Die Infanterieschule ist die zentrale Ausbildungsstätte der Infanterie des Deutschen Heeres. Der Schule sind die Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald und die Luftlande-/Lufttransportschule in Altenstadt unterstellt.
Es werden Offiziere und Unteroffiziere der Infanterie des Heeres und der Luftwaffensicherungstruppe sowie Marineschutzkräfte ausgebildet. Darüber hinaus werden Schießlehrer für Handwaffen, Einzelkämpfer, Führer von Jagdkommandos, Scharfschützen und militärische Nahkämpfer für die gesamte Bundeswehr ausgebildet.
Der Ausbildungsschwerpunkt liegt auf der Führerausbildung der Infanterie. Das Ziel ist es, angehende Soldaten zu militärischen Führern, Ausbildern und Erziehern zu formen. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf der Orientierung an Einsatzerfordernissen und Erfahrungen sowie der Befähigung zum Kampf. Die Ausbildung erfolgt hauptsächlich als praktischer Gefechtsdienst.
Neben der lehrgangsgebundenen Individualausbildung von Soldaten bietet die Infanterieschule auch Truppenausbildung für infanteristisch eingesetzte Einheiten oder Verbände an. Diese Übungen erfolgen im Übungszentrum Infanterie oder dem Ausbildungsstützpunkt „Simulationsgestützte Rahmenübung“ in Hammelburg.
Anforderungen und Inhalte der Einzelkämpferausbildung
Durchhaltewille, Widerstandskraft, Entscheidungsfähigkeit in schwierigen Situationen und nach körperlicher Belastung sowie absoluter Führungswille - das sind die markanten Leistungsanforderungen der wohl härtesten Ausbildung der Bundeswehr, dem Einzelkämpfer-Lehrgang.
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Der Lehrgang „Einzelkämpfer“ umfasst die Ausbildung von Bundeswehrangehörigen für die Bereiche „Überleben und Durchschlagen“ sowie „Jagdkampf“.
Der Einzelkämpfer-Lehrgang gilt als eine der härtesten Ausbildungen der Bundeswehr und dauert sechs Wochen. Nahkampf, Abseilen, weite Strecken Marschieren, Schlafmangel und Erschöpfung - häufig über die eigenen Belastungsgrenzen hinaus - stehen an der Tagesordnung.
Seit 2019 ist die Einzelkämpfer-Ausbildung für alle Offiziers- und Feldwebelanwärter verpflichtend. Jährlich nehmen zwischen 600 und 700 Soldaten daran teil.
"Das Ziel des Lehrgangs besteht darin, die Führer des Heeres darin zu befähigen, eine auf sich gestellte Gruppe, das heißt also abgeschnitten von eigenen Kräften, in feindbesetztem Gebiet zu eigenen Kräften zurückführen zu können", legt Andreas Wiechert, Kommandeur einer Lehrgruppe, in einem Video der Bundeswehr dar.
Bei der Gruppe handelt es sich, so die Übungslage, um unvorbereitet in eine Notsituation geratene Soldaten, die sich beispielsweise nach Feindkontakt zufällig zusammengefunden haben, von der eigenen Truppe abgeschnitten und nun wieder zurück zu ihren Kameraden wollen. Dabei gilt es, dem Feind möglichst auszuweichen und irgendwie und vor allem unentdeckt zu überleben.
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Für den einzelnen Soldaten bedeutet dies lange Marschstrecken, viel Gepäck, Überwinden von Hindernissen, wenig Essen und noch weniger Schlaf sowie eine ständige Bedrohungssituation und Alarmbereitschaft. Das vierwöchige Programm verlangt den Soldatinnen und Soldaten alles ab.
Im Laufe der Wochen nehmen die psychischen und physischen Herausforderungen zu: Orientierungsmärsche, Gepäckläufe, militärischer Nahkampf und ständige Stresssituationen bestimmen den Alltag auf dem Lehrgang. In der dritten Woche kommt Nahrungsentzug hinzu.
Die vierte und letzte Lehrgangswoche verlangt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die bis hierher durchgehalten haben, alles ab: In der Abschlussübung müssen sie zeigen, dass sie die erlernten Fähigkeiten auch unter Stress und enormer körperlicher Belastung abrufen können und zudem in der Lage sind, unter diesen Bedingungen eine Gruppe zu führen.
Die seit dem 4. April laufende YouTube-Miniserie „Survival“ zeigt Soldatinnen und Soldaten während des Lehrgangs „Führer einer auf sich gestellten Gruppe“ - umgangssprachlich auch Einzelkämpferlehrgang I genannt - am Ausbildungszentrum Infanterie im fränkischen Hammelburg.
Im Einzelkämpferlehrgang I geht es darum, eine auf sich gestellte Gruppe hinter feindlichen Linien zu führen und wieder zur eigenen Truppe zurückzubringen.
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Die Bandbreite der Ausbildungsinhalte reicht von „Knoten und Bunde“ über Orientierungsmärsche und Nahkampf bis zu Überleben im Dschungel.
Herausforderungen und Vorfälle
Erst 2023 kollabierten drei Soldaten an der Infanterieschule in Hammelburg und mussten im Krankenhaus behandelt werden.
Zwei Soldaten seien nach einem Tag Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen worden, ein weiterer Soldat sei noch im Krankenhaus, aber in einem stabilen Zustand. Die Zusammenbrüche traten bei einem Marsch auf, dem Eingangstest der Ausbildung. Dabei ist am ersten Tag ein sogenannter Eilmarsch über sieben Kilometer mit 20 Kilogramm Gepäck in maximal 52 Minuten zu absolvieren.
Die Bundeswehr hatte medizinische Vorkehrungen gegen Überlastung in früheren Jahren verstärkt, nachdem im Jahr 2017 mehrere Soldaten kollabiert und einer der Männer gestorben war.
Im November war ein 33 Jahre alter Offizier aus dem Saarland bei einem Lehrgang "bei körperlicher Anstrengung" zusammengebrochen und am Tag darauf im Krankenhaus gestorben. Eine Obduktion kam eine Woche darauf zu dem Ergebnis, dass der Soldat an einem Herzinfarkt starb.
Änderungen und Anpassungen in der Ausbildung
Nun soll der Lehrgang in diesem Jahr zugunsten anderer Ausbildungsgänge gekürzt werden. Laut Stuttgarter Nachrichten sollen 2019 in Hammelburg statt der üblichen 20 Lehrgänge Typ 1 (Grundlehrgang) für etwa 600 bis 700 Teilnehmer nur acht Kurse angeboten werden, an denen etwa 200 Soldaten teilnehmen können.
So solle derzeit nur „die unbedingt nötige Ausbildung“ stattfinden, während man „temporär entbehrliche Ausbildung“ aufschieben und zu einem späteren Zeitpunkt nachholen wolle. Der Grund dafür sei, dass Ausbilder aus Hammelburg momentan an anderer Stelle eingesetzt werden müssten.
Geschuldet sei diese Maßnahme der 2016 bei der Truppe ausgerufenen und eingeleiteten „Trendwende Personal“, durch die nun eine größere Anzahl neuer Feldwebelanwärter ausgebildet werden müsse. Dies würden jetzt - so gibt der BR den Hammelburger Sprecher wieder - übergangsweise die Einzelkämpfer-Ausbilder des Ausbildungszentrums übernehmen.
Die Bundeswehr beabsichtigt die Sonderabzeichen für das erfolgreiche Bestehen der Einzelkämpferlehrgänge 1 und 2 zu ändern. Bisherige Träger des Abzeichens „Führer einer auf sich gestellten Gruppe“ erhalten mit Anpassung des Einzelkämpferlehrganges und Überführung des Verfahrens durch das Zentrum Innere Führung in die Vorschrift (Anzugsarten) ohne gesonderten Antrag die Trageberechtigung für das neue Sonderabzeichen „Einzelkämpfer“.
Das Abzeichen ist im Aussehen identisch zum derzeitigen Abzeichen „Führer eines Jagdkommandos“.
Dem Vernehmen nach wird ab 2022 die Qualifikation „Einzelkämpfer“ bei personellen Auswahlverfahren und Entscheidungen über den Einsatz der Offiziere im Truppendienst (Werdegang Kampf, teilweise Unterstützung und Militärisches Nachrichtenwesen), sowie für Feldwebel des Truppendienstes, wieder Bedarfsträgerforderung.
Die Heeres-/Luftwaffenvariante des Abzeichens zeigt zwei silberfarbene Eichenlaubblätter mit Eichel auf grüner Unterlage mit silberfarbener Eichenlaubumrandung auf grauem/blauem, ovalem Grundtuch. Die Version für Marineuniformträger zwei goldfarbene Eichenlaubblätter mit Eichel auf grüner Unterlage mit goldfarbener Eichenlaubumrandung auf dunkelblauem, ovalem Grundtuch bzw.
Trageberichtigte des Sonderabzeichens „Jagdkommando“ sind Lehrgangsteilnehmer, die den Jagdkampflehrgang (Einzelkämpferlehrgang Teil 2) mit Erfolg abgeschlossen haben.
Das Sonderabzeichen „Jagdkommando“ zeigt zwei silberfarbene Eichenlaubblätter mit Eichel auf grüner Unterlage mit silberfarbener Eichenlaubumrandung auf grauem/blauem, ovalem Grundtuch und dem Schriftzug „Jagdkommando“.
Die Rolle von Reservisten in der Ausbildung
Die V. Inspektion, durchführend in der Einzelkämpferausbildung, setzt regelmäßig Feindkommandos ein, um die Übungen realistisch und noch herausfordernder zu gestalten. Eigentlich stehen der Inspektion dafür Soldaten zur Verfügung, aber auch diese Dienstposten sind nicht alle besetzt oder die Soldaten unterstützen die Ukraineausbildung.
Also lautete der Vorschlag an den InChef Oberstleutnant D. Thomas: „Probier’s doch mal mit Reservisten!“
Unter diesen Rahmenbedingungen münzten wir Reservisten diese Übungsanlage in einen eigenen Auftrag um: Wir teilten den abgesteckten Übungsraum - wie gesagt ein rund 20 km tief und 5 km breites überwiegend mit Forstwegen und einer Straße durchschnittenes hügeliges Waldgelände - in mehrere Bereiche auf und setzten links und rechts je eine Gruppe ein.
Tabelle: Vergleich der Einzelkämpfer-Lehrgänge
| Merkmal | Einzelkämpferlehrgang 1 | Einzelkämpferlehrgang 2 (Jagdkampf) |
|---|---|---|
| Ziel | Führen einer auf sich gestellten Gruppe | Führen von Jagdkommandos |
| Inhalte | Überleben, Durchschlagen | Jagdkampf |
| Zielgruppe | Offiziers- und Feldwebelanwärter | Spezialisierte Kräfte |
| Abzeichen | Zwei silberfarbene Eichenlaubblätter | Zwei silberfarbene Eichenlaubblätter mit Schriftzug "Jagdkommando" |
