Polnische UFC-Kämpfer und die Erfolgsgeschichte der KSW

Sportarten brauchen Charaktere, um es in den Fokus der Öffentlichkeit zu schaffen. In Polen schaffte das der fünfmalige Strongman-Champion Mariusz Pudzianowski der die MMA-Liga KSW praktisch im Alleingang zum Massenphänomen machte.

Mariusz Pudzianowski: Vom Strongman zum MMA-Superstar

Dies ist die Geschichte von Strongman-Legende und MMA-Superstar Mariusz Pudzianowski. Pudzianowski ist ein absoluter Superstar in Polen, vergleichbar mit Boris Becker oder Dirk Nowitzki hier in Deutschland.

Pudzianowskis unglaubliche Power wurde ihm buchstäblich in die Wiege gelegt, als er am 7. Februar 1977 im polnischen Dörfchen Biala Rawska, eine Stunde südlich der Hauptstadt Warschaus, zur Welt kam. Schon Vater Wojciech war Gewichtheber und ermutigte den Jungen, in seine Fußstapfen zu treten. In dem 3.000-Seelen-Örtchen gab es für Kinder bis auf Sport nicht viel zu tun. Die erste Liebe des jungen Pudzianowski war Kyokushinkai, eine Vollkontakt-Variante des Karate, die er mit 10 entdeckte. Sein Talent für Kraftsport war unübersehbar.

Mit 16, nichtmal ein Jahr nachdem er mit Kraftsport begonnen hatte, trat er bei den polnischen Meisterschaften im Bankdrücken an und drückte 160 Kilo. Nebenbei boxte er sieben Jahre lang, mit Anfang 20 konzentrierte er sich aber vollends auf Kraftsport. Nur sechs Wochen nach seinem ersten echten Strongman-Training wurde Pudzian polnischer Meister, ein halbes Jahr später belegte er bereits Platz drei der Weltrangliste. In den folgenden Jahren bestritt er hunderte Wettkämpfe und stand jedes Mal auf dem Treppchen. Dabei vollbrachte er schier unmenschliche Kraftakte, zog etwa ein 35 Tonnen schweres Flugzeug.

Viermal hatte er den World’s Strongest Man Wettbewerb, die Champions League des Strongman-Sports, bereits gewonnen, als er 2008 zu seinem letzten großen Wettkampf antrat. Noch nie zuvor hatte jemand den Wettbewerb fünfmal gewonnen, ihm winkte ein Platz im Guinnes Buch der Weltrekorde. Das Meisterstück gelang, Pudzianowski zog, hob und stemmte sich zum fünften WM-Triumph. Doch der Sieg war knapp, Pudzianowski wusste, dass seine Strongman-Karriere sich dem Ende neigte.

Lesen Sie auch: UFC und Polen: Eine starke Verbindung

Zu diesem Zeitpunkt war er in Polen bereits ein absoluter Mega-Star, den selbst alte Omas und kleine Kinder auf der Straße erkannten. KSW-Boss Martin Lewandowski erkannte das Potential in dem 140 Kilo schweren Giganten und bot ihm einen lukrativen Vertrag. Pudzianowski hatte mit Preisgeldern, Werbeverträgen und mehreren Unternehmen, darunter eine Spedition und eine Sicherheitsfirma, Millionen verdient und lebte inzwischen in einer riesigen Villa im mondänen Ostsee-Örtchen Sopot.

Angesichts dessen waren die umgerechnet 45.000 Euro, die Pudzianowski 2009 für sein Debüt bei KSW 12 kassierte, fast schon Peanuts - und eine lohnende Investition für KSW. Durch Pudzian gingen die Zuschauerzahlen der damals fünf Jahre alte MMA-Organisation über Nacht durch die Decke.

Aber: So beliebt Pudzianowski bei der breiten Masse auch war, von eingefleischten MMA-Fans wurde schnell Kritik laut. Denn die MMA-Skills des einstigen Strongman waren limitiert, mit seinen Muskelbergen war er zwar stark, aber langsam und schnell außer Puste. Seine Gegner stammten bestenfalls aus der zweiten Garde. Gegen halbwegs solide Konkurrenten, wie den UFC-erfahrenen Sean McCorkle oder Pride-Veteran James Thompson, setzte es Niederlagen.

Doch Aufgeben war keine Option, Pudzianowski blieb hartnäckig. Er stellte sein Training um von Pumpen auf Boxen und Ringen, trainierte im American Top Team in Florida und änderte seine Ernährung komplett. Als Strongman verputzte er noch jeden Morgen 10 Eier und ein ganzes Kilo Bacon oder stand nachts auf um sich ein riesiges Steak zu braten und eine Tafel Schokolade zu verdrücken. Inzwischen brachte er sein Kampfgewicht runter auf 117 Kilo.

Mittlerweile liegt sein KSW-Debüt 12 Jahre zurück, 22 Kämpfe hat er seitdem bestritten, 14 davon gewonnen - etwa gegen Judo-Legende Pawel Nastula oder UFC-Veteran Oli Thompson. Damit hat er sich sogar bei den absoluten Harcores zumindest ein bisschen Respekt verdient.

Lesen Sie auch: Die besten Polnischen MMA-Kämpferinnen

Auch weil MMA noch immer sein Hobby, Zerstreuung vom Alltag ist, obwohl er nach wie vor klar zu den Topverdienenern bei KSW gehört. Pudzianowski kämpfte nie für Geld oder Ruhm, denn beides hatte vor seinem MMA-Debüt zur Genüge. Und eines ist klar: Ohne ihn wäre KSW heute nicht die Mega-Show, die wir alle kennen und lieben.

Die Entwicklung von KSW

Wenn man über MMA in Europa spricht, kommt man an KSW (Konfrontacja Sztuk Walki) nicht vorbei. KSW wurde 2004 von Martin Lewandowski und Maciej Kawulski mit der Idee gegründet, Mixed Martial Arts in Polen zu professionalisieren.

Viele Kämpfer, die heute in Organisationen wie UFC, Bellator oder PFL glänzen, haben ihre Karriere in KSW begonnen oder gefestigt. KSW hat in Europa mehrere Besucherrekorde gebrochen. Die Organisation hat ihre Veranstaltungen über Polen hinaus ausgeweitet und veranstaltet nun auch Events im Vereinigten Königreich, Kroatien und der Tschechischen Republik.

KSW verbindet Sport und Unterhaltung auf meisterhafte Weise. Die Wrestler-Auftritte sind spektakulär, mit Live-Musik, Spezialeffekten und theatralischen Einzügen. Die von KSW angeführte MMA-Szene Polens ist ein Beispiel dafür, wie ein Land von Grund auf eine professionelle Sportindustrie aufbauen kann.

Am Samstag steigt in Lublin die 48. Kampfnacht der KSW, Europas größter und wichtigster MMA-Organisation. Seit Monaten freuen sich die polnischen Fans auf dieses Event!

Lesen Sie auch: UFC-Legenden

Deutsche UFC-Kämpfer

Mixed Martial Arts (MMA) hat in Deutschland in den letzten Jahren stetig an Popularität gewonnen. Besonders die Ultimate Fighting Championship (UFC) - als größte und prestigeträchtigste MMA-Organisation der Welt - bietet Athleten aus allen Ländern die Möglichkeit, sich auf höchstem Niveau zu messen. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die fünf erfolgreichsten deutschen Kämpfer, die in der UFC gekämpft haben.

  1. Dennis Siver ist zweifellos der bekannteste Name unter den deutschen UFC-Kämpfern. Geboren in Russland, wuchs er in Deutschland auf und trat ab 2007 in der UFC an. Siver fiel durch sein vielseitiges Striking und seine spektakulären Spinning-Kicks auf. Er erzielte mehrere Siege, die ihn zeitweise in die Top-10 der Federgewichtsdivision katapultierten. Trotz eines hochkarätigen Kampfes gegen Conor McGregor blieb ihm ein Titelkampf verwehrt.
  2. Ottman Azaitar, in Köln aufgewachsen, machte zunächst in regionalen Ligen auf sich aufmerksam, bevor er 2019 in der UFC debütierte. Sein explosiver Kampfstil und seine Knockout-Power verschafften ihm rasch einen Ruf als gefährlicher Finisher. Gleich in seinem ersten UFC-Kampf gegen Teemu Packalén gewann Azaitar mit einem krachenden K.o. und wiederholte das Kunststück im zweiten Kampf gegen Khama Worthy.
  3. Nasrat Haqparast, in Afghanistan geboren und in Hamburg aufgewachsen, ist ein weiterer aufstrebender Name im Leichtgewicht. Mit seinem aggressiven Boxstil und soliden Bodenkampf hat er sich in der UFC schnell einen Ruf als harter Gegner erarbeitet. Nachdem er anfangs einige spektakuläre Siege - darunter gegen Marc Diakiese - feiern konnte, wurde er auch als potenzieller Kandidat für einen Platz in den oberen Regionen des Rankings gehandelt.
  4. Abusupiyan “Abus” Magomedov wurde in Dagestan geboren, besitzt aber die deutsche Staatsbürgerschaft und kämpfte lange Zeit in Deutschland. Nach Erfolgen in verschiedenen europäischen Promotionen gab er 2022 sein UFC-Debüt und sorgte direkt für Aufsehen: Mit einem spektakulären K.o. in der ersten Runde machte er auf seine Ambitionen in der Mittelgewichtsklasse aufmerksam.
  5. Nick Hein, ein ehemaliger Polizeibeamter aus Köln, ging 2014 in der UFC an den Start und machte sich einen Namen als zäher und disziplinierter Kämpfer. Mit einem starken Judo-Hintergrund und guten Boxfähigkeiten konnte Hein mehrere Siege einfahren und begeisterte mit seinem Entertainer-Charakter sowohl die deutschen als auch die internationalen Fans.

Obwohl Deutschland bislang keinen UFC-Champion hervorgebracht hat, haben diese fünf Kämpfer bewiesen, dass deutsches MMA-Potenzial auf der größten Bühne des Sports existiert. Dennis Siver ebnete als Pionier den Weg für viele andere, während aufstrebende Talente wie Ottman Azaitar, Nasrat Haqparast und Abus Magomedov zeigen, dass der Traum vom UFC-Gold für deutsche Athleten längst nicht unerreichbar ist.

Joanna Jedrzejczyk: Polens erster UFC-Champion

Joanna Jedrzejczyk ist gelungen, woran Alexander Gustafsson und Dan Hardy gescheitert sind: Sie ist zum erst dritten europäischen UFC-Champion geworden und tritt damit in die Fußstapfen von Bas Rutten und Andrei Arlovski. Mit dem dominanten Sieg gegen Carla Esparza bei UFC 185 Mitte März hat die polnische Thaibox-Expertin das Sahnehäubchen auf einen ohnehin schon beeindruckend schnellen Aufstieg gesetzt - der Knock-out in Kombination mit einer offenherzigen Persönlichkeit haben sie über Nacht zu einem Publikumsliebling gemacht.

„Ich bin sehr glücklich, das bedeutet mir wirklich sehr viel“, so die neu gekrönte Championesse über ihren Titelgewinn. „Ich habe gesagt, dass ich das tun würde, und dann habe ich es auch wirklich getan. Ich habe mich selbst gepusht und meinen Job erledigt.“

Das hat sie tatsächlich, indem sie Esparza in weniger als zehn Minuten abfertigte. Esparza, die den Gürtel erst im Dezember gewonnen hatte, nachdem sie zuvor bereits im „Ultimate Fighter“-Haus überzeugen konnte, galt dank eines starken Ringer-Hintergrunds allgemein als Favoritin. Jedrzejczyk allerdings scherte sich nicht allzu sehr um die Qualifikationen ihrer Gegnerin, ließ deren Takedown-Versuche ins Nichts laufen und zwang den Ringrichter schließlich mit einem Bombardement unbeantworteter Schläge, den Kampf abzuwinken: „Also direkt nach dem Kampf konnte ich es gar nicht glauben, weil das alles so schnell passiert ist. Ich bin glücklich, ich habe den ganzen Tag lang ein Lächeln auf dem Gesicht. Meine Familie und Freunde sind hier und ich genieße einfach diese ganze Situation.“

Jedrzejczyk hat definitiv jede Menge Gründe für ihre gute Laune - als sie ein paar Tage nach ihrem Sieg in Dallas wieder in Polen landete, wurde sie am Flughafen bereits von Freunden, Familie, Fans und jeder Menge Kameras erwartet. Hat sie mit einem derartigen Empfang gerechnet? „Nein, das hatte ich nicht erwartet, aber ich genieße es. Es macht Spaß, das war eine schöne Überraschung und danach habe ich das gleiche noch einmal in meiner Stadt erlebt. Meine Eltern und viele Freunde waren da, das war wirklich schön.”

Die überwältigende Reaktion mag schlicht und einfach damit begründet sein, dass wohl kaum jemand damit gerechnet hatte, plötzlich einen polnischen UFC-Champion zu haben. Während sowohl die Fans als auch Jedrzejczyk vor einiger Zeit noch nicht erwartet hatten, dass der Gürtel sich so schnell auf den Weg nach Polen machen würde - dies war erst Jedrzejczyks dritter UFC-Kampf - vom Ergebnis des Kampfes selbst ist die neue Championesse nicht allzu überrascht: „Wir hatten schon erwartet, dass sie die Distanz überbrücken und versuchen würde, sich meine Beine zu packen. Wir waren auf sie vorbereitet.“

Esparzas Leistung als auch ihr Auftreten vor dem Kampf ließen bereits erahnen, dass sie, die den Gürtel selbst erst knapp drei Monate zuvor gewonnen hatte, von Druck und Verantwortung ihrer neuen Position überfordert war - Esparza selbst bestätigte diesen Anschein im Anschluss an ihren Kampf. Ihre Nachfolgerin allerdings glaubt nicht, dass ihr der Titel derartig zu Schaffen machen wird. Und überhaupt, findet sie, bietet sie der UFC ohnehin mehr Material für gute PR: „Ich denke, dass die UFC Carla nicht als Champion haben wollte. Sie wollten mich und ich habe das für sie erledigt. Ich werde diesen Gürtel für lange Zeit behalten. Ich werde immer und immer mehr trainieren.“

“Sie suchen nach den besten Kämpfern und sie wollen immer eine gute Show bieten. Die UFC will die Leute glücklich machen und die Kämpfer erledigen diesen Job, indem sie gute Kämpfe abliefern.“ Gleichzeitig ist sie sich aber auch bewusst, dass ihre neue Position eine Menge zusätzlicher Arbeit mit sich bringt und sie sich nicht leisten kann, Chancen außerhalb des Octagons verstreichen zu lassen: „Natürlich, natürlich. Es ist wichtig, gut zu kämpfen und es ist wichtig, seine Medien-Arbeit vernünftig zu machen, gute PR-Arbeit zu leisten.“

Die Frage, wie es jetzt weitergeht, kann Jedrzejczyk noch nicht ganz beantworten. In den wenigen Monaten seit der Einführung der Strohgewichtsklasse konnten sich natürlich noch nicht allzu viele wirkliche Titelherausforderer herauskristallisieren. Für die UFC ist es daher von Vorteil, dass ihre neue Championesse sich ohnehin nicht allzu sehr für bestimmte, potentielle Ansetzungen interessiert: „Ich kann gegen jeden kämpfen. Jessica Aguilar - sie ist nicht in der UFC - aber sie redet jetzt über einen Kampf mit mir. Als erstes sollte sie es überhaupt erst einmal in die UFC schaffen und dann kann sie über diesen Kampf reden. Es gibt aber auch eine Menge Leute, die mich gegen Jo Jo (Calderwood) sehen wollen oder noch einmal gegen Gadelha.“

Mit ihrem unterhaltsamen Mix aus einem spektakulären Kampfstil und einer selbstbewussten Persönlichkeit hat Jedrzejczyk das Potential, eines Tages ein echter Star in der UFC zu werden, dessen ist sie sich bewusst. Da sie in der UFC gleichzeitig die einzige weibliche Titelträgerin neben Ronda Rousey ist, drängt sich die Frage auf, ob sie einmal genauso populär werden könnte wie ihre Kollegin aus dem Bantamgewicht? „Ich weiß nicht recht“, tut Jedrzejczyk die Aussicht ab. „Ich mag sie, aber sie ist ein Superstar, sie ist einfach die Beste. Ich will einfach kämpfen, und zwar so gut wie möglich. Das ist alles: Den Gürtel behalten. Ronda macht alle möglichen Dinge neben dem Kämpfen, aber sie erledigt dabei auch immer noch ihren Job im Octagon. Sie ist unglaublich - sie macht die PR-Arbeit, sie macht Filme und ist dabei immer noch so dominant im Käfig.“

Und obwohl Joanna „Champion” nur einen Teil all dieser Dinge in ihrer Zukunft sieht, weiß sie, dass ihr ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit und Sympathie stets sicher ist, wenn sie einfach sie selbst bleibt: „Ich bin selbstbewusst und ich liefere gute Kämpfe ab. Meine Emotionen sind echt und ich verstelle mich nicht. Ich glaube, dass die Fans mich deswegen mögen. Es ist kein Spiel, das bin einfach ich.“