Die Bestimmung der richtigen Gürtellänge im Judo: Spiele und Übungen

Ein interessantes Thema, über das sich wohl schon jeder Kampfkunstinteressierte einmal Gedanken gemacht hat, ist die Frage nach der Zeitdauer für die Erlangung einer speziellen Gürtelfarbe. Wahrscheinlich wurde diese Frage zeitgleich mit der eigentlichen Idee einer Einführung einer Rangordnung in der jeweiligen Kampfkunst "geboren".

Betrachtet man zunächst einmal die Frage nach den Wartezeiten zwischen den einzelnen Gürtelprüfungen, so scheint diese leicht beantwortbar zu sein. Ein Blick in die jeweilige Prüfungsordnung offenbart uns Zeiten von einigen Monaten bzw. Jahren für höhere Gürtelstufen. Allerdings ist nicht ersichtlich warum eigentlich von Wartezeiten gesprochen wird. Auf was warten wir da eigentlich? Ist Warten ein effizientes Mittel zur Erweiterung unserer Fähigkeiten? Leider gibt es ab und zu einige Personen, die dieses wohl zu wörtlich genommen haben und zwischen den Prüfungen mehr gewartet als trainiert haben.

Im Grunde genommen wird aber erwartet, das der Schüler sein Wissen und Können durch regelmässiges Training steigert und bei seiner nächsten Prüfung dieses auch zeigen kann. Aber ist es eigentlich überhaupt möglich eine Zeit festzusetzen, die zwischen den einzelnen Prüfungen liegen muss? Vernünftigerweise wurden die Zeiten als Mindestzeiten festgelegt, denn die verschiedenen Budoformen insbesondere Karate-Do sind nicht auf einen speziellen Typ von Mensch beschränkt. Schaut man in die vielfältigen Vereine, so ist nicht nur jede Altersklasse dort vertreten, sondern auch eine steigende Anzahl von Behinderten setzen sich mit dem Wesen des Budo auseinander.

Als erstes sollte festgehalten werden, das eine Gürtelprüfung nicht mit den heute immer mehr aufkommenden Wettkampfdisziplinen vergleichbar ist. Mit Wettkampf sind allerdings nicht die Kumitedisziplinen im Budo gemeint sind, sondern alle Arten von Vergleichs-"Kämpfen", die man im Fernsehen sehen kann, und bei denen es nur um das Gewinnen oder Verlieren geht. Im Gegensatz hierzu geht es bei der Gürtelprüfung nicht darum, der beste, schnellste oder stärkste im Vergleich zu anderen zu sein, einen Pokal oder eine Trophäe zu erhalten.

Wir trainieren nicht für den Trainer, den Prüfer, die Eltern oder Freunde. Es geht nicht darum jemandem zu beweisen wie "viel" man gelernt hat, auch wenn es für die Prüfung erst mal so scheint. Im Budo geht es darum an sich selbst zu arbeiten; den Weg zu gehen, für den man sich entschieden hat und nicht halbherzig mitzulaufen, nur um sagen zu können man war dabei. Karate-Do ist ein Lebensweg, der sich mit der Zeit immer wieder wandelt. Deshalb muss sich auch das eigene Karate mit der Zeit verändern. Die Art, wie wir in der Jugend trainiert haben, ist im Alter meist so nicht mehr zu gebrauchen (z.B. Jodan Fusstritte). Das ist aber nicht negativ zu sehen sondern eigentlich etwas wunderbares, da man so nicht mit der Zeit stehen bleibt. Man kann ständig an sich arbeiten und das Karate an die eigenen Fähigkeiten und Begrenztheiten anpassen. Diese Prinzip gilt schliesslich auch für die Prüfungen.

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Deshalb sind bei höheren Gürtelprüfungen die Abwehr- und Angriffstechniken freier. Jeder muss selbst die für sich optimale Verteidigung erlernen und anwenden können. Und das soll der Prüfling auch mit entsprechender Durchsetzungskraft in Kihon, Kata und Kumite zeigen können.

Als nächstes soll etwas Licht in das Prinzip der Rangordnung im Karate-Do gebracht werden. Hierzu sind zwei wichtige Begriffe zu erwähnen, nämlich Sempai und Kohai. Der Sempai ist der zur eigenen Gürtelfarbe fortgeschrittene Schüler, während der Kohai die Gürtelfarbe die man selbst besitzt noch erreichen muss.

Der Sensei oder Shihan ist damit für einen Kyu-Grad ein Sempai, nämlich jemand der mehr Erfahrung im Karate gesammelt hat als er selbst. Das kann aber bedeuten, das der Sensei unter Umständen viel jünger sein kann als der Kyu-Grad. Das ist weder falsch noch ungewöhnlich, obwohl es manchmal für Späteinsteiger etwas ungewöhnlich erscheint. Wir lernen einfach von jemandem etwas, der den Weg des Karate-Do schon länger geht als wir selbst. Der Sensei ist nicht ein allwissender Karateka, der die perfekten Karatetechniken erreicht hat und somit am Ende seiner Entwicklung steht; sondern er ist jemand, der den schweren Weg den wir gerade gehen auch schon gegangen ist. Er kennt die verschiedenen Tücken und hat diese schon gemeistert. Aber er hat auch weiterhin den Weg des Karate-Do vor sich und lernt wie jeder andere Schüler auch weiter.

Das heisst das der Begriff "Rangordnung" im Karate-Do völlig falsch gewählt ist. Der Sensei ist nicht vergleichbar, mit dem obersten Chef in einer Firma, der dem Lehrling sagt was er zu tun oder zu lassen hat. Der Sensei oder Sempai begleitet uns auf dem Weg des Karate-Do. Er kennt die Schwierigkeiten die uns begegnen und versucht uns in die richtige Richtung zu lenken. Anfangs scheint im Training alles so festgesetzt zu sein, und wir haben das Gefühl, das wir den "richtigen" Techniken hinterher laufen. Aber mit der Zeit wird alles wieder freier und die richtigen Bewegungen und Handlungen ergeben sich intuitiv aus der aktuellen Situation.

Spiele und Übungen für das Judo-Training

Die Spielgrundformen verbessern das taktische Verständnis - ein entscheidender Erfolgsfaktor auf dem Tatami. Alle auf ihrem Niveau experimentieren lassen. Kreativität zeigen. Die Kinder nehmen einen Gürtel und experimentieren damit: Kunststücke erfi nden, testen, üben. Aufmerksamkeit entwickeln.

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  • Zwei Kinder stehen sich gegenüber: Zwischen ihnen liegt ein geknoteter Gürtel am Boden. Nach deinen Anweisungen müssen sie bestimmte Teile ihres Körpers berühren.
  • Bilde Teams: Stelle sie in Kolonnen vor einem Stapel Spielkarten auf und teile ihnen eine Farbe zu. Auf dein Signal hin macht das erste Kind einen «Judoparcours» mit spezifi schen Fortbewegungen und Aktionen. Ziel ist, möglichst rasch die Karten der eigenen Farbe zum Team zu bringen. Liegen alle Karten beim Team, setzen sich die Kinder.
  • Laufen und rasch die Richtung wechseln: Sich orientieren, Fortbewegung und Gesten koordinieren.
  • Einer oder zwei mit roten Gürteln markierte Wölfe verfolgen die Judoka: Die sich auf der Matte fortbewegen. Wer berührt wird, muss stehen bleiben: aufrecht, Beine gegrätscht, Arme zur Seite gestreckt. Um eine stehengebliebene Person zu befreien, muss jemand sie fassen, fortbewegen und mit einem Judowurf werfen. Nach dem Werfen ist die Person befreit.
  • Rasch auf ein Signal reagieren: Regeln einhalten. Im Lauf des Spiels verschiedene Rollen spielen. Einen Gegenstand erobern und verteidigen.

Ein Reich hat halb so viele Schätze (z. B. Medizinbälle) wie Kinder. Die Schätze befi nden sich auf kleinen Inseln (Matten). Die Judoka laufen frei durchs Reich. Auf ein Signal hin versuchen sie, sich eines Schatzes zu bemächtigen und ihn am Boden zu verteidigen. Alle Personen ohne Schatz haben 30 Sekunden Zeit, einen zu rauben. Höchstens zwei Personen dürfen um ein und denselben Schatz kämpfen. Rasch auf ein Signal reagieren. Regeln einhalten. Im Lauf des Spiels verschiedene Rollen spielen. Erobern und sich verteidigen. Auf einer begrenzten Spielfl äche spielen alle Kinder gegeneinander: Sie haben bestimmte Körperzonen zu berühren, die du vorgibst.

Zwei Teams bilden je eine Kolonne. Die Judoka gehen auf allen Vieren. Auf dein Signal bilden die Kinder einen Tunnel: Hände und Füsse am Boden, Knie durchgestreckt. Das letzte Kind der Kolonne robbt durch den Tunnel. Sobald es vorne herauskommt, robbt das nächste von hinten durch den Tunnel. Angreifen und sich verteidigen, sich dazu fortbewegen und den Überblick über das Spiel behalten. Wagen, eine Klammer zu stehlen.

Am Judogi jedes Kindes hängen vier Klammern. Auf das Startsignal «Hajime» versuchen die Kinder, bei den anderen eine möglichst grosse Anzahl Klammern zu erwischen. Haben sie eine erwischt, hängen sie sie an ihren Judogi. Sobald die festgelegte Zeit abgelaufen ist, endet das Spiel. Die Judoka zählen die an ihrem Judogi hängenden Klammern. Auf ein Signal mit einer Aktion reagieren. Die Judoka laufen kreuz und quer durchs Dojo. Auf «Hajime» wählt jedes Kind ein Gegenüber, um Shifumi (Schere, Stein, Papier) zu spielen. Wer gewinnt, wirft den anderen mit einer Judotechnik. Dann beginnt das Spiel von vorne, alle laufen wieder kreuz und quer durchs Dojo. Rasch laufen und die Richtung wechseln, sich orientieren, Fortbewegung und Gesten koordinieren.

Dreiergruppen bilden, die Kinder nummerieren sich von eins bis drei. Sie jagen sich innerhalb der Gruppe nach: Nr. 1 jagt Nr. 2, Nr. 2 jagt Nr. 3 und Nr. 3 jagt Nr. 1. Wer berührt wird, muss eine Aufgabe erledigen (z. B. eine Rolle vorwärts oder ein Ushiro- ukemi) und kommt dann wieder ins Spiel zurück.

Weitere Trainingsspiele und Übungen

  • Von Wand zu Wand
  • Runden rennen mit Ball
  • Linienrennen
  • Wer hat keinen Gurtring?
  • Von Wand zu Wand Fangis
  • Auf gleicher Höhe
  • Schlangenrennen
  • Stafetten
  • Klatschen
  • Um den Platz kämpfen
  • Judoclown
  • Schildkrötenspiel
  • Zauberfangis
  • Krankenfangis
  • Bärlifangis
  • Verbrennen
  • Lokomotive
  • Gurtspiel
  • Dreisprung
  • Konditions-Sitzball
  • Land gewinnen
  • Kreisspringen
  • Tunnelstafette
  • Tausendfüssler
  • Drachenfangis
  • Schildkrötenfangis
  • Kreisfangis
  • Slalom
  • Gürtel sammeln
  • König suchen
  • Fussballspiel auf allen Vieren
  • Gürtelfussball
  • Dschungelspiel
  • Kreativrennen
  • Schatzhüter
  • Schlangentreten
  • Hund und Herrchen
  • Robbenrandori
  • Körperteilrandori
  • Spiegel
  • Die rollende Kugel
  • Gymnastikball schiessen

Judo Shiai

Judo Shiai eignet sich für jede Judo-Angelegenheit, sei es internationale Turniere, Wettkämpfe für Anfänger oder Trainings. Dank der Optimierung der Anzeigeoption passt sich die Anzeigetafel Ihrem externen Gerät an und somit ermöglichen Sie es dem Publikum dem Punktestand durch eine breite sowie gut lesbare Anzeigetafel zu folgen.

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  • Bestimmen Sie die Kampfdauer, starten Sie bei Hajime die Stoppuhr und stoppen Sie sie bei Mate.
  • Geben Sie Yuko, Waza-ari und Ippon ein.
  • Die Punktezahl ist bei Shido, Hansoku-Make und Osaekomi automatisch angepasst.
  • Wählen Sie zwischen 4 Anzeigeschemen aus: klassisch, hell, dunkel oder IJF.
  • Schalten Sie die Soundeffekte ein, um am Ende der Kampfzeit die Glocke zu läuten.
  • Wählen Sie die Anzahl der Intervalle.
  • Bestimmen Sie die Dauer der Kämpfe und Pausen.

Gürtelrangsystem im Fudokan-Shotokan Karate-Do

Das Gürtelrangsystem (Kyudan) im Fudokan-Shotokan Karate-Do wird in zwei grosse Bereiche eingeteilt. Für einen Kampfkunstinteressierten, der sich entschliessst Karate-Do zu erlernen, beginnt ein langer Weg, über dessen Ziel er selbst noch gar keine oder eine oft falsche Vorstellung hat. Als erstes (und anfangs auch als einziges) beginnt er, sich mit Waza auseinander zu setzen. Er übt die verschiedensten Techniken und Kombinationen und versucht sie in der Kata perfekt wiederzugeben oder mit dem Partner anzuwenden.

Der Schüler befindet sich nun auf der sogenannten Form-Stufe (Shu), die den ersten Abschnitt vom Schüler zum Meister (Shu-Ha-Ri) darstellt. Um das Voranschreiten in dieser Stufe zu symbolisieren, wurde das Kyu-System eingeführt, das an den verschiedenen Gürtelfarben erkennbar ist.

Je weiter der Karateka im Kyu-System voranschreitet, desto mehr Hindernisse stellen sich ihm in den Weg, die er anfangs als solche gar nicht erkennt. Diese scheinen von aussen auf ihn einzuwirken, sind aber meist Hindernisse, die in seinem inneren entstehen. Er begegnet verschiedenen Gefühlen wie z.B. Zweifel oder Unlust mit denen er sich auseinander setzen muss und die es zu bekämpfen gilt. Früher oder später gelangt jeder Karateka auch an einen Zeitpunkt, an dem er glaubt keine Fortschritte mehr zu machen, oder er meint, das er in allem nur kritisiert wird. Alle diese Hürden und viele weitere begegnen dem Karateka immer wieder aufs neue, aber um aus der Shu-Stufe herausbrechen zu können, muss er sich mit diesen Hürden auseinander setzen und sie meistern.

Erreicht ein Karateka die Stufe des ersten Dan (Schwarzgurt - Kuro-Obi), so wird oft angenommen, dass er nun die Kampfkunst gemeistert hat. Dies ist aber grundlegend falsch, da der erste Dan nur anzeigt, dass der Schüler die technischen Grundlagen gemeistert hat. Er ist nun bereit die Shu-Stufe zu verlassen und sich mit dem Geist des Budo zu befassen. Das Dan-System ist deshalb noch einmal in verschiedene Stufen unterteilt worden, um auch hier ein voranschreiten symbolisieren zu können. Im Gegensatz zum Kyu-System gibt es aber hier keine Unterscheidungen durch eine Gürtelfarbe, sondern sie bleibt hier durchgehend schwarz.

Es gibt zwar einige Ausnahmen, aber diese sind eher selten zu sehen. Zum Beispiel tragen einige höhere Dan-Träger, einen rot-weissen Gürtel, oder binden sich sogar wieder einen weissen Gürtel um, um anzuzeigen, das ein Meister auch weiterhin ein Schüler ist und immer wieder alles aufs neue erlernt. Öfter verbreitet hingegen sind die schwarzen Gürtel, die durch vielfaches Tragen langsam ihre innere, weisse Naht preisgeben.

Der scheinbar endlose Weg des Karateka bis zum Erreichen des Dan erscheint nun im Verhältnis zu dem, was noch vor ihm liegt, gar nicht mehr so gross. Denn erst jetzt erkennt er, dass der wahre Weg noch zu meistern ist. Erst mit der Zeit begreift er die Zusammenhänge und tastet sich Schritt für Schritt weiter. Sein Weg begann in der Form-Stufe (Shu) und führt ihn nun über die Ha-Stufe schliesslich zur Ri-Stufe. Doch dieser Prozess ist ein Prozess, der ein lebenlang andauert und ständig Auswirkungen auf sein Leben hat. Seine Lebensweise wirkt aber wiederum auf sein Verhalten im Dojo ein. Es entsteht also eine Wechselwirkung bis hin zur Verschmelzung.