Taekwondo als Olympische Disziplin: Regeln und Vorschriften

Taekwondo ist eine koreanische Kampfkunst, die sich weltweit verbreitet hat und bei nationalen sowie internationalen Turnieren ausgeübt wird, um die besten Sportler zu ermitteln. Seit dem Jahr 2000 ist Taekwondo olympisch.

Die Entwicklung des Taekwondo

Taekwondo entwickelte sich nach 1945 aus dem japanischen Karate, gleich nach Ende der japanischen Herrschaft in Korea. Techniken und Formenlauf ähneln daher der Karatetechnik. Der Name Taekwondo wurde erstmals 1955 verwendet.

Später entwickelten sich Taekwondo-Unterstile: ITF traditionell, ITF reformiert und WT. Sie unterscheiden sich in Formausübung (Hyeong, Tul und Pumsae) und im sportlichen Kampf. Im olympischen Wettkampfsystem gibt es das Verbot, mit der Faust den Kopf zu treffen.

Das Taekwondo hat sich vom koreanischen Volkssport zu einem modernen Wettkampfsport entwickelt und in der Welt verbreitet. Für ein Taekwondo-Training muss man einem der vielen Verbände beitreten. Es gibt internationale Wettkämpfe und dieser Sport im WT Stil ist seit 2000 auch olympische Disziplin.

Taekwondo Weltmeisterschaften

Die Taekwondo Weltmeister werden von der WTF und der ITF getrennt ermittelt, was wohl auf die unterschiedlichen Ansätze der beiden Vereinigungen zurückzuführen ist.

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Die WTF trägt schon seit 1973 alle zwei Jahre Vollkontakt-Meisterschaften aus und seit 2006 auch im Formenlauf. Die Vollkontakt-Athleten kämpfen in 8 Gewichtsklassen um den Titel des Taekwondo Weltmeisters.

Die ITF trägt jedes Jahr eine Meisterschaft aus, wobei in den geraden Jahren die ITF World Cups stattfinden und in den ungeraden Jahren die ITF World Championships. Der große Unterschied dieser beiden ist, dass an den World Championships nur Schwarzgurte teilnehmen dürfen, an den World Cups dagegen auch rote und blaue Gürtelstufen.

Ausrüstung im Taekwondo

Der Kampfanzug namens Dobok besteht aus einer Art Jacke (Sang-I), Hose (Hang-I) und Gürtel (Ty). Das Material ist leichter, weiß gebleichter und strapazierfähiger Stoff. Der Anzug lässt alle Bewegungen zu und ist auch reißfest.

Dieser Anzug ist auch die einzige Bekleidung, die Füße bleiben unbekleidet. Jegliche Form von Schmuck (Ringe, Uhren, Ohrringe) muss aufgrund der Verletzungsgefahr ebenfalls auch im Training abgelegt werden.

Im WT Wettkampf sind Schutzausrüstungen gestattet, da es sich um Vollkontakt-Kampf handelt: Weicher Helm, Schutzweste, Zahnschutz, Tiefschutz, Handschützer, Unterarm- und Schienbeinschoner sowie je nach Altersklasse auch mit Spannschutz.

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Die Hose ist weit, reicht bis zur halben Wade und so gearbeitet, dass ein seitlicher Spagat möglich ist.

Für ein Probetraining ist auch ein Trainingsanzug zulässig. Jedoch muss man bei Eintritt in einen Verband einen Dobok erwerben, schon als Symbol der Einheit. Auch die Farbe Weiß hat symbolischen Charakter, wie ein noch unbeschriebenes Blatt, völlig leer. Taekwondo-Schüler sollen Wissen und Können aufsaugen, verarbeiten und dann erfolgreich in die Tat umsetzen.

Gürtel und Gürtelsystem

Taekwondo Gürtel erfüllen vorwiegend einen praktischen Zweck, das Zusammenhalten der Jacke. Das Tragen drei Fingerbreiten unter dem Bauchnabel weist auch auf das Zentrum der Lebenskraft Chi in der asiatischen Philosophie hin. Ein weiterer praktischer Zweck, die Konzentration der Kraft, ist mit dem Kraftgürtel beim Gewichtheben vergleichbar. Dieser wird ebenfalls drei Fingerbreiten unter dem Nabel getragen.

Die Farben des Gürtels geben überdies Auskunft über den Rang oder den Trainings- und Wissensstand. Jedoch ist dieses Gürtelsystem erst seit dem 19. Jahrhundert beim Judo entstanden.

Zu Beginn gab es im Taekwondo nur vier Gürtelfarben, der koreanischen Flagge entsprechend: weiß, blau, rot und schwarz, die Farben der Koreanischen Flagge. Mittlerweile gibt es auch gelb, grün und braun.

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Die Gürtelgrade sind unterteilt in Schülerklasse (Kup) und Meisterklasse, Dan oder Poom. Die Einteilung der Klassen ist je nach Verband unterschiedlich.

Die Bedeutung der Gürtelfarben

  • Der weiße Gürtel wird von Anfängern getragen
  • Der weißgelbe Gürtel ist ein Übergang.
  • Der gelbe Gürtel steht für fruchtbaren Erdboden, auf dem Wissen und Können gedeihen sollen.
  • Der gelbgrüne Gürtel ist ein Übergang.
  • Der grüne Gürtel symbolisiert die ersten Sprösslinge und Früchte, Zeichen, dass etwas im Schüler heranreift.
  • Der grünblaue Gürtel ist ein Übergang.
  • Der blaue Gürtel steht für den Himmel und somit sinnbildlich für eine Grenze und Anregung, Höheres anzustreben und auch zu erreichen.
  • Der blaurote Gürtel ist ein Übergang.
  • Der rote Gürtel repräsentiert die Sonne, von der schon eine große Kraft ausgeht, der Schüler ist also kurz davor, Meister zu werden.

Nur die Dan-Träger dürfen auch Doboks mit einem schwarzen Revers tragen.

Das Taekwondo-Training

Zum Taekwondo gehören nicht nur körperliche Trainingseinheiten und bewusste Ausübung der Bewegungsabläufe. Dahinter steckt auch eine Philosophie, zusammengefasst als sogenannte „Grundsätze des Taekwondo“:

  • Ye-Ui, die Höflichkeit
  • Yom-Chi, die Integrität
  • In-Nae, das Durchhaltevermögen, die Geduld
  • Guk-Gi, die Selbstdisziplin
  • Beakjul-bool-gul, die Unbezwingbarkeit

Folgendem Eid sollen sich alle Taekwondo-Schüler verpflichtet fühlen:

  • Ich verpflichte mich, die Grundsätze des Taekwondo einzuhalten
  • Ich verpflichte mich, meinen Trainer und alle Höhergestellten zu achten
  • Ich verpflichte mich, Taekwondo nie zu missbrauchen
  • Ich verpflichte mich, mich für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen
  • Ich verpflichte mich, bei der Schaffung einer friedlicheren Welt mitzuarbeiten

Trainingsübungen

Aus den genannten Philosophien und physikalischen Gesetzmäßigkeiten leiten sich die Trainingsübungen und die Stufen des Fortschritts im Taekwondo ab.

  • Grundschule (Gibon Yeonseup): Üben einzelner Bewegungen und Techniken durch mehrfaches Wiederholen, ohne Gegner.
  • Formenlauf (Teul, Hyeong, Pumsae (Taegeuk/Palgue)): festgelegte Techniken werden in vorgegebener Reihenfolge durchgeführt.
  • Einschrittkampf (Hanbon Gyeorugi, Ilbo Matsogi, Ilbo Daeryeon): Ein Übungskampf mit festgelegter Technikenreihenfolge gegen einen Gegner. Neben dem Einschrittkampf gibt es auch noch den Zwei- und Dreischrittkampf (Ibo- bzw. Sambo-Matsogi, Ibo- bzw. Sambo-Daeryeon); sie haben eher untergeordnete Bedeutung.
  • Bruchtest (Gyeokpa): Zerstören von Holzbrettern, Ziegeln oder sonstigen Materialien mittels Taekwondo-Techniken.
  • Freikampf (Daeryeon, Matsogi oder Gyeorugi): Freier Übungskampf gegen einen Gegner, häufig ohne Berührung.
  • Wettkampf (Chayu Matsogi): Leicht-, Semi- oder Vollkontaktkampf gegen einen Gegner.
  • Selbstverteidigung (Hosinsul): Selbstverteidigung gegen einen oder mehrere unbewaffnete oder bewaffnete Gegner.
  • Gymnastik (Dosu Dallyon)
  • Theorie (Ilon)

Die Taekwondo-Regeln

Je nach Stilrichtung, Schule oder Großmeister gibt es unterschiedlich strikte Regeln für Trainingsabläufe beziehungsweise einen allgemeinen Verhaltenskodex. Je traditioneller Taekwondo ausgeübt wird, desto strenger sind auch diese Regeln. Viele Regeln gelten jedoch grundsätzlich für den Taekwondo-Sport allgemein.

Diese sind zum Beispiel:

  • Zum Training erscheint man pünktlich und in sauberer Sportkleidung (Dobok). Hände und Füße gewaschen, kurze Finger- und Fußnägel.
  • Kein Essen oder Trinken während einer Trainingseinheit, kein Kaugummi oder eine Rauchpause - die gesamte Aufmerksamkeit ist dem Lehrer oder dem Übungspartner gewidmet.
  • Kein Verlassen des Trainingsbereiches während einer Trainingseinheit - vorher auf die Toilette gehen beziehungsweise beim Lehrer abmelden. Unterbrechungen stören den Unterricht und wenn der Körper wieder auskühlt, erhöht sich die Verletzungsgefahr.
  • Vor dem Training stellen sich die Schüler vor dem Meister in einer fest vorgegebenen Reihenfolge gemäß ihres Ranges auf, der höchste immer vorne rechts.
  • Das Training beginnt, wenn der Lehrer den Befehl zur Aufstellung gibt. Dann erfolgt die Begrüßung des Trainers vom ersten Schüler vorne rechts auf Koreanisch. Anschließend verbeugt sich die Gruppe zum Lehrer und der Lehrer zur Gruppe.
  • Beim Training darf nicht geplaudert oder laut gelacht werden. Die Kommandos des Lehrers müssen jederzeit gehört werden können und müssen auch befolgt werden.
  • Nur der Lehrer oder hohe Graduierungen dürfen anderen Schülern Techniken beibringen oder korrigieren. Denn die Techniken müssen absolut richtig gelernt werden. Dies gilt besonders für den Formenlauf, da sich sonst falsche Bewegungsabläufe verbreiten können.
  • Angriffe gegeneinander, Bruchtests, Übungen mit Waffen (zum Beispiel bei der Selbstverteidigung) oder andere schwierige Übungen dürfen nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Lehrers und unter dessen Beobachtung durchgeführt werden. Ansonsten ist die Verletzungsgefahr zu groß.
  • Befiehlt der Lehrer den Übungsabbruch (Kommando Geuman oder Baro oder Gallyeo), müssen alle Übungen sofort beendet werden.

Die Verneigung

Da Verneigungen, Respekt und Formwahrung in Asien selbstverständlicher Inhalt des täglichen Lebens sind, gibt es gewisse Formregeln auch beim Taekwondo.

Die Verneigung drückt Respekt vor dem Lehrer und dem Übungspartner aus und dient der Sammlung und Konzentration. Sie zeigt an, dass man sich auf die bevorstehende Aufgabe konzentriert. Konzentration ermöglicht komplexe Bewegungsabläufe und stellt sicher, dass der Partner nicht versehentlich verletzt wird.

Die Verneigung wird meist mit dem Kommando Cha-ryeot (Achtung!) vorbereitet. Die Füße sind nebeneinander positioniert im Moa Seogi, Fäuste am gestreckten Arm leicht neben dem Körper. Die Person gegenüber ansehen. Mit dem Kommando Gyeong-nye (grüßen, verneigen) beugt sich der Oberkörper im rechten Winkel nach vor, die Arme mit den Fäusten werden ebenfalls leicht angewinkelt.

Eine Verneigung erfolgt

  • beim Betreten und Verlassen des Übungsraums
  • zu Beginn und Ende der Übungsstunde
  • vor und nach Partnerübungen
  • vor und nach einem Bruchtest (zum Beispiel eines Holzbretts)

Eine WT Fassung dieser Geste lässt zu, dass die Hände auf die Hüfte gelegt werden und bleiben auch dort, während sich der Körper beugt. Schulen können wählen, welche Verbeugungstechnik sie erwarten.

Wettkampf-Regeln

Ein Taekwondo- Wettkampf oder Freikampf findet grundsätzlich auf einem abgegrenzten Feld statt. Ein Kampfrichter leitet den Wettkampf, während ihn mehreren Punktrichtern bewerten. Der Kampf geht über wenige Minuten, in denen die Teilnehmer versuchen, den Gegner mit Taekwondo-Techniken im Vollkontakt zu treffen.

Vollkontakt bedeutet Fußtechniken zum Körper und Kopf. Handtechniken zum Kopf sind aufgrund erhöhter Verletzungsgefahr nicht erlaubt, lediglich Fausttechniken zum Rumpf. Tiefe Fußtechniken auf die Beine sind verboten. Je nach getroffener Körperstelle gibt es Punkte: Torso zwei Punkte, Kopf 3 Punkte. Ein Zusatzpunkt wird für Drehtechniken gegeben, Punktabzüge gibt es als Strafe bei unsportlichem Verhalten. Ein Wettkampf kann auch durch ein K.O. entschieden werden.

Bei Olympischen Spielen gibt es drei Runden über jeweils zwei Minuten mit jeweils einer Minute Pause. Olympische Wettkämpfe finden in vier der sonst üblichen acht Gewichtsklassen für Männer und Frauen statt. Es gelten die internationalen WT Wettkampfregeln und die Wettkämpfer tragen die vorgeschriebene Schutzausrüstung (Kopfschutz, Schienbein- und Ellbogenschoner, Tiefschutz, Zahnschutz, Brustpanzer).

Bei Freikämpfen gilt meist Leicht- oder Semikontakt und es wird eher die korrekte und ästhetische Ausführung der Technik(en) bewertet als die Treffer. Erlaubt ist Hand- und Fußschutz. Fußtechniken in allen Varianten und Kombinationen werden kombiniert mit realen Faustkampftechniken, auch Fauststoßtechniken zum Kopf.

Neben dem Freikampf werden auch Formenturniere ausgetragen. Die traditionelle Hyeong Form bedeutet: Kein Kontakt beziehungsweise nur Leichtkontakt, kein Schutz. Bis auf wenige potentiell sehr gefährliche Ausnahmen (zum Beispiel Handkante gegen den Hals) sind alle regulären Taekwondo-Techniken erlaubt.

Der einzige Weg im Taekwondo an den Olympischen Spielen teilzunehmen, führt über den Zweikampf. Im Jahr 1994 wurde Taekwondo in das offizielle olympische Programm aufgenommen. Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney war das offizielle olympische Debüt. Seit dem erlebt unsere Sportart internationales Ansehen.

Die Qualifkation für die Olympischen Spiele kann über unterschiedliche Wege erfolgen (Weltrangliste, kontinentales Qualifikationsturnier, Sieger aller-Grand-Slam-Turniere).

Anders als bei Welt- und Europameisterschaften gibt es bei den Olympischen Spielen 4 Gewichtsklassen, anstatt der üblichen 8. Gekämpft wird seit den Olympischen Spielen in Rio 2016 erstmals mit einem voll elektronischen Wertungssystem, wo Westen- und Kopftreffer elektronisch ausgelöst werden. Fausttreffer werden weiterhin manuell von Kampfrichtern gedrück.

Neben den Olympischen Spielen finden zusätzlich alle 4 Jahre Olympische Jugendspiele statt.

Im Taekwondo gibt es ein Vollkontakt-Wettkampfsystem, welches seit 2000 sogar olympische Disziplin ist. Der Wettkampf wird auf einer 10 x 10 Meter großen Fläche ausgetragen. Punkte gibt es für korrekte und harte Treffer. Sieger ist der Kämpfer mit den meisten Punkten nach 3 Runden zu 2 Minuten (Kampfzeit variiert) oder wer ein KO erzielt.

Die Wettkämpfer tragen Schutzkleidung bestehend aus Schienbein-, Unterarm-, Kopf-, Tief- und Zahnschutz, zusätzlich wird der Körper von einer Kampfweste bedeckt und Kinder tragen einen Spannschutz. Erlaubte Angriffsflächen sind mit dem Fuß der Bereich, der von der Kampfweste bedeckt ist und der Kopf (ausgenommen der Hinterkopf). Mit der Faust darf lediglich zur Weste angegriffen werden.

Für einen Torsotreffer wird ein Punkt, für einen Kopftreffer zwei gewertet, außerdem gibt es einen Zusatzpunkt wenn der Gegner angezählt wird. Für unerwünschte Handlungen (Klammern, unsportliches Verhalten, absichtlicher nicht erlaubter Angriff etc.) gibt es Verwarnungen oder sogar ganze Minuspunkte.