Judo startete eigentlich recht spät seine Geschichte im Rahmen der olympischen Sommerspiele. Premiere war erst 1964. Rein gefühlsmäßig glauben viele, dass Judo seit jeher Teil des olympischen Programms war, doch der Eindruck täuscht - umso mehr, wenn man an die Frauenbewerbe denkt.
Wichtig für den Judosport in der olympischen Geschichte waren auch die Jahre 1972 und 1980, als weitere Gewichtsklassen hinzugefügt wurden und somit eine ganze Reihe an Kämpfe möglich wurden, die die neuen Olympiasieger ermittelten. Doch blieb auch mit den Erneuerungen gleich, dass es sich um reine Männerbewerbe handelte. Das änderte sich erst im Jahr 1992, als auch die Damenbewerbe eingeführt wurden. Seither gibt es bei Frauen und Männer eine ganze Reihe an Gewichtsklassen und die Möglichkeit, um die Goldmedaille mitkämpfen zu dürfen, wobei die Gewichtsklassen natürlich auch nötig sind, um Gerechtigkeit zu ermöglichen.
Aktuell gibt es ganze 14 Gewichtsklassen im Judo, jeweils 7 Gewichtsklassen pro Frauen und Männer und damit viele Chancen auf eine Goldmedaille. Die Gewichtsklasse ist bei den Kampfsportarten wie Boxen oder Judo wesentlich, denn sie begrenzt die Möglichkeiten der Teilnehmer.
Der Judosport unterscheidet sich von anderen olympischen Bewerben insofern, als es stets zwei Bronzemedaillengewinnerinnen oder Bronzemedaillengewinner gibt. Denn der Platz drei wird nicht ausgekämpft. Wer im Halbfinale verliert, hat seine Bronzemedaille sicher, die Gewinner kämpfen um den Titel und somit um die begehrte Goldmedaille.
Bemerkenswerte Athletinnen und ihre Erfolge
Julia Matijass: Judoka Julia Matijass hat am ersten Tag des olympischen Turniers in Athen die Bronze-Medaille im Extraleichtgewicht (bis 48 kg) gewonnen. Die Osnabrückerin brachte ihre Kontrahentin, die Griechin Maria Karagiannopoulo, mit einer Fußtechnik nach knapp der Hälfte des Kampfes aus dem Gleichgewicht und kam zum vorzeitigen Sieg. 1995 war Matijass nach Deutschland gekommen, 1999 eingebürgert worden. Vor vier Jahren hatte sie erstmals für ihre neue Heimat gekämpft - die Reise ins Ungewisse hat sich für Julia Matijass nun ausgezahlt. Judo ihren lang gehegten Traum erfüllt.
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"Alle Torturen haben sich endlich ausgezahlt. Eine schwierige Zeit liegt hinter mir: Ich konnte kein Wort Deutsch, ich hatte keine Freunde, meine Familie blieb in Russland. "Ich hatte schon gedacht, es würde wieder nicht reichen wie im Vorjahr, als ich bei WM und EM ohne Medaille geblieben war", sagte Matijass. Mit ihrer Spezialtechnik, dem Innenschenkelwurf, durchbrach die 30-Jährige nun diese Negativserie, obwohl sie auch dieses Mal im Halbfinale noch der französischen Vize-Weltmeisterin Frederique Jossinet nach 1:35 Minuten durch Festhaltegriff unterlegen gewesen war.
Katharina Menz: Katharina Menz ist auf den letzten Metern noch auf den Olympiazug aufgesprungen. Nach den Weltmeisterschaften in Abu Dhabi schienen ihre Hoffnungen für Paris wie Seifenblasen zerplatzt zu sein. Sie nutzte jedoch Anfang Juni die Oceania Open in Tahiti, um mit der dortigen Goldmedaille noch Punkte auf ihr Ranglisten-Konto zu holen. Sie erhielt sich damit die Chance, um bei den komplizierten Berechnungen und Quotenvergaben der IJF im Rennen zu bleiben. Ende Juni gab es dann die erlösende Nachricht, die Nominierung für Paris 2024 zu erhalten. Damit fährt die Vize-Weltmeisterin von 2022 zum zweiten Mal zu Olympia.
Menz sagte: "Anfang 2022 habe ich entschieden, dass ich meine leistungssportliche Karriere noch nicht beenden und nochmal versuchen möchte, mich für die Olympischen Spiele in Paris zu qualifizieren." Diese Entscheidung wurde jedoch nicht von allen Seiten direkt unterstützt, da sie ja doch schon zu den Älteren im Team gehörte. „Ich habe mich davon nicht beirren lassen und mir in Stuttgart ein Trainerumfeld aufgebaut, das an mich geglaubt und mich unterstützt hat. Die zarte Sportlerin ist mental sehr stark.
Isabell Thal: Mit Platzierungen bei mehreren Grand Prixs der International Blind Sports Federation (IBSA) sicherte sich Isabell Thal die Paralympics-Norm. Mit einem 5. Platz in Antalya in diesem Jahr war es dann endgültig klar, sie fährt zu den Paralympics nach Paris. Dabei ist bei ihr eigentlich erst 2023 mit dem 5. Platz beim Grand Prix in Baku der Knoten so richtig geplatzt. „Ich habe da gesehen, dass ich mit der Konkurrenz mithalten kann und ich es vielleicht doch noch nach Paris schaffen kann.“
Thal sagte: "Die Vielseitigkeit von Judo und die Möglichkeit, sich im Training so richtig auszupowern, machen die Sportart super spannend für mich."
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Weitere Bemerkenswerte Ereignisse
- Der Gewinn der Bronzemedaille in meiner Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm - dem Superleichtgewicht - bei den Judo-Europameisterschaften im November 2020 in Prag war für mich der bisher größte sportliche Erfolg meiner Karriere.
- Von 2014 bis 2019 habe ich bei den Deutschen Einzelmeisterschaften jeweils den Titel in der 48-kg-Klasse geholt, die beiden letzten Male in der Stuttgarter SCHARRena waren dabei praktisch Heimspiele.
- Im Finale der Gewichtsklasse bis 48 kg verlor Menz, die am Samstag ihren 32. Geburtstag feiert, gegen Titelverteidigerin Natsumi Tsunoda (Japan) und holte Silber.
Tabelle: Medaillengewinnerinnen (Beispiel)
| Olympische Spiele | Gold | Silber | Bronze |
|---|---|---|---|
| Athen 2004 | --- | --- | Julia Matijass |
| [Weitere Spiele] | [Name] | [Name] | [Name] |
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