Todesfälle in Verbindung mit der Band Karat

Die deutsche Rockmusik-Szene hat ohne Zweifel einen großen Künstler verloren: Ed Swillms, Mitbegründer der Ost-Berliner Rockband Karat, ist im Alter von 76 Jahren gestorben.

Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb der Mitbegründer der 1975 in Ostberlin gegründeten Formation bereits am 27. Juni 2023 im Alter von 76 Jahren. Am gleichen Tag ist Swillms im engsten Familienkreis beigesetzt worden.

Das Management von Karat bestätigte am 8. August 2023 gegenüber Medien den Todesfall. Das Management von Karat erinnert an die besonderen Verdienste des Rockmusikers: »Unsere Gedanken sind bei Eds Familie und Freunden. Und auch wenn es für seine Angehörigen nur ein schwacher Trost ist, seine Lieder leben in uns für immer weiter.«.

Der frühere Keyboarder und Mitbegründer der Ost-Berliner Rockband Karat, Ed Swillms, ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Dem Management ist die Todesursache nicht bekannt.

Ulrich Swillms, genannt „Ed“, wurde 1947 in Ost-Berlin geboren. Er erhielt bereits im Alter von acht Jahren Instrumentalunterricht und gehörte als 15-Jähriger der Spezialklasse der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in den Bereichen Klavier und Cello an. Im Anschluss studierte er dort von 1964 bis 1968 und schloss darüber hinaus ein Klavierstudium im Bereich Tanzmusik an der Musikschule Friedrichshain ab.

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Erste Erfolge feierte Ed Swillms mit den Bands Die Alexanders und Panta Rhei. 1975 gehörte er zu den Gründern von Karat. Auch nach seinem Austritt 1987 blieb er der Gruppe stets verbunden. Seit 2005 stand er bei einigen Konzerten sogar wiederholt als Gast mit auf der Bühne.

In seinem Nachruf heißt es über die Zeit bei Karat: „Spätestens hier wurde schnell klar, dass er nicht nur ein leidenschaftlicher Instrumentalist mit großem musikalischen Können war, sondern ebenso ein bedeutender Komponist, dem es gelang, aus dem Ansatz der Klassik heraus Popmelodien zu schaffen, die zeitlos sind und die Menschen berühren.“

Als Komponist hinterließ der Keyboarder unvergessliche Klassiker wie "Über sieben Brücken", "Der blaue Planet", "Jede Stunde", Albatros und "König der Welt". Das wohl bekannteste Lied "Über sieben Brücken" mit dem Text von Helmut Richter wurde 1978 von Swillms komponiert. Es zog später sogar als Lernstoff in den Musikunterricht ein.

Noch im gleichen Jahr wurde der Film mit dem Namen "Über sieben Brücken" in Pößneck (Ostthüringen) gedreht. Bundesweit erlangte die Komposition durch ein Cover von Peter Maffay große Bekanntheit.

Ulrich 'Ed' Swillms begann seine Tätigkeit bei Karat im Gründungsjahr 1975. Aus privaten Gründen schied er 1987 aus. Ein Verdienst ist es, dass er nach 2005 wieder mit Karat zusammenarbeitete: in seiner Funktion als Berater und als Keyboarder. Gelegentlich stand er für die Band auf der Bühne, beispielsweise bei den Auftritten im Rahmen von "Ostrock in Klassik".

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Für das gleichnamige Projekt war er am 20. Juni 2007 im Gebäude des ehemaligen Rundfunks der DDR in der Nalepastraße in Berlin bei der denkwürdigen Pressekonferenz dabei (Foto).

Nicht nur „Über sieben Brücken“, sondern fast alle großen Karat-Hits stammen aus Swillms Feder, darunter „Albatros“, „König der Welt“, „Schwanenkönig“, „Der blaue Planet“ und „Jede Stunde“.

Für die überragende Qualität der Songs spricht auch, dass sie von Helene Fischer, Chris de Burgh, Max Raabe, Peter Maffay und vielen anderen bekannten Musikern gecovert wurden.

„Zwar winkte Ed stets ab, wenn er als Genie bezeichnet und seine ganz besondere Aura angepriesen wurde, aber Ehre dem, dem Ehre gebührt“, schreibt das Management der Band. Bescheiden und zurückhaltend - so kannten ihn Freunde und Familie Ed Swillms, der ein Haus in Mahlsdorf hatte und dort viele Jahre lebte.

In aller Stille, ohne großes Tamtam, wollten seine Lieben sich auch am 7. August von ihm verabschieden. Das ist gelungen. Erst nach der Beisetzung und Trauerfeier erfuhr die Öffentlichkeit, dass der Musiker bereits am 27. Juni gestorben ist.

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Der Sturmvogel Albatros mit seinen mächtigen Schwingen hat schon viele Künstler inspiriert. Im Pop entstanden zwei ganz besondere Songs: 1968 schrieb Gitarrist Peter Green für Fleetwood Mac sein unsterbliches, schwebendes Instrumental. Elf Jahre später ließ die Berliner Band Karat auf dem Album „Über sieben Brücken“ ihren Albatross steigen. Keyboarder Ulrich Swillms, der „Ed“ genannt wurde, fand eine eigenartige Tonfolge auf dem Synthesizer, spielte Streicher dazu, sang beim Komponieren eine Melodie, bevor er noch ein mächtiges zweistimmiges Gitarrenthema im Mittelteil einwob. Dazu ließ der Text aufhorchen.

Denn Herbert Dreilich besang hier einen Vogel, der mit seinem Freiheitswillen alle Schlösser und Riegel, alle Fesseln und Ketten sprengt - „Gefangenschaft heißt für ihn Tod“.

Laut Karat-Gitarrist Bernd Römer ging der Text von Norbert Kaiser bei den DDR-Kulturbehörden nur durch, weil er als Anklang an Pablo Nerudas Ode vom „Gemordeten Albatros“ gehört werden konnte; Solidarität mit den Sozialisten in Chile war damals ein großes Thema im DDR-Rock.

Der Song hat bis heute nichts von seiner Kraft verloren, passte mit seinen mehr als acht Minuten Spieldauer aber nicht ins Radio, anders als Titel wie „König der Welt“, „Über sieben Brücken“, „Gewitterregen“, „Schwanenkönig“, „Der Blaue Planet“ oder „Jede Stunde“ - allesamt Karat-Hits jener Jahre, alle komponiert von Ed Swillms.

Der Musiker, 1947 in Berlin geboren, hatte schon ab 1962 die Spezialklasse der Hochschule für Musik besucht, studierte Cello und Klavier. Doch kurz vor dem Abschluss packte ihn der Pop. Swillms spielte in den Semesterferien am Klavier Soulmusik in Bars. Er stieg bei der Band Die Alexanders ein.

Eine frühe, nur im Fernseharchiv erhaltene Aufnahme zeigt schon 1970, wohin seine musikalische Reise gehen würde: Im Instrumentalstück „Kloster Chorin“ spielte er Cembalo und Orgel; Herbert Dreilich steuerte ein jazziges Gitarrensolo bei. Beide Musiker spielten bei der Jazzrock-Gruppe Panta Rhei weiter zusammen. Von Swillms stammt das programmatische „Alles fließt“ - eine soulige Progrock-Nummer, die auch von Colosseum oder King Crimson hätte stammen können.

Als der Zuspruch zu vertrackten Klängen nachließ, fanden sich Dreilich und Swillms ab 1975 bei Karat wieder zusammen. Die elegisch-schwärmerischen Keyboard-Klänge von Swillms, die weiche Stimme von Herbert Dreilich und die metaphernreichen Texte von Norbert Kaiser ergaben einen Dreiklang, der Karat zur erfolgreichsten DDR-Band jener Jahre machte.

Ihre erfolgreichste Nummer, „Über sieben Brücken musst du geh'n“, war als Begleitung eines gleichnamigen Fernsehfilms entstanden und von Helmut Richter getextet worden. Karat hatten das Stück frühmorgens in einem Übertragungswagen des DDR-Rundfunks aufgenommen.

Das Cover von Peter Maffay baute ihnen die Brücken gen Westen - Karat verkauften Millionen Alben, spielten in der Waldbühne und gastierten bei „Wetten, dass ..?“. Ihre Alben spielten der DDR so viele Devisen ein, dass sich der Druck auf die Band erhöhte. Karat sollten möglichst alle zwei Jahre ein neues Album abliefern.

Nach 1986 gab es keine Komposition mehr von Ed Swillms zu hören. Der klassisch geschulte Ed Swillms, der sehr penibel arbeitete und ausgefeilte Partituren seiner Stücke schrieb, konnte und wollte keine Einfälle erzwingen. Er zeigte sich zudem genervt vom Tourstress mit den gefühlt endlosen Autofahrten und den billigen Hotelzimmern.

Damit er in Ruhe komponieren konnte, stieg er live immer öfter aus. Karat engagierte zusätzliche Keyboarder - und zwar Hochkaräter wie Thomas Natschinski und Thomas Kurzhals, die auch Eigenes beisteuerten. Bis zum fünften Studioalbum „Die sieben Wunder der Welt“ 1984 aber stammten fast alle Kompositionen von Swillms - darunter alle wesentlichen Stücke, von denen die Band bis heute zehrt.

Seit 1987 galt er aber nicht mehr als Mitglied von Karat - ohnehin hatte die Band damals stark an Bedeutung verloren. Denn schwelgerische Lieder über sterbende Schwäne passten kaum noch in die Zeit - Pankow, Silly oder City hatten da Schärferes zu bieten.

Warum es nach 1986 keine Komposition dieses hochbegabten Mannes mehr zu hören gab, gehört zu den Rätseln des ostdeutschen Pop. Swillms selbst erklärte in den raren Interviews, er wolle lieber zu englischen Texten komponieren und interessiere sich mehr für Blues und Soul.

Doch angedachte Kooperationen, etwa mit der Soulsängerin Coco Fletcher, kamen nie zustande. Live war er gelegentlich zu erleben, etwa mit der Jonathan Blues Band, ab 2005 auch als Gast bei Karat - stets umjubelt, denn die Fans wussten genau, wem sie all die Hits zu verdanken hatten.

Aus den Konflikten der Band hielt er sich heraus. Dass sich Karat Anfang des Jahres von zwei altgedienten Mitstreitern trennte, nämlich von Schlagzeuger Michael Schwandt und Bassist Christian Liebig, mit denen Ed Swillms noch gemeinsam gespielt hatte, nannte er leichtsinnig und verantwortungslos. Die letzten drei Studioalben von Karat, die in Richtung Schlager tendierten, hatte er sich nicht mal angehört.

Der zurückhaltende, introvertiert wirkende Musiker ging so unauffällig, wie er auf der Bühne agiert hatte.

Wie gestern bekannt wurde, ist der Sänger der ostdeutschen Kult-Rockband Karat, Herbert Dreilich, in der Nacht zum 12. Dezember gestorben.

«Mich zwingt keiner auf die Knie» - Karat-Sänger Herbert Dreilich verliert den Kampf gegen den Krebs. «Mich zwingt keiner auf die Knie», sang Herbert Dreilich erstmals vor 20 Jahren in einem Lied. Der Text war sein Lebensmotto, wie er selbst einmal bekannte, doch jetzt hat der Frontmann der ostdeutschen Kult-Rockband Karat einen Kampf verloren.

Wenige Tage nach seinem 62. Geburtstag erlag er in der Nacht zu Sonntag in seinem Haus in der Nähe von Berlin einem Krebsleiden. Noch im März, als ihn die Ärzte nach einer Routineuntersuchung mit der erschreckenden Diagnose Leberkrebs konfrontierten, war Dreilich voller Zuversicht. «Ich habe bis jetzt jede Krankheit überstanden», sagte er.

Zwar wurden sämtliche Tour-Termine dieses Jahres abgesagt. Aber 2005 wollte der Sänger, dessen markante Stimme ein Markenzeichen der Band war, wieder mit dabei sein. Immerhin war anlässlich des 30-jährigen Bühnenjubiläums eine große Tournee geplant.

Karat war 1975 aus der damals bekannten Formation «Panta Rhei» (Alles fließt) hervorgegangen. Die Mannen um Dreilich gehörten zu den erfolgreichsten Rockbands der DDR, die als eine der wenigen bereits vor dem Mauerfall Triumphe im Westen Deutschlands feierten. Insgesamt verkaufte Karat mehr als 8,5 Millionen Tonträger.

1978 brachte die Band das erste Album «Karat» heraus. Mit «Albatros» folgte ein Jahr später das zweite, das mit einem der größten Hits «Über sieben Brücken» auch im Westen auf den Markt kam. Wesentlich bekannter wurde das Lied dort jedoch in der Cover-Version von Peter Maffay.

Im Wendejahr 1989 erschien die Platte «...im nächsten Frieden» als Ost-West-Koproduktion. Als Gast war Maffay an Bord, der den gemeinsamen Hit erstmals mit Dreilich sang. Danach wurde es eher ruhig um die Gruppe.

Erst 1995 meldete sie sich pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum mit der CD «Die geschenkte Stunde» zurück. 1997 erlitt Dreilich kurz nach Erscheinen des Albums «Balance» zum Entsetzen seiner Fans einen Schlaganfall. Er überwand jedoch sein gesundheitliches Tief und stand ein Jahr später wieder auf der Bühne.

Im Jahr 2000 wurde die Band bei einem Konzert zum 25-jährigen Bestehen auf der Parkbühne in der Berliner Wuhlheide von 17 000 Anhängern enthusiastisch gefeiert.

Karat erhielt in der DDR zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Kunst- und den Nationalpreis. Aber auch im Westen fand die Gruppe Anerkennung. Für das vierte Album «Der blaue Planet» (1982) bekam sie erstmals eine Goldene Schallplatte. Gold gab es 1984 rückwirkend auch für «Albatros». 2003 gab es für Karat dann noch den Media-Control-Preis für «Der blaue Planet» als meist verkauftes Album einer DDR-Band.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Informationen zu den Todesfällen von Ed Swillms und Herbert Dreilich zusammen:

Name Rolle in der Band Todesdatum Alter
Ed Swillms Keyboarder, Mitbegründer, Komponist 27. Juni 2023 76 Jahre
Herbert Dreilich Sänger 12. Dezember 2004 62 Jahre