Sean Patrick Flanery und die Welt der Kampfsportarten

Kampfsportdramen bieten immer wieder ordentliches emotionales Potential, da sich die inneren Konflikte physich erstklassig visualisieren lassen. Somit ist es wenig verwunderlich, dass über die Jahrzehnte zahlreiche starke Werke veröffentlicht worden sind. Von Kultfilmen wie Rocky, Wie ein wilder Stier oder The Fighter über etwas unbekanntere aber nicht minder wuchtige Werke wie Warrior oder Southpaw wurden die Zuschauer immer wieder mitgerissen.

Der Film Born a Champion wurde aus einem bestimmten Grund angesehen: Sean Patrick Flanery, bekannt aus Stargate SG-1, spielt die Hauptrolle als Mickey Kelley. Ebenfalls ist Schauspieler Currie Graham in einer kleineren Rolle zu sehen.

Born a Champion: Ein Kampfsportdrama mit Tiefgang

Mit Born a Champion versucht Regisseur und Drehbuchautor Alex Ranarivelo nun auch sein Glück in dem Subgenre. Im Zentrum von Born a Champion steht Mickey Kelley, einer der ersten amerikanischen Schwarzgurte im brasilianischen Jiu Jitsu. Nach einer brutalen Niederlage kehrt Kelley jedoch dem Wettkampf den Rücken und konzentriert sich auf ein Leben als Familienvater.

Als jedoch herauskommt, dass beim Kampf gegen seinen damaligen Gegner, mittlerweile ein gefeierter MMA-Champion, Kelley um seinen Sieg betrogen wurde, fordert die Öffentlichkeit ein Rematch. Als Hauptdarsteller ist Sean Patrick Flanery (Der blutige Pfad Gottes) zu sehen, der auch die Story zu dem Film lieferte. Born a Champion ist in Deutschland ab dem 01. Juli 2021 digital verfügbar, bevor das Werk am 09.

Mickey Kelley diente als Marine und wurde in Brazilian Jiu Jitsu unterrichtet. Er lehrt den Sport schließlich auch selbst, nimmt aber nicht an Wettkämpfen teil. Schließlich steigt er aber aufgrund eines finanziellen Anreizes doch in den Ring. Er zieht sich aus der Kampfsportszene wieder heraus, gibt selbst aber noch in kleinem Kreise Training. Ansonsten fokusiert er sich auf seine Familie.

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Nachdem sich sein damaliger Opponent aber in der MMA-Szene einen Namen macht, taucht Jahre später ein Video von ihrem Kampf auf. Viele MMA-Fans sind der Meinung, Kelley könnte ihn besiegen.

Mehr als nur brutale Kämpfe

MMA ist tendenziell eine eher brutale Kampfsportart und so erwartet man beim Lesen der Kurzbeschreibung sicherlich einen typischen Kampfsportfilm. Damit meinen wir einen Film mit harten Kerlen (oder Frauen), die unentwegt und gnadenlos Trainieren und sich dann blutige Kämpfe liefern. Auch in Born a Champion sehen wir spannende und durchaus brutale Kämpfe. Tatsächlich bietet der Film aber mehr.

Entsprechend den anscheinend begrenzten inhaltlichen Möglichkeiten dieses Genres geht Born a Champion auf den ersten Blick ebenfalls die üblichen Wege: Ein verlorener Kampf, ein Leben mit Selbstvorwürfen und Problemen, und schließlich das große Comeback inklusive Rache für die einstige Erniedrigung. Ganz so einfach machen es sich Alex Ranarivelo und Sean Patrick Flanery aber dann doch nicht, denn auch wenn die grundlegende Handlung eine gängige Richtung vorgibt, so liegt der Fokus hier doch ein wenig anders.

Anstatt sich auf Szenen im Ring oder das Training für das Rematch zu konzentrieren, nimmt sich Born a Champion viel Zeit für seine Figuren, zeigt die innere Zerrissenheit, die Selbstzweifel, ja sogar die familiäre Tragödie, die sich aus dem zwanghaften Antrieb eines Kämpfers entwickelt. Aber es zeigt auch die Macht einer Kampfkunst, das Leben und die Sichtweise eines Menschen in neue Richtungen zu lenken, oder sogar völlig zu verändern.

Authentisch wirkt die Handlung dabei nicht nur dank den souverän agierenden Darstellern, sondern auch durch den gewählten Stil der Inszenierung, der das Geschehen als Rückblick in einem vermeintlich realen Interview erzählt. Zwar merkt man deutlich, dass die gesamte Handlung komplett auf die von Sean Patrick Flanery dargestellte Figur fokussiert ist, und auch das mit allerlei Wendungen gespickte Finale wirkt eher konstruiert als glaubhaft, doch selbst das verhindert nicht, dass Born a Champion ein hohes Maß an Emotionalität erreicht und den Zuschauer trotz der Laufzeit von knapp zwei Stunden ohne jegliche Längen zu unterhalten weiß.

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Bemerkenswert ist im Verlauf neben des mit viel Gespür dargestellten Leidenswegs auch die körperliche Präsenz Flanerys, der tatsächlich fitter aussieht und agiert als jemals zuvor.

Technische Details der Blu-ray

Abgesehen von einer feinen Körnung bietet die Blu-ray ein sehr scharfes, detailreiches und sauberes Bild. Die Farbdarstellung ist leicht entsättigt, aber völlig natürlich, das Kontrastverhältnis ausgewogen. Die Tonspur leistet sich keine groben Patzer. Der gesamte Ton ist sehr gut ausbalanciert und im Bereich der inszenatorischen Möglichkeiten durchaus dynamisch, bei Bedarf schalten sich auch die umliegenden Boxen dezent mit ins Geschehen ein.

Sean Patrick Flanery: Mehr als nur ein Schauspieler

Einst an der Seite von Norman Reedus im Kultfilm Der blutige Pfad Gottes, war Sean Patrick Flanery danach nie die Bekanntheit beschert, die sein Filmbruder - nicht zuletzt dank The Walking Dead - inzwischen erlangt hat.

Sean Patrick Flanery spielte einen Ex-Cop in der achten Staffel der Fernsehserie „Dexter“ und einen Musiklehrer in dem neuen Film „Broken Horses“. Sie haben verschiedene Arten von Kampfsport trainiert.

Flanerys Leidenschaft für Jiu Jitsu

Folgendes Interview erschien in der New York Times, am 1. Als ich das erste Mal sparren ging, wog mein Sparringspartner 135 Pfund und war klatschnass. Ich wiege 170 Pfund. Ich rollte mich beim Sparring mit ihm zusammen, und er wickelte mich in einen Knoten ein. Er hätte alles mit mir machen können, was er wollte.

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Ich war schon sehr lange Kampfsportler, und mir wurde klar, dass dieser Kerl nicht einmal einen schwarzen Gürtel hatte. Er war ein blauer Gürtel, der erste Gürtel, und doch konnte er mir alles antun, was er wollte, und ich hätte nichts dagegen tun können. Ich wollte diese Macht. Ich wollte wissen, was ich dafür eintauschen muss, um sie zu bekommen. Und die Antwort lautete: Zeit, Konzentration, Fokus und Hingabe.

Die Konzepte und die Philosophie sind unterschiedlich. Schlagen ist zum Beispiel Schlagen. Jede Schlagkunst ist auf Reichweite angewiesen, und Reichweite in einer Schlagkunst erfordert einen willfährigen Partner. Aber du könntest dich umdrehen und weglaufen. Aber beim Grappling (die Anwendung von Griffen und Schlössern, um einen Gegner ruhig zu stellen) im brasilianischen Jiujitsu kannst du nicht weglaufen. Ich brauche nichts von dir. Sobald ich dich im Griff habe, ist alles, was ich habe, in mir und nicht in dir. Das ist das Wunderbare am Grappling.

Alle deine Instinkte beim Grappling sind falsch. Du musst so gut wie alles neu lernen. Wenn ich auf dir liege, ist dein Instinkt, dich zu drehen und dein Gesicht zu schützen.

Als Schauspieler habe ich nicht viel Kontrolle über meine Zukunft und mein Schicksal. Viele Schauspieler sitzen herum und warten darauf, dass das Telefon klingelt. Mit meiner Akademie habe ich keine Zeit, herumzusitzen. Das mindert die mögliche Verbitterung und den Groll, der entstehen kann, wenn man herumsitzt und auf eine Rolle wartet. … Es hat etwas unglaublich Ermächtigendes, in einen Raum zu gehen und zu wissen: „Wow, wenn etwas passiert, könnte ich all diese Leute einschläfern.“ Das muss ich aber nicht.

Der Weg zum schwarzen Gürtel

Sie haben Ihren schwarzen Gürtel 2008 erhalten. Normalerweise sagt man, dass es 10 Jahre dauert, bis man den schwarzen Gürtel hat, und es kann 10 Jahre dauern, wenn man viermal pro Woche trainiert. Ich habe meinen Gürtel in sieben Jahren bekommen, aber ich habe so ziemlich in der Akademie gelebt. Und es bedeutet auch nicht, dass man der Beste ist, den es gibt.

Um einen schwarzen Gürtel zu haben, muss man alle Informationen haben und in der Lage sein, sie richtig auszuführen, und man muss in der Lage sein, die Informationen kurz, prägnant und deutlich für zukünftige Generationen von brasilianischen Jiu-Jitsu-Praktizierenden zu vermitteln.

Ich wollte die brasilianische Technik mit dem amerikanischen Geschäftsmodell verbinden. Ich dachte, das könnte erfolgreich sein. Und die Akademie ist ein Zufluchtsort. Innerhalb der Türen sind alle gleich. Gestern war [Regisseur] Guy Ritchie hier, und wir haben Ärzte, Anwälte, [Talent-]Agenten, und wir haben Leute, die alle hier trainieren, aber nur selten würden sie je fachsimpeln.