Karat: Neubesetzung und Jubiläumspläne

Es ist eine Weltpremiere, denn Karat hat zur ersten Probe mit den neuen Musikern gebeten, die an die Stelle der langjährigen Bandmitglieder Michael Schwandt und Christian Liebig treten.

„Noch nie in der Geschichte der Band haben wir gleichzeitig zwei neue Kollegen integriert“, sagt Bernd Römer. Die Band hofft sehr, dass auch die Fans sich auf die Neuen freuen werden.

Die Suche nach neuen Talenten

Gefunden hat Karat die beiden mit ein wenig Hilfe. „In den letzten fünf Jahren hat Ronny Dehn bei uns getrommelt, wenn Micha Urlaub hatte“, erzählt Claudius Dreilich. Für ein langfristiges Engagement stand der Schlagzeuger allerdings nicht zur Verfügung.

„Er hat eine andere Lebensplanung. Und es gibt einige Projekte, die ihm sehr am Herzen liegen, die aber mit unserem vollen Terminkalender nicht vereinbar sind.“ Denn die Band hat viel vor: „Wir wollen in den nächsten zwei Jahren - 2025 feiern wir 50-jähriges Bandjubiläum - viel unterwegs sein“, so Claudius.

Das Gute: Ronny Dehn hatte Vorschläge für die Band. „Er hat uns erst Heiko empfohlen und später auch Daniel“, erinnert sich Claudius.

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Heiko Jung: Ein unerwartetes Angebot

Heiko Jung hatte Karat bereits 2007 kennengelernt - im Rahmen der „Ostrock in Klassik“-Tour. „Und dann haben wir uns durch Zufall auf der ‚Goldenen Henne‘ im letzten Jahr wiedergesehen“, lacht Bernd Römer. Heiko spielte in der Band, die dort auf der Party für Stimmung sorgte.

„Das war wie ein Wink mit dem Zaunpfahl: Wir haben uns so übereinander gefreut“, sagt Bernd. „Und wenn das nach zwei, drei Jahren, in denen man sich nicht gesehen hat, so ist, dann weiß man: Das könnte zwischen uns auch langfristig passen!“

Als der Ausstieg von Micha Schwandt dann feststand, rief Bernd bei Heiko an, um ihn zu fragen, ob er Interesse habe, die Trommeln zu übernehmen. „Ich dachte, das ist ein Scherz“, erzählt Heiko. „Aber als mir klar wurde, dass die Jungs das ernst meinen, wusste ich: Dazu kann ich nicht Nein sagen!“

Die Band lud ihn zu ihrem Konzert in Erkner ein. „Wir haben beim Soundcheck ein paar Titel zusammen gespielt“, sagt Claudius.

Daniel Bätge: Vom Supermarkt auf die Bühne

Daniel Bätge kannte die Band vorher gar nicht. Doch nach der Empfehlung durch Ronny Dehn rief Claudius bei Daniel an. „Ich stand im Supermarkt zwischen Butter und Toast“, lacht der Bassist. „Ich dachte erst, Claudius hat sich verwählt!“

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Auch er besuchte die Band auf Tour. „Das Konzert im Leipziger Gewandhaus war mein allererstes Karat-Konzert“, erinnert sich Daniel. „Natürlich kenne ich ihre Musik und bin damit aufgewachsen. Aber erst, als ich mich intensiver mit dem Material der Band auseinandergesetzt habe, habe ich festgestellt, wie komplex und grandios die Musik tatsächlich ist! Allein der Titel ‚Narrenschiff‘: Da geht die Modulation einmal durch den Quintenzirkel! Beeindruckend!“

Die Reaktion seines Chefs an der Popakademie Mannheim, Frank Itt, gab den letzten Ausschlag: „Als ich ihm von dem Angebot erzählte, sagte er: ‚Wenn du das nicht machst, erwürge ich dich eigenhändig‘“, lacht Daniel.

Neuanfang und Zukunftspläne

Fest stand für Karat, dass sie nicht nur Gastmusiker für die nächste Tour wollten, erzählt Bernd. „Wir suchten zwei vollwertige Bandmitglieder. Und die beiden haben sich sofort mit Herzblut mit unserer Musik identifiziert!“

Schließlich wolle man gemeinsam in die Zukunft gehen und Neues schaffen, bestätigt Claudius. „Wir freuen uns, wenn von den beiden auch neue Impulse kommen! Wir sind natürlich traurig, dass Micha und Christian nicht mehr dabei sind.“

„Natürlich sind wir nach einer so langen und intensiven Zeit traurig, dass Micha und Christian nicht mehr dabei sind“, sagt Claudius. „Aber die Zeiten ändern sich. Wir sind keine Maschinen, wir machen Kunst und leben von unseren Emotionen. Deshalb sind Veränderungen manchmal unausweichlich. Wir sehen das als Chance: Wir ziehen schon jetzt so viele Inspirationen aus der Arbeit mit Heiko und Daniel.“

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Dass sich die Fünf auch menschlich verstehen werden, daran zweifelt keiner. „Ich bin 100 Prozent überzeugt, dass wir eine tolle Zeit vor uns haben“, sagt Claudius, „dass wir auch nach den Konzerten gern mal noch ein Bier oder zwei miteinander trinken werden. Wir haben Lust, uns nach und nach besser kennenzulernen und zusammenzuwachsen.

Die Band Karat

Die Gruppe KARAT zählt zu den erfolgreichsten deutschen Bands der letzten Jahrzehnte. Seit ihrer Gründung war und ist KARAT bis heute auch in Mecklenburg-Vorpommern für Generationen ein musikalischer Begleiter durch die Zeiten.

KARAT ist die einzige Band aus dem Osten Deutschlands, die schon vor dem Mauerfall in der Bundesrepublik ihre Platten vergoldete. Und auch das gehört zur Erfolgsbilanz. Ihr Lied "Über sieben Brücken musst du gehen" findet man in deutschen Schulbüchern.

Nach dem Tod von Gründungsmitglied und Frontmann Herbert Dreilich stieg sein Sohn Claudius als neuer Sänger ein. Seine verblüffende vor allem auch stimmliche Ähnlichkeit mit seinem Vater riefen viele Skeptiker auf den Plan. Die hat Claudius längst zum Schweigen gebracht. Denn er hat den Beweis angetreten, dass er nicht nur das Äußere seines Vaters, sondern auch dessen kreative Energie geerbt hat. Insofern ist es verständlich, wenn Claudius Dreilich heute die Band KARAT als sein Zuhause bezeichnet.

Am 22. Februar 1975 wurde im Kulturhaus «Otto Buchwitz» in Heidenau nahe Dresden Musikgeschichte geschrieben. Bassist Henning Protzmann, Gitarrist Ulrich Pexa, Schlagzeuger Konrad Burkert, Keyboarder Ulrich «Ed» Swillms sowie die Sänger Hans-Joachim Neumann und Herbert Dreilich standen das erste Mal gemeinsam auf der Bühne. Ihre Band hieß Karat. Schnell wird die neue Gruppe mit ersten eigenen Titeln wie «Leute welch ein Tag» im DDR-Rundfunk gespielt.

1976 bekommt die junge Berliner Band beim III. Interpretenwettbewerb der Unterhaltungskunst in Karl-Marx-Stadt eine Silbermedaille. Die erste LP erscheint 1978. Nur drei Jahre nach Bandgründung schafft Karat den Sprung nach ganz oben.

Erfolge und Herausforderungen

Ein DDR-Fernsehfilm wird zum riesigen Glücksfall. Er heißt «Über sieben Brücken musst du gehn». Keyboarder Ed Swillms, Verfasser vieler Hits der Band, vertont den gleichnamigen Titelsong. Beim Internationalen Schlagerfestival 1978 in Dresden gewinnt Karat mit dem Lied den Grand Prix. Die Single schafft es in der DDR-Jahreshitparade auf Platz 2 - hinter «König der Welt», ebenfalls eine Ballade von Karat.

Als erste DDR-Band darf Karat ab 1979 alle Platten in Ost und West herausbringen. Sie werden millionenfach gekauft und sind eine wertvolle Devisen-Quelle für den sozialistischen Staat: 80 Prozent der Einnahmen durch Schallplatten und Konzerte im Westen flossen in die Staatskasse der DDR, wie Claudius Dreilich berichtet.

Als Karat 15 Jahre alt ist, verschwindet die DDR. Im Jahr 2025 sind es 35 Karriere-Jahre im vereinten Deutschland. Noch immer werden die Berliner als DDR-Band oder Ost-Band bezeichnet. Dreilich hat sich darüber schon viele Gedanken gemacht und ist zum Schluss gekommen: «Es lässt sich nicht wegreden. Ich empfinde es als Güte-Siegel.»

Nach dem Mauerfall gibt es auch für Karat eine Karriere-Delle, die Fans zieht es zur Westmusik. Aber bald kehren sie zurück. Doch im Oktober 1997 erleidet Sänger Herbert Dreilich bei einem Konzert einen Schlaganfall. Im März 2004 gibt das Karat-Management bekannt, dass Dreilich an Leberkrebs erkrankt ist. Am Ende des gleichen Jahres stirbt er - mit 62 Jahren.

Die Band nennt sich deshalb ab 2006 «K...!». 2007 schließlich unterliegt die Witwe vor Gericht. Karat heißt wieder Karat.

Als sein Vater an Krebs erkrankt, bekommt Claudius Dreilich einen Anruf von der Band - er sollte übernehmen. Dann entschied Claudius Dreilich, dessen Stimme der seines Vaters verblüffend ähnelt: «Ich muss es wenigstens versuchen.»

50 Jahre Karat: Jubiläumstour und neue Musik

2025 wird die Band 50 Jahre alt - und feiert das mit einem Jubiläumskonzert in Berlin. «Wir werden neue Songs vorstellen und alte Songs würdigen», sagt Sänger Claudius Dreilich der Deutschen Presse-Agentur.

50 Jahre Karat, das heißt auch: Es gibt ein neues Album samt ausgiebiger Jubiläumstour. Bis Dezember sind bundesweit knapp 60 Konzerte terminiert - unter anderem in der Hamburger Elbphilharmonie und der Dortmunder Westfalenhalle. Am 22. Februar, dem Band-Geburtstag, erscheint das neue Album «Hohe Himmel».

Die neue Single „Wir“ ist der erste Vorbote des im Februar 2025 kommenden Albums „Hohe Himmel“ und die allererste Single mit den Neuzugängen an Bass und Schlagzeug: Daniel Bätge und Heiko Jung.

Trotz der Veränderungen und Herausforderungen blickt Karat optimistisch in die Zukunft. Die Band freut sich darauf, mit neuer Energie und Kreativität das Publikum zu begeistern und die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben.

Karat Termine 2023

Hier sind einige der Karat-Auftritte im ersten Halbjahr 2023:

  • 21.04. Stendal, Bürgerparkhalle
  • 22.04. / 23.04. Rostock, Nikolaikirche
  • 29.04. Offenbach am Main, Capitol Offenbach
  • 30.04. Saarbtücken, Saarlandhalle
  • 05.05. Ilmenau, Festhalle
  • 06.05. Merkers, Erlebnis-Bergwerk Merkers
  • 07.05. Köln, Theater am Tanzbrunnen
  • 12.05. Wolfsburg, Volksfest
  • 20.05. Magdeburg, Seebühne im Elbauenpark
  • 02.06. Leipzig, Parkbühne (Clara-Zetkin-Park)
  • 03.06. Bad Elster, Naturtheater
  • 04.06. München, Circus-Crone-Bau
  • 09.06. Zwickau, Freilichtbühne
  • 10.06. Neuenhagen, Arche Neuenhagen
  • 16.06. Chemnitz-Klaffenbach, Wasserschloss
  • 23.06. Leipzig, Parkbühne (Clara-Zetkin-Park)
  • 24.06. Kamenz, Hutbergbühne
  • 30.06. Görlitz, Landskron Brauereihof der Kulturbrauerei