Roland Habersetzer: Ein Leben für die Kampfkunst

Roland Habersetzer, Jahrgang 1942, ist seit 1957 Praktizierender der Kampfkünste. Bereits 1961 erhielt er den 1. Dan und wurde so zu einem der ersten französischen „Schwarzgurte“ im Karate. Zu Recht wird er sowohl als Spezialist der japanischen Kampfkünste (Budô) als auch der chinesischen (Wushu) angesehen.

Nachdem er verschiedene Graduierungen in Frankreich, Japan und China erhalten hatte, wurde Roland Habersetzer in Japan durch O-Sensei Tsuneyoshi Ogura im Jahre 1992 der 8. Dan sowie der Titel eines Shihan zuerkannt, und im April 2006 der 9. Diese Graduierungen und Titel wurden durch Tadahiko ôtsuka vom Tokioter Gojukensha bestätigt. Damit wurden seine außerordentlichen Bemühungen bei der Verbreitung der Kampfkünste und die hohe Effektivität seines Wirkens gewürdigt.

Im Jahre 1968 erschien sein erstes populärwissenschaftliches Buch über die Kampfkünste. Heute besteht sein Werk aus über 70 Büchern, was ihn zum Autor der weltweit bedeutendsten Buchreihe auf diesem Gebiet werden läßt.

Gründung des Centre de Recherche Budo (CRB)

Schon frühzeitig zeigte sich Roland Habersetzer enttäuscht von der Tendenz des Karate, sich von der Kampfkunst zur Sportart zu entwickeln. Daher gründete er 1974 das Centre de Recherche Budo (CRB), eine internationale, unabhängige Organisation, die zahlreiche Budôka zusammengeführt hat, denen vorrangig der Erhalt der geistigen Werte der japanischen und chinesischen Kampfkünste am Herzen liegt.

Durch sein Wirken im Rahmen des CRB, durch zahlreiche Lehrgänge und Seminare auf der ganzen Welt und natürlich auch durch seine technischen Handbücher und historischen Werke leistete er echte Pionierarbeit, damit die traditionellen Werte seiner Kunst nicht verloren gingen.

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Wirken als Lehrer und Experte

Zwischen 1962 und 2002 unterrichtete er in seinem Dôjô in Straßburg. Stets umfaßte sein Ausbildungskonzept sowohl die Kampftechniken als auch deren kulturellen Hintergrund.

Der weltweit anerkannte Experte im Karatedô, im Kobudô und im Taijiquan interessiert sich leidenschaftlich für Kampfkünste in all ihren Erscheinungsformen. Nach Effektivität im Kampf zu streben, bedeutet für ihn, alle Entwicklungen vorurteilsfrei zu betrachten.

Institut Tengu und "Der Weg des Tengû"

Mit seinem Institut Tengu, das er 1995 gründete, begann eine neue Etappe seiner Forschungen auf dem Gebiet der Kampfkünste, parallel zu seiner Tätigkeit als Budôka. Das Ziel dieses Instituts besteht darin, auf Grundlage des Studiums und des praktischen Vergleichs zahlreicher Formen des Kampfes mit und ohne Waffe zu einem umfassenden Konzept der Selbstverteidigung zu gelangen, das den Gegebenheiten der heutigen Welt gerecht wird.

Die Absicht von Sensei Habersetzer besteht darin, der Praxis des Karatedô einen Sinn zu verleihen, der in der modernen Gesellschaft tatsächlich von Nutzen ist, einen Sinn, der nichts zu tun hat mit sportlichen oder spielerischen Varianten. „Der Weg des Tengû“ (Tengû no michi) ist für ihn das Abbild einer neuen Bewußtwerdung, eines Willens, einer modernisierten Methode des Budô. Geistige Einstellung und technische Mittel entsprechen dabei den Anforderungen der heutigen Welt.

Indem er nach langen Jahren auf dem Weg des klassischen Karatedô eine authentische Schule (Ryû) der vereinigten Kampfkünste (Shin Budô), „Tengû no michi“ gegründet hat, hat Soke Habersetzer nichts anderes getan, als den lebendigen Geist der Tradition in die Gegenwart zu tragen.

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Frühe Karriere und Engagement

Geboren 1942, begann Roland Habersetzer mit dem Judo und dem Jiu-Jitsu im Jahre 1957, um im darauf folgenden Jahr das Karate zu entdecken. Er widmete sich schnell gänzlich dieser Richtung und erhielt 1961 seinen 1.Dan in dieser Kampfkunst.

1962 gründete er die Sektion Karate/Ko-Budo innerhalb des Universitätsclubs Straßburg, wo er viele Schüler ausbildete, die wiederum Dojos im ganzen Osten Frankreichs eröffneten.

Als Vertreter der Liga für Karate war er 10 Jahre lang die Haupttriebfeder der jungen Fédération Francaise de Karate durch Seminare, Kampfrichterausbildung und Kaderschulungen, in denen er Tausende von Karatekas ausgebildet hat.

Pionierarbeit und Warnungen

Seit mehr als 40 Jahren leistet er unermüdlich Pionierarbeit für das Überleben eines traditionellen Karatedo und stützt sich dabei auf eine „ganz bestimmte Konzeption“ des Budo.

Als einem der Allerersten, der die Karateübenden vor den Gefahren der alleinigen Ausrichtung dieser Künste in die sportliche Richtung - losgelöst von ihrem unverzichtbaren kulturellen Hintergrund - warnte, steht ihm der Verdienst zu, durch seine konstanten und seinen eigenen Prinzipien treuen Bemühungen einen weitgehenden Meinungsumschwung zugunsten einer Rückkehr zu den traditionellen Werten der japanischen (Budo) und chinesischen (Wu-Shu) Kampfkünste bewirkt zu haben.

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Vielseitigkeit und Auszeichnungen

Lehrer für Geschichte, Techniker auf hohem Niveau, talentierter Zeichner, Experte in den Karate-Stilen SHOTOKAN und WADORYU, Experte für TAI CHI CHUAN /Yang-Stil sowie für mehrere „äußere“ Stile des Kung-Fu (HUNG-GAR, CHOY-LEE), Perfektionist in allem, was er unternimmt: Roland Habersetzer ist heute mit bereits 69 zwischen 1968 und 2003 veröffentlichen Büchern der Verfasser der größten Buchserie über die Kampfkünste in der Welt.

Mit verschiedenen Auszeichnungen diplomiert in Frankreich, Japan und China, wurde er in Japan 1992 zum 8. Dan ernannt, eine seltene Ehre für einen Nichtasiaten.

Höhepunkt des Lebenswerks

Das Lebenswerk Sensei Habersetzer erfuhr am 28. April 2006 seinen vorläufigen Höhepunkt. Sensei Tsuneyoshi Ogura verlieh an diesem Tag Sensei Habersetzer den 9.DAN im KarateDo, verbunden mit dem Titel Hanshi. Gleichzeitig erkannte Hanshi Ogura Hanshi Habersetzer den Titel eines Soke für seinen Stil Tengu no Michi an.

"Mit Körper und Geist"

Roland Habersetzer Hanshi, 9. Dan, möchte mit seinem Werk dem erfahrenen Karateka Perspektiven eröffnen, die es ihm erlauben, Karate als lebenslangen Weg zu betreiben, während er die drei klassischen Entwicklungsstufen (Shu-Ha-Ri) vom Schüler zum Meister durchschreitet.

Karatedô heißt für den Autor, "kämpfen zu lernen mit Aktivierung der inneren Energie (Ki), die in jedem Wesen existiert, aber meistens verborgen bleibt". Nach einem Abschnitt über Tradition und Karate wird im ersten Teil des Buches auf zentrale Themen wie Aktivierung der Kraft des Hara, Kime und die Beherrschung der Distanz im freien Kampf sowie verschiedene Abwehrtechniken eingegangen.

Der zweite Teil behandelt Kampfstrategien. Es wird gezeigt, wie man passives und aktives Verhalten nutzen kann, um dem Angreifer Fallen zu stellen, und welche Mittel der Täuschung es außerdem gibt. Ein weiteres Kapitel beschreibt Techniken von Tiger, Kranich und Drachen.

Den Leser erwarten eine Vielzahl anspruchsvoller Techniken, dargestellt mittels klarer und übersichtlicher Zeichnungen, zahlreicher Fotos und ausführlicher Beschreibungen, eingebettet in den philosophischen und geistigen Hintergrund des Karatedô.