Karate Cop: Ein Kultiger Trash-Film aus Vergangenen Zeiten

In einer nicht allzu fernen Zukunft, in der Anarchie auf den Straßen herrscht, stellt sich nur einer Mord und Totschlag entgegen: John Travis, der letzte Cop. Er ist gut zu erkennen an seinem „Special-Police-Baseball-Cap“, das er nie ablegt, und an seinem Streifenwagen. Die Zukunft ist wieder einmal am Arsch, und auf den Straßen der zivilisatorischen Reste herrscht Anarchie.

Eines Tages kriecht ihm eine aparte junge Dame namens Rachel mit Mörderhupen über den Weg. Sie bittet John um Hilfe, und er bringt sie in seine Bleibe, wo er sie erst einmal nackig macht, um sie vor dem sauren Regen zu bewahren, der ihren silikongepimpten Körper zu verunstalten drohte. Hier lebt sie mit den hippen Freebies und wehrt sich gegen die Fieslinge des Fieswichts Lincoln. Um ungeschoren zu entkommen, will sie ein kaputtes Beam-Portal benutzen, für das John Ersatz besorgen soll.

Auf seinem Weg gerät er mit diversen Lumpen zusammen, denen er die Kauleiste verbiegen darf. Derweil freuen sich Lincolns Mannen auf Johns Rückkehr und halten ihre mordlüsternen Muskelberge mit Arena-Kämpfen fit. Ob sich Rachel in Gedanken an John immer mal einen schubbert, ist nicht überliefert. Aber als John dann endlich zurückkehrt, brennt ordentlich die Luft! Lincoln entführt Rachel, und John will sie zurück.

Ok, vielleicht ist „geil“ rückblickend ein wenig zu euphorisch als Bewertung, denn „Karate Cop“ zieht sich hier und da auch mal ordentlich. Ein geübter Cutter hätte garantiert 15 Minuten aus dem Film herausgeschnitten. Wehmut macht sich breit, wenn ein beständig von sich selbst in der dritten Person labernder Vollhorst mit billiger Gummimaske den wild overacteten Sidekick des feisten Fieswichtes mit Vokuhila und Pornoschnäuzer gibt.

Im Grunde ist Carrie Chambers, die Heldin und Love Interest vom „Karate Cop“, nur dazu da, um von irgendwelchen lüsternen Lüstlingen die knappen Blusen aufgerissen zu bekommen und ihre Hupen ins Bild zu halten. Damit sie am Ende schlau wirkt, bekommt sie tatsächlich auf einmal eine Brille aufgesetzt und einen Wissenschaftlerkittel umgehangen. Klischees at it’s best. Sonst hätte sie den Commodore am Teleportationsgerät aber auch nie bedienen können.

Lesen Sie auch: Mehr über Karate

Irgendwie wirkt der Held zunächst erstmal recht alt, aber alte Recken können auch kicken. Leider hat Ronald L. Marchini keine wirkliche Ausstrahlung. Dafür darf er, verordnet vom Drehbuch, in einer Tour rumnölen. Und das macht tatsächlich Spaß. Vor jeder anstrengenden Aufgabe darf unser strahlender Held also erst einmal geil jammern, nur um sich dann umso vehementer ins Getümmel zu stürzen.

Dabei setzt er mehr auf flinke Arme und Hände, Kicks und Sprünge liegen ihm offensichtlich nicht mehr so. Spaß macht die Abfolge an dämlichen Kickereien ohne echten Grund in jedem Fall. Und in einer Szene rockt sie sogar mächtig gewaltig. In der macht Ron als John einen Diner platt, der von David Carradine („Martial Law“) himself geleitet wird. Hier schickt John die Gegner durch Glasscheiben, latscht ihnen in die Eier und verpasst ihnen suppende Einschusslöcher mit einer Doppelläufigen. Dazu krachen die Knochen diverser Extremitäten.

Leider ist die Action nicht immer auf diesem Niveau. Dafür dürfen wir dem lieben John bei einer Rambo-Eigen-OP zuschauen. Ist doch auch etwas. Tja, und dann zieht er schon in die Schlacht gegen in Lumpen gehüllte Lumpen, die sich schön artig ihr Backenfutter beim blitzgenesenen John abholen. Der bekommt wieder eine Menge zu nölen, vor allem, wenn ihn ein Selbstzerstörungs-Countdown zum zweiten Mal im Film zum Rennen zwingt. Und stellt euch vor, wie John erst nölt, wenn der Countdown am Ende wieder nicht in eine Explosion mündet. Er hat es schon nicht leicht, der John. Aber dafür darf er sicherlich bald wieder an Rachel herumspielen. Die hat ihre Nippel den ganzen Film hindurch im Übrigen immer auf Empfang gestellt.

Was am Ende bleibt, ist ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten - sogar auf DVD im schmuddeligen VHS-Look gereicht. Das lässt erst recht nostalgische Gefühle beim Zuschauer aufkommen. „Karate Cop“ ist einfach nur geil dumm. Die Handlung, die Figuren, die Ausstattung, die geniale Synthesizer-Fanfaren-Mucke, die dämlichen Sprüche, die Geschlechterklischees, alles an „Karate Cop“ ist der pure Stumpfsinn.

Ja, John rast einige Minuten zu lang auf einem Motorrad irgendwelche Staubstraßen entlang. Ja, die Action könnte besser und dichter gedrängt auf den Zuschauer einprasseln. Und ja, ein Held mit etwas Ausstrahlung wäre auch geil gewesen. Aber sonst? Einlegen, zurücklehnen, in die Zeiten des heiligen Videotheken-Zeitalters zurückbomben lassen und genießen. Und ganz nebenbei kann man auch ein Ratespiel machen, welche Szenen ganz offensiv auf die Mad-Max-Filme referenzieren.

Lesen Sie auch: Rapserdflöhe bekämpfen mit Karate Zeon

Die deutsche DVD zum Film kommt von dem Label Deutsche Austrophon GmbH. Tagged as: Action, Alan Roberts, Carrie Chambers, D.W. Landingham, Endzeit-Action, Karate Cop, Michael E. Bristow, Omega Cop 2, Ronald L.

Ein Blick auf Martial Law - Der Karate-Cop

Ron Marchini ist ein Urgestein der US-Karate-Szene. Der 1945 geborene Kalifornier schrieb Bücher zum Thema, maß sich auf der Matte u. a. mit Chuck Norris und verhalf der Kampfkunst in Nordamerika zu gesteigerter Popularität. Fast von selbst versteht sich da, dass sein Weg irgendwann ins Filmgeschäft führte. Dort wirkte er in zwei Handvoll - gemessen an seinem Status als Martial-Artist - verblüffend qualitätslosen B-Streifen mit. Der vielleicht bekannteste: die Endzeit-Gurke „Karate Cop“.

Im Sequel zum so unsäglichen wie unfreiwillig vergnüglichen Trash-Gewitter „Omega Cop“ (1990) trottet Marchinis Polizei-Rudiment John Travis auf den viel zu großen Fußspuren von Mad Max und Snake Plissken durch sparsam gestaltete Industrie- und Hinterhofkulissen. Dabei darf er gleich zum Auftakt die holde Rachel (Carrie Chambers, „Sleepaway Camp IV“) vor einer Horde ungewaschener und reichlich simpel kostümierter Brutalo-Pflegel retten.

Das Dilemma des Hauptdarstellers zeigt die darum drapierte Action ohne Umschweife: Regisseur Alan Roberts („Chaos in Palm Springs“) weiß mit den sportlichen Qualitäten Marchinis nicht viel anzufangen. (in anderer Rolle auch im Erstling präsent: D.W. Kristall - und selbstredend den Teleporter - ebenfalls begehrt. Das Budget ermöglichte lediglich eine Prise Budenzauber - und eine auf Dauerfeuer gestellte Nebelmaschine.

Als echtes „Highlight“ empfiehlt sich Lincolns rechte Hand (oder linker Fuß) Snaker (auch als Regie-Assistent gelistet: Michael Bristow, „Karate Raider“). Der ist nicht nur grammatikalisch ungelenk („All cops are dead. Snaker law here.“), sondern auch mimisch arg begrenzt, woran die urkomische Billigmaske regen Anteil fordert. Doch genauso setzt „Karate Cop“ seine Reizpunkte: spärliches Schauspiel, billige Action und Schenkelklopfer, wo keine sein sollten. Mit dem Vorgänger ist der possierliche Schund damit in perfekter Gesellschaft. Allerdings hatte der wenigstens Alt-Batman Adam West zu bieten.

Lesen Sie auch: Die Lehre im Karate Dojo

Im Gegenzug wirft das Sequel „Kung Fu“-Sternchen David Carradine in den Ring, der im turbulenten Auf und Ab seiner Karriere zwischenzeitlich für eine warme Mahlzeit bereit schien, jeden Scheiß zu spielen. Der Kult-Star begnügt sich mit einer verschwindend kurzen Sprechrolle und verabschiedet sich mit einer Schrotladung im Wanst, nachdem er unter Beweis gestellt hat, wie echtes Schauspiel aussieht. Zumindest im Vergleich zu all den anderen hier aufgebotenen Beteiligten.

Immerhin das Retro-Feeling des Streifens ist fast unerhört, wenn Selbstzerstörungsmechanismen an ein (und dasselbe) Laufschrift-Display mit C64-Anbindung gekoppelt sind. Nein, zu holen gibt es in diesem reichlich angestaubten Übermorgen nichts.