Kampfsportarten für Mädchen

Berichte über Gewalt, Mobbing und Fremdenfeindlichkeit gehören heute in unseren Informationskanälen schon fast zur Tagesordnung. Denn Kampfsportarten dienen häufig der Gewaltprävention. Wer heute Kampfsport ausübt, möchte oft außerdem die körperliche Fitness und das Selbstbewusstsein stärken. Im Folgenden findest du Argumente, warum du unbedingt einmal diesen Sport ausprobieren solltest. Wir versprechen dir, es lohnt sich!

Warum Kampfsport für Mädchen geeignet ist

Zwar findet man in den Kampfsport-Kursen und -Vereinen noch immer mehr Jungen als Mädchen, aber das hat keinesfalls mit unterschiedlichen biologischen Voraussetzungen zu tun, sondern eher mit den gesellschaftlichen Vorstellung von Kampfsport. Vor allem in Filmen wird noch immer häufig suggeriert, dass Kämpfen stumpfsinnig, brutal und mit einem höchst fragwürdigen Verständnis von Männlichkeit verknüpft ist. Kampfsport kann Jungen und Mädchen gleichermaßen Spaß machen und vor allem auch nützen. Gerade weil Frauen im Erwachsenenalter tendenziell kleiner und leichter sind als Männer, ist es sinnvoll, dass Mädchen Techniken zur Selbstverteidigung erlernen. Denn da, wo es an purer Körperkraft fehlt, ist im Ernstfall Technik gefragt.

Immer mehr Frauen entdecken Kampfsport als perfekte Kombination aus Fitness, Selbstverteidigung und mentaler Stärke. Egal, ob du dich sicherer fühlen, deine Ausdauer verbessern oder einfach eine neue Herausforderung suchst - es gibt zahlreiche Kampfsportarten, die ideal für Frauen geeignet sind.

Vorteile von Kampfsport für Frauen

  • Ganzkörpertraining: Kampfsport ist nicht auf Bauch, Beine und Po beschränkt, sondern fordert deinen gesamten Körper! Während des Trainings verbrennst du ordentlich Kalorien und wirst schnell merken, wie sich deine Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit verändert!
  • Selbstverteidigung: Gerade für Frauen ist dies meist der ausschlaggebende Grund, sich für den Unterricht anzumelden. Hier lernst du, wie du dich körperlich gegen verschiedenste Angriffe wehren kannst, aber auch, wie du dich mit deiner Ausstrahlung, Mimik und Körpersprache nicht in die Rolle des Opfers drängen lässt.
  • Selbstdisziplin und -bewusstsein: Dies bedeutet allerdings nur, dass du erkennst, dass jeder noch so kleine Schritt in die richtige Richtung ein bedeutender zum Erreichen deiner Ziele ist.
  • Stressabbau: Kampfsport ist ideal, um Stress abzubauen und ihm ruhiger und gelassener begegnen zu können. Überschüssige Energie wird hier optimal genutzt und Aggression vermindert.
  • Mental stärker werden: Im Kampfsport heißt es weniger gewinnen oder verlieren, sondern was man aus dem Kampf mitnehmen kann. Verlierst du mal, weißt du, woran du noch arbeiten musst und wo deine Schwachstellen sind, sodass du beim nächsten Mal stärker zurückkommen kannst.
  • Freundschaft und gemeinsames Trainieren: Das bedeutet, dass wir uns helfen, motivieren und mit Spaß bei der Sache sind. Die gemeinsame Leidenschaft zum Training bringt euch zusammen und hält meist auch über die Dauer des Trainings an, sodass enge Freundschaften entstehen.

Überblick über verschiedene Kampfsportarten

Kampfsport ist nicht gleich Kampfsport. Es gibt zahlreiche verschiedene Stile. Viele Kampfsportarten haben ihren Ursprung in Asien. Manche eignen sich vor allem zur Verteidigung bzw. Selbstverteidigung, in anderen geht es um den Einsatz von Waffen, den sportlichen Wettkampf oder die Fitness. Wenn euer Kind Kampfsport erlernen möchte, solltet ihr also zunächst die Motivation dahinter kennen.

Um Ihnen eine Entscheidungshilfe zu geben, welcher Kampfsport für Sie in Frage kommt, folgen hier elf populäre Kampfsportarten im Kurzportrait.

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Aikido

Aikido stammt aus Japan und ist in seiner Ausrichtung defensiv. Das Konzept des Aikido wird klar, wenn wir uns die Übersetzung des Wortes anschauen: „Ai" bedeutet Harmonie, „ki" meint den Geist und „do" ist der Weg. Das Ziel des Aikido besteht darin, die Kraft eines Gegners abzuleiten und sie auf intelligente Weise zu nutzen. Wettkämpfe werdet ihr im Aikido vergeblich suchen. Es entspricht einfach nicht der Philosophie dieser sanften Verteidigungstechnik. Beim Aikido gibt es weder Alters- oder Gewichtsklassen noch eine Aufteilung nach Geschlechtern. Alle trainieren miteinander.

Für wen ist Aikido geeignet?

Generell ist jede Kampfsportart für alle Altersgruppen geeignet: Kinder lernen ihren Körper und körperliche Koordination besser kennen. Älteren Menschen kann Kampfsport helfen, körperliche Fähigkeiten aufrechtzuerhalten. Viele Sportvereine bieten altersgerechte Trainingsmöglichkeiten an, die die individuellen Voraussetzungen der Teilnehmenden berücksichtigen.

Boxen

Boxen und Kickboxen haben in den letzten Jahrzehnten einen Imagewandel durchlaufen. Während zu früheren Zeiten mit dem Boxsport Randalierer und Schläger assoziiert wurden, gelten heute beim Boxen wie in allen anderen Kampfsportarten Höflichkeit und Disziplin als chic. Das Boxen ist und bleibt natürlich eine Kontaktsportart, bei der es auch mal eins auf die Nase gibt oder auszuteilen gilt. Da für diese Sportart viel Körperbewusstsein erforderlich ist, liegt ein Schwerpunkt des Grundlagentrainings für Kinder und Jugendliche in Atemtraining, einer aufgerichteten Haltung und Dehnungsübungen. Für Frauen ist Boxen ideal, wenn du eine intensive Kombination aus Cardio-Training und Technik suchst. Es stärkt deine Oberkörpermuskulatur, verbessert die Koordination und schult gleichzeitig deine Reaktionsfähigkeit.

Für wen ist Boxen geeignet?

Kinder ab vier Jahren können mit dem Boxtraining beginnen.

Kendo

Eine weitere japanische Kampfsportart ist Kendo. „Ken" bedeutet Schwert und „do" bezeichnet den Weg. Ausgeführt werden die Praktiken nicht mit Schwertern, sondern mit Bambusstäben, die dann allerdings mit voller Kraft auf den Gegner einprasseln, was erklärt, warum die Schüler:innen eine Rüstung brauchen. Wir alle wissen aus Samurai-Filmen, dass es sich beim Kendo nicht nur um Schwertkampf, sondern vor allem auch um Prinzipien wie Entschlossenheit und Moral handelt. Charakterbildung und -festigkeit kommen also inklusive.

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Für wen ist Kendo geeignet?

Wer sich mit Geduld, Konzentration und innerer Ruhe seinem Geist und mit Kraft und Geschicklichkeit seinem Körper widmen will, für den bzw.

Tai Chi

Tai Chi ist chinesisches Schattenboxen, bei dem die Bewegungen langsam, fließend und entspannt ausgeführt werden. Durch das Zurückziehen der Sinne aus dem Außen entsteht eine innere Zentrierung, die in die Meditation führt. Wer es einmal mit Meditieren versucht hat, weiß, dass es ein Zustand ist, für den man die Gegebenheiten durch regelmäßige Praxis lediglich vorbereiten kann. Der meditative Zustand ist dann ein Geschenk des Himmels. Doch natürlich geht das Tai Chi nicht nur auf den Geist ein.

Für wen ist Tai-Chi geeignet?

Als Gesundheitssport für Menschen über 60 Jahre sind vor allem „weiche“ Kampfsportarten gut geeignet.

Kung-Fu

Der Begriff „Kung-Fu" bedeutet „etwas durch harte, geduldige Arbeit Erreichtes" und vereint verschiedene chinesische Kampfkünste des Wushu. Das chinesische Wort „Wu" bedeutet Kampf und „shu" Kunst. Posen wie Tiger, Leopard, Drache oder die Gottesanbeterin sind Bewegungen aus der Tierwelt, die beim Kung-Fu imitiert werden. Das ist ähnlich wie beim Yoga. Es wird als Gesundheitssystem verstanden und tatsächlich waren traditionell viele Wu-shu Praktizierende auch Ärzt:innen, Apotheker:innen oder Kräutermänner und -frauen. Kung Fu ist eine der vielseitigsten Kampfsportarten.

Für wen ist Kung-Fu geeignet?

Kung-Fu ist eine der vielseitigsten Kampfsportarten.

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Capoeira

Capoeira stammt aus Brasilien und ist die Weiterentwicklung der Wushu-Kampfsportarten, die die afrikanische Bevölkerung ehemals im Geheimen ausübte. Irgendwie erwartet man es nicht anders, dass im Capoeira neben dem Element Kampf auch die Musik eine wichtige Rolle spielt. Im Unterricht werden Lieder und klassische Musikinstrumente wie die Trommel und das Tamburin gelernt. Das Berimbau, ein einseitiger Bogen ist dabei meist dem Meister vorbehalten. Er gibt den Rhythmus vor und es entsteht eine kraftvolle, gemeinsame Energie im Kreis. Das Verletzungsrisiko ist unerwartet gering. Das kommt auch daher, dass die Maxime „Du achtest auf mich und ich achte auf dich" fester Bestandteil des Trainings ist.

Für wen ist Capoeira geeignet?

Alle, die Musik, Gesang, Akrobatik, Tanz und Körperausdruck lieben, kommen beim Capoeira voll auf ihre Kosten. Kinder trainieren mit Erwachsenen und Frauen mit Männern gemeinsam.

Kalaripayattu

Die aus Südindien stammende Kampfsportart ist eng verwandt mit Hatha Yoga, Ayurveda und dem indischen Tanz und wer einmal nach Kerala reist, sollte sich eine Vorführung auf keinen Fall entgehen lassen. Die historischen Wurzeln hat der Kalaripayattu in der Tradition altindischer Maharajas, die - um einen Krieg zu verhindern - zwei Kämpfer ihrer Elite entsandten, die in einem Duell um Leben und Tod rangen. Auch gegen die britische Kolonialherrschaft konnten die Kalari-Kämpfer einige Auseinandersetzungen gewinnen.

Für wen ist Kalaripayattu geeignet?

Kinder ab sechs Jahren können Kalaripayattu erlernen. Finden werden sie ein umfassendes System, das ihr Körper- und Selbstbewusstsein schult.

KiJudo

Austoben macht Spaß und die Bewegung schult die Wahrnehmungsfähigkeit. Beim KiJudo lernen die Kinder, dass sie Konflikten nicht aus dem Weg gehen müssen, sondern wie sie ihnen selbstbewusst begegnen können. Geschützt durch den gepolsterten Boden lernen sie, richtig zu fallen und brauchen keine Bange zu haben, dem:der anderen weh zu tun, wenn sie ihn:sie auf die Matte befördern. Auch das mentale Training unterstützt die Kinder beim Thema Selbstbehauptung. Die Konzentrationsübungen schulen die Kinder darin, fokussiert zu bleiben und auch in stressigen Situationen ihre Ruhe zu bewahren. Der Unterschied zum klassischen Judo ist die entwicklungsgerechte Vermittlung der Judowürfe und -griffe nach neuesten neurophysiologischen Erkenntnissen. Die Judopädagogik integriert unterschiedlichste Konzepte der Körperarbeit und Bewegungserziehung. Tritte und Würgegriffe werden hier gezielt vermieden, da Kinder ihre Kraft oftmals noch gar nicht akkurat einschätzen können. Gelernt wird so, wie Kinder das am liebsten haben und wie es sich ohnehin ganz natürlich ergibt: Spielerisch.

Für wen ist KiJudo geeignet?

KiJudo ist für Kinder von fünf bis zwölf Jahren konzipiert, die Spaß an Lauf-, Rauf- und Kooperationsspielen haben.

Karate

Wer denkt, die Karatekunst sei eine Wettkampfsportart, der mag sich irren. Denn hier geht es nicht um den Vergleich mit anderen. Jeder soll an sich selbst arbeiten, ein Leben lang. Gut, wer früh damit anfängt. Es geht darum, die eigenen Grenzen kennen zu lernen und dann Schritt für Schritt zu erweitern. Karate beginnt und endet mit Respekt. Sicher kann ein Kind Karate zur Selbstverteidigung nutzen. In der Altersgruppe von vier bis sechs Jahren liegt der Schwerpunkt des Trainings auf Vielfalt. In den Stunden finden hauptsächlich abwechslungsreiche, spielerische Übungen statt, die den Gleichgewichtssinn aufbauen und ein partnerschaftliches Miteinander fördern. Ab sieben oder acht Jahren ändert sich der Unterricht und geht von Spiel und Spaß in Richtung Disziplin. Jetzt werden die Koordination und Motorik wichtiger. Hier geht es auch sehr darum, den:die Partner:in in seinen Übungen zu unterstützen. Zwischen zehn und 14 Jahren werden die Übungen deutlich komplexer und das Training fordernder. Es ist die letzte Zeitspanne, bevor die Schüler:innen in die Erwachsenengruppen einsteigen. Beim Stichwort Kampfsport kommt vielen als erstes “Karate” in den Sinn. Karate ist eine Kampfkunst, die der Selbstverteidigung dient. Zunächst wurde es etwa 500 n. Chr. von chinesischen Mönchen entwickelt und praktiziert, die darin auch einen Weg zur Selbstfindung und Selbsterfahrung sahen. Wörtlich übersetzt heißt Karate-Do “Der Weg der freien Hand”. Es wird also mit bloßen Händen und ohne Waffen gekämpft. Äußerste Konzentration und Selbstbeherrschung sollen zur Entfaltung der Persönlichkeit führen. Im Kindertraining gibt es keinen Vollkontakt. Schläge und Tritte werden vor der Berührung des Partners abgestoppt. Karate erfordert viel Selbstdisziplin und stärkt Kraft, Ausdauer und Konzentration.

Für wen ist Karatekunst geeignet?

Jeder Mann, jede Frau und selbstredend jedes Kind kann Karate erlernen. Kinder ab vier Jahren werden von der Karatekunst sehr profitieren, wenn sie nach und nach die altersgerechten Stationen durchlaufen.

Taekwon-Do

Die koreanische Variante der Selbstverteidigung ist das Taekwon-Do, wobei „Tae" für die Füße und „Kwon" für die Hände steht. Mit Händen und Füßen lernen die Schüler:innen also, im Falle eines Angriffs angemessene Maßnahmen der Verteidigung zu ergreifen. Diese gehen von Ausweichen über Befreien aus Umklammerung bis hin zu Schlägen, Tritten und Stößen. Die Praktiken zielen immer darauf ab, den:die Gegner:in kampfunfähig zu machen und ggfs. zu entwaffnen. In der koreanischen Kampfkunst Teakwondo geht es vor allem um Schnelligkeit und Dynamik. „Tae-Kwon-Do“ steht für „Hand, Fuß und Weg“ und bezieht sich auf die Techniken, die erlernt und angewandt werden, wobei eine starke Betonung auf den Fußtechniken liegt. Waffen werden nicht eingesetzt. Kinder lernen im Training neben Tritten und Schlagtechniken auch Disziplin, Respekt und einen höflichen Umgang miteinander. Taekwondo trainiert die motorischen Fähigkeiten, Fitness und Schnelligkeit, Kondition und stärkt das Selbstbewusstsein.

Für wen ist Taekwon-Do geeignet?

Dem sportlichen Wirbelwind, dem es manchmal schwer fällt, sich zu konzentrieren könnte Taekwondo gut gefallen.

Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ)

Brazilian Jiu-Jitsu legt den Fokus auf den Bodenkampf und darauf, den Gegner durch Technik zu überwältigen, anstatt auf reine Kraft zu setzen. BJJ ist sowohl in der Gi-Variante (mit traditionellem Anzug) als auch in der NoGi-Variante (ohne Anzug) beliebt. Die Gi-Variante erlaubt das Greifen des Anzugs für Würfe und Kontrolle, während NoGi auf Geschwindigkeit und Dynamik setzt. Der größte Vorteil von BJJ ist, dass es nicht nur körperliche Fähigkeiten trainiert, sondern auch das Selbstbewusstsein stärkt. Mit den effizienten Hebeltechniken und dem richtigen Einsatz des Körpergewichts können sich selbst weniger kräftige Kinder gegen stärkere Angreifer durchsetzen.

Weitere Kampfsportarten und Selbstverteidigungssysteme

Neben den oben genannten gibt es noch viele weitere Kampfsportarten und Selbstverteidigungssysteme, die für Mädchen geeignet sein können:

  • Judo
  • Kickboxen
  • Krav Maga
  • Wing Chun

Die richtige Wahl treffen

Die Wahl der richtigen Kampfsportart hängt von deinen persönlichen Zielen ab. Möchtest du dich selbst verteidigen, fit werden oder einfach Spaß an Bewegung haben? Es spricht nichts dagegen, sich mehrere Kampfkünste genauer anzusehen und sie auszuprobieren. Oft gibt es auch die Möglichkeit, ein kostenloses Probetraining wahrzunehmen.

Egal, für welche Kampfsportart du dich entscheidest, die richtige Kleidung ist ein unverzichtbarer Bestandteil deines Trainings.

Hast du dich schon entschieden, welche Kampfsportart zu dir passt? Und nur mal so: Jeder dieser Kampfsportarten wird dich selbstbewusster und stärker machen!!