Polnische UFC Kämpferinnen und Kämpfer: Eine Übersicht

Mixed Martial Arts (MMA), kurz MMA, ist momentan eine der am schnellsten wachsenden Sportarten in Europa. Kein Wunder, denn der Sport ist spektakulär, spannend und blutig.

Alina Dalaslan: Ein deutsches MMA-Talent mit polnischen Wurzeln

Am Samstag wurde in der Stuttgarter Schleyerhalle wieder im Käfig gekämpft. Ihren ersten Kampf hat Alina Dalaslan souverän gewonnen. Gegen Kamila Šimková aus Tschechien siegte sie in der dritten Runde durch technischen K.o. und zeigte dabei von Beginn an eine dominante Vorstellung. Alina Dalaslan fällt auf, wenn sie die Matte betritt.

In der zwölfköpfigen Trainingsgruppe ist sie die einzige, die sich zunächst einmal ihre langen, schwarzen Haare zu einem Dutt binden muss, bevor es losgehen kann. Bis auf sie und den Trainer tragen alle anderen Athleten Kurzhaarfrisur. Alina Dalaslan ist die einzige Frau in der Gruppe. "Das ist natürlich ein bisschen schade", findet sie. Aber es habe auch Vorteile. Ihre Gegnerinnen erscheinen ihr regelmäßig eher schwach. Schließlich sei sie es gewohnt mit Männern zu kämpfen.

Consultant Controlling steht in ihrem Berufsprofil. Ein Duales Studium im Rechnungswesen hat sie vor drei Jahren abgeschlossen, mittlerweile arbeitet sie für einen großen schwäbischen Automobilkonzern. "Klassische Buchhaltung", erklärt sie lächelnd im SWR-Interview. Auf den ersten Blick sieht man ihr das Hobby nicht an, das sie ab sofort professionell betreiben wird.

Alina Dalaslan kann all das. Zumindest die besten Tricks dieser Sportarten. Auch wenn sie selbst am liebsten im Stand kämpft, wie sie erzählt. "Ich komme aus dem Kickboxen", erklärt sie am Rande der Trainingseinheit. Schwitzend und glücklich steht sie nach dem anstrengenden Athletik-Training in der Balinger Kampfsportschule "Planet Eater" vor der Kamera. Dann schnürt sie sich die dünnen, fingerfreien Handschuhe, um noch ein kurzes Sparring einzuschieben. "Ich werde niemals müde", lacht sie und beweist das auch gleich im Pratzentraining.

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Trainer Mert Özyildirim bestätigt das: "Schaut mal, die Jungs sind schon alle in der Umkleidekabine. Die sind platt. Dass Alina Dalaslan als eines der größten weiblichen MMA-Talente in Deutschland gilt, liegt auch an ihrer kurzen, aber erfolgreichen Amateur-Karriere, die im Stallion Gym in Stuttgart beginnt. Ihren ersten Kampf im September 2023 gewinnt Dalaslan gegen die Österreicherin Narges Mohseni auf der Veranstaltung "Savage 1" im österreichischen Korneuburg.

"Als ich sie damals beim Aufwärmen gesehen habe, wusste ich sofort, dass sie ein riesiges Potenzial hat", erinnert sich Veranstalter Marjan Macic zurück. Wenig später wird Alina Dalaslan bereits für die Weltmeisterschaft nominiert, darf für Deutschland antreten: "Es war so eine geile Erfahrung gegen richtig gute Kämpferinnen", erzählt Dalaslan. Am Ende darf sie sich über den Titel freuen: Weltmeisterin der IMMAF (International Mixed Martial Arts Federation). "Mit dem Gürtel nach Hause zu kommen war natürlich der Hammer", sagt sie und freut sich über das Lob aus der Szene.

"Sie hat wirklich die größte Chance, irgendwann in die UFC zu kommen und einen Titel zu holen", sagt Mert Özyildirim. Die UFC ist die größte und wichtigste MMA-Organisation der Welt. Auch am Abend, beim Ringertraining, steht Dalaslan als einzige Frau auf der Matte. Wieder muss sie ausschließlich gegen Männer ran. "Es wäre schon schön, wenn es mehr Frauen in unserem Sport gäbe", gibt sie im Interview zu. Vor allem in Deutschland ist der MMA-Sport noch immer eher eine Männerangelegenheit. Bezeichnend daher, dass sie für ihren ersten Profikampf in Stuttgart auf eine Tschechin traf.

Mit Kamila Šimková bekam es Dalaslan mit der zweifachen tschechischen MMA-Meisterin zutun. Gleich beim Debüt also eine sehr erfahrene Gegnerin - die sie souverän besiegt. Alina Dalaslan ist bereit für den nächsten Schritt.

Mehr als 12.000 Zuschauer hatten das Profidebüt der Amateur-Weltmeisterin in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyerhalle gebannt verfolgt. "Sie hat ganz schön viele Vorschusslorbeeren erhalten", bilanziert MMA-Kommentator Philipp Haarburger. Ob hochgehandelte Debütanten jedoch richtig eingeschätzt sind, "das weiß man immer erst, wenn sich die Käfigtür schließt", so Haarburger. Alina Dalaslans Debüt Anfang März bestätigt die Experten.

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Über drei Runden dominiert sie die deutlich erfahrenere Tschechin Kamila Simkova beinahe nach Belieben. "Ein, zwei Treffer habe ich am Anfang abbekommen, aber dann war ich zu 100 Prozent da", analysiert Dalaslan später. Dann muss sie wieder lachen: "Eigentlich bekomme ich die Aufwachschelle von meinem Coach vor dem Kampf. Jetzt habe ich sie halt von meiner Gegnerin bekommen." Danach sei alles nach Plan gelaufen. Kurz vor Ende der dritten Runde beendet Dalaslan das Duell mit einer Salve von Kniestößen zum Kopf. Simkova kann sich nicht mehr verteidigen, Referee Gerd Richter springt dazwischen - technischer Knockout für Dalaslan, die sogleich freudestrahlend auf den Käfigzaun klettert und sich feiern lässt.

Kein Wunder, dass der Veranstalter OKTAGON direkt den nächsten Kampf für die Wahl-Balingerin bereithält. "Das wird so geil", freut sich Dalaslan auf das Event, das vor rund 27.000 Zuschauern in der Prager Eden Arena steigen soll.

Mittendrin: Alina Dalaslan und ihre Kontrahentin Roza Gumienna aus Polen. "Im Stadion zu kämpfen ist natürlich heftig", zeigt sich Senkrechtstarterin Dalaslan dann doch beeindruckt: "Vor allem beim zweiten Profikampf. Ich kämpfe hier nur mit krassen Kämpfern, großen Namen. Es ist eine Ehre auf so einer Fight Card zu stehen", so die 24-Jährige.

"Euch erwartet der nächste Banger", verspricht Alina Dalaslan und macht direkt eine Ansage an ihre Kontrahentin: "Ich will eine coole Show abliefern, die Zuschauer sollen genauso viel Spaß haben wie ich. Die Einzige, die keinen Spaß haben wird, ist meine Gegnerin", sagt sie und lacht.

Für Alina Dalaslan soll der Kampf in Prag ohnehin nur eine weitere Zwischenstation sein. An Selbstvertrauen mangelt es dem Team Dalaslan nicht. "Wir trainieren hart und haben ein paar neue Waffen im Arsenal", verkündet Angelo Tanga. "Immer weitermachen. Bis man die Beste ist", sagt die Kämpferin selbst. In Prag soll der nächste Schritt in Richtung Titel folgen.

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Mariusz Pudzianowski: Vom Strongman zum MMA-Superstar

Dies ist die Geschichte von Strongman-Legende und MMA-Superstar Mariusz Pudzianowski. Pudzianowski ist ein absoluter Superstar in Polen, vergleichbar mit Boris Becker oder Dirk Nowitzki hier in Deutschland. Sportarten brauchen Charaktere, um es in den Fokus der Öffentlichkeit zu schaffen. Michael Schumacher, Boris Becker, Dirk Nowitzki, sie alle machte ihren Sport hierzulande populär. In Polen schaffte das der fünfmalige Strongman-Champion Mariusz Pudzianowski der die MMA-Liga KSW praktisch im Alleingang zum Massenphänomen machte.

Pudzianowskis unglaubliche Power wurde ihm buchstäblich in die Wiege gelegt, als er am 7. Februar 1977 im polnischen Dörfchen Biala Rawska, eine Stunde südlich der Hauptstadt Warschaus, zur Welt kam. Schon Vater Wojciech war Gewichtheber und ermutigte den Jungen, in seine Fußstapfen zu treten. In dem 3.000-Seelen-Örtchen gab es für Kinder bis auf Sport nicht viel zu tun. Die erste Liebe des jungen Pudzianowski war Kyokushinkai, eine Vollkontakt-Variante des Karate, die er mit 10 entdeckte. Sein Talent für Kraftsport war unübersehbar. Mit 16, nichtmal ein Jahr nachdem er mit Kraftsport begonnen hatte, trat er bei den polnischen Meisterschaften im Bankdrücken an und drückte 160 Kilo. Nebenbei boxte er sieben Jahre lang, mit Anfang 20 konzentrierte er sich aber vollends auf Kraftsport.

Nur sechs Wochen nach seinem ersten echten Strongman-Training wurde Pudzian polnischer Meister, ein halbes Jahr später belegte er bereits Platz drei der Weltrangliste. In den folgenden Jahren bestritt er hunderte Wettkämpfe und stand jedes Mal auf dem Treppchen. Dabei vollbrachte er schier unmenschliche Kraftakte, zog etwa ein 35 Tonnen schweres Flugzeug. Viermal hatte er den World’s Strongest Man Wettbewerb, die Champions League des Strongman-Sports, bereits gewonnen, als er 2008 zu seinem letzten großen Wettkampf antrat. Noch nie zuvor hatte jemand den Wettbewerb fünfmal gewonnen, ihm winkte ein Platz im Guinnes Buch der Weltrekorde. Das Meisterstück gelang, Pudzianowski zog, hob und stemmte sich zum fünften WM-Triumph.

Doch der Sieg war knapp, Pudzianowski wusste, dass seine Strongman-Karriere sich dem Ende neigte. Zu diesem Zeitpunkt war er in Polen bereits ein absoluter Mega-Star, den selbst alte Omas und kleine Kinder auf der Straße erkannten. KSW-Boss Martin Lewandowski erkannte das Potential in dem 140 Kilo schweren Giganten und bot ihm einen lukrativen Vertrag. Pudzianowski hatte mit Preisgeldern, Werbeverträgen und mehreren Unternehmen, darunter eine Spedition und eine Sicherheitsfirma, Millionen verdient und lebte inzwischen in einer riesigen Villa im mondänen Ostsee-Örtchen Sopot. Angesichts dessen waren die umgerechnet 45.000 Euro, die Pudzianowski 2009 für sein Debüt bei KSW 12 kassierte, fast schon Peanuts - und eine lohnende Investition für KSW.

Durch Pudzian gingen die Zuschauerzahlen der damals fünf Jahre alte MMA-Organisation über Nacht durch die Decke. Aber: So beliebt Pudzianowski bei der breiten Masse auch war, von eingefleischten MMA-Fans wurde schnell Kritik laut. Denn die MMA-Skills des einstigen Strongman waren limitiert, mit seinen Muskelbergen war er zwar stark, aber langsam und schnell außer Puste. Seine Gegner stammten bestenfalls aus der zweiten Garde. Gegen halbwegs solide Konkurrenten, wie den UFC-erfahrenen Sean McCorkle oder Pride-Veteran James Thompson, setzte es Niederlagen.

Doch Aufgeben war keine Option, Pudzianowski blieb hartnäckig. Er stellte sein Training um von Pumpen auf Boxen und Ringen, trainierte im American Top Team in Florida und änderte seine Ernährung komplett. Als Strongman verputzte er noch jeden Morgen 10 Eier und ein ganzes Kilo Bacon oder stand nachts auf um sich ein riesiges Steak zu braten und eine Tafel Schokolade zu verdrücken. Inzwischen brachte er sein Kampfgewicht runter auf 117 Kilo.

Mittlerweile liegt sein KSW-Debüt 12 Jahre zurück, 22 Kämpfe hat er seitdem bestritten, 14 davon gewonnen - etwa gegen Judo-Legende Pawel Nastula oder UFC-Veteran Oli Thompson. Damit hat er sich sogar bei den absoluten Harcores zumindest ein bisschen Respekt verdient. Auch weil MMA noch immer sein Hobby, Zerstreuung vom Alltag ist, obwohl er nach wie vor klar zu den Topverdienenern bei KSW gehört.

Pudzianowski kämpfte nie für Geld oder Ruhm, denn beides hatte vor seinem MMA-Debüt zur Genüge. Und eines ist klar: Ohne ihn wäre KSW heute nicht die Mega-Show, die wir alle kennen und lieben. Am Samstag steigt er erneut in den Cage und trifft dabei auf KSW-Urgestein Lukasz Jurkowski. Das war unser Portrait zu KSW-Superstar Mariusz Pudzianowski.

Joanna Jedrzejczyk: Eine polnische MMA-Pionierin

Joanna stammt aus Polen und hat sich beim MMA einen echten Namen gemacht. Vor sieben Jahren debütierte sie beim Mixed Martial Arts und hat sich seitdem nicht nur eine große Fangemeinde erarbeitet, sondern auch zahlreiche Erfolge erzielt, wie zum Beispiel den UFC-Titel im Papiergewicht. Insgesamt fünfmal konnte sie ihren Titel erfolgreich verteidigen, doch 2018 verlor sie das Finale im Madison Square Garden gegen Rose Namajunas. Seitdem kämpft sie in der Leichtgewichtsklasse und musste sich dort nur Valentina Shevchenko geschlagen geben.

Joanna Jedrzejczyk hat durch harte Arbeit und Entschlossenheit enorme Erfolge auf der internationalen Bühne erzielt. Sie war von 2015 bis 2017 UFC-Champion und mehrfache Weltmeisterin im Muay Thai. Die UFC-Championesse ist für ihre Wohltätigkeitsarbeit bekannt. Mit ihrem langjährigen Engagement für wohltätige Zwecke hat sie eine Stiftung namens JJ Stars Foundation gegründet, um junge Sportler bei der Verwirklichung ihrer Träume zu unterstützen.

Weitere bemerkenswerte Kämpfer

Die deutschen Fans können sich mit Soldic, Zawada, Erko Jun (28) und Antun Racic (28) auf gleich vier Kämpfer aus dem renommierten UFD-Gym in Düsseldorf freuen.

MMA in Polen: Ein Volkssport

In Polen ist MMA (Mixed Martial Arts) in den vergangenen Jahren zum Volkssport geworden. Bei unseren Nachbarn sind Käfigkämpfe längst Kult. Neben Fuß- und Volleyball steht MMA dort ganz oben in der Gunst der Sport-Fans. Der Beweis: Am 27. Mai 2017 kamen 57776 Zuschauer für „KSW39“ ins Warschauer Nationalstadion! Nicht mal die UFC (Ultimate Fighting Championship) und ihr Aushängeschild Conor McGregor konnten diese Mega-Kulisse jemals toppen. Die Zuschauer lieben die schnellen, blutigen Knockouts. Und besonders die große Show, mit der die KSW ihre Kampfabend begleitet. Feuerwerk, Opernsänger, Rock-Bands. Die KSW fährt regelmäßig das ganz große Besteck auf.

Was Sie über KSW wissen soltenKonfrontacja Sztuk Walki (KSW) ist die mit Abstand größte MMA-Organisation in Europa, gilt als die polnische UFC-Version. Dabei fing Gründer und Besitzer Martin Lewandowski 2004 mit seiner Liga ganz klein an. Jetzt können sich die deutschen MMA-Fans auf ganz großes Spektakel aus unserem Nachbarland freuen. Lewandowski glücklich: „Deutschland ist ein riesiger Markt mit leidenschaftlichen Fans und tollen MMA-Athleten.