Wie viele Dan-Grade gibt es im Judo?

Im Judo gibt es verschiedene Grade, die den Ausbildungsstand eines Judoka kennzeichnen. Diese werden in Schülergrade (Kyu) und Meistergrade (Dan) unterteilt. Jeder Anfänger beginnt mit dem weißen Gürtel.

Die Schülergrade (Kyu-Grade)

Die Gürtel der Schüler-Grade sind farbig und werden mit steigendem Rang dunkler. Sie werden abwärts gezählt (9-1). Die fünf Kyu-Gürtelfarben führte zuerst Mikinosuke Kawaishi in der von ihm entwickelten Lehrmethode für europäische Judoka ein. Folgende Schülergrade gibt es:

  • 9. Kyu: Weiß
  • 8. Kyu: Weiß-Gelb
  • 7. Kyu: Gelb
  • 6. Kyu: Gelb-Orange
  • 5. Kyu: Orange
  • 4. Kyu: Orange-Grün
  • 3. Kyu: Grün
  • 2. Kyu: Blau
  • 1. Kyu: Braun

Die Kyu-Grade werden durch technische Prüfungen erlangt. Die erste Prüfung legt der Judoka also mit dem weiß-gelben Gürtel ab. Er muss die im Training erlernten Fallübungen, Haltegriffe und Würfe zeigen. Es gibt eine Prüfungsordnung, nach der die Kyu-Grade erworben werden können.

Die Meistergrade (Dan-Grade)

Die Meister tragen schwarze Gürtel, die Grade werden aufwärts gezählt (1-10).

  • 1. Dan (Sho-Dan): Schwarz
  • 2. Dan (Ni-Dan): Schwarz
  • 3. Dan (San-Dan): Schwarz
  • 4. Dan (Yo-Dan): Schwarz
  • 5. Dan (Go-Dan): Schwarz
  • 6. Dan (Roku-Dan): Rot-Weiß
  • 7. Dan (Nana-Dan): Rot-Weiß
  • 8. Dan (Hachi-Dan): Rot-Weiß
  • 9. Dan (Ku-Dan): Rot
  • 10. Dan (Ju-Dan): Rot

Auch für die Dan-Grade bis zum 5. Dan gibt es eine Prüfungsordnung, nach der die Gürtel erlangt werden können. Auf Grund der größeren Bandbreite des Stoffes, der hier abgeprüft wird, sind die Vorbereitungszeiten allerdings erheblich länger als bei den Kyu-Graden. Die Regel ist hier Nummer des Dan plus ein Jahr (erster Dan - zwei Jahre, zweiter Dan - drei Jahre…). Durch Lizenzen (Trainerlizenz, Kampfrichterlizenz….) kann die Vorbereitungszeit verkürzt werden.

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Dabei werden für diese Prüfungen keine neuen Techniken verlangt, es müssen nur wesentlich mehr Techniken pro Prüfung in sehr viel höherer Qualität gezeigt werden als bei den Kyu-Graden. Auch bestehen diese Prüfungen zu großen Teilen aus erklären und darstellen von Prinzipien, Lehrproben, Abfragen etc. Ein weiterer wichtiger Teil der Danprüfungen ist das Demonstrieren von Kata. Für jeden Dan ein mindestens eine Kata festgelegt, in ein bestimmtes Prinzip des Judo dargestellt werden muss. Hier wird dann allerdings auch Perfektion erwartet.

Es gibt aber auch - außer für den ersten Dan - in begründeten Ausnahmefällen die Möglichkeit einen höheren Dan ohne technische Prüfung verliehen zu bekommen. Gründe hierfür sind z.B. eine Medaille bei Olympische Spielen oder WM, das langjährige erfolgreiche Wirken als Trainer oder Kampfrichter, Vereins- oder Verbandsfunktionärstätigkeit. In jedem Fall ist die Verleihung eines Dan Grades eine sehr hohe Auszeichnung.

Dan Grade 6.-10.

Diese Graduierungen sind schwer zu erlangen, da sie nicht durch eine technische Prüfung zu erlangen sind. Sie werden ausschließlich verliehen. Dabei werden der 6. und 7. Dan durch den Ehrenrat Landesverband (in Baden), der 8. und 9. Dan durch den Ehrenrat des Deutschen Judobundes entschieden.

Der 10. Dan wird von der IJF (International Judo Federation) oder vom Kodokan (die erste ursprüngliche und von Kano gegründete Judoschule in Tokio, Japan) verliehen. Dies wurde in der Geschichte des Judo bisher nur selten vorgenommen und ausschließlich an Personen, die sich ein Leben lang um das Judo verdient gemacht haben und auch nachweislich weltweiten Einfluss auf die Entwicklung von Judo genommen haben.

Höhere Graduierungen als den 10. Dan werden weltweit nicht vorgenommen, da auch Kano niemals einen höheren Gürtel verliehen hat und es so eine Entwertung der bisherigen JuDan- Träger gleichkäme höhere Graduierungen zu vergeben.

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Die Träger des 10. Dan

Hier findet sich eine Auflistung derjenigen Judoka, denen diese höchste Ehrung im Judo durch den Kodokan oder die IJF zuteil wurde:

  • Yamashita, Yoshitugu (1865-1935) graduiert zum 10. Dan 1935 (posthum) durch Kano
  • Isogai, Hajime (1871-1947) graduiert zum 10. Dan 1937 durch Kano
  • Nagaoka, Hidekazu (1876-1952) graduiert zum 10. Dan 1937 durch Kano
  • Mifune, Kyuzo (1883-1965) graduiert zum 10. Dan 1945 durch den Kodokan
  • Iizuka, Kunisaburo (1875-1958) graduiert zum 10. Dan 1946 durch den Kodokan
  • Samura, Kaichiro (1880-1964) graduiert zum 10. Dan 1948 durch den Kodokan
  • Tabata, Shotaro (1884-1950) graduiert zum 10. Dan 1948 durch den Kodokan
  • Okano, Kotaro (1885-1967) graduiert zum 10. Dan 1967 (posthum) durch den Kodokan
  • Shoriki, Matsutaro (1885-1969) graduiert zum 10. Dan 1969 (posthum) durch den Kodokan
  • Nakano, Shozo (1888-1977) graduiert zum 10. Dan 1977 (posthum) durch den Kodokan
  • Kurihara, Tamio (1896-1979) graduiert zum 10. Dan 1979 (posthum) durch den Kodokan
  • Kotani, Sumiyuki (1903-1991) graduiert zum 10. Dan 1984 durch den Kodokan
  • Charles Palmer (1930-2001) graduiert zum 10. Dan 1999 durch die Internationale Judo Föderation
  • Anton Geesink (1934-2010) graduiert zum 10. Dan 1999 durch die Internationale Judo Föderation
  • Daigo, Toshiro (1926-2021) graduiert zum 10. Dan 2006 durch den Kodokan
  • Abe, Ichiro (1923-2022) graduiert zum 10. Dan 2006 durch den Kodokan
  • Osawa, Yoshimi (1926-) graduiert zum 10. Dan 2006 durch den Kodokan
  • George Kerr (1938 - )graduiert zum 10. Dan 2010 durch die Internationale Judo Föderation
  • Yoshihirō ‘Yosh’ Uchida (1920-)graduiert zum 10. Dan 2013 durch die Internationale Judo Föderation
  • Franco Capelletti (1938-)

Etliche Judoka wurden durch nationale Verbände oder Gremien zum 10. Dan graduiert.

Die Entwicklung der Graduierungen

Die Entwicklung des Graduierungssystems ist eine von mehreren Innovationen Jigoro Kanos, die sich als außerordentlich hilfreich bei der Verbreitung von Kodokan-Judo erwiesen haben.

Am Anfang waren die Dan-Grade. Bereits kurz nach Kodokan-Gründung nahm Kano eine Unterscheidung in Nicht -Graduierte (Mudansha, mu = leer; ohne, nicht vorhanden sein) und Graduierte (Yudansha, Yu = vorhanden sein). Die Graduierungen der Yudansha, also der Dan-Träger, wurden der Einfachheit halber durchnummeriert : 1. Dan, 2. Dan, 3. Dan und so weiter. Die weitere Unterteilung der Mudansha in Kyu-Grade wurde erst später vorgenommen.

Das Dan-System folgte dem Gedanken, dass Wissen und Können stets wachsen können, grundsätzlich nicht nach oben begrenzt . So merkte Kano 1930 in einem Artikel der Zeitschrift "Sakko" an, dass er zwar zehn Dan-Grade festgelegt habe, es aber auch durchaus möglich sei, höhere Grade zu erreichen. Später (1935 und 1937) schuf er allerdings Fakten, indem er als höchsten Grad den 10. Dan verliehen hat und höhere Kategorien nicht mehr erwähnt wurden. Somit blieb und bleibt es in der Praxis bei zehn Dan-Graden im Kodokan-Judo.

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Erst drei bis vier Jahre nach der Etablierung des Graduierungssystems, also 1886/87, begannen die Dan-Träger im Kodokan schwarze Gürtel als Zeichen für ihre Graduierung zu tragen. Farbige Gürtel zur Unterscheidung der Kyu-Grade wurden später schrittweise eingeführt.

Kriterien für Graduierungen

Konsequenterweise flossen (und fließen bis zum heutigen Tag) daher neben den praktischen Fertigkeiten auch charakterliche und soziale Eigenschaften in die zu berücksichtigenden Kriterien für Graduierungen ein.

In den 1925 gedruckten Regeln für Kyu- und Dan -Grade im Kodokan heißt es dazu in Artikel 10:

Die Entscheidung über eine Graduierung basiert auf dem Charakter des Kandidaten, seinen Fertigkeiten in Kata und Randori, Wissen über Judo, Teilnahme am Judo-Training, Ergebnisse im Judo usw.

Die Beurteilung der Kandidaten geschieht auf der Basis der folgenden Kriterien:

  • a) wenn ein Kandidat charakterliche Mängel aufweist, wird er nichtgraduiert, auch wenn er andere Bedingungen erfüllt,
  • b) bei Kandidaten, die einen guten Charakter besitzen, fleißig trainieren, die das durch Judo Gelernte im täglichen Leben anwenden und durch Judo Fortschritte gemacht haben, können hierdurch bis zu einem gewissen Gradetechnische Defizite ausgeglichen werden,
  • c) die Bewertung der Judo-Techniken berücksichtigt besonders Haltung, Balance und Sicherheit bei der Ausfuhrung,
  • d) in Bezug auf das Wissen über Judo müssen Kandidaten für den 1. Dan oder höher ein sicheres Verständnis der Theorie der Judo-Techniken nachweisen und demonstrieren, welche Bedeutung dies in ihrem Judo hat.

Technische Fertigkeiten und Kampfstärke sind also bei weitem nicht die einzigen Kriterien für die Vergabe einer Graduierung, was in Anbetracht des Anspruchs von Kodokan-Judo, ein um fassendes System zur Persönlichkeitsbildung zu sein, nur konsequent ist, sich jedoch naturgemäß einer objektiven Beurteilung noch mehr entzieht als die Überprüfung praktischer Fertigkeiten.

Bekanntgabe und Beurkundung

Kano war der Ansicht, dass die Beurkundung einer neuen Graduierung und eine entsprechende öffentliche Würdigung Stolz und damit Motivation der erfolgreichen Kandidaten anregen würde.

Die ersten Graduierungsurkunden wurden bereits 1894 gedruckt - bis dahin waren sie handschriftlich abgefasst. Im selben Jahr fand auch die erste große Verleihungszeremonie im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten für das Dojo in Shimotornizaka-cho mit 103 zu Ehrenden statt.

Dan-Grad keineswegs als Meistergrad zu verstehen

Aus den Formulierungen wird ersichtlich, dass ein Dan-Grad keineswegs als Meistergrad zu verstehen ist, wie es im Westen häufig verstanden wird. Der 1. Dan markiert vielmehr den Einstieg in ein ernsthaftes Judostudium, nachdem man den Anfängerstatus überwunden hat. Auffällig ist ferner, dass alle Beurkundungstexte mit der Aufforderung schließen, weiter zu studieren. Dies betont noch einmal die Funktion der Graduierungen, über Anerkennung der Anstrengungen - auch diese werden in den Texten lobend erwähnt - zu fortgesetztem Studium zu motivieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Es gibt 10 Dan-Grade, wobei man die Prüfungen nur bis zum 5. Dan ablegen kann.
  • Gürtel oberhalb des 5. Dan können nicht durch Ablegen einer Prüfung erreicht werden. Sie werden ausschließlich verliehen.
  • Eine höhere Graduierung als zum 10. Dan ist weltweit nicht möglich!
  • Lediglich Professor Jigoro Kano, dem Begründer des Judo, hat man nach seinem Tode den 11. Dan verliehen. Der 12. Dan ist für Menschen nicht erreichbar. Der Geist, die Idee des Judo soll den 12. Dan tragen.

Die Gürtelfarben der Dan-Grade sind:

  • Schwarz für den 1. bis 5. Dan
  • Rot-weiß für den 6. bis 8. Dan
  • Rot für den 9. und 10. Dan

In Deutschland kann nur bis zum 9. Dan erreicht werden. Der Kodokan prüft bis zum 5. Nach dem 10. Dan ist definitiv Schluss.

Für die Graduierung ohne technische Prüfung bis einschließlich 5.Dan sind grundsätzlich die DJB-Landesverbände zuständig. Der 5.Dan-Grad ist der höchste durch technische Prüfung zu erlangende Grad im DJB. Für die Verleihung höherer Dan-Grade sind herausragende Erfolge auf nationaler oder internationaler Ebene und/oder langjährige erfolgreiche und besonders hervorzuhebende nationale oder internationale Tätigkeiten in Lehre, Praxis und Verwaltung nachzuweisen. Die Voraussetzungen zum 6.Dan-Grad sind Bedingungen für alle folgenden Verleihungen von Dan-Graden. Auch wenn bei der Bewertung der Verdienste in jedem Fall sportliche und organisatorische Leistungen und die Persönlichkeit des/ der zu Ehrenden zu würdigen sind, darf bei der Graduierung zum 6. Dan-Grad die sportpraktische Wirkung dieser Ehrung nicht unberücksichtigt bleiben.