Die Einzelkämpferausbildung der Bundeswehr ist ein anspruchsvolles Programm, das Soldaten auf das Führen einer auf sich gestellten Gruppe hinter feindlichen Linien vorbereitet. Dabei müssen die Soldaten in der Lage sein, dem Feind auszuweichen und unentdeckt zu überleben.
Voraussetzungen für die Teilnahme am Einzelkämpferlehrgang
Früher war der Einzelkämpferlehrgang (EKL) für Heeresoffiziere verpflichtend und gehörte zum Ausbildungsgang der Offiziersanwärter (OA) und Feldwebel (Fw) im Truppendienst der Infanterie, Panzergrenadiertruppe und Heeresaufklärungstruppe. Heutzutage ist der EKL nicht mehr verpflichtend, wird aber ab 2022 bei personellen Auswahlverfahren und Entscheidungen über den Einsatz der Offiziere im Truppendienst (Werdegang Kampf, teilweise Unterstützung und Militärisches Nachrichtenwesen) sowie für Feldwebel des Truppendienstes wieder zur Bedarfsträgerforderung.
Teilnehmen können Offiziere im Truppendienst und Feldwebel im Truppendienst aller infanteristischen Truppen, der Panzergrenadiertruppe und der Heeresaufklärungstruppe. Auch Mannschaftssoldaten können den EKL I absolvieren, wenn sie zu den genannten Truppengattungen gehören.
An der Einzelkämpfervorausbildung können alle Soldatinnen und Soldaten teilnehmen, die über die physischen Voraussetzungen verfügen. Die Einzelkämpfervorausbildung gehört zu den Ausbildungszügen des Studierendenbereichs der Universität. Studierende Soldatinnen und Soldaten haben hier die Möglichkeit, sich auf freiwilliger Basis für einen der physisch und psychisch anspruchsvollsten Lehrgänge der Bundeswehr zu trainieren.
Inhalte der Einzelkämpferausbildung
Im Einzelkämpferlehrgang I geht es darum, eine auf sich gestellte Gruppe hinter feindlichen Linien zu führen und wieder zur eigenen Truppe zurückzubringen. Die Gruppe besteht aus Soldaten, die unvorbereitet in eine Notsituation geraten sind, beispielsweise nach Feindkontakt von der eigenen Truppe abgeschnitten wurden.
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Das vierwöchige Programm verlangt den Soldatinnen und Soldaten alles ab: lange Marschstrecken, viel Gepäck, Überwinden von Hindernissen, wenig Essen und noch weniger Schlaf sowie eine ständige Bedrohungssituation und Alarmbereitschaft. Im Laufe der Wochen nehmen die psychischen und physischen Herausforderungen zu: Orientierungsmärsche, Gepäckläufe, militärischer Nahkampf und ständige Stresssituationen bestimmen den Alltag auf dem Lehrgang. In der dritten Woche kommt Nahrungsentzug hinzu.
Die vierte und letzte Lehrgangswoche verlangt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die bis hierher durchgehalten haben, alles ab: In der Abschlussübung müssen sie zeigen, dass sie die erlernten Fähigkeiten auch unter Stress und enormer körperlicher Belastung abrufen können und zudem in der Lage sind, unter diesen Bedingungen eine Gruppe zu führen.
Einzelkämpferabzeichen
Die Bundeswehr beabsichtigt, die Sonderabzeichen für das erfolgreiche Bestehen der Einzelkämpferlehrgänge 1 und 2 zu ändern. Bisherige Träger des Abzeichens „Führer einer auf sich gestellten Gruppe“ erhalten mit Anpassung des Einzelkämpferlehrganges und Überführung des Verfahrens durch das Zentrum Innere Führung in die Vorschrift (Anzugsarten) ohne gesonderten Antrag die Trageberechtigung für das neue Sonderabzeichen „Einzelkämpfer“.
Das Abzeichen ist im Aussehen identisch zum derzeitigen Abzeichen „Führer eines Jagdkommandos“. Absolventen des seit 1965 eingeführten vierwöchigen Einzelkämpferlehrganges haben ebenfalls das Sonderabzeichen mit zwei Eichenlaubblättern erhalten.
Das Sonderabzeichen „Jagdkommando“ zeigt zwei silberfarbene Eichenlaubblätter mit Eichel auf grüner Unterlage mit silberfarbener Eichenlaubumrandung auf grauem/blauem, ovalem Grundtuch und dem Schriftzug „Jagdkommando“. Trageberichtigte des Sonderabzeichens „Jagdkommando“ sind Lehrgangsteilnehmer, die den Jagdkampflehrgang (Einzelkämpferlehrgang Teil 2) mit Erfolg abgeschlossen haben.
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Neben dem Einzelkämpferlehrgang 2 gibt es als nächst höhere Stufe das ähnlich zum neuen Sonderabzeichen „Einzelkämpfer“ (ehemals Einzelkämpfer Teil 2) aussehende Abzeichen mit goldener Umrandung für die spezialisierten Kräfte des Heeres mit erweiterter Grundbefähigung (EGB). Auch dieses Abzeichen wurde bereits in der Vergangenheit verliehen.
Kommando Spezialkräfte (KSK)
Das Kommando Spezialkräfte (KSK) ist der Kern des Spezialkräfteverbundes der Bundeswehr und wurde 1996 zur weltweiten Ausübung von Spezialeinsätzen aufgestellt. Die Bewerbung für das Kommando Spezialkräfte (KSK) kann von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaftssoldaten unabhängig von ihrer militärischen Laufbahn und Verwendung eingereicht werden. Die Soldaten des Kommando Spezialkräfte werden speziell ausgewählt und ausgebildet und sind mit ihren Fähigkeiten einzigartig in der Bundeswehr.
Das Auswahlverfahren für das Kommando Spezialkräfte (KSK) wurde im Jahr 2023 grundlegend umgestaltet und besteht nun aus einem mehrstufigen Einstellungstest. Die Bewerberinnen und Bewerber werden dabei sowohl psychisch als auch physisch extrem gefordert und müssen vielfältige Testsituationen meistern.
7D-Test zur Selbsteinschätzung
Bewerbende für das KSK können ihre Leistungsfähigkeit im Vorfeld mithilfe des 7D-Tests überprüfen. Dieser Sporttest besteht aus sieben Teildisziplinen, die alle wesentlichen konditionellen Merkmale einzeln überprüfen und nach Berechnung der Punktsumme ein Gesamtbild der persönlichen Leistungsfähigkeit zeigen. Das Absolvieren oder „Bestehen“ des 7D-Tests ist keine Voraussetzung für die Teilnahme am KSK-Potentialfeststellungsverfahren.
Disziplinen des 7D-Tests
- Klimmzüge
- Dips
- 9-Meter-Sprint
- Liegestütze
- Kasten-Bumerang-Test
- Sit-ups
- 2.400-Meter-Lauf
Leistungsbewertung im 7D-Test (Beispielhafte Darstellung)
Die folgende Tabelle zeigt eine beispielhafte Leistungsbewertung für eine der Disziplinen im 7D-Test. Die tatsächlichen Werte können variieren.
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| Leistungsniveau | Klimmzüge (Wdh.) | Punkte |
|---|---|---|
| A | Mehr als 12 | 1 |
| B | 5 bis 12 | 3 |
| C | Weniger als 5 | 5 |
Alle erbrachten Leistungen aus den 7 Disziplinen werden summiert und ergeben eine Gesamtpunktzahl. Der erreichte Wert kann dann anhand der Leistungstabelle einer der drei Leistungsgruppen zugeordnet werden. Bei einem Punktewert zwischen 7 und 14 Punkten ist das Leistungsniveau erreicht, um das Potentialfeststellungsverfahren wie geplant in Angriff zu nehmen.
