Kickboxer - Die Abrechnung: Eine detaillierte Analyse

Noch bevor das im Jahr 2015 gedrehte Remake des Van Damme-Streifens Der Kickboxer (1988) veröffentlicht wurde, kündigte man bereits eine Fortsetzung des Streifens an, der Stuntman und Kampfkünstler Alain Moussi in Van Dammes ursprünglicher Rolle Kurt Sloane und den Belgier selbst in der Rolle von dessen Mentor Durand zeigte.

Das Sequel wurde jedoch nicht wieder von John Stockwell gedreht, sondern von Dimitri Logothetis, der bereits am Drehbuch zum 2015er Kickboxer beteiligt war. Auch in Kickboxer - Die Abrechnung fungierte Logothetis (mit James McGrath) als Drehbuchautor; außerdem war er einer der Produzenten des Films. Moussi, Van Damme und Sara Malakul Lane nahmen ihre Rollen aus Kickboxer - Die Vergeltung wieder auf.

Mit Christophe Lambert, Ex-Boxweltmeister und Gelegenheitsschauspieler Mike Tyson und Hafthor Julius Björnsson („The Mountain“ aus der TV-Serie Game Of Thrones) befinden sich einige interessante Neuzugänge in der Besetzungsliste. Außerdem absolviert der brasilianische Fußballer Ronaldinho einen Cameo-Auftritt in Kickboxer - Die Vergeltung.

Handlung

Achtzehn Monate sind seit den Ereignissen des ersten Films vergangen, Kurt Sloane ist jetzt verheiratet und nimmt an MMA-Kämpfen in Las Vegas teil.

Kurt Sloane (Alain Moussi) hat gerade einen wichtigen MMA-Kampf gewonnen, als plötzlich zwei US Marshals bei ihm auftauchen, die ihn wegen des Mordes an seinem Gegner Tong Po verhaften wollen. Er wird entführt und vom Kampfveranstalter Thomas Moore (Christopher Lambert) nach Thailand zurückgebracht, der sich für den Tod seines Kämpfers Tong Po rächen will.

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Ehe sich Kurt versieht, wird er überwältigt und kommt in einem thailändischen Gefängnis wieder zu sich. Hier zieht der zwielichte Fightpromoter Thomas Moore (Christophe Lambert) die Fäden, der illegale Untergrundkämpfe organisiert und dessen bestes Pferd im Stall Tong Po war.

Er macht Kurt ein Angebot: Wenn er als Entschädigung zu einem Untergrund-Kampf antritt und den neuen Champion, einen 200-Kilo-Muskelberg, besiegt, bekommt er seine Freiheit und seine ebenfalls gefangene Frau Liu zurück, garniert mit einem dicken Bündel Scheine. Sloane muss sich nun dafür entscheiden, in einem thailändischen Gefängnis einzusitzen oder gegen Moores neuen Champion Mongkut (gespielt von Hafûor Júlíus Björnsson aus Game of Thrones) zu kämpfen.

Er will Sloane zu einem Kampf gegen seinen neuen Favoriten, den bis zum Anschlag gedopten, wandelnden Muskelberg Mongkut (Hafthor Julius Björnsson) überreden, doch Sloane weigert sich, was ihm - im Verbund mit seinem übrigen Verhalten - regelmäßige Besuche beim Chef-Auspeitscher des Knasts bringt. Sloane tut sich wieder mit Master Durand und zusätzlich einer Gruppe von Strafgefangenen zusammen, um für den epischen Showdown zu trainieren.

Die Geschichte wird niemanden umhauen, ist sie doch ziemlich formelhaft geraten, wobei die Handlung sowieso hauptsächlich nur dazu da ist, um die Kampfsequenzen miteinander zu verbinden. Ähnlich wie Rocky Balboa dem russischen Biest Ivan Drago in Rocky IV gegenübersteht, muss sich Sloane einem Mann stellen, der maschinenähnlich und praktisch nicht zu besiegen zu sein scheint.

Der Film

Kickboxer - Die Abrechnung begnügt sich erfreulicherweise nicht damit, lediglich das Schema des Vorgängers zu kopieren. Natürlich geht es, wie in Kickboxer Die Vergeltung auch, um die Vorbereitung auf einen wichtigen, von Rachegefühlen gepushten Turnierkampf und dessen Austragung, aber das Sequel des Kickboxer-Remakes bietet zudem noch einen Knast - und einen Geiselbefreiungsplot, weshalb der Streifen - im Gegensatz zum Remake - auch eine geradezu üppige Spielzeit von knapp 111 Minuten hat.

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Apropos Action und Martial Arts: Davon bietet der Film mehr als reichlich. Schon die Eröffnungsszene, die - ebenso wie die darauffolgende Credit-Sequenz - an einen James Bond 007-Film erinnert, ist nicht von schlechten Eltern, was ebenso für eine ausgedehnte Knastprügelei gilt, die ohne Schnitte auskommt und wahrscheinlich in einem Take gedreht wurde, was schon beachtlich ist.

Allerdings sind Schnitt und Kameraführung bei den Actionszenen im ersten Filmdrittel noch nicht optimal. Zwar verschont uns Regisseur Logothetis mit den Schnittgewittern, wie man sie z.B. von aktuellen Steven Seagal-Filmen kennt, aber manche Einstellungen hätten eine deutlich dynamischere und wuchtigere Wirkung erzielt, wenn z.B. beide Kontrahenten vollständig sichtbar im Bild zu sehen gewesen wären. Aber dieses Manko gibt sich schnell und der Rest der Actionszenen dürfte Freunde grober B-Actionware locker zufriedenstellen.

Im Showdown zwischen Moussi und Björnsson werden dann alle Register gezogen - mit und ohne Waffen. Das Finale zwischen den beiden ist ein spektakuläres, brachiales Spektakel, bei dem etwas weniger allerdings mehr gewesen wäre.

So spektakulär der Showdown des zweiten Neo-Kickboxer-Films auch ausgefallen ist - man ertappt sich dabei, doch dann und wann auf die Uhr zu schauen und sich zu fragen, was sich die beiden Kämpfer noch gegenseitig antun wollen.

Schauspielerische Leistungen

Darstellerisch gibt’s in Kickboxer - Die Abrechnung Licht und Schatten, wobei das Licht dominiert. Alain Moussi wird zwar nie ein großer Schauspieler werden und eine große Hollywoodkarriere dürfte ihm auch versagt bleiben, aber er bringt die passenden kämpferischen und körperlichen Fähigkeiten mit, um einen Film wie diesen zu tragen.Nicht mehr, nicht weniger.

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Auch seine Filmpartnerin Sara Malakul Lane bleibt weitgehend blass, muss allerdings auch „nur“ das Love Interest des Helden spielen. Jean-Claude Van Damme gibt erneut eine gute Vorstellung als leicht exzentrischer, diesmal blinder Meister Durand, was aber kaum einen Unterschied macht, da Blindheit hier anscheinend eine Superkraft á la Daredevil ist und er sich mit traumwandlerischer Sicherheit in nahezu jeder Situation und Gegend bewegt.

Trotzdem wirkt Van Damme überzeugend in der Rolle des leicht schrägen Mentors und sollte aufgrund seines fortschreitenden Alters - der belgische Actionstar wird bald sechzig Jahre alt - überlegen, weitere Rollen dieses Kalibers zu spielen, da er somit weniger Gefahr laufen würde sich zu blamieren, wie es z.B. sein Kollege Steven Seagal (Nico, 1988) tut, der trotz seiner 67 Jahre immer noch so tut, als wäre er in seinen Actionfilmrollen immer noch so überzeugend wie in den frühen Neunziger Jahren. Die Nebendarsteller erledigen ihre Jobs mehr als zufriedenstellend.

Auch wenn aus ihm ebenfalls kein Charakterdarsteller mit hochbezahlter Hollywoodkarriere wird - Hafthor Julius Björnsson ist als Mongkut einfach nur eine entfesselte Urgewalt. Der Körperbau dieses Mannes und die Art und Weise, wie er kämpft, lassen einem einfach nur die Kinnlade runterklappen und man glaubt als Zuschauer, jeden Schlag zu spüren, den er Moussi/Sloane verpasst. Zudem versprüht der isländische Strongman ein enorm bedrohliches Charisma.

Auch wenn Björnsson privat bestimmt ein netter Kerl ist - hier wirkt er einfach nur böse und gnadenlos. Und sollte man bei Marvel noch einmal auf die Idee kommen, den Hulk ohne jegliche Computertechnik von einem Darsteller aus Fleisch und Blut spielen zu lassen, wäre der Isländer einer der ersten, an den man sich wenden sollte.

Im krassen Gegensatz dazu steht Mike Tyson, ebenfalls ein Kampfkoloss ohnegleichen, der hier eine regelrecht selbstironische Rolle spielt, mit der er enorm zum Spaßfaktor und Unterhaltungswert des Films beiträgt. Nicht weniger überzeugend ist Christophe Lambert als schillernder Bösewicht und Organisator illegaler Kämpfe.

Man könnte dem französischen Darsteller sicherlich Overacting vorwerfen, aber meiner Meinung nach hat Lambert einfach nur Spaß an seiner Schurkenrolle und das zeigt er auch deutlich.

Visuelle Gestaltung

Kickboxer - Die Abrechnung ist ein visuell umwerfender Film, der sich auf extrem dunkle Szenen konzentriert, mit begrenzter Beleuchtung aus verschiedenen Quellen, um einige interessante schwere Schatten zu erzeugen und Licht auf die Schauspieler und ihre Umgebung zu werfen.

Die Beleuchtung nutzt sowohl natürliches Sonnenlicht, das durch die Fenster hereinscheint, als auch starke gelbe, grüne und blaue Leuchtstofflampen, um einiges an Farbenpracht in einzelnen Szenen zu erzeugen. Der Film ist nicht gänzlich in Dunkelheit gehüllt, da es auch Einstellungen am Tag gibt, doch die dunkel ausgeleuchteten Szenen sind visuell am interessantesten.

Kritikpunkte

Bei allen Stärken, die Kickboxer - Die Abrechnung hat, verfügt der Streifen auch über einige (kleine) Schwächen, von denen ich einige bereits genannt habe. Was dem Film allerdings auch etwas schadet, ist seine Traumsequenz. Diese ist an und für sich nicht schlimm, aber es wirkt dann doch unfreiwillig komisch, wenn Leute aus dem Traum dann auch alle Naselang in der Realität auftauchen - das ist genauso unrealistisch und albern wie die Hoffnung, drei durch Mongkut/Björnsson ausgeübte Schläge auf den Kopf überleben zu können, womit wir beim nächsten gesonderten Kritikpunkt wären.

Selbstverständlich leben Action/Martial Arts-Filme von Übertreibungen und oft ist der Versuch, die entsprechenden Szenen solcher Filme auf die Realität zu übertragen, wenig zielführend, aber hier übertreibt der zweite neue Kickboxer-Film dann doch etwas.

So lange, wie sich die Kontrahenten hier bekriegen, würde das kein „normaler“ Mensch - und sei er noch so trainiert und kampfkunsterfahren - auch nur fünf Minuten lang überstehen.

Fazit

Trotz dieser Makel ist Kickboxer - Die Abrechnung ein überdurchschnittlicher, unterhaltsamer „Direct-to-Video“-Martial Arts-Actionstreifen mit vielen hervorragenden Kampfszenen, einigen guten Darstellern und einem hohen Unterhaltungswert für Fans des Genres. Das Niveau des Vorgängers wird zwar nicht übertroffen, aber immerhin weitgehend gehalten.

Uninspiriert gewinnt Kickboxer - Die Abrechnung dem Genre absolut nichts Neues ab und zieht sich über die fast zwei Stunden ungemein hin. Schlechte Darsteller, miese Dialoge, unglaubwürdige Figuren und eine amateurhafte Inszenierung fordern dem Zuschauer viel Kraft ab.

Schauspieler Rolle
Alain Moussi Kurt Sloane
Jean-Claude Van Damme Meister Durand
Christophe Lambert Thomas Moore
Mike Tyson Gefängnisinsasse
Hafthor Julius Björnsson Mongkut
Sara Malakul Lane Liu