Judo in Bergen-Enkheim und der Region Main-Kinzig-Kreis

Der Judo-Sport hat in der Region Main-Kinzig-Kreis eine lange Tradition. Nach dem Besuch der Olympischen Spiele 1972 in München trafen sich Delegierte der Judo-Sportvereine und -Abteilungen der Sportkreise Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern, um über die Gründung einer Judo-Vereinigung für die Region Main-Kinzig-Kreis (JVMKK) zu diskutieren.

Schon in den früheren 1930er und 1940er Jahren gab es eine Sportgau-Regionalvereinigung, an die nun angeknüpft werden sollte. Im Oktober 1972 wurde die Gründung der Judovereinigung Region Main-Kinzig-Kreis (JV MKK) von den Gründungsvereinsvertretern beschlossen. Im November 1972 richtete dann der Präsident des Hessischen Judo-Verbandes (HJV), Edgar Schäfer, in Zusammenarbeit mit dem LSBH-Sportkreis Hanau sowie dem Landkreissportamt jeweils ein Regional-Judoleistungstraining in Bergen-Enkheim, Bischofsheim und Niederdorfelden ein.

Das betreffende Leistungstraining leiteten die ehemaligen Deutschen Meister und Judo-Sportlehrer Karlheinz Menke (4. Dan), Rüdiger Kotte (5. Dan), Otto Rachhals (3. Dan) und Karl Heinz Maasberg (4. Dan). Später wurde das Leistungstraining als zentrale Lehrgangsmaßnahme in das Sportzentrum Ronneburg verlegt.

Historische Wurzeln des Judo in der Region

Bereits in den 1920er Jahren wurden in der Sportgauregion Rhein-Main Frankfurt / Hanau Selbstverteidigungslehrgänge für verschiedene Berufsgruppen durchgeführt. Im Oktober 1922 wurde in Frankfurt am Main der 1. Deutsche Jiu-Jitsu / Judo-Club (1. DJC) Frankfurt / Main gegründet. Dessen Sportlehrer verbreiteten Jiu-Jitsu und Judo als Selbstverteidigungs- und Kampfsportart durch spezielle Sportveranstaltungen und gründeten so die ersten Judo-Selbstverteidigungsvereine in Deutschland und in der Sportgauregion.

Im Sommer 1932 wurden bei der ersten internationalen Judo-Sommerschule im Stadion in Frankfurt / Main (7. - 12. August) die Judo-Wettkampfregeln und die Gürtelgraduierungen festgelegt. Als DJB-Vorgänger gründete man den Deutschen-Judo-Ring (DJR) und die heute noch bestehende europäische Judo-Union (EJU). Damit ist das Rhein-Main-Gebiet die Gründungsregion des deutschen und europäischen Judosportes.

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IOC-Mitglied Prof. Kanō Jigorō aus Japan (Begründer des Judosportes, 12. Dan) sowie die deutschen Organisatoren Alfred Rhode, Edgar Schäfer (beide 1. DJC Frankfurt) und Otto Schmelzeisen (JC Wiesbaden) verbreiteten den Judosport federführend in Deutschland. Einer der ersten Judo-Schüler, Otto Rachhals (Bischofsheim), wurde später als 1. Präsident des Hessischen Judo-Verbandes gewählt.

Die Zeit des Nationalsozialismus und die Nachkriegsjahre

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Sport- und Judovereine durch Einheitssatzungen "gleichgeschaltet" und in das Reichsamt für Schwerathletik im NSRL eingegliedert. Ab 1937 wurden alle jüdischen Mitglieder aus deutschen Sportvereinen entfernt. In den Jahren 1939 bis 1945 kam der Judosport kriegsbedingt fast zum Erliegen.

In der Zeit von 1945 bis 1948 waren Kampfsportarten wie Judo von den alliierten Besatzungsmächten verboten. Ab 1946 trafen sich die einzelnen Judogruppen aber wieder "heimlich" zum Training. Im September 1952 wurde das Deutschen-Dan-Kollegium (DDK) von den Judoleitern Alfred Rhode, Edgar Schäfer und Otto Schmelzeisen gegründet. Nach der Gründung des hessischen Judo-Verbandes im Jahr 1955 übernahm der Landessportbund-Hessen (LSBH) die Betreuung des Judosportes.

Entwicklung in der DDR und Kontakte in den Ostblock

In Ostdeutschland gründeten die Judovereine den Deutschen Judo-Verband (DJV). In den 1950er und 1960er Jahren wurden Regional- und Kreis-Sportveranstaltungen auf Vereinsebene durchgeführt. Es gab auch "inoffizielle" Kontakte zu DDR-Judosportvereinen und zu Vereinen in den ehemaligen Ostblockländern, was durch private Besuchsreisen umgangen wurde.

Aktuelle Judo-Vereine und -Aktivitäten

Rund 20 Vereine, Abteilungen und kooptierte Judosportorganisationen in der Kreisregion bieten Judo in den Reihen der Vereine, der Schulkooperationen und Betriebssportgruppen aktiv an.

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Hier ist eine Liste einiger Judo-Vereine in der Region:

  • FTSV Heckershausen 1890 e.V.
  • Judoclub «Satori» 1960 Alsfeld e. V.
  • Budo-Club Katana 1996 Altenstadt / Florstadt e. V.
  • Turnverein 1891 Babenhausen e. V.
  • SSV-Sand 1910 e. V. * Abteilung Judo
  • Turnverein Hersfeld 1848 e. V.
  • Homburger Turngemeinde 1846 e. V.
  • Judo- und Karate-Club Bergen-Enkheim e. V.
  • Verein für Leibeserziehung e. V. * Judoabteilung
  • TV 1861 Bad Schwalbach e. V.
  • Erster Sodener Schwimm-Club 1927 e. V.
  • Sportgemeinschaft 1978 Huttengrund e. V.
  • S.S.V. Heilsberg e. V. * Judoabteilung
  • SV Fun-Ball Dortelweil e. V.
  • TSV Bebra e. V. * Abteilung Judo
  • Turnverein 1895 Biebesheim e. V.
  • Judo-Club Neuenschmidten e. V.
  • Judoclub Bischofsheim 1970 e. V.
  • Samurai 1982 e. V. Bürstadt
  • 1. Judo Club Bürstadt 1978 e. V.
  • Judoclub Shinsei Burghaun e.V.
  • Sport- und Kulturverein Gruben e. V.
  • Turn- und Sportgemeinde Alten-Buseck 1901 e. V.
  • Turn- und Sportgemeinde Mainflingen 09 e. V.
  • Karate-Centrum Shotokan Darmstadt e. V.

Erfolge und Veranstaltungen

In den letzten 40 Jahren stellten die Judo-Kreisvereine und Abteilungen etliche Teilnehmer und Medaillengewinner bei Welt-, Europa-, Deutschen- und Südwestdeutschen Meisterschaften sowie unzählige Hessen- und Bezirksmeister. Viele Kreisvereine - Judoka starteten bei internationalen und nationalen Turnieren sowie in Hessen - Auswahlteams und bei Lehrgangsmaßnahmen.

Weitere überregionale Sportmaßnahmen durch die Regional - und Kreisvereine wurden jahrelang mit hunderten Teilnehmer und Teilnehmerinnen organisiert. Der BC Mühlheim lud jahrelang zum nationalen Mühlrad -Einzelcup ein. Der JC Großkrotzenburg veranstaltete hessenweit den Jugend - Limespokal in Großkrotzenburg. Die Kreis-Einzelpokale wie Demuth- und Niegemann-Pokal erinnerten an die erfolgreichen Judosport-Funktionäre Adolf Demuth und Gerd Niegemann. Der Kreis-Otto-Rachhals -Mannschaftspokal ermöglichte Männer-Mannschaften aus der Region, sich für die hessischen Ligen vorzubereiten.

Die vergangenen 40 Jahre brachten unzählige und ereignisreiche Sportkontakte. Viele Veranstaltungen, Auswärtsfahrten und Besuche sind aufzuzählen. Höhepunkte wie Begegnungen in den USA und mit einem USA-Auswahlteam, nach Frankreich, Ungarn, Polen, den Niederlanden, Israel, der Tschechischen Republik und Österreich sind unvergesslich für die Judoka und die Organisatoren. Dazu fanden viele Begegnungen und Lehrgangsmaßnahmen in der Main-Kinzig-Kreisregion statt.

Die Main-Kinzig-Landräte Karl Eyerkaufer und Erich Pipa waren immer gern gesehene Ehrengäste bei Judokreisveranstaltungen. Hans Eichel übernahm auch die Schirmherrschaft für überregional ausgerichtetete Judosportmaßnahmen im Main-Kinzig-Kreis.

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Wichtige Personen im hessischen Judo

Auch ein Zeichen des großen Vertrauens in Kreis-Judofunktionäre war, dass viele in Sport-Landes- und Bundesämter gewählt wurden. Adolf Demuth (Nidderau) war langjähriger Hessenjugendwart und 2. Bundesjugendwart. Als hessische Kampfrichterwarte wurden Herbert Müller (FT Dörnigheim) und Gerd Niegemann (JSC Niederdorfelden) gewählt. Rüdiger Kotte (JSC Niederdorfelden) war früher kurzfristig HJV-Pressewart und Mitglied der HJV-Kampfrichterkommission. Lars Kauer (Wächtersbach) war als 2. Hessenjugendwart und Landesjuniorenwart tätig. Philipp Breither (SSV Bad Vilbel-Heilsberg) vertritt als 2. Seit einiger Zeit des Kreisjudoverbands in der LSB-Hessen -Sport kreiskommission.

Kampfrichtergeschichte schrieb als erste Kampfrichterin in Hessen Gabriele Werkmann (Großkrotzenburg). Sie erhielt 1970 ihre HJV-Kampfrichterlizenz und war jahrelang erfolgreiche Hessenkampfrichterin. Der langjährige HJV-Schulsportwart Waldemar Graßhoff half aktiv bei der Einrichtung von Schulsport-Judo-AGs in der Region Main-Kinzig-Kreis.

Chronik wichtiger Ereignisse

  • Wahl: 1. Verbandsvorsitzender: Herbert Müller, 2. Vorsitzender: Klaus Bauer (beide FT Dörnigheim), Sportbeauftragte: Otto Rachhals (Bischofsheim) und Rüdiger Kotte.
  • Ausrichtung der 1. Judo-Kreiseinzelmeisterschaft in Schöneck als Niddertalcup.
  • Judo-Kreiseinzelmeisterschaft in Bischofsheim mit Mannschaftscup.
  • Jugendvergleichskampf gegen eine Japanauswahl im deutsch-japanische Simultanaustausch der DSJ.
  • Bernau / Judosport - Schwarzwaldauswahl-Begegnung mit Lehrgängen in St.
  • 40 Jahre hessischer Judoverband mit Ronneburglehrgang und Wettkampf.
  • Italienfahrt nach St.
  • 85-Jahr-Feier = 1. Judo-Weltmeisterschaften Männer/Frauen Ü30, Frankfurt.
  • 40-Jahre-Judoverband-MKK-Feier in Schöneck mit Otto Rachals-Pokal, akademische Feier, Ausstellungen, Sportlertreffen (15.
  • Christian Kast (Niederdorfelden) wird zum HJV-Bezirksjugendwart Hessenost gewählt.
  • 45 Jahre Judosportverband Main-Kinzig-Kreis (1972-2017), mit Ehrungen durch den JV FFM.
  • Einstellung des Wettkampfsportbetriebes durch die Corona-Pandemie.

Die Bedeutung des Judo in der Region

Die 4 Judo-Medaillen bei den Olympischen Spielen 2012 in London zeigen den positiven Sport-gesellschaftlichen Stellenwert unserer Sportart Judo . Dafür sollten wir uns weiterhin engagieren.