dreilich schließlich auch der alleinige Sänger, der fortan bei KARAT - mit einer einzigen Ausnahme, nämlich "Der Spieler" - alle Lieder sang. Die Geschichte der Band ist bekannt und kann HIER auch nachgelesen werden. KARAT und Herbert wurden auf beiden Seiten der Mauer mit Auszeichnungen überhäuft und die Band war die bekannteste DDR-Gruppe im Westen, gekrönt von einer Goldenen Schallplatte für das 1982er Album "Der blaue Planet" und einer "Goldenen Europa".
Doch trotz aller Erfolge gab es innerhalb der Band immer wieder Reibereien. Das Verhältnis zwischen Bandchef Henning Protzmann und Herbert Dreilich war von Anfang an ziemlich unentspannt. Dies steigerte sich mehr und mehr zu einem direkten Machtkampf, der Mitte der 80er zum Höhepunkt kam. Henning wollte Herbert 1985 aus der Band raus haben und einen neuen Sänger installieren. Erste Unternehmungen in diese Richtung waren wohl auch schon seitens Protzmann unternommen worden, kamen aber nicht zum Abschluss. KARAT ohne Herbert war für die Kollegen undenkbar, weshalb Herbert letztlich auch als Sieger dieses Machtkampfs hervor ging. Henning verließ die Band kurz nach der Tour zum 10-jährigen Bestehen entnervt und entkräftet.
Der interne Machtkampf brachte aber noch weitere Opfer mit sich, denn auch der gesundheitlich vorher schon angeschlagene Ed Swillms zog sich nun komplett zurück, so dass Herbert und sein Kollege Thomas Kurzhals ab sofort für die kreativen Dinge allein verantwortlich waren. Die beiden teilten sich auf Konzertreisen nicht nur ein Hotel-Zimmer, sondern steckten in Bezug auf das Schreiben neuer Lieder und bei den Produktionen im Studio die Köpfe zusammen. Nach Kurzhals' Ausstieg im Jahre 1991 übernahm Herbert die Aufgabe, neue Lieder und Platten zu machen, fast allein. Anfangs noch mit Kurzhals' Nachfolger bei KARAT, Martin Becker, entwickelte sich der kreative Prozess letztlich zu einer One-Man-Show.
Dreilich schrieb neue Lieder und suchte sich Partner, mit denen er diese im Studio einspielen konnte. Sein Freund Thomas Kurzhals erzählte dazu mal, dass sich Herbert diesbezüglich von seinem direkten Umfeld allein gelassen fühlte, weshalb er nach Hilfe von außen suchte. Seit den 80ern war es auch ein Wunsch, Lieder mit Peter Maffays Band aufzunehmen. Dazu kam es zu Lebzeiten jedoch nicht. Auf diese Weise wurde das letzte Album der Band, das vor seinem Tod entstand, nämlich "Licht und Schatten", im Jahre 2003 gemeinsam mit dem Produzenten und ROCKHAUS-Musiker Beathoven im Alleingang geschrieben, eingespielt und produziert. Die Kollegen aus seiner Band spielten dabei nur eine Nebenrolle (oder auch gar keine).
Gesundheitliche Probleme und Tod
Die letzten Jahre waren für Herbert Dreilich zudem von gesundheitlichen Problemen geprägt. Während eines Konzerts in Magdeburg erlitt der Sänger im Jahre 1997 einen Schlaganfall. Kurz vor dem Ende des Auftritts, direkt auf der Bühne. Obwohl er bereits kurze Zeit später sein Comeback mit einem Auftritt bei Peter Maffays "Begegnungen"-Tour feiern konnte, schleppte er die Folgen des Schlaganfalls in den letzten Jahren seines Lebens mit sich herum. So konnte er z.B. nicht mehr Gitarre spielen und langes Stehen war auch ein Problem. Bei den Konzerten stand für ihn deshalb immer ein Hocker auf der Bühne bereit, auf den er sich setzen und die knapp zwei Stunden Konzert leichter absolvieren konnte.
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Für das Jahr 2003 stand eine große Tournee an, die "Ostival-Tour" hieß und auf der neben KARAT auch noch andere ehemalige DDR-Bands "im Westen" mehrere Konzerte spielen sollten. Wenige Wochen vor dem Tour-Start begab sich Herbert aufgrund von gesundheitlichen Problemen in ärztliche Behandlung. Die gesundheitlichen Probleme hatten ihre Ursachen in einer schweren Krebserkrankung. Am Tag, an dem ihm das Ergebnis der Untersuchungen mitgeteilt wurde, hatte die Gruppe KARAT einen Fernsehtermin in Köln. Obwohl ihm die Ärzte rieten, sich umgehend in ein Krankenhaus zu begeben, trat er trotzdem in dieser Sendung auf und unterrichtete seine Band-Kollegen kurz vorher von seinem Gesundheitszustand.
Dieses Verhalten, entgegen ärztlichem Rat doch aufzutreten, zeigte nur, wie sehr ihm sein Beruf als Musiker am Herzen lag und wie wichtig ihm eine eingegangene Verpflichtung wie diese TV-Aufzeichnung war. Die Dramatik um seine Person war dem Auftritt letztlich in keiner Sekunde abzulesen. Er wurde leider zu seinem letzten. Herbert Dreilich stemmte sich über ein Jahr mit all seinen Kräften gegen die Krankheit, verlor den ungleichen Kampf aber am 12. Dezember 2004. Er starb in seinem Haus in Berlin. Mit ihm verlor die Musikwelt eine der einzigartigsten Stimmen und die Gruppe KARAT ihr Gesicht, ihre Seele und ihre Wiedererkennbarkeit. Herbert Dreilich wurde auf dem Biesdorfer Friedhof in Berlin beigesetzt.
Das musikalische Erbe: Claudius Dreilich übernimmt
In der Zeit zwischen der Diagnose im Sommer 2003 und Herberts Tod im Dezember 2004 schrieb der Musiker noch neue Lieder, die er teils als Demos im eigenen Studio aufnahm. Die Gruppe KARAT weigerte sich aber, diese nach seinem Tod im Studio aufzunehmen und unter "ihrem" Namen zu veröffentlichen. Was zu Lebzeiten nicht klappte, wurde deshalb nach seinem Tod doch Peter Maffay möglich gemaöcht: Herberts letzte Lieder wurden mit seiner Band im Studio eingespielt. Die Lieder, die Herbert vor seinem Tod nicht mehr selbst singen und seinen Gesang dabei auf Demo-Bändern aufzeichnen konnte, wurden stattdessen von Petra Zieger, Thomas Natschinski und Peter Maffay gesungen. Die so produzierten Lieder erschienen im Jahre 2005 auf der zweiten CD des Jubiläums-Albums "30 Jahre KARAT".
Noch nie hat sich die Krankenschwester aus Erfurt öffentlich über ihren berühmten Vater geäußert. Ihr Bruder, das ist Claudius Dreilich, der Sohn aus Herbert Dreilichs zweiter Ehe mit Uta Schnelle (starb 2003). Er hat die Nachfolge seines Vaters nach dessen Tod (am 12. Dezember 2004) als Lead-Sänger der Gruppe Karat angetreten. Mit „dieser Frau“ meint sie Susanne Dreilich, mit der Herbert seit 1994 verheiratet war. Sie hat der Band verboten, ab dem 1. Januar 2006 den Namen „Karat“ zu benutzen. Mit anderen Worten: Karat darf ab Neujahr nicht mehr Karat sein. Herbert Dreilich und Karat, so die Auffassung der Witwe, seien untrennbar verbunden.
„Ich habe die neuen Karat mit Claudius als Sänger in Erfurt gesehen“, sagt Christina, „das Konzert war einzigartig. Ich war begeistert, wie sehr mein Bruder das Publikum gefesselt hat. Auch deshalb, weil er in Stimme und Aussehen meinem Vater sehr ähnelt.“ Dieses Konzert am 9. Christina wurde 1964 in Halle geboren. Ihre Eltern sind Herbert Dreilich und seine damalige Frau Heide. Doch ihren Vater lernte sie kaum kennen, er verließ die Familie eineinhalb Jahre nach ihrer Geburt. Es gibt kaum Kontakt. Als sie ungefähr 14 Jahre alt war, fand sie es „schau“, dass ihr Vater der Sänger von Karat war. Sie nahm Kontakt auf, er lud sie ein, die Gruppe auf einigen Konzertreisen zu begleiten. Dabei lernte sie auch den damals achtjährigen Claudius kennen.
Wenn Christina darüber spricht, von den Briefen ihres Vaters, in denen er zu erklären versucht, warum er nie für seine Tochter Zeit hatte, dann versagt ihre Stimme, sie starrt die Wand an, wirkt traurig. Und verletzt. „Er verschwand aus meinem Leben, ich aus seinem“, sagt sie lakonisch. Vielleicht wäre es auch so geblieben, aber Christina hat eine Tochter: Anna, 16 Jahre alt, neugierig, fröhlich und Herbert Dreilichs einzige Enkelin. Sieh mal, hat sie zu ihrer Mutter gesagt, als sie davon erfuhr, dass ihr Onkel Claudius jetzt Frontmann bei Karat ist, wir sind doch eigentlich eine große Familie. Wir sollten uns kennen lernen. „Ich habe mich so gefreut, als mich meine Schwester nach dem Konzert in Erfurt ansprach“, erzählte Claudius Dreilich SUPERillu im Oktober. Seitdem haben sie oft telefoniert. Eine zersprengte Familie beginnt zueinander zu finden.
Susanne Dreilich hatte zu den Kindern ihres Mannes kaum eine Beziehung. „Vom Tod meines Vaters habe ich aus der Zeitung erfahren“, sagt Christina. Ihr Bruder, das ist Claudius Dreilich, der Sohn aus Herbert Dreilichs zweiter Ehe mit Uta Schnelle (starb 2003). Er hat die Nachfolge seines Vaters nach dessen Tod (am 12. Dezember 2004) als Lead-Sänger der Gruppe Karat angetreten. „Das war der Wunsch meines Vaters Herbert Dreilich. und der gesamten Band“, erinnert sich der Rock-Sänger.
Was Anfangs mit Skepsis betrachtet wurde, entwickelte sich zu einem vollen Erfolg. Dass er damit überzeugen kann, bewies er beim Jubiläumskonzert der Band im Jahr 2000 in der Berliner Wuhlheide. Vater Herbert Dreilich war vom Sohn überzeugt: „Du bist die Rampensau, Du kannst das“, so die Erinnerung von Claudius Dreilich. „Ich hätte aber nie gedacht, dass ich es schaffe. als Nachfolger seines berühmten Vaters den Erfolg weiterführen konnte. Sohn fühlte sich endgültig in die Pflicht genommen. „Karat war für mich immer wie eine große Familie. Die Band ist zugleich ein Unternehmen, an dem Familien hängen, die Musiker, die Techniker und viele mehr.
Natürlich war Claudius Dreilich klar, dass der Wechsel vom Manager-Posten zu Karat für ihn finanzielle Einbußen bedeutet. „Geld ist für mich nicht das Wichtigste. Die nutzt er für seine neue Freundin und um mit den Hunden ausgedehnte Waldspaziergänge zu machen. 1994 mit dem Karat-Frontmann verheiratet war, losgetreten hatte: „Mein Vater hatte irgendwann den Namen der Band schützen lassen, um zu verhindern, dass er missbraucht wird. Karat weiter existiert, mit mir als seinem Nachfolger. uns Lizenzgebühr für die Nutzung des Namens. auftreten.
Mit einer umfangreichen Tournee, die mindestens so viel Konzerte wie die Band an Jahren hat, mit einem neuen Album, einer TV-Doku, einem neuen Buch und einer großen Jubiläums-Kreuzfahrt mit der AIDAdiva nach Norwegen im nächsten Mai werden KARAT fünf Jahrzehnte Revue passieren lassen und damit auch an die verstorbenen Musiker Herbert Dreilich, Thomas Kurzhals sowie Ed Swillms erinnern. Sie werden aber auch mit jedem Ton deutlich machen, dass mit ihnen nach wie vor zu rechnen ist und sie weiterhin nicht zur Oldiekapelle mutieren.
Ehrungen und Andenken
Wenn man heute Weggefährten, Kollegen und Freunde nach Herbert Dreilich fragt, bekommt man ein einheitliches Bild von diesem Menschen. Man spricht in den höchsten Tönen von ihm - sowohl als Musiker, als auch als Mensch. Frank Lausch, ein Hallenser Musikant, erzählt z.B., dass Herbert in Halle noch immer hohes Ansehen genießt. Er sei ein Kumpel-Typ gewesen, "einer von uns", der nie vergessen habe, woher er kam. Für ihn sei es völlig normal gewesen, sich beim Besuch der Stammkneipe neben einen Kohlenfahrer an den Tisch zu setzen, einfach nur um sich zu erkundigen, wie es ihm gerade so geht.
Andere Kollegen berichten von Freundschaften, die über Jahrzehnte Bestand hatten und bis zu seinem Tod andauerten. Sie erzählen von Herzlichkeit, die der Mann ausstrahlte, von einem feinen Menschen, der nie bösartig oder unfreundlich war, und von tollen Erinnerungen an gemeinsam verbrachte Zeit. Herbert sei stets nah an den Leuten dran gewesen, kannte keine Star-Allüren und liebte seinen Beruf als Musiker. Um das Drumherum in der Musikszene wollte er sich nie kümmern, seine Energie war nur für den kreativen Part reserviert. Auch für das Internet hatte er nichts übrig - das war ihm suspekt. Das Organisatorische rund um seine Band überließ er ...
Herbert Dreilich wurde 1983 mit den anderen Mitgliedern von Karat mit dem Nationalpreis der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur ausgezeichnet. Für die Compilation Vierzehn Karat (1992) erhielt er 2010 posthum eine weitere Goldene Schallplatte.
Karat heute
Karat sind eine der Institutionen des Deutschrock. Gleich im ersten Jahrzehnt entstehen etliche Meilensteine, in der BRD ehrt man sie mit Goldenen Schallplatten, sie sind Gast bei „Wetten dass…“ und Peter Maffay feiert seinen bisher größten Hit mit dem Karat-Cover „Über sieben Brücken musst du gehn“ - das alles war nicht nur höchst erfreulich, sondern eine Sensation - für eine Band aus dem Osten.
Eine neue Ära beginnt mit der vierten Dekade, denn mit Claudius Dreilich als neuem Sänger erleben KARAT den Glücksfall, dass die Band den schweren Abschied zur Chance für die Zukunft umgedeutet hat. Und sie bleiben erfolgreich: Neben vielen eigenen Tourneen sind sie Teil der „Ostrock Klassik“-Konzerte, holen sich für eine Weihnachtstour ein A cappella-Frauenquintett dazu, kollaborieren mit den Kieler Philharmonikern und freuen sich über die Interpretationen ihrer Songs von (u.a.) Helene Fischer, Chris de Burgh und Max Raabe. Nicht zuletzt gibt es mal wieder eine Goldene Schallplatte (2010 für „Vierzehn Karat“) und fünf Jahre später die Goldene Henne.
Die fünfte Dekade steht ebenso für einen weiteren Besetzungswechsel: Daniel Bätge sowie Heiko Jung sind die Neuzugänge an Bass beziehungsweise Schlagzeug. Man kennt die gestandenen Musiker beispielsweise aus ihrer Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg, Wolfgang Niedecken, Jan Josef Liefers oder Clueso. Nun sorgen sie mit Groove, Leidenschaft und musikalischem Können für ein neues Energielevel bei KARAT.
Wichtige Daten im Überblick
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1942 | Geburt von Herbert Dreilich |
| 1975 | Herbert Dreilich wird Mitglied von Karat |
| 1978 | Herbert Dreilich wird alleiniger Leadsänger von Karat |
| 1982 | "Der blaue Planet" erhält Goldene Schallplatte |
| 1997 | Herbert Dreilich erleidet Schlaganfall |
| 2004 | Herbert Dreilich stirbt an Krebs |
| 2005 | Claudius Dreilich wird neuer Sänger von Karat |
