Matthias Glarner: Eine Karriere zwischen Triumph und Tragödie

Matthias Glarner, der Schwingerkönig von 2016, beendete mit knapp 34 Jahren seine Karriere. Glarner gab seinen Entschluss vor den Medien in Hasliberg-Reuti ob Meiringen bekannt.

Der Weg zum Schwingerkönig

Den 28. August 2016 wird Matthias Glarner nie vergessen. Nicht aus dem Nichts aber doch eher überraschend krönt sich der Berner im fribourgischen Estavayer zum neuen Schwingerkönig. So bleibt der Sportlehrer und Sportwissenschaftler vor allem mit seinem grandiosen Auftritt am Eidgenössischen 2016 in Estavayer in Erinnerung, als er spät im Schlussgang den aufstrebenden Bündner Armon Orlik bodigte. Im Schlussgang bodigt er den aufstrebenden Armon Orlik und sichert sich so einen Eintrag in die Schwing-Annalen.

Glarners Triumph in Estavayer fiel mitten in die Zeit, in der die Berner Schwinger die eidgenössische Szene nach Belieben beherrschten. Die Mutzen stellen die Schwingerkönige 2010 (Kilian Wenger), 2013 (Matthias Sempach), 2016 (Matthias Glarner) und neu auch 2019 (Christian Stucki).

Glarners Palmarès umfasst 14 Kranzfestsiege und 116 Kranzgewinne.

Die folgenschwere Verletzung

Es sollte Glarners letzter grosser Sieg sein. Dies ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass er im Juni 2017 bei einem Shooting mit der «Schweizer Illustrieren» von einer Gondel fällt und 12 Meter in die Tiefe stürzt. Der Sturz von der Gondel im Juni 2017 hatte für den Meiringer fatale Auswirkungen. Die Schwing-Welt steht unter Schock, Glarner trägt glücklicherweise keine lebensgefährliche Verletzungen davon.

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Die Beckenspaltung, die er sich zuzog, heilte relativ rasch. Aber die Trümmerbrüche im linken Fuss erwiesen sich als grosses Handicap. 2018 musste er sich einer Nachoperation unterziehen.

Den Sprung zurück an die Spitze schafft der Bruder von Super-League-Kicker Stefan Glarner aber nie mehr. Am Eidgenössischen 2019 in Zug verpasst er am Ende gar den Kranz, ist vom erneuten Königstitel weit entfernt.

Erst kurz vor dem Eidgenössischen Fest in Zug von Ende August 2019 fand Glarner fast wieder zu alter Stärke zurück. Zwei Wochen vor dem Eidgenössischen schloss er das gut besetzte Berner Kantonalfest in Münsingen mit fünf Siegen und einem gestellten Gang im alleinigen 2. ab. In Zug selber gewann er keinen seiner ersten drei Gänge.

Das Karriereende

Schon vor dem Eidgenössischen in Zug hatte Matthias Glarner gesagt, wovon er die Fortsetzung der Karriere abhängig machen werde: «Ich muss ein realistisches Ziel sehen und einen realistischen Weg, wie ich zu diesem Ziel kommen kann.» Der nächste Grossanlass mit eidgenössischem Charakter wäre für ihn das Jubiläumsfest «125 Jahre Eidgenössischer Schwingerverband» am 30.

Vom Schwinger zum Athletiktrainer

BotTalk2019 hörte Matthias Glarner mit dem Schwingen auf - von der Bildfläche verschwunden ist der Berner Oberländer jedoch nicht. Im Gegenteil: Als Athletikcoach von Top-Athleten wie Fabian Staudenmann und Adrian Walther sowie als Trainer in der Sportler-RS in Magglingen ist er mit der Szene eng verbunden.

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Glarner war 2019 vom aktiven Schwingsport zurückgetreten und hat sich anschliessend mit seinem ehemaligen Athletiktrainer Roland Fuchs selbständig gemacht. «Gewisse Ideen, die ich während meiner Karriere verfolgte, sind wegen des Rücktritts auf der Strecke geblieben.» Als Trainer könne er diese nun laufend einbringen, so Glarner. Dies wird auch von seinen Athleten sehr geschätzt. «Man merkt, dass alles sehr durchdacht ist», lobt etwa Orlik seinen Coach.

Die hochkarätige Trainingsgruppe hat auf verschiedenen Wegen nach Wilderswil bei Interlaken gefunden, wo der Kraftraum von Glarner steht. Die meisten von ihnen kamen in der Spitzensport-RS in Magglingen mit dem heute 39-Jährigen in Kontakt. Überzeugt von der Arbeit Glarners schlossen sie sich der Trainingsgruppe an. Einer von ihnen ist Staudenmann. Der 16-fache Kranzfestsieger schätzt die Philosophie Glarners. «90 Prozent ist ehrliche, harte Arbeit. Es gibt keine Abkürzungen.» Neben dem theoretischen Wissen bringe der studierte Sportwissenschaftler Glarner aber auch praktische Erfahrung mit. Als Schwingerkönig habe er die Theorie perfekt umgesetzt, so Staudenmann.

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