Die Shido-Strafe im Judo: Ein umfassender Überblick

Judo ist eine vielseitige Kampfsportart, die durch die olympischen Sommerspiele besonders bekannt geworden ist. Auch in Filmen wird der Sport gerne gezeigt und es gibt viele, die sich den Kampf und die freundliche Verbeugung vor und nach dem Kampf gerne ansehen. Judo ist wieder seit 1972 olympische Disziplin.

Die moderne Judo wurde im Ende des 19. von Prof. Jigoro Kano entwickelt. Judo ist eine Kampfsportart, die auf Respekt basiert, der aber auch mit Kraft und Technik ausgeübt wird und bei dem es durch die schnellen Aktionen auch zu Vergehen kommen kann. Natürlich kann auch ein Judoka sich falsch verhalten und deshalb braucht es einen Katalog an möglichen Verfehlungen, die zu Strafen führen.

Shido: Strafe für leichte Vergehen

Shido ist die Strafe im Judokampf für leichte Verstöße, die auch bei einer Kampfunterbrechung ausgesprochen werden kann, ohne die Kampfsituation selbst zu gefährden. Es wird einfach nach der Straferteilung an gleicher Stelle weitergekämpft.

Einen Shido verhängt der Kampfrichter z.B., wenn Angriffe nicht vorbereitet, defensive Haltungen eingenommen oder die Inaktivität ausgedehnt wird.

Bestraften sind durchaus steigerungsfähig, eine Rolle spielen die Handzeichen.

Lesen Sie auch: Was ist der Unterschied?

Shido ist für die leichten Verstöße einzusetzen und es gibt insgesamt die Möglichkeit, drei Shidos auszufassen. Wenn man danach immer noch eine falsche Aktion zeigt, wird als viertes Hansoku-make ausgesprochen, was der Disqualifikation gleichkommt. Shido bedeutet aber nicht, dass dadurch der Gegner Punkte zugesprochen bekommt und daher kann ein Kämpfer mit einer Waza-ari-Wertung, der zwei Shidos erhalten hat, immer noch in Führung liegen, während sein Gegner mit einer Yuko-Wertung ohne Strafen im Rückstand liegt.

Shido wird auch vergeben, ohne dass man die aktuelle Position verlässt. Das heißt, dass mit Mate das Kommando für das Anhalten ausgesprochen wird, dann wird mit Shido der Kämpfer bestraft und mit Hajime wird der Kampf an gleicher Stelle fortgesetzt.

Beispiele für Shido-würdige Vergehen:

  • Stellt ein Kämpfer einen Fuß außerhalb der Kampffläche aufsetzen, ohne sofort anzugreifen oder nicht sofort innerhalb der Kampffläche zurückzukehren. Zwei Füße außerhalb der Kampffläche wird mit Shido bestraft. Wird der Kämpfer durch seinen Gegner aus der Kampffläche geschoben, wird sein Gegner mit Shido bestraft.
  • Des Gegners Ärmelende(n) umgefaltet („Taschengriff“) zu halten.
  • Umklammern des Gegners, um diesen zu werfen (Bärenklammer).

Hansoku-make: Die Disqualifikation

Für schwere Verstöße wird Hansoku-make ausgesprochen, und zwar in der direkten Form. Es gibt ja die Möglichkeit, nach drei Shidos diese Strafe auszusprechen, was der Disqualifikation gleichkommt. Aber bei der direkten Variante ist ein schwerer Verstoß zu bestrafen und das heißt, dass der Kampf sofort beendet wird und man ist aus dem Turnier ausgeschieden. Stützt man sich z.B. auf den Kopf, oder versucht den Gegner zu verletzen, ist das Hansoku-make.

Alle Aktionen, die die Art und Weise des Greifens betreffen (z.B. Pistolengroff, Taschengriff, einseitiger Griff), werden nicht mehr bestraft.

Wertungen im Judo: Ein Überblick

Beim Judo gibt es keine Tore und keine Punkte, sondern Wertungen. Bei jeder Aktion, die ein Kämpfer ausführt, beurteilt der Kampfrichter, wie gut sie war. Erfüllt sie bestimmte Kriterien, erhält der Judoka eine entsprechende Wertung. Zur Bewertung hat der Kampfrichter drei Kategorien zur Auswahl:

Lesen Sie auch: Exploring Precht's Philosophy

  • Yuko
  • Waza-Ari
  • Ippon

Yuko ist die kleinste Wertung, Waza-Ari ist höher und Ippon ist die höchste Wertung. Wertungen können mehrmals vergeben werden (außer für Ippon). Die Anzahl der Wertungen in jeder Kategorie werden auf der Kampfrichtertafel angezeigt (wiederum außer für Ippon): Auf der linken Seite für den Judoka ohne roten (bzw. weißen) Anzug und auf der rechten Seite für den Judoka mit rotem (bzw. blauem) Anzug.

Beim Kampf im Stand gilt: Je mehr der Gegner auf den Rücken geworfen wird, und je schwung- und kraftvoller die Wurfausführung ist, desto höher die Wertung. Landet der Gegner dagegen auf dem Bauch, gibt es keine Wertung.

Im Bodenkampf gilt: je länger man es schafft, den Gegner in einem Haltegriff festzuhalten, desto höher die Wertung. Ein Haltegriff zählt aber nur dann, wenn der Partner mit mindestens einer Schulter auf dem Boden liegt. Bei höheren Altersstufen kommen Hebel und Würgegriffe dazu. Bei wirkungsvoll angesetzten Hebeln oder Würgegriffen signalisiert der Unterlegene durch Abklopfen seine Aufgabe.

Wie gewinnt man einen Judo-Wettkampf?

Wer die höchste Wertung Ippon erhält, ist sofort Sieger (es ist egal, was für Wertungen der Gegner erzielt hat) und der Kampf ist zu Ende. Diese Wertung kann also nur einmal pro Kampf vergeben werden und deshalb braucht sie auch nicht auf der Tafel angezeigt werden.

Zweimal Waza-Ari ist soviel wert wie Ippon, auch dann ist man sofort Sieger.

Lesen Sie auch: Was sind die Judo Regeln?

Wenn mit diesen Wertungen der Kampf nicht vorzeitig beendet wurde, sondern die Kampfzeit regulär abgelaufen ist, gewinnt derjenige Judoka, der die höhere Wertung von beiden erzielt hat.

Dabei gilt: Ein Waza-Ari ist mehr wert als alle Yukos des Gegners.

Es entscheidet also immer die Anzahl der höchsten Wertung, die vergeben wurde. Ist diese bei beiden Kämpfern gleich, entscheidet die Anzahl der nächst niedrigeren Wertung, usw.

Wenn beide Kämpfer überhaupt keine Wertung erzielt haben oder die Wertungen bei beiden absolut identisch sind, dann wird der Wettkampf durch „Golden Score“ entschieden, d. h. alle bisherigen Wertungen werden zurückgenommen und derjenige Kämpfer gewinnt, der in der Verlängerungszeit die erste Wertung erhält. Haben beide Kämpfer auch im „Golden Score“ keine Wertung erzielt, kommt es zu einem Kampfrichterentscheid.

Der oder die Kampfrichter müssen einen Kämpfer zum Sieger erklären. Für die Entscheidung wird geprüft: Welcher Kämpfer war aktiver.

Strafen verbleiben auf dem Scoreboard. Das Resultat aus dem Unterschied von Wertungen oder Strafen (Shido) wird aufaddiert. Der Kampf endet mit dem Kommando Soro-Made. Die Kämpfer begeben sich in ihre Ausgangsposition. Man dem Gegner (hoffentlich als Sieger) die Hand und verlässt die Matte. Auf den Sieger, dabei verbeugen sich die Kämpfer.

Im Golden Score wird der Kampf fortgesetzt. Es gibt kein Zeitlimit im Golden Score.