Jazzy Gabert: Vom Kinderheim zur Wrestling-Weltmeisterin

Bisingen - Sie ist bekannt dafür, dem Modelsternchen Micaela Schäfer eine Rippe gebrochen zu haben. Jazzy Gabert war als "Wonderwoman" Teil von Udo Lindenbergs Panik-Deutschlandtour und ist derzeit bei "Punkt 12" des TV-Senders RTL zu sehen. Doch hinter der starken Frau steckt eine bewegende Geschichte.

Kindheit und Jugend

Jazzy Gabert wuchs im Kinderheim auf und kam als Adoptivkind in eine Pflegefamilie. "Ich war nicht das süße, Ballett tanzende Mädchen, was die Familie wollte", erzählt sie in der Sendung. Ein schwerer Schicksalsschlag brachte das damals schüchterne und dünne Mädchen dazu, sich zu ändern und sich zu zeigen.

Heute ist sie zehnfache Wrestling-Weltmeisterin und es interessiert sie nicht mehr, was andere über sie denken. Während der Sendung bei RTL gibt sie auch sehr praktische Tipps für mehr Selbstbewusstsein.

Knallhart-Jazzy wollte die junge Frau aus ihrer Komfortzone herausbringen, sie sollte sich behaupten und damit neues Selbstvertrauen fassen, denn ein Champion kann aus jedem werden.

Die WWE-Karriere

Die deutsche Wrestlerin Jazzy Gabert schrieb 2017 ein WWE-Märchen, das von einer Verletzung gestoppt wurde. Bei einem zweiten Anlauf erlebte sie Bitteres.

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Die 1982 in Berlin geborene Gabert war für eine Weile sogar Teil der weltgrößten Showkampf-Liga WWE. Dort hatte sie 2017 die Herzen der Fans im Sturm erobert und ein kleines Märchen geschrieben - das letztlich aber unvollendet blieb.

Teil der Liga war sie damals noch nicht, konnte sich aber gute Chancen ausrechnen, einer zu werden. Die Zuschauer vor Ort forderten nach dem Match gegen Abbey Laith (Kimber Lee) umgehend ihre Verpflichtung, Talentchef Paul Levesque (Triple H) lobte ihren Auftritt als "herausragend".

"Als ich angekommen bin und all die anderen, talentierten Teilnehmerinnen gesehen habe, dachte ich nicht, dass ich da besonders herausgestochen bin", berichtete Gabert später im SPORT1-Interview: "Ich habe einfach gedacht: Ich muss mein Bestes geben, noch eine Schippe drauf packen und einfach genießen."

Kurz darauf war Gabert schon für die Entwicklungsliga NXT im Einsatz, die späte Krönung eines turbulenten Wrestlerinnen-Lebens schien Gewissheit zu sein: Gabert ist seit 2001 Teil der Branche, feierte erste Achtungserfolge, als sie später durch den Aufbau großer Muskelmasse zur dominanten "Alpha Female" wurde - was ihr Türen in Europa, Nordamerika und Japan öffnete. Zeitweise versuchte sie sich auch als echte Kämpferin im Bereich MMA.

Es dauerte lange, bis sie von ihrer Berufung leben konnte: "Ich bin gelernte Kauffrau im Einzelhandel, war dann aber zum Beispiel auch Putzfrau, Barkeeperin, Security, habe im Dönerladen gearbeitet, im Krankenhaus, in der Tankstelle. Ich habe schon einiges hinter mir", schilderte sie SPORT1.

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Bei den medizinischen Tests für WWE bekam Gabert die erste Hiobsbotschaft: WWE-Arzt Dr. Joseph Maroon fand heraus, dass Gabert bereits drei Bandscheibenvorfälle im Nacken erlitten hatte. Die Liga zog daraufhin ihr Angebot zurück, wie Gabert im Dezember beim Podcast der WWE-Legenden Edge und Christian verriet.

Anfang 2020 verkündete sie ihr Aus bei WWE, sie erlebte nach eigenen Angaben viel Unschönes beim Europa-Ableger, der kurz darauf durch diverse Enthüllungen der #SpeakingOut-Bewegung in die Negativ-Schlagzeilen kam. Die taz zitiert sie mit den Worten, dass sie einen "Albtraum" erlebt hätte und "um ihr körperliches Wohl" gefürchtet hätte.

Alpha Female: Markenzeichen und Erfolge

Jazzy Gabert - besser bekannt als Alpha Female gehört zu den führenden Wrestlern Europas. Die Athletin ist bereits weit herumgekommen und konnte sich als eine der weltweit ersten Wrestlerinnen in Fernost, nämlich Japan, behaupten, wo sie unter anderem als erste europäische Titelträgerin bei einer japanischen Promotion mitwirkte.

Mit bereits 13 Jahren Erfahrung in der Sportunterhaltungsbranche konnte Jazzy zahlreiche Siege für sich verbuchen - darunter in Ländern wie Amerika, Afrika, Spanien, Türkei, England und Japan, wo sie bereits in den Ring gestiegen und ihren Ruf verteidigt hat. Jazzy ist 5-fache amtierende Weltmeisterin und hat sich im Verlauf ihrer Karriere eine große Fangemeinde erarbeitet.

Als Alpha Female hat Jazz für TNA Impact Wrestling gearbeitet, deren Shows in rund 80 Ländern im TV zu verfolgen sind. Zudem ist Jazzy unter Vertrag bei Stardom, einer weltweit anerkannte Frauen Wrestling Promotion. In Großbritannien arbeitet sie mit den führenden Promotionen und kämpft dort regelmäßig in der Arena. Zu ihrem Markenzeichen gehört das Ritual mit einer deutschen Fahne in den Ring zu steigen.

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Sie hebt sich nicht nur mit ihrer außergewöhnlichen Frisur sondern vor allem auch mit der starken Statur von ihrer Konkurrenz ab. Neben dem täglichen Wrestling-Training trainiert Jazzy im Fitnessstudio an den Gewichten und praktiziert leidenschaftlich Boxen, Kickboxen, BJJ und Krav Maga.

Um ihren Titel erfolgreich zu verteidigen greift sie auf eine Vielzahl von Produkten aus dem Hause Myprotein zurück, darunter vor allem jene zur Beschleunigung der Regeneration - etwa Total Protein, Recovery Evo, BCAAs und L-Glutamin. Dies hilft ihr dabei schneller und vollständiger zu regenerieren, so dass sie noch härter trainieren und ihre Leistung verbessern kann.

Jazzy Gabert alias Alpha Female ist die erfolgreichste Wrestlerin Deutschlands und schaffte sogar den Sprung in die WWE.

Engagement und Zukunftspläne

Jazzy‘s langfristiges Ziel besteht darin bei der amerikanischen Liga des WWE zu arbeiten sowie darin das Wrestling in Deutschland (wieder) populärer zu machen. In den 80ern und 90ern war das Wrestling in Deutschland sehr beliebt und Jazzy möchte diese Liebe zum Sport wieder erwecken.

Anfang des Jahres gründete sie sogar ihre eigene Wrestling-Promotion-Firma Sirius Sports Entertainment. Ganz abgeschlossen mit dem Wrestling hat sie also nicht. Einen Traum hat Gabert übrigens noch. Sie möchte irgendwann einmal Sportlerin des Jahres werden. Für die Anerkennung von Wrestling als Sport kämpft sie nämlich.

„Wrestling tut brutal weh. Das ist es, was die Leute meistens nicht verstehen. Show bedeutet das, was wir im Ring darstellen. Aber die Schläge, die Tritte, die Würfe, das ist alles echt.

Profi-Catcherin Jazzy Gabert (42, Kampfname „Alpha Female“) hat Deutschlands erste Frauen-Wrestling-Schule in einem Thüringer Dorf eröffnet.

„Ich wollte in der Mitte, im Herzen Deutschlands arbeiten und leben. Da kreiste ich Südthüringen auf der Landkarte ein und suchte nach passenden Häusern, möglichst mit einem großen Saal. Alles sollte unter einem Dach sein“, erklärt die gebürtige Berlinerin.

Acht Gebäude schaute sie sich an und landete in Schwallungen (2600 Einwohner). Deutschlands berühmtester weibliche Wrestling-Star: „Im alten Gasthaus Schwan passt alles: Im Saal konnte ich meinen Wrestling-Ring aufstellen, ein Restaurant mit französischer Küche eröffnen, vier Gästezimmer einrichten und es gibt meine Erfolge in einer Art Jazzy-Gabert-Minimuseum zu bestaunen.“

Die vierzehnfache Weltmeisterin im Wrestling investierte ihre Erfolgsprämien aus Kämpfen in Japan und den USA. „Die Gaststätte kostete mich eine niedrige sechsstellige Summe, dazu steckte ich eine niedrige fünfstellige Summe in den zweimonatigen Umbau.“

Im Dorf hat der ungewöhnliche Star schon Fans. Allen voran Bürgermeister Jan Heineck (51) - der ist ganz stolz: „Schwallungen zeigt, dass wir offen für ausgefallene Ideen sind und den Mut haben, völlig Neues zu wagen.“

Jazzy Gabert fühlt sich in ihrem neuen Zuhause sehr wohl: „Wir wollen hier Action machen.

Jazzy Gabert als Schauspielerin

Die Sportlerin aus Bisingen ist für ihre spektakulären Kämpfe bekannt.

Jazzy Gabert zu BILD: „Für eine Bühnen-Rolle suchten die Festival-Macher eine starke Frau und sprachen mich über fünf Ecken an. Ich habe noch nie Theater gemacht und musste mir kurz überlegen, ob ich dieser Aufgabe auch gewachsen bin.“

Festival-Sprecherin Tina Bühner (49): „Das Stück, in dem Frau Gabert mitspielt, heißt ‚Kampf um Augsburg‘. Darin ringen verschiedene Interessengruppen um Konfliktthemen in der Stadt. Sie werden jeweils von einzelnen Darstellern verkörpert.“

Catcherin Jazzy: „Ich spiele die Figur ‚Big Business‘, trage ein Sakko mit Dollar-Noten-Muster. Im Stück muss ich wie eine Politikerin eine Rede mit Megafon halten. Bei den Proben war ich davon überrascht, dass ich einen so langen Text auswendig lernen kann.“