Kickboxen für Kinder: Ein wachsender Trend in Deutschland

In Deutschland zeichnet sich ein regelrechter Hype ab: Immer mehr Eltern schicken ihre Kleinsten in Selbstverteidigungskurse wie BJJ, Judo, Karate, Taekwondo und Krav Maga. Doch was steckt hinter diesem Trend?

Statistiken des Deutschen Olympischen Sportbundes zeigen eine deutliche Zunahme an Neuanmeldungen von Kindern bis sechs Jahren in Kickboxvereinen:

JahrNeuanmeldungenSteigerungsrate
20211183-
20221364ca. 15%
20231545ca. 15%

Ein Grund für diese Entwicklung ist das Ende der Corona-Pandemie, die es wieder ermöglichte, im Verein Sport zu treiben. Andreas Riem, Vizepräsident im Bundesverband für Kickboxen Wako, sieht zudem einen "Aufrüstungswunsch" vieler Eltern, begründet durch Ängste, dass sich das Kind nichts zutraut, im Sport versagt oder gemobbt wird.

Die positiven Aspekte des Kampfsports für Kinder

In den Kursen werden die Kinder langsam an den Kampfsport herangeführt, wobei Koordinationsfähigkeit, Beweglichkeit, Fokussiertheit, Disziplin und Respekt im Vordergrund stehen. Die Kinder sollen lernen, in Auseinandersetzungen die Hand zu heben und zu rufen: "Stopp! Hör auf!".

Taoufik Jaajoui, Lehrer und Vater von drei BJJ-aktiven Kindern, betont, dass Kampfsport Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl stärkt. Wer gemobbt wird, lernt, sich einem Konflikt zu stellen und aus der Opferrolle auszubrechen.

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Eltern, die ihre Kinder zum Kampfsport anmelden, wünschen sich oft mehr Selbstbewusstsein für ihr Kind. Eine Mutter berichtet, dass ihre Tochter bereits zu Hause mit dem Opa trainiert. Eine andere Mutter betont, wie wichtig es sei, dass ihre Tochter lernt, sich zu wehren und den Sinn von Disziplin und Ordnung erkennt.

Yuna Elias: Ein Vorbild im Kickboxen

Im Herbst vergangenen Jahres gewann Yuna Elias aus Brunsbüttel bei der Kickbox-Weltmeisterschaft in Kanada eine Bronze- und eine Silbermedaille. Zu diesem Zeitpunkt war sie erst elf Jahre alt. Ihr Trainer Enrico Bulla beschreibt sie als Ausnahmetalent mit großem Kämpferherz, das sich auch von Nasenbluten nicht aufhalten lässt.

Yuna selbst sagt: "Es macht mir Spaß. Ich weiß, wie ich mich selbst verteidigen kann und ich mag es, zu kämpfen und anderen eine reinzuhauen."

Kritische Stimmen und Herausforderungen

Trotz der positiven Aspekte gibt es auch kritische Stimmen. Andreas Riem warnt vor zu viel Kommerz und betont, dass heutzutage mit allem Geld gemacht werde.

Albert Szczyrba, Leiter des Dortmunder Kampfsportstudios "Budokan", sieht, dass viele Kinder Defizite in ihrer Entwicklung haben. Häufig könnten sie rechts nicht von links unterscheiden und viele Eltern seien mit der Erziehung überfordert. Sein Fazit: "Wir fangen das auf."

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Tiago Ribeiro, Cheftrainer bei Cage, arbeitet mit Psychotherapiepraxen zusammen, wo seine BJJ-Skills gefragt sind. Er sieht in der heutigen Gesellschaft zu viel Information, zu viele Reize und zu wenig Zeit für sinnvolle Verarbeitung.

Fazit

Der Trend zum Kampfsport für Kinder ist vielschichtig. Einerseits bietet er die Möglichkeit, Selbstbewusstsein, Disziplin und körperliche Fitness zu fördern. Andererseits birgt er die Gefahr von Kommerzialisierung und Überforderung. Es ist wichtig, dass Eltern sich bewusst mit dem Thema auseinandersetzen und den richtigen Ansatz für ihr Kind finden.

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