Sie starteten ihre Karrieren in Deutschland, nun mischen sie die WWE auf: die Wrestling-Stars Gunther und Ludwig Kaiser. Der Österreicher Gunther (37) gehört zu den aktuell erfolgreichsten Wrestlern der WWE (World Wrestling Entertainment). Der deutsche Wrestler Ludwig Kaiser (34) startet nach einer Verletzungspause wieder durch und ist einer der Shooting-Stars bei der WWE.
Karriereanfänge und der Weg zur WWE
Die WWE hat ein erfolgreiches Ausbildungssystem mit NXT und NXT UK. Viele NXT-Wrestler entwickelten sich zu WWE Stars, unter anderem Charlotte Flair und Kevin Owens. Gunther und Ludwig Kaiser waren beide bei NXT UK tätig. Ludwig Kaiser unterschrieb 2017 bei NXT, Gunther stieß zwei Jahre später dazu.
Gunther: Wir haben unterschiedliche Erfahrungen gehabt. Damals war das eine andere Zeit. Die WWE hat langsam angefangen, sich der Welt zu öffnen. Die haben talentierte Leute, die sie irgendwo gesehen haben, rekrutiert und ihnen das Handwerk beigebracht. Gerade Triple H war einer, der Druck gemacht hat, Talente aus der ganzen Welt an Bord zu bekommen.
Das geschah zu einem Zeitpunkt, wo unsere Karrieren in Deutschland angefangen haben, seriös zu werden. Ich war vorher länger im Independent-Markt unterwegs, weil man dort die Leute kannte. Als Ludwig bei der WWE unterschrieben hat, habe ich noch gar nicht mit denen geredet. Ich war da auf eigene Faust unterwegs.
Ludwig Kaiser: Unsere Karrieren verliefen immer parallel zueinander. Wir haben damals viel bei wXw gemacht, und er war vor mir schon dort tätig. Gunther hat mich damals zur wXw hineingebracht und von dem Zeitpunkt an haben wir in Deutschland alles zusammen gemacht. Ich konnte viel von ihm lernen.
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Es gibt also diese zwei Wege zur WWE: Entweder wird man früh entdeckt, kommt ins System und wird von denen ausgebildet. Oder man ist wie im Wilden Westen alleine unterwegs und versucht auf diese Art und Weise, deren Aufmerksamkeit zu erlangen. Das war Gunthers Weg.
Es gab dann den Scheideweg, als Ludwig Kaiser das Angebot von der WWE bekommen hat: Ich habe mich dann gefragt, ob ich es annehmen und meine Karriere neu starten soll, weil ich zu dem Zeitpunkt schon zehn Jahre im Ring stand. Oder gehe ich in den Wilden Westen und steigere meinen Marktwert? Das war dann der Punkt, wo wir uns getrennt haben. Ich habe nie mit so einem Angebot gerechnet, weil das nicht der Grund war, warum ich meine Karriere als Wrestler begonnen habe.
Ich bin nach links gegangen, er ist nach rechts gegangen, und dann sind wir bei NXT UK und dann im Main Roster der WWE wieder zusammengekommen. Das ist eine richtig schöne Geschichte.
Ludwig Kaiser: Bei mir waren sie direkt und haben gesagt, dass sie mich wollen. Sie hatten eigentlich eine Deutschland-Tour durch alle Wrestling-Schulen geplant. Dann hat William Regal gesehen, dass ich auf der Liste bin, und die Tour abgesagt, weil er mich haben wollte. Zwei Wochen vor dem Tryout erlitt ich eine Knieverletzung, das war ein großer Tiefpunkt in meiner Karriere. Ich wollte nie Wrestler werden, um bei der WWE tätig zu werden. Aber wenn es in Reichweite ist, denkst du dir, jetzt will ich sehen, wie weit ich kommen kann. Das hat sich so angefühlt, als ob mir das jemand vor der Nase weggeschnappt hätte. Als ich aber fit wurde, haben sie mich angerufen und gesagt, dass ich kein Tryout machen muss. Ich wurde sofort genommen.
Gunther: Die WWE kam auf mich zu und ich habe ihnen erstmal gesagt, dass ich nicht in die USA möchte. Ich habe mich dort nie gesehen. Ich war aber länger mit ihnen im Kontakt, wie auch mit anderen Promotions. Am Ende hatte ich aber ein längeres Telefonat mit William Regal, und mit Triple H bin ich auch immer sehr gut zurechtgekommen. Er hat mir deutlich geschildert, was ich bei der WWE alles erreichen kann und NXT UK war für mich der perfekte Zeitpunkt einzusteigen, weil sie in Europa etwas starten wollten und ich zunächst nicht in die USA wollte. Das war für mich der erste perfekte Schritt.
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Erfolge in der WWE
Gunther hält mit 666 Tagen den Rekord für die längste Regentschaft als Intercontinental Champion. Einige Woche zuvor gewann er die World Heavyweight Championship beim SummerSlam.
Am Samstag (31. August) ist "Bash in Berlin", das erste Premium Live Event in Deutschland. Man könnte sagen, dass das Euer Verdienst ist, dass so ein großes Event in Deutschland stattfindet.
Ludwig Kaiser: Wir haben definitiv einen Anteil daran. Wir haben schon bei wXw gesagt, dass wir etwas hinterlassen wollen. Uns war wichtig, dass Leute, die unsere Leidenschaft teilen, bessere Gegebenheiten vorfinden, wenn sie mit Wrestling beginnen, als wir das damals hatten. Bei uns war das echt hart. Es gab nur wenige Events und die waren unprofessionell organisiert. Ich habe für 50 Euro gekämpft. Wir wollten für Leute, die später in unsere Fußstapfen treten wollen, etwas kreieren. Gute, saubere Schulen, die professionell geleitet werden. Sie sollten ein Geschäft vorfinden, in dem man mehr verdienen kann als nur eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro. Und da haben wir auch unseren Teil geleistet, Wrestling für Deutschsprachige attraktiver zu machen.
Gunther: Mit der Expansion wäre das sowieso passiert, aber nicht so rasch, wenn da nicht deutschsprachige Leute wie wir bei der WWE wären. Jetzt liegt es an allen, die am Start sind, den Abend für die Fans unvergesslich zu machen, damit das zeitnah wieder passiert, dass ein PLE im deutschsprachigen Raum stattfindet.
Ludwig Kaiser: Es liegt jetzt an uns. Wir sind ein Top-Gastgeberland und haben das mit der Europameisterschaft wieder gezeigt. Deutschland kann das. Die Voraussetzungen sind perfekt, in der Uber Arena am 31. August die Decke von der Halle zu knallen. Und ich glaube, das kriegen wir auch hin.
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Der Verdienst der WWE Stars
Wie viel verdient ein WWE-Star wie Gunther eigentlich? Laut Insiderberichten beläuft sich Gunthers Jahresgehalt in der WWE auf etwa 300.000 Euro. Zum Vergleich: Brock Lesnar, einer der größten Stars in der Geschichte der WWE, verdient rund 12 Millionen Dollar pro Jahr. Auch Roman Reigns, der aktuelle WWE-Universal-Champion, kommt auf stolze 5 Millionen Dollar im Jahr.
Hier eine Tabelle mit den geschätzten Jahresgehältern einiger Top-WWE-Stars:
| Wrestler | Geschätztes Jahresgehalt |
|---|---|
| Brock Lesnar | 12 Millionen US-Dollar |
| Roman Reigns | 5 Millionen US-Dollar |
| Randy Orton | 4,5 Millionen US-Dollar |
| Seth Rollins | 4 Millionen US-Dollar |
| Cody Rhodes | 4 Millionen US-Dollar |
| Becky Lynch | 3 Millionen US-Dollar |
| Gunther | ca. 300.000 Euro |
Es ist wichtig zu erwähnen, dass sich die Wrestler selbst versichern müssen, da sie unabhängige Auftragnehmer und nicht bei der WWE angestellt sind. Deshalb haben sie auch die Reisekosten zu den jeweiligen Events sowie auch ihre Hotelunterbringung selbst zu bezahlen.
Privatleben
Obwohl Gunther im Ring oft als knallharter Bösewicht auftritt, zeigt er sich im Privatleben von einer ganz anderen Seite. Seit Mai 2023 ist der österreichische WWE-Star mit der ehemaligen Wrestlerin Jinny Sandhu verheiratet. Im Dezember 2023 kam das erste gemeinsame Kind des Paares, ein Sohn, zur Welt.
Neben dem Wrestling hat Gunther eine weitere Leidenschaft: Fußball. Schon als Kind war er ein großer Fan von Rapid Wien, dem Traditionsverein aus seiner Heimatstadt. Doch während seiner Zeit in Deutschland entdeckte er eine neue Liebe: Schalke 04.
