MMA-Kämpfer aus Polen: Eine Erfolgsgeschichte

Wenn man über MMA in Europa spricht, kommt man an KSW (Konfrontacja Sztuk Walki) nicht vorbei. KSW wurde 2004 von Martin Lewandowski und Maciej Kawulski mit der Idee gegründet, Mixed Martial Arts in Polen zu professionalisieren. Die von KSW angeführte MMA-Szene Polens ist ein Beispiel dafür, wie ein Land von Grund auf eine professionelle Sportindustrie aufbauen kann.

Der Aufstieg von KSW

KSW hat in Europa mehrere Besucherrekorde gebrochen. Die Organisation hat ihre Veranstaltungen über Polen hinaus ausgeweitet und veranstaltet nun auch Events im Vereinigten Königreich, Kroatien und der Tschechischen Republik. Viele Kämpfer, die heute in Organisationen wie UFC, Bellator oder PFL glänzen, haben ihre Karriere in KSW begonnen oder gefestigt.

KSW verbindet Sport und Unterhaltung auf meisterhafte Weise. Die Wrestler-Auftritte sind spektakulär, mit Live-Musik, Spezialeffekten und theatralischen Einzügen. In Polen ist MMA in den vergangenen Jahren zum Volkssport geworden. Bei unseren Nachbarn sind Käfigkämpfe längst Kult. Neben Fuß- und Volleyball steht MMA dort ganz oben in der Gunst der Sport-Fans. Am 27. Mai 2017 kamen 57776 Zuschauer für „KSW39“ ins Warschauer Nationalstadion!

Nicht mal die UFC (Ultimate Fighting Championship) und ihr Aushängeschild Conor McGregor konnten diese Mega-Kulisse jemals toppen. Die Zuschauer lieben die schnellen, blutigen Knockouts. Und besonders die große Show, mit der die KSW ihre Kampfabend begleitet. Feuerwerk, Opernsänger, Rock-Bands. Die KSW fährt regelmäßig das ganz große Besteck auf. In Polen werden MMA-Kämpfer gefeiert wie Gladiatoren im alten Rom.

Was Sie über KSW wissen sollten

Konfrontacja Sztuk Walki (KSW) ist die mit Abstand größte MMA-Organisation in Europa, gilt als die polnische UFC-Version. Dabei fing Gründer und Besitzer Martin Lewandowski 2004 mit seiner Liga ganz klein an. Jetzt können sich die deutschen MMA-Fans auf ganz großes Spektakel aus unserem Nachbarland freuen. Lewandowski glücklich: „Deutschland ist ein riesiger Markt mit leidenschaftlichen Fans und tollen MMA-Athleten.

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Mariusz Pudzianowski: Eine Legende

Der größte Held: Mariusz Pudzianowski (42). Ein ehemaliger Strongmen, der durch seine Käfig-Auftritte endgültig Kultstatus erlangte. Dies ist die Geschichte von Strongman-Legende und MMA-Superstar Mariusz Pudzianowski. Pudzianowski ist ein absoluter Superstar in Polen, vergleichbar mit Boris Becker oder Dirk Nowitzki hier in Deutschland. Sportarten brauchen Charaktere, um es in den Fokus der Öffentlichkeit zu schaffen.

Michael Schumacher, Boris Becker, Dirk Nowitzki, sie alle machte ihren Sport hierzulande populär. In Polen schaffte das der fünfmalige Strongman-Champion Mariusz Pudzianowski der die MMA-Liga KSW praktisch im Alleingang zum Massenphänomen machte. Pudzianowskis unglaubliche Power wurde ihm buchstäblich in die Wiege gelegt, als er am 7. Februar 1977 im polnischen Dörfchen Biala Rawska, eine Stunde südlich der Hauptstadt Warschaus, zur Welt kam.

Schon Vater Wojciech war Gewichtheber und ermutigte den Jungen, in seine Fußstapfen zu treten. In dem 3.000-Seelen-Örtchen gab es für Kinder bis auf Sport nicht viel zu tun. Die erste Liebe des jungen Pudzianowski war Kyokushinkai, eine Vollkontakt-Variante des Karate, die er mit 10 entdeckte. Sein Talent für Kraftsport war unübersehbar. Mit 16, nichtmal ein Jahr nachdem er mit Kraftsport begonnen hatte, trat er bei den polnischen Meisterschaften im Bankdrücken an und drückte 160 Kilo.

Nebenbei boxte er sieben Jahre lang, mit Anfang 20 konzentrierte er sich aber vollends auf Kraftsport. Nur sechs Wochen nach seinem ersten echten Strongman-Training wurde Pudzian polnischer Meister, ein halbes Jahr später belegte er bereits Platz drei der Weltrangliste. In den folgenden Jahren bestritt er hunderte Wettkämpfe und stand jedes Mal auf dem Treppchen. Dabei vollbrachte er schier unmenschliche Kraftakte, zog etwa ein 35 Tonnen schweres Flugzeug.

Viermal hatte er den World’s Strongest Man Wettbewerb, die Champions League des Strongman-Sports, bereits gewonnen, als er 2008 zu seinem letzten großen Wettkampf antrat. Noch nie zuvor hatte jemand den Wettbewerb fünfmal gewonnen, ihm winkte ein Platz im Guinnes Buch der Weltrekorde. Das Meisterstück gelang, Pudzianowski zog, hob und stemmte sich zum fünften WM-Triumph. Doch der Sieg war knapp, Pudzianowski wusste, dass seine Strongman-Karriere sich dem Ende neigte.

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Zu diesem Zeitpunkt war er in Polen bereits ein absoluter Mega-Star, den selbst alte Omas und kleine Kinder auf der Straße erkannten. KSW-Boss Martin Lewandowski erkannte das Potential in dem 140 Kilo schweren Giganten und bot ihm einen lukrativen Vertrag. Pudzianowski hatte mit Preisgeldern, Werbeverträgen und mehreren Unternehmen, darunter eine Spedition und eine Sicherheitsfirma, Millionen verdient und lebte inzwischen in einer riesigen Villa im mondänen Ostsee-Örtchen Sopot.

Angesichts dessen waren die umgerechnet 45.000 Euro, die Pudzianowski 2009 für sein Debüt bei KSW 12 kassierte, fast schon Peanuts - und eine lohnende Investition für KSW. Durch Pudzian gingen die Zuschauerzahlen der damals fünf Jahre alte MMA-Organisation über Nacht durch die Decke. Aber: So beliebt Pudzianowski bei der breiten Masse auch war, von eingefleischten MMA-Fans wurde schnell Kritik laut. Denn die MMA-Skills des einstigen Strongman waren limitiert, mit seinen Muskelbergen war er zwar stark, aber langsam und schnell außer Puste.

Seine Gegner stammten bestenfalls aus der zweiten Garde. Gegen halbwegs solide Konkurrenten, wie den UFC-erfahrenen Sean McCorkle oder Pride-Veteran James Thompson, setzte es Niederlagen. Doch Aufgeben war keine Option, Pudzianowski blieb hartnäckig. Er stellte sein Training um von Pumpen auf Boxen und Ringen, trainierte im American Top Team in Florida und änderte seine Ernährung komplett. Als Strongman verputzte er noch jeden Morgen 10 Eier und ein ganzes Kilo Bacon oder stand nachts auf um sich ein riesiges Steak zu braten und eine Tafel Schokolade zu verdrücken.

Inzwischen brachte er sein Kampfgewicht runter auf 117 Kilo. Mittlerweile liegt sein KSW-Debüt 12 Jahre zurück, 22 Kämpfe hat er seitdem bestritten, 14 davon gewonnen - etwa gegen Judo-Legende Pawel Nastula oder UFC-Veteran Oli Thompson. Damit hat er sich sogar bei den absoluten Harcores zumindest ein bisschen Respekt verdient. Auch weil MMA noch immer sein Hobby, Zerstreuung vom Alltag ist, obwohl er nach wie vor klar zu den Topverdienenern bei KSW gehört.

Pudzianowski kämpfte nie für Geld oder Ruhm, denn beides hatte vor seinem MMA-Debüt zur Genüge. Und eines ist klar: Ohne ihn wäre KSW heute nicht die Mega-Show, die wir alle kennen und lieben. Am Samstag steigt er erneut in den Cage und trifft dabei auf KSW-Urgestein Lukasz Jurkowski.

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Weitere bemerkenswerte polnische MMA-Kämpfer

Neben Mariusz Pudzianowski gibt es noch weitere bemerkenswerte polnische MMA-Kämpfer, die in verschiedenen Organisationen Erfolge feiern. Dazu gehören:

  • Michael Materla: Main Event, Titelkampf im Mittelgewicht (vakant/bis 84kg)
  • Roberto Soldic: Co-Main Event, Titelkampf im Weltergewicht (bis 77kg)
  • Karol Bedorf: Schwergewicht (bis 120kg)
  • Martin Zawada: Veteran-Duell
  • Antun Racic: Bantamgewicht (bis 61kg)
  • Artur Sowinski: Catchweight (bis 74kg)
  • Leszek Krakowski: Leichtgewicht (bis 70kg)
  • Michal Andryszak: Schwergewicht (bis 120kg)

Ein kurioses Ereignis im polnischen MMA

Am Samstag erfolgte in Polen eine Kuriosität: Ein MMA-Kämpfer gab sein Profiboxdebüt. Es tat sich eine Kuriosität auf im polnischen Städtchen Koszalin. Es sollte einen Schwergewichtskampf im Profiboxen geben zwischen Artur Bizewski (9-0) und dem Debütanten Marcin Sianos (0-1). Sianos ist ein erfahrener Kampfsportler, der überwiegend im MMA anzutreffen war zuletzt. Seit Juli 2022 hat er 3 MMA-Kämpfe bestritten, von denen er alle 3 gewann. Nun wagte er einen Ausflug in das Profiboxen, was gänzlich schief ging.

Dass sich MMA-Kämpfer im Boxen versuchen, hat sich in den letzten Jahren stark etabliert. Teilweise haben sogar große UFC-Stars wie Conor McGregor, Nate Diaz oder auch Francis Ngannou im Boxring nach einem großen Payday gesucht. Marcin Sianos dürfte wohl nur den wenigsten MMA-Kennern ein Begriff sein, da er mit einer ausbaufähigen Bilanz von 8-7 in den Käfig stieg. Als Gegner stand ihm der Boxer Artur Bizewski gegenüber, der alle seine 8 Profikämpfe zuvor gewonnen hatte.

Ein harter Kampf entbrannte von der ersten Sekunde an, als beide muskelbepackten Männer etwas heroisch aufeinander einschlugen. Es zeigte sich jedoch Bizeweskis Auge für das richtige Timing, als er die präziseren Treffer landete und Sianos durchrüttelte. In der zweiten Runde kippte der Kampf plötzlich, als Sianos mit harten Schlägen Bizeweski ins Wanken brachte. Durchaus lief es für Sianos in der zweiten Runde richtig gut. Der Neuling im Profiboxen konnte die aktuelle Nummer 164 auf Boxrec anklingeln, ein KO-Sieg war durchaus greifbar.

Doch Sianos setzte dann plötzlich zum Takedown an und brachte Bizewski gekonnt zu Boden. Schnell eskalierte die Lage vor Ort. Fans und Angehörige von Bizeweski wollten den Ring stürmen und sich den Übeltäter Sianos packen. Ein massives Aufgebot der Security konnte die Menge nur schwerlich in Schach halten. Die Kommentatoren sprachen von einem totalen Chaos vor Ort, Gegenstände wurden auf Sianos in den Ring geworfen, darunter befand sich auch ein Wassereimer, der knapp das Ziel verfehlte. Man versuchte daraufhin Sianos aus dem Ring zu begleiten, was kein leichtes Unterfangen darstellte, weil gewaltbereite Zuschauer ihn abfangen wollten. Nach einer gewissen Zeit bot sich dann die Gelegenheit und Sianos rannte mit Sicherheitsschutz panisch aus der Halle.

Es stellt sich die Frage, ob Sianos bewusst diese Aktion gewählt hat, oder ob es nicht eher ein Instinkt war, der ihn in die falsche Sportart verleitet hat. Er befand sich natürlich in einer maximalen Stressreaktion, wo er auch harte Hände kassierte und entsprechend auch etwas auf Autopilot eventuell geschaltet hat.

Tomasz Hajto: Vom Fußball zum MMA

Gelsenkirchen - Tomasz Hajto ist den Fans des FC Schalke 04 als beinharter Verteidiger bekannt. Der Pole sammelte beim S04 in 141 Spielen 40 Gelbe und eine Gelb-Rote Karte. Seine Fußball-Karriere beendete der Ex-Abwehrspieler im Jahr 2010. Jetzt steht die Rückkehr ins Rampenlicht an - allerdings nicht auf dem Fußballfeld, sondern im Käfig.

Tomasz Hajto wird ein MMA-Kämpfer. Der 50-Jährige tritt am 5. August in Warschau gegen den Profi-Volleyballer Zbigniew Bartman an, wie der Veranstalter des Events „Clout MMA“ verkündete. Der Ex-Verteidiger des FC Schalke 04 teilte zudem Beiträge zur Veranstaltung auf seinem Instagram-Kanal.

Dabei ist der Pole auch schon während des Trainings mit dem MMA-Kämpfer Marcin Naruszczka zu sehen. In einem Video-Beitrag sagt Tomasz Hajto: „Wir melden uns nach dem Training. Wir grüßen alle, es ist echt anstrengend.“ Bei der Veranstaltung „Clout MMA“, an der einige Promis aus Polen teilnehmen, bestreitet Tomasz Hajto den elften Kampf des Tages. Im anschließenden Hauptkampf treffen die ehemaligen polnischen Profiboxer Andrzej Fonfara und Marcin Najman aufeinander.

Sogar seinen Gegner traf er vor dem Kampf bereits - in einem Sportladen. Zbigniew Bartman teilte ein Bild der beiden grinsenden „Kämpfer“ bei Instagram und schrieb dazu: „Du gehst in den Laden, um Handschuhe zu kaufen ... und dort bekommt dein Rivale die gesamte Ausrüstung geliefert.“ Hajtos Trainer Marcin Naruszczka erwartet einen guten Kampf: „Bei Tommy ist noch Kraft.

David Piechaczek: Ein aufstrebender Stern

David Piechaczek, geboren am 14. Aufgewachsen in Deutschland, geprägt von der polnischen Kultur und christlichen Werten, verfolgt er mit unerschütterlicher Entschlossenheit das Ziel, sein volles Potenzial auszuschöpfen. Seine sportliche Laufbahn begann 2016 mit Muay Thai. Ein Jahr später bereiste er Zentral- und Südafrika, wo er in zehn Ländern nicht nur körperlich, sondern auch spirituell wuchs. Die Erfahrungen dieser Reise hinterließen tiefe Spuren und stärkten seine innere Haltung.

Seine Amateurkarriere absolvierte er mit sieben Siegen in sieben Kämpfen ungeschlagen. Im Mai 2023 feierte er sein Profidebüt und kämpft seither in der größten niederländischen MMA-Organisation: Levels Fight League (LFL). Zu Beginn seiner Profikarriere trat David im Weltergewicht (77 kg) an. Aufgrund seiner Größe von 1,90 m und einer kräftigen Physis erfolgte jedoch bald der Aufstieg ins Mittelgewicht (84 kg). In seinem ersten Kampf in dieser Gewichtsklasse traf er auf einen ungeschlagenen Lokalmatador mit einer Bilanz von 4-0 - und besiegte ihn eindrucksvoll in der ersten Runde.

Mein bisher größter sportlicher Erfolg war der Sieg gegen einen ungeschlagenen Gegner mit einer Bilanz von 4-0. Ich konnte den Kampf in unter zwei Minuten in der ersten Runde für mich entscheiden. Es war ein besonderer Moment, der mir gezeigt hat, wie weit ich schon gekommen bin - und was noch alles möglich ist. Der härteste Kampf meiner Karriere war gleichzeitig mein erster Auftritt im Mittelgewicht und mein Debüt bei der Levels Fight League (LFL). Mein Gegner war physisch extrem stark, und ich wurde in diesem Kampf an meine Grenzen gebracht - nicht nur körperlich, sondern vor allem mental. Ich habe in diesem Moment verstanden, dass es letztlich nicht der Körper ist, der Grenzen setzt, sondern der Kopf. Wenn der Wille stark genug ist, kann man alles überwinden.