Das Judo-Prüfungsprogramm: Ein umfassender Leitfaden für die Kyu-Grade

Im Judo ist die Gürtelprüfung ein wichtiger Meilenstein für jeden Judoka. Sie dient dazu, das erlernte Wissen und die Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und den Fortschritt im Judo zu dokumentieren. Der Deutsche Judo-Bund (DJB) hat das Kyu-Graduierungssystem überarbeitet und neu konzipiert, um Tradition und Moderne, klare Standards und Flexibilität zu ermöglichen.

Grundlagen des Kyu-Graduierungssystems

Als erstes lernt der junge Judoka, wie man sich auf der Matte verhält, denn Disziplin wird im Judo groß geschrieben! Was man im Einzelnen für die acht Kyustufen alles beherrschen muss, lässt sich durch einen Klick auf den jeweiligen Kimono oder in den unten stehenden Feldern ersehen. Dabei zählt man vom 8. Kyu rückwärts bis zum 1. Kyu.

Die Kyu-Grade werden vom 8. Kyu (weiß-gelb) bis zum 1. Kyu (braun) vergeben. Um den 8. Kyu zu erwerben, muss man mindestens 7 Jahre alt sein und die Grundtechniken des Fallens, judogerechtes Gehen und Greifen beherrschen. Das Binden des Gürtels und das richtige An- und Abgrüßen werden vorausgesetzt. Bis 14 Jahre kann man nach frühestens sechs Monate den nächsten Kyugrad erwerben. Ab dem 14. Lebensjahr genügen auch nur drei Monate Vorbereitung. Außerdem ist ein Mindestalter vorgeschrieben: Die Prüfung zum 7. Kyu kann frühestens im 8. Lebensjahr abgelegt werden. Jeder weitere Kyugrad baut immer auf dem vorherigen auf.

Die einzelnen Kyu-Grade und ihre Schwerpunkte

Jeder Kyu-Grad hat seine eigenen Schwerpunkte und Anforderungen. Hier eine Übersicht:

  • 8. Kyu (weiß-gelb): Grundtechniken des Fallens, judogerechtes Gehen und Greifen.
  • 7. Kyu (gelb): Festhalten im Boden im Vordergrund.
  • 5. Kyu (orange): Techniken, die auf einem Standbein ausgeführt werden.
  • 4. Kyu (grün): Techniken, die ein hohes Maß an Vertrauen zum Trainingspartner erfordern.

Der Ablauf einer Gürtelprüfung

Im Prinzip ist jede Prüfung gleich aufgebaut. Im ersten Teil wird die Fallschule geprüft, dann folgt das Standprogramm und danach muss das Können im Bodenprogramm demonstriert werden. Mittlerweile werden schon Techniken wie z.B. Schulter- oder Beinwürfe geübt, bei denen es auf sichere Standfestigkeit ankommt. Im Bodenprogramm lernt man, auf Abwehrreaktionen des Gegners zu reagieren.

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Das Standprogramm

Im Standprogramm werden Würfe zur Hauptseite, zur Gegenseite und eine Fußtechnik heraus demonstriert. Weiterhin sollen alle Techniken aus der praktischen Anwendung, also aus der Bewegung heraus, demonstriert werden.

Das Bodenprogramm

Im Bodenprogramm werden die bisher erlernten Techniken vertieft. Auch das Bodenprogramm enthält Techniken, die wettkampforientiert demonstriert werden sollen.

Das Judo Erweiterungsprogramm (ab 3. Kyu)

Ab dem 3. Kyu sollten die erlernten Techniken nach eigenen sinnvollen Ausgangsituationen im Rahmen der Anwendungsaufgabe demonstriert werden. Dabei wird verstärkt auf wettkampforientiertes Üben und Vorzeigen Wert gelegt. In den Randoris soll der Judoka Techniken aus Kombinationen und Konter heraus demonstrieren. Mit dieser Ausbildungsstufe fallen die fest vorgegebenen Ausgangssituationen weg. Der Prüfling soll in der Anwendungsaufgabe selbst sinnvolle Situationen schaffen, um die Techniken zu diesem Gürtel zu demonstrieren.

Der Weg zum 1. Kyu und darüber hinaus

Mit Erreichen des 1. Kyu ist die Grundausbildung eigentlich abgeschlossen. Alle bisher erlernten Techniken müssen selbstverständlich beherrscht werden. Neben diesen Vorkenntnissen ist das Prüfungsprogramm zum 1. Kyu mit komplexen Techniken ausgestattet, die ein hohes Maß an Koordinationsfähigkeit und Gewandtheit erfordern.

Wer nach Abschluss aller Schülergrade noch Mut und Ausdauer hat, kann sich auf die Meisterprüfung, den ersten DAN, vorbereiten. Dies verlangt nicht nur praktisches Können aller Techniken und deren Variationen, es müssen auch alle Prinzipien und methodisch taktische Lösungsmöglichkeiten beschrieben werden können. Wer sich mit dieser Prüfung auseinandersetzt, wird den Judosport mit ganz anderen Augen sehen. Was man bisher in mühevoller Kleinarbeit mit Hilfe der eigenen Trainer erlernt hat, muss plötzlich analysiert, eingeordnet und nach unterschiedlichen Kriterien demonstriert werden.

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Das neue Kyu-Graduierungskonzept des DJB

Der Deutsche Judo-Bund (DJB) hat das Kyu-Graduierungssystem überarbeitet und neu konzipiert. Das neue Graduierungssystem soll sowohl Tradition und Moderne, als auch klare Standards und Flexibilität ermöglichen. Das moderne Technikverständnis und die Kompetenzorientierung weisen hierbei den Weg. Eine Verbindung von Wissen und Können unter Berücksichtigung individueller Entwicklung, Fähigkeiten und Fertigkeiten, gepaart mit individuellen Aufgabenstellungen und selbstständigen Lösungsansätzen werden angestrebt. Dadurch wird ein tieferes Verständnis von Situation und Lösung hergestellt.

Im Mittelpunkt des „modernen Graduierungssystems“ steht neben der „Technik als Lösung einer Situation“ auch der vereinfachte Einstieg in den Judosport. Anders als bisher muss im Rahmen der Graduierung zum 8. Kyu kein erreichtes Fertigkeitsniveau, sondern ausschließlich ein Grundverständnis von und über Judo erlangt werden. Der „neue“ weiß-gelbe Gürtel ist nicht mehr Teil des Graduierungssystems, sondern soll als „Einstiegsgürtel“ das Eintauchen in die Welt des Judosports schneller ermöglichen.

Unter dem Motto „Der weiß-gelbe Gürtel, dein erster Schritt zum schwarzen Gürtel“ haben Vereine die Möglichkeit, in Schnupperkursen, beim „Tag des Judo“ oder im Rahmen anderer Projekte mit einfachen ausgewählten Inhalten elementare Grundlagen spielerisch zu vermitteln und anschließend den weiß-gelben Gürtel auch ohne Vereinszugehörigkeit zu verleihen. So baut der Judoverein direkt eine Bindung auf und motiviert die neuen Judoschüler dazu, die nächsten Schritte im Leben eines Judoka zu gehen. Wer will schließlich nicht einen schwarzen Gürtel besitzen?

Das neue Kyu-Graduierungskonzept wurde zum 1. Juli 2022 veröffentlicht und allen Landesverbänden und Vereinen zugänglich gemacht. Nach einer anderthalbjährigen Übergangsphase soll das neue Graduierungssystem zum 1. Januar 2024 implementiert sein.

Die im Kyu-Programm beschriebenen „Anforderungen für Kyu-Grade“ sind integraler Bestandteil der Graduierungsordnung des Deutschen Judo-Bundes.

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Die Bedeutung der Farben im Judo

Die Farben der Gürtel im Judo symbolisieren den Fortschritt und die Entwicklung des Schülers:

  • Weiß: Der Schnee liegt auf der Landschaft.
  • Gelb: Der Schnee schmilzt, die harte gefrorene Erde leuchtet gelb.
  • Orange: Die fruchtbare Erde leuchtet in der roten Abendsonne.
  • Grün: Ein Pflänzchen kommt?
  • Blau: Die Baumkrone reicht in den Himmel.
  • Braun: Der Baum hat feste Borke.
  • Schwarz: Das Wandeln der Stille.