Jasmin Jüttner: Einblick in die Welt einer Karateka

Jasmin Jüttner ist eine erfahrene Karateka, die bereits an der olympischen Karate-Premiere in Tokio teilgenommen hat. Sie gibt Einblicke in ihre detaillierte Wettkampfvorbereitung und ihre mentalen Strategien.

Vorbereitung auf den Wettkampf

Die Vorbereitung beginnt bereits am Tag vor dem Wettkampf. Jasmin versucht, bis spätestens 21 Uhr alles für den morgigen Tag gepackt zu haben, um sich danach entspannen zu können.

Am Wettkampftag selbst ist sie frühzeitig in der Halle, circa 2 Stunden vor dem Start, um Stress zu vermeiden und sich mit der Umgebung vertraut zu machen. Ein gründliches Aufwärmen gibt ihr ein Gefühl der Sicherheit. Ihr Teamkollege Ilja ist, wenn möglich, beim Aufwärmen dabei, um sie zu motivieren.

Die letzten Minuten vor dem Start

In den letzten Minuten vor dem Wettkampf sieht sich Jasmin die Tatami an, um sich mit der Umgebung vertraut zu machen und sich zu orientieren. Efthimios, ihr Trainer, zeigt nochmals die wichtigsten Bewegungen, und sie prägt sich sein Bewegungsmuster ein. Abschließend geht sie selbst nochmals alle Techniken durch.

Positive Selbstgespräche sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil ihrer Vorbereitung. Sie sagt sich: "Du bist die Beste. Du hast hart trainiert, du bist vorbereitet, du hast es dir verdient. Du hast den besten Trainer, den es gibt. Du weißt, dass du super bist."

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Umgang mit Nervosität

Auch erfahrene Athleten wie Jasmin sind vor Wettkämpfen nervös. Sie konzentriert sich auf sich und ihren kleinen Kreis an Vertrauten um sich herum. Sie denkt daran, was ihr größtes Ziel ist und dass die Schinderei es wert sein wird. Zudem führt sie sich vor Augen, wie viel auch andere für ihren Traum geben, was oft Anreiz genug ist.

Qualität vor Quantität im Training

Jasmin betont, dass es wichtig ist, im Training die Qualität in den Vordergrund zu stellen. Sie rät, bei jeder Technik zu überlegen, ob man sie auch genauso im Wettkampf machen möchte. Daher sollte man nicht trainieren, um zu trainieren, sondern jede Trainingseinheit bewusst gestalten.

Fokus im Wettkampf

Den Fokus kann sie im Wettkampf durch Fehler in der Kata, schlechte Bewertungen oder auch durch sehr stark und sicher auftretende Gegnerinnen verlieren. Um den Fokus wiederzufinden, ruft sie positive Erinnerungen auf.

Was bedeutet ein Fehler oder Rückschlag?

Jasmin hat das Gefühl, dass sie beim letzten Wettkampf, auch wenn eine Kleinigkeit nicht 100 Prozentig gepasst hat, gut fand, wie sie es überspielt hat, anstatt sich darüber zu ärgern, dass es nicht perfekt geklappt hat. Für einen Wettkampf nimmt sie sich daher 85% ihrer optimalen Leistung zu erreichen. Das ist sehr gut und realistischer, als 100% von sich zu erwarten. Und so geht sie überzeugter an den Wettkampf ran daher mehr von ihrer Performance überzeugt.

Nach dem Wettkampf

Direkt nach dem Wettkampf folgt ein Feedback-Gespräch mit Efthimios. Ilja kommt meistens auch direkt danach, um sie zu bestätigen und aufzubauen. Dann dehnt sie sich in einer ruhigen Ecke, ist alleine und versucht, ihre Katas und den Tag kurz Revue passieren zu lassen.

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Umgang mit Sieg und Niederlage

Mit einem Sieg oder einem guten Wettkampf geht Jasmin so um, dass sie sich bestätigt fühlt und sich dann manchmal in anderem Licht sieht.

Eine Niederlage oder ein schlechter Wettkampf wird unterschiedlich verarbeitet. Wenn sie von ihrer Leistung überzeugt ist, reagiert sie mit sehr viel Wut, Unverständnis und Verzweiflung. Wenn sie denkt, dass sie einiges nicht so gut gemacht hat, schämt sie sich oft sehr, ist maßlos enttäuscht von sich selbst, wütend auf sich und dann traurig.

Die Rolle des Trainers

Jasmin betont die wichtige Rolle ihres Trainers. Zu sehen, dass über einen sehr langen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg jemand mehr an einen glaubt als man selbst und das zu jeder Zeit, ist extrem wertvoll und motivierend. Bei jedem Zweifel fängt er sie sozusagen wieder auf.

Freizeit

In ihrer Freizeit, wenn sie kein Training oder Wettkampf hat, geht Jasmin ins Kino, liegt auf der Couch, liest, geht essen oder trifft Freunde.

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