Immer Wieder Nahkampf: Definition und Bedeutung in der Modernen Kriegführung

Soldatinnen und Soldaten müssen bereit sein zu kämpfen, denn im Einsatz oder Krieg können sie jederzeit in eine Situation geraten, aus der sie sich nur mit Nahkampftechniken befreien können.

Die Rolle des Nahkampfs in der Bundeswehr

Anders als noch vor wenigen Jahren, wo internationale Einsätze im Fokus der Bundeswehr standen, ist die Kernaufgabe heute die Landes- und Bündnisverteidigung. Darauf konzentriert sich die Ausbildung und dazu soll in Zukunft der militärische Nahkampf gehören.

Zwar habe es in der Bundeswehr schon immer Nahkampfausbildung gegeben, allerdings vor allem bei der Einzelkämpferausbildung und mit deutlichem Kampfsportcharakter. Die Erfahrungen aus der Zeit des Kalten Krieges und aus den Einsätzen müssten angepasst werden auf moderne Erfordernisse, Ausrüstung und Verfahren.

Deshalb müsse die Nahkampfausbildung in den Gefechtsdienst eingebunden werden. Das bedeute auch Training mit voller Ausrüstung: Helm, Weste, Waffe, denn dies habe erheblichen Einfluss auf die Nahkampftechnik.

Ausbildung zum Nahkampflehrer

Zu Beginn des Nahkampftrainings werden erst mal die Reflexe getestet und es wird nur mit Gefühl zugeschlagen. Später setzen die Teilnehmenden mehr Kraft ein. „Die Wenigsten haben schon mal einen Schlag ins Gesicht bekommen. Das ist für die eine ganz neue Erfahrung“, erklärt Oberstabsfeldwebel Andreas M.* Als Hörsaalleiter an der Infanterieschule in Hammelburg ist er verantwortlich für den Pilotlehrgang Nahkampflehrer.

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Zu Beginn des Kurses lässt er nur mit Gefühl schlagen. Die angehenden Ausbilder üben so, ihre Kraft dosiert einzusetzen. „Erst mal nur 20 Prozent“, ist die Vorgabe. Im Laufe des Kurses wird dann immer mehr Kraft eingesetzt.

Oberst Andreas S.* ist einer der 17 Teilnehmer am Lehrer-Lehrgang „Nahkampf“ an der Infanterieschule. Die Soldaten im Alter zwischen 24 und 60 Jahren haben alle neben dem Basislehrgang bereits den Ausbilderlehrgang im Nahkampf absolviert. In dem dreiwöchigen Pilotlehrgang werden sie nun darauf vorbereitet, ihrerseits künftige Nahkampfausbilder auszubilden.

Trainiert wird in der Boxhalle, auf der Schießbahn im scharfen Schuss, in der Trainingshalle der Vereinten Nationen, im Schießsimulator und sogar nachts im Bunker mit Nachtsichtbrille. Ziel der intensiven Ausbildung ist es, den Teilnehmern möglichst viele Settings zu zeigen, in denen man Nahkampf unterrichten kann.

Neben dem Aufbau der Trainingsumgebung und den Vorschlägen, wie Nahkampf in andere Ausbildungsinhalte eingefügt werden kann, geht es dem Hörsaalleiter, Oberstabsfeldwebel Andreas M., auch um psychologische Aspekte. „Von euch Nahkampflehrern verlange ich, dass ihr die Teilnehmer zum Kämpfen motiviert, und nicht, dass ihr die erlegt“, warnt er vor zu hohen Anforderungen.

Beim Sparring im Ring bricht der Hörsaalleiter den Kampf deshalb auch dann nicht ab, wenn einer der Kontrahenten zu Boden geht. Er gibt ihm die Zeit, wieder auf die Füße zu kommen, und lässt den Kampf für einen kurzen Schlagabtausch weiterlaufen. „Unser Ziel ist immer, dass nach der Übung jeder mit einem gestärkten Selbstbewusstsein aus dieser Halle rausgeht.“

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Veränderte Rahmenbedingungen und ihre Auswirkungen

„Wenn man in Richtung Osten schaut, insbesondere in Richtung Russland, sieht man sehr deutlich, dass sich der Kampf in den urbanen Raum verlagert hat, wo es jederzeit zu Nahkampfsituationen kommen kann“, sagt Oberstleutnant Andreas W.*, Kommandeur der Lehrgruppe B der Infanterieschule in Hammelburg. Landes- und Bündnisverteidigung stehen wieder im Fokus. Der Nahkampf wird deshalb auch in voller Ausrüstung trainiert.

Nahkampf für alle Truppen

Infanteristen, Aufklärer oder Fallschirmjäger laufen immer Gefahr, dass sie in einem Kampfgraben, beim Orts- und Häuserkampf oder in einem dicht bewaldeten Gebiet auf Feindkräfte treffen.

In der Nahkampfausbildung geht es auch um Charakterbildung: Das Wissen, dass man auch mit den Händen im Notfall kämpfen kann, stärkt das Selbstbewusstsein. Man müsse zwar verstehen, dass nicht jeder Soldat oder jede Soldatin nahkampfaffin sei. Dennoch müsse die Nahkampfausbildung zur Jedermann-Befähigung werden mit dem gleichen Stellenwert wie die Sanitätsausbildung, die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr oder die Fliegerabwehr.

Ein weiteres Argument für die Nahkampfausbildung aller Truppen ist nach Einschätzung von W. der psychologische Vorteil. „Man darf nicht vergessen, dass eine solche Ausbildung auch charakterbildend ist“, erklärt der Oberstleutnant. „Wir brauchen als Soldaten auch eine gesunde Aggressivität.“ Voraussetzung dafür seien neben einer Grundfitness vor allem Robustheit und körperliche Leidensfähigkeit.

Militärischer Nahkampf vs. Ziviler Nahkampf

Der militärische Nahkampf ist im Grunde eine Notlösung, wenn keine Waffe zur Verfügung steht. Was den militärischen Nahkampf grundlegend vom zivilen Nahkampf unterscheidet, ist, dass es nicht nur darum geht, sich selbst zu verteidigen, sondern dabei den Gegner zu töten.

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Im militärischen Kampf wird das so bestimmt nicht ablaufen. Das Ziel des militärischen Nahkampfes ist NICHT, den Gegner zu töten, terminieren oder wie es hier sonst noch gesagt wurde, es dient einzig und allein der Verteidigung und somit im Endeffekt dem Schutze des Auftrages.

Es ist tatsächlich so, dass jeder '08/15'-Kampfsportler besser ausgebildet ist, als ein Soldat, der im militärischen Nahkampf ausgebildet wurde (und dabei rede ich jetzt nicht von irgendwelchen Spezialeinheiten wie z. B. KSK). Weder die Ausbildung im militärischen Nahkampf, noch die 'Polizei-üblichen' Techniken helfen dir bei einem erfahrenen Kampfsportler weiter.

Nahkampfspange

Die Nahkampfspange in Gold wurde im Laufe des Zweiten Weltkrieges zur höchsten infanteristischen Auszeichnung. Bedingung für die Verleihung der Nahkampfspange in Gold war das Erreichen von 50 bestätigten Nahkampftagen.

Ein Träger dieser Auszeichnung ist Franz Schmid. Als Feldwebel und Zugführer im Panzerpionierbataillon 27 der 17. Panzerdivision wurde ihm am 7. Februar 1944 die Nahkampfspange in Gold verliehen. Am 27. August 1944 gehörte er zu den ersten 14 Soldaten, denen die Nahkampfspange in Gold im Führerhauptquartier von Adolf Hitler persönlich überreicht wurde.