Die Bedeutung von Karats "Der blaue Planet"

Als KARAT im Jahre 1982 dieses Album veröffentlichte, ahnte auf Seiten der Fans wohl noch niemand, welchen Erfolg Ed Swillms, Bernd Römer, Michael Schwandt, Henning Protzmann und Herbert Dreilich damit einfahren würden. "Der blaue Planet" wurde das erfolgreichste und meist verkaufteste Album einer DDR-Band überhaupt und stieß bis auf Platz 7 der westdeutschen Album-Charts vor.

Entstehungsgeschichte und Erfolg

Fakt ist, dass das Album zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und bei seinem Erscheinen von den Plattenfirmen AMIGA (DDR) und TELDEC/POOL (BRD) extrem unterstützt und beworben wurde. Es wurde zumindest dort schon damit gerechnet, dass sich die Platte bei den Hörern durchsetzen könnte, darum dürfte zumindest bei den Companies der Erfolg so ganz unvorbereitet nicht gekommen sein. Schon die Vorab-Single "Der blaue Planet" mit dem Song "Blumen aus Eis" auf der B-Seite verkaufte sich allein im Westen über 100.000 Mal und war auch im Osten medial und live schon reichlich im Einsatz. Dies veranlasste die Verantwortlichen wohl dazu, in Sachen Promotion ordentlich Holz ins Feuer zu werfen. In beiden Teilen des Landes verkaufte sich "Der blaue Planet" über eine Million Mal - eine Zahl, von der viele Musiker heute nur noch träumen dürfen.

Das war aber nicht das einzige Novum, das diese LP hervorbrachte. Auf der B-Seite der LP konnte man zum ersten Mal die Stimme von Ed Swillms bei einem Karat-Titel hören. Bei "Der Spieler" war Ed nicht nur für die Komposition verantwortlich, sondern sang auch noch den von Norbert Kaiser geschriebenen Text. Das erste und einzige Mal, dass Ed als Mann am Mikrophon in Erscheinung trat. Nicht ganz freiwillig, wie er selbst mal erzählte, sondern von den Kollegen dazu überredet. Gut gemacht, meine Herren!

Kein anderes Album von KARAT schaffte danach nochmals einen so großen Erfolg. Das Gespann Swillms/Kaiser war beim Schreiben der Songs und beim Fertigstellen dieser LP wohl in der Form ihres Lebens. "Der blaue Planet" ist ein Paradebeispiel für zeitlose Rock- und Pop-Musik und was entstehen kann, wenn man kreative Genies in Ruhe arbeiten lässt.

Musikalische Details und Einflüsse

Die Platte ist randvoll mit Perfektion und macht es somit zum ausgereiftesten Album der Band überhaupt. Ed Swillms als Komponist und Norbert Kaiser als Texter verstanden es meisterhaft, den gerade angesagten "New Wave" in ein völlig eigenständiges und weit von der üblichen Belanglosigkeit entferntes Gewand zu kleiden, ohne ihn jedoch zu verleugnen. Sie nutzten ihn für ihre Vorstellungen von Musik und setzten die Lieder perfekt in Szene. "Marionetten" und "Jede Stunde" sind dafür die Paradebeispiele.

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Der Opener ist ein 4:58-minütiges Instrumental aus der Feder von Ed Swillms mit dem Titel "45-01". Die Bedeutung dieses ungewöhnlichen Namens wollte sein Schöpfer Ed Swillms bis heute nicht verraten und wird das Geheimnis wohl mit ins Grab nehmen. Der Song eröffnet das Feuerwerk musikalischer Feinkost, bevor es mit "Marionetten" (Platz 2 der DDR-Jahreshitparade 1982) und "Falscher Glanz" (Platz 9 der DDR-Jahreshitparade 1983) richtig zur Sache geht. Mit der treibenden und ins Bein gehenden Pop-Rock-Hymne "Jede Stunde" (Platz 7 der DDR-Jahreshitparade 1982) war die Band sogar Gast in der ZDF-Hitparade, und wurde vom Publikum auf den zweiten Platz gewählt.

Thematische Relevanz und Textinterpretation

Die Texte auf dem Album sind mal melancholisch, dann wieder optimistisch, aber auch nachdenklich gefärbt. Die große Klammer um allem könnte "Frieden" heißen … Der Song "Der blaue Planet" von Karat thematisiert die Sorgen und Ängste der Menschheit über die Zukunft des Planeten Erde. Die wiederkehrende Frage, ob der schon gegeben Kuss oder das Wort das letzte sein könnte, lässt darauf schließen, dass die Beziehung und Intimität zwischen Menschen in einer von Unsicherheit geprägten Welt gefährdet sind.

Der Künstler ruft die Zuhörerschaft dazu auf, über die Relevanz zwischen persönlichen Bindungen und den globalen Herausforderungen nachzudenken. Zusätzlich wird in den Zeilen über 'Staub und Gestein' verdeutlicht, dass es auch eine düstere Vorstellung gibt, wie die Erde letztendlich aussehen könnte, wenn wir nicht handeln. Der Verweis auf das Ungeborene weist darauf hin, dass auch die Zukunft kommender Generationen betroffen sein könnte.

Das Lied Blauer Planet von Karat zeigt auf poetische Weise die Sorgen und Ängste der Menschheit bezüglich der Zukunft der Erde. Mit Fragen wie 'Tanzt unsere Welt mit sich selbst schon im Fieber?' wird sofort deutlich, dass es um die Gesundheit und das Wohlbefinden unseres Planeten geht. Die wiederholte Zeile 'Wird dieser Kuss und das Wort, das ich dir gestern gab, schon das Letzte sein?' vermittelt eine tiefe emotionale Tragweite. Hier wird die Sorge um persönliche Beziehungen und das, was wir schätzen, deutlich.

Im weiteren Verlauf des Liedes wird mit der Beschwichtigung 'Uns hilft kein Gott, unsre Welt zu erhalten' ein Gefühl der Ohnmacht angesprochen. Menschen scheinen in ihrem Streben nach Glück und Erhalt der Erde, international und global, allein gelassen zu werden.

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Karat war im Westen zwar schon durch "Über sieben Brücken" bekannt geworden, zeigte aber hier mehr als eindrucksvoll, dass sie mehr waren als nur der Hit-Lieferant für andere Künstler im Westen.

Aktualität und Vermächtnis

Nach fast einem Vierteljahrhundert hat keiner der auf dieser LP befindlichen Songs auch nur ansatzweise an Klasse (oder gar Aktualität) verloren. Speziell das Lied "Der blaue Planet" ist aktueller denn je, und auch "Wie weit fliegt die Taube" dürfte in Anbetracht ständig neuer Kriesenherde auf diesem "blauen Planeten" noch länger nah am Puls der Zeit bleiben.

Vierzig Jahre alt ist das Album „Der blaue Planet“ der Rockgruppe Karat dieses Jahr geworden. Aufgenommen in den Amiga-Studios war es eines der erfolgreichsten, die in der DDR je erschienen sind. Das Besondere: Es kam zeitgleich auch in der Bundesrepublik heraus und reüssierte auch dort. Es war die Zeit des nuklearen Wettrüstens, der Kalte Krieg war in vollem Gange, der Song ein Friedenslied. Karat trat 1982 am Weltfriedenstag in Ost-Berlin damit auf, es war der 21. September.

„Tanzt unsere Welt mit sich selbst schon im Fieber?/ Liegt unser Glück nur im Spiel der Neutronen?/ Wird dieser Kuss und das Wort, das ich dir gestern gab/ Schon das Letzte sein?“ Auch wenn das Wort Neutronen nicht dem ursprünglichen Text entsprach - dort hatte es Dämonen geheißen, das wurde geändert - vermittelt der Song Endzeitstimmung angesichts der atomaren Bedrohung durch Mittelstreckenraketen. „Muss dieser Kuss und das Wort, was ich dir gestern gab/ Schon das Letzte sein?/ Soll unser Kind, das die Welt noch nicht kennt/ Alle Zeit ungeboren sein?“

Als der Kalte Krieg heiß zu werden drohte, veröffentlichte die DDR-Rockband Karat einen Song, der bis heute wirkt: „Der blaue Planet“. Es ist eine musikalische Mahnung mit vielfältigen Bezügen.

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Rechnet man alles zusammen, hat das Album inzwischen wohl mehrfach Platin verdient, so dass der Status von "Der blaue Planet" längst hätte neu festgelegt werden müssen. Warum das bisher nicht geschehen ist, hat sich unsere Redaktion schon vor Jahren gefragt, als wir dieses Album erstmals als "Klassiker" vorgestellt haben. Als gerecht empfinden wir es jedenfalls nicht, dass DER Ostrock-Klassiker schlechthin in der Statistik immer noch als einfaches Gold-Album geführt und weit unter seinem historischen Wert verkauft wird.

Dem Berliner Produzenten Oliver Marquardt, der unter dem Namen DJ Jauche die Berliner Technoszene von Beginn an geprägt hat, ist es zu verdanken, dass es dieses Lied nun in einer tanzbaren Clubversion gibt. Obwohl das Lied ihn bei Erscheinen gar nicht interessiert hat, weil er es als Teil der vom Staat vorgeschriebenen Jugendkultur begriff. Irgendwann hat er diesen Song gehört und dachte: Wow. Es war vor allem der Text, der ihn beeindruckte.

Durch Zufall kam die Band zu einem YouTube-Stream seines Auftritts und war angetan. So kam es zu der Neuauflage, für den tatsächlich alles neu produziert werden musste, nachdem sich herausgestellt hatte, dass es keine Originalspur mehr gibt. Statt der Stimme des ursprünglichen Sängers Herbert Dreilich singt sein Sohn Claudius. Er trat der Band 2005 bei, nachdem sein Vater ein Jahr zuvor gestorben war. Er singt nun wie ursprünglich geplant: „Liegt unser Glück nur im Spiel der Dämonen?“ Das klingt auch heute noch oder wieder ziemlich aktuell.