Das Karate-Fitness-Dojo in Konstanz feiert sein 50-jähriges Bestehen. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens gibt es am Samstag, 8. Februar, von 13.30 bis 17.45 einen Tag der offenen Tür mit verschiedenen Vorführungen.
Die Anfänge des Karate in Konstanz
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Boxen der Trendsport schlechthin - auch in Konstanz, wo der KSV Rheinstrom große Erfolge erzielte. Aber Karate? Diese Kampfkunst war seinerzeit in Deutschland noch ziemlich unbekannt.
Mit Boxen hatte der Konstanzer Hanskarl Rotzinger (1940 bis 2017) einschlägige Erfahrungen. Sein großer Bruder Otto übte sich in dieser Sportart, und Hanskarl wurde unfreiwillig zum Sparringspartner. Das änderte sich, als er in einer Pfadfinderzeitschrift einen Bericht über Karate las.
Dieser Artikel handelte nicht nur von der japanischen Kampfkunst. Nach der darin beschriebenen Trainingsanleitung übte Hanskarl Rotzinger. In Jürgen Seydel aus Bad Homburg, der als Vater des Karate in Deutschland gehandelt wird, fand der Konstanzer schließlich 1958 seinen ersten Sensei (Lehrer).
Im selben Jahr gründete Rotzinger gemeinsam mit anderen Karatekas das Karate-Zentral-Dojo in Konstanz und war von 1969 bis 1975 Mitglied der deutschen Nationalmannschaft sowie mehrfacher Deutscher Meister.
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Die Gründung des Karate-Fitness-Dojo
Rotzingers großer Traum war aber immer ein eigenes Dojo, den er sich mit der Gründung des Karate- und Fitness-Dojos 1975 erfüllte. Zunächst im Industriegebiet ansässig, wurde das Dojo ab 1977 in der Werner-Sombart-Straße angesiedelt. Seit 1982 ist das Dojo im Joseph-Belli-Weg 3 in der ehemaligen Chérisy-Kaserne beheimatet.
1958 gründete er das Karate-Zentral-Dojo mit und eröffnete 1975 sein eigenes Karate-Fitness-Dojo, das bis heute mit seinen Karatekas internationale Erfolge verbuchen kann.
Zweimal (im Jahr 2006 und 2013) war das Karate-Fitness-Dojo Ausrichter von Europameisterschaften in Konstanz und organisierte mehrfach „Gasshuku“, den größten Karatelehrgang in Europa, in der Konzilstadt.
Karate als Lebensanschauung
Karate war für ihn mehr als lediglich Sport, Ertüchtigung des Körpers und effektive Selbstverteidigung. „Karate ist eine Lebensanschauung“, sagte er im Jahr 2006 im SÜDKURIER-Gespräch. Hinter Karate steht eine Philosophie, geprägt von Höflichkeit und gegenseitiger Achtung. Die Vermittlung dieser Werte war für Rotzinger untrennbar mit dem Karatesport verbunden, und das lebte er vor.
„Die beste Selbstverteidigung ist die, die man nicht braucht“, befand Rotzinger im seinerzeitigen Gespräch. Ihm war wichtig, dass beim Karate insbesondere Selbstbeherrschung und ein gesundes Maß an Selbstvertrauen vermittelt werden.
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Noch heute steht am Eingang zum Dojo die Dojo-Kun (Verhaltensregeln): „Sei höflich und bescheiden. Vervollkommne deinen Charakter. Sei geduldig und beherrscht. Sei gerecht und hilfsbereit.
Die in den 70er-Jahren durch Kung-Fu-Filme entfachte Kampfsporteuphorie sah Rotzinger stets kritisch, denn damit ging seiner Meinung nach der Ruf von Gewalt einher.
Rotzingers Vermächtnis und die Weiterführung durch Markus Rues
Rotzinger war einer der Wegbereiter der Kampfsportkunst in Konstanz und in Deutschland. Er hat in verschiedenen Städten Dojos gegründet, Konstanz zu einer Hochburg des Karate gemacht und den ersten deutschen Verband, den „Deutschen Karatebund“, mitbegründet.
Markus Rues hat das Dojo im Jahr 2007 von Rotzinger, der 2017 starb, übernommen. Rues, er war selbst mehrfacher Europameister, Weltcupsieger und Vize-Weltmeister und gewann bei Europa- und Weltmeisterschaften insgesamt 15 Medaillen, ist wichtig: „Jeder wird aufgenommen und niemand ausgegrenzt“, denn das Dojo lebe von Gemeinschaft und dem Miteinander.
Hanskarl Rotzinger ist noch heute vielen Karatekas unvergessen. „Er hat mir geholfen, als ich nach Deutschland kam“, erzählt Tarek Amin, der selbst international erfolgreich war, einige Jahre die deutsche und drei Jahre die ägyptische Nationalmannschaft trainiert hat. „Als ich mein Dojo ‚Champion Kampfkunst‘ und Crosstraining eröffnet habe, hatte er mir seine Hilfe angeboten“, erinnert sich Tarek Amin.
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Zum 50-jährigen Bestehen des Karate-Fitness-Dojos wünscht Tarek Amin, dass „Markus Rues den Weg von Hanskarl weitergeht und das Dojo weiter nach vorne bringt“. Karate beinhalte nämlich mehr als reine Kampfkunst, weiß Amin aus eigener Erfahrung: „Karate hat meine Stärke beherrscht und mich gelehrt, geduldig und beherrscht zu sein.“
Die Bedeutung des Karate-Fitness-Dojo für Konstanz
„In den Vereinen wird der tägliche respektvolle Umgang miteinander praktiziert und gelebt. Es wird miteinander trainiert, geschwitzt, manchmal bei den Trainingseinheiten verloren und gesiegt, aber immer mit der nötigen Achtung des Trainingspartners“, beschreibt Norbert Heinrich, Vorsitzender des Polizei-Sportvereins Konstanz (PSV). „Gerade bei den Kampfsportarten wie Karate, Ju-Jutsu et cetera sind das grundsätzliche Voraussetzungen, um verletzungsfrei über die Runden zu kommen“, so Heinrich, der anfügt: „Wir, der Polizei-Sportverein Konstanz, gratulieren dem Karate-Fitness-Dojo Konstanz zu seinem 50-jährigen Bestehen und wünschen ihnen noch weitere 50 Jahre!“
„Seit fünf Jahrzehnten trägt der Verein zur Gesundheit und zum Wohlbefinden vieler Menschen bei“, stellt Marcus Stolz, Vorsitzender des Karate-Zentral-Dojos Konstanz fest.
Breitensport und Wettkampf
Breitensport und Wettkampf, beide Säulen prägen das Karate-Fitness-Dojo mit mehr als 550 Mitgliedern. Alleine bei Europa- und Weltmeisterschaften haben unsere Athleten 55 Medaillen nach Hause gebracht.“
Hanskarl Rotzinger ist unvergessen
