Die Welt des Sports ist traditionell binär in Bezug auf Geschlechter organisiert, wobei Frauen und Männer getrennt antreten. Personen, die diesen Kategorien nicht entsprechen, sehen sich oft mit Ausschluss oder harten Auflagen konfrontiert.
Im Profisport lautet die Devise: Fairness ist wichtiger als Inklusion. Transpersonen oder Personen mit körperlichen Merkmalen, die von der Norm abweichen, werden dadurch ausgegrenzt.
Doch im Wrestling, wo die Kämpfe nur Show sind und es dadurch gar keinen Wettbewerb gibt, besteht zwischen Fairness und Inklusion auch kein Widerspruch. Und in der Manila Wrestling Federation versucht man, sich das zum Vorteil zu machen.
Chelsea Marie: Eine Pionierin im Wrestling
Die Halle tobt, als Chelsea Marie kommt. Zu ihrer Musik läuft sie einmal um den Ring herum, klatscht die Hände der Fans ab, spaziert durch die engen Gänge wie auf einem Catwalk. Dann steigt sie den Ring hinauf, schiebt die Seile hoch, um langsam räkelnd durchzusteigen. Sie liebt die Aufmerksamkeit.
Chelsea Marie ist eine Transfrau und damit auf viele Weisen besonders. Sie sagt lachend über sich selbst: »Ich hab’ keine ausgedachte Figur. Das im Ring bin einfach ich. Beim Wrestling liebe ich die Idee von Frauen, die draufhauen und krass drauf sind. So will ich sein, als sexy Version davon.«
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Ihre Entwicklung ist einzigartig, denn Personen, die diesen binären Kategorien nicht entsprechen, werden im Wettbewerbssport immer wieder ausgeschlossen oder mit harten Auflagen belastet.
Am Rande des Rings sieht Veronica Shannon zu, die Gründerin und Co-Chefin der Liga. »Die Sache mit der MWF ist, dass wir inklusiv sind. Jede Person ist willkommen. Ich selbst hatte meine Transition 2018, hier im Ring, von Mike zu Veronica. Unsere Kultur hier ist sehr offen.«
Shannon hat große Pläne für die Liga: "Wir werden jetzt seit Kurzem endlich im landesweiten Fernsehen ausgestrahlt, und wir wollen noch weiter wachsen. Ein Kernbestandteil der Wachstumsstrategie ist Chelsea Marie. Weltweit ist sie die einzige Transfrau, die in der größten Liga ihres Landes zu den populärsten Figuren gehört. Im Moment gibt sie täglich Interviews."
Chelsea Marie ist von dieser Aufmerksamkeit überwältigt: "Ehrlicherweise hatte ich nie den großen Traum, Wrestlerin zu werden: Ich meine, ich bin nicht in den USA und ich bin trans. Wie soll das gehen? Aber 2016 gab es eine Reality Show, die Wrestlerinnen im Ring und außerhalb portraitierte. Und dann dachte ich: Hm, die sind interessant. Ich will das auch! 2019 schrieb ich dann ein paar Wrestlingligen an. Die MWF hat geantwortet und bot mir an, mit ihnen zu trainieren. Intern gab es dann wohl eine Ansage, dass jetzt eine Transperson kommt. Und allen wurde angeboten, die Liga zu verlassen, wenn jemand ein Problem damit hat."
Ernesto Baque Bunag, der als Zuschauer in der Halle ist, findet: "Wrestling bei Frauen ist cool. Wenn immer nur Männer kämpfen, ist es auch irgendwann langweilig. Die Männer sind natürlich physisch stärker. Aber ich würde sagen, mittlerweile sind die Frauen genauso beliebt wie die Männer."
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Die Philippinen sind ein paradoxer Fall. Eine Änderung von Namen oder Geschlecht ist hier nicht möglich. Trotzdem haben Transpersonen hier einen relativ guten Stand: Sie werden Politikerinnen, Juristen, Unternehmerinnen - und starten im Wrestling durch.
Soziologinnen erklären das damit, dass vor dem spanischen Kolonialismus, der hier mehr als 300 Jahre lang herrschte, eine Tradition etabliert war, die Gender weniger binär und mehr im Kontinuum dachte.
Nach dem Sieg lässt sie sich aber nicht einfach bejubeln. Sie zollt ihrer größten Gegnerin Respekt: "Chelsea Marie: Es gab keine Transwrestlerin vor ihr." Die Halle jubelt.
Chelsea Marie träumt davon, dass sie eines Tages von diesen Shows leben kann. Erst mal aber muss sie am nächsten Tag wieder anders ihr Geld verdienen: "Ich tanze und bin Tanzlehrerin. Als Hintergrundtänzerin im Fernsehen und so weiter. Aber was die Rechnungen bezahlt, ist Livestreaming."
Und wenn das große Geld durchs Wrestling auch in Zukunft nicht in den Philippinen zu haben ist, dann gehe sie vielleicht irgendwann einfach in die USA zur WWE - der größten Wrestlingliga der Welt.
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Die Manila Wrestling Federation (MWF) als Vorreiter
Die Manila Wrestling Federation entspricht eben nicht dem Klischee einer ausschließlich muskelbepackten Machowelt. Danielle Hill, eine Studentin, die ihre Masterarbeit über die Rolle von Frauen in einer klassischen Männerdomäne schreibt, betont, dass die MWF sich selbst als von Frauen angeführte Organisation betrachtet.
Herausforderungen und Chancen
Trotz der Fortschritte gibt es weiterhin Herausforderungen für LGBTQ-Personen im Sport und in der Gesellschaft insgesamt.
Es ist wichtig zu betonen, dass Inklusion und Fairness keine Gegensätze sein müssen, sondern sich gegenseitig ergänzen können. Die Geschichte von Chelsea Marie und die Arbeit der Manila Wrestling Federation zeigen, wie eine inklusive Umgebung geschaffen werden kann, in der alle Menschen die Möglichkeit haben, ihre Leidenschaften auszuleben.
