Schon im frühesten Alter haben Kinder Spaß an der Bewegung und entwickeln gleichzeitig ein Gefühl für ihre eigenen Kräfte. Da wird geschubst, gedrängelt, gezogen, gezwickt und später auch gerauft. Solange dies in normalen Verhältnissen abläuft, ist dies vollkommen in Ordnung.
Etwas spezieller wird dies, wenn es um Kampfsport bzw. Kampfkunst geht. Neben den körperlichen Vorzügen koordinativ anspruchsvoller Bewegungen kommen auch noch Respekt, Etikette, Höflichkeit und der Selbstverteidigungsaspekt hinzu.
Vorteile des Kampfsports für Kinder
Kinder in die Welt des Kampfsports einzuführen, hat viele Vorteile. Jedoch nur unter der richtigen Anleitung. Als Eltern kann man nicht alles vorgeben und kontrollieren, aber zumindest für die richtigen Impulse sorgen.
Kinder finden aus den unterschiedlichsten Gründen zum Kampfsport. Oft suchen Eltern etwas für ihre Kinder, bei dem sie sich auspowern können und gleichzeitig etwas Sinnvolles lernen. Andere kommen vordergründig, um Selbstverteidigung zu erlernen und wiederum andere, um sich überhaupt in irgendeiner Form zu bewegen. Egal, was die Motivation ist, ein gutes Kampfkunsttraining bringt fast immer große Vorteile.
Viele „Problemkinder“ haben sich bereits durch das Kampfkunsttraining zum Positiven entwickelt und ihre Eltern nicht selten sehr überrascht. Ein- bis zweimal Training pro Woche für rund eine Stunde reichen dabei aus. Mehr würde ich nicht empfehlen, da sonst aus Spaß schnell Pflicht für die Kinder wird.
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Kampfsportliches Training fördert die Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Reflexe und Koordination. Ein Kindertraining kann mit zweimal wöchentlich je 45 bis 90min einen guten Einstieg bieten.
Ein gutes Kindertraining beinhaltet stets ein lockeres Aufwärmen mit Spielen oder Geschicklichkeitsübungen. Auch das eigentliche Training dient in erster Linie zur Erlernung der Grundfertigkeiten wie Balance, Ausweichen, Druck- und Gegendruck, sich leichtfüßig bewegen und einem allgemeinen Gefühl für die Aktionen des Gegenübers. Erst dann werden Kinder an diffizilere Aspekte herangeführt.
Gerade das bewusste Kennenlernen der eigenen Kraft und der Mittel, diese einzusetzen, verhindern, dass Aggressionen in die falschen Bahnen gelenkt werden. Dafür trägt ein guter Ausbilder Sorge.
Ab welchem Alter ist Kampfsport geeignet?
Im Grunde genommen kann es (mit dem geeigneten Programm) schon ab dem dritten Lebensjahr losgehen. Dies gilt für Jungs und Mädchen. Wichtig ist es, dass die Kampfsportschule spezielle Klassen für die jeweiligen Altersgruppen anbietet. Spaß, Motivation und verletzungsfreies Training sind nur möglich, wenn Kinder zu Beginn mit Gleichaltrigen trainieren.
Viele Vereine bieten spezielle Kurse für Kinder an. Je nach Stadt bieten einige Kampfsportschulen Vorkurse für kleinere Kinder an. So können sich Kinder ab 3 Jahren bereits mit Bewegungen des Kampfsports vertraut machen.
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Im Kinderbereich ist es wichtig zwischen Kampfsport und Selbstverteidigung zu unterscheiden. Kinder der gleichen Altersstruktur und Leistungsstand sollten in einer Trainingsgruppe trainieren.
Die richtige Kampfsportart für Ihr Kind
Auf den ersten Blick sollte ein Energiebündel eher für Kampfsportangebote geeignet sein, als ein schüchternes, ängstliches Kind, aber dies muss nicht die Regel sein. Am Ende geht Probieren über Studieren.
Oftmals kann es sein, dass ein Kind ein Schlagen und Treten ablehnt oder als zu schwierig empfindet, jedoch viel Spaß beim Schieben und Rangeln empfindet. Aus diesem Grunde sollte man zumindest zwei (vom Typ her unterschiedliche) Schnupperangebote testen, um herauszufinden, was dem Kind Spaß macht und wofür es Talent hat.
Kampfsportarten unterscheiden sich neben ihrem Regelwerk hauptsächlich im „Dialog“ mit dem Gegner. So wird bspw. im Karate, Taekwon-Do und Boxen der Gegner als Element angesehen, auf dessen Angriff man mit konträren Mitteln antwortet, also mit einem Block entgegenhält bzw.
Weichere Kampfsportarten arbeiten mit dem Gegner, um seinen Angriffen zu entgehen, ihn zu werfen oder in eine Aufgabeposition zu bringen. In diese Liste fallen Fernost-Klassiker wie Judo, Ju-Jutsu und Aikido, aber auch das westliche Ringen (siehe Foto), welches gerade für Kleinkinder eine sehr empfehlenswerte Sportart darstellt.
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Wichtig ist es, einen Anbieter zu finden, der jüngere Kinder allgemein ausbildet, ohne an einem speziellen Stil zu klammern. Der Lehrer muss Erfahrung mit Kindern haben und sein Training gezielt auf die jeweiligen Altersgruppen ausrichten. Wer als Lehrer einem Sechsjährigen die Unterschiede zwischen Shotokan- und Wado-ryu-Karate vermitteln will, von dem sollte man sich eher distanzieren.
Kinder wollen sich austoben, dass muss man berücksichtigen! Dazu trägt auch eine allgemeine Athletikausbildung bei, die verhindert, dass bereits in frühen Jahren einseitige Bewegungsmuster antrainiert werden.
Hier ist eine Übersicht über einige Kampfsportarten, die für Kinder geeignet sein könnten:
- Aikido: Defensiv, leitet die Kraft des Gegners ab.
- Boxen: Fördert Körperbewusstsein, Atemkontrolle und Disziplin.
- Kendo: Schwertkampf mit Bambusstäben, fördert Entschlossenheit und Moral.
- Tai Chi: Langsame, fließende Bewegungen, fördert innere Zentrierung und Meditation.
- Kung-Fu: Vereint verschiedene chinesische Kampfkünste, imitiert Tierbewegungen.
- Capoeira: Brasilianische Kampfkunst, kombiniert Kampf mit Musik und Akrobatik.
- Kalaripayattu: Südindische Kampfkunst, schult Körper- und Selbstbewusstsein.
- KiJudo: Spielerisches Judo für Kinder, vermeidet Tritte und Würgegriffe.
- Karate: Fördert Respekt, Disziplin und Selbstverteidigung.
- Taekwon-Do: Koreanische Selbstverteidigung, nutzt Hände und Füße.
Worauf sollte man bei der Wahl der Kampfsportschule achten?
Leider gibt es zu viele „Könner“ auf dem Markt, die sich mit dem Schwarzgurt in irgendeinem Stil brüsten, jedoch kampfsportlich und pädagogisch unterste Schublade sind. Nicht immer fällt es einem Laien leicht, dies zu erkennen.
Ein guter Trainer und Lehrer sollte neben den kämpferischen Fähigkeiten auch über hohe Sozialkompetenz verfügen. Hierbei spielt die eigene Einstellung zum Kampfsport eine wichtige Rolle. Gute Trainer vermitteln diese Philosophie und leben sie auch vor.
Im Training sollte man den Leistungsdruck (dem unsere Kinder schon in der Schule ausgeliefert sind) etwas rausnehmen. Es ist wichtig, dass Kinder auch mal toben können und Spaß haben. Dann lernen sie am besten. Als Lehrer steht man in der Pflicht, effektive Techniken verantwortungsvoll zu erläutern und auch moralische Werte zu vermitteln. Dazu gehört auch, dass sich Kinder untereinander unterstützen und gemeinsam Fortschritte erleben.
Für den Einstieg ist ein Schnuppertraining, bei dem Kinder und Eltern die Gruppe und die Trainer kennenlernen können, sehr wichtig.
Die räumlichen Anforderungen einer guten Kampfsportschule sollten mit allen erforderlichen Trainingsgeräten und Materialien ausgestattet sein.
Ich vertrete die Auffassung, dass ein guter Trainer nicht mehr als sieben Kinder auf einmal betreut. Ab dem achten Kind braucht es einen zweiten Trainer. Wer mit Kindern arbeitet, sollte viel Einfühlungsvermögen haben. Langjährige Erfahrung sind genauso von Vorteil, wie ein breiter Wissensfundus aus den verschiedensten Kampfsportarten.
In Hinblick auf die Kosten sind Vereinsangebote im Allgemeinen preiswerter. Wer sich für asiatische Kampfsportarten entscheidet, sollte wissen, dass diese meist mit höheren Kosten (Trainingsgebühren, Kleidung, Gürtelprüfungen) verbunden sind. Es empfiehlt sich, vorab die Monatsgebühren und auch späteren Kosten genau zu hinterfragen.
Risiken und wie man sie minimiert
Jede Sportart birgt ein Verletzungsrisiko. Generell sind typische Verletzungen, um die sich viele Eltern Sorgen machen, jedoch sehr selten.
Auch wenn es sich etwas seltsam anhört, müssen Kinder bei den meisten Kampfsportarten zunächst lernen, richtig zu fallen.
Viele Eltern haben Bedenken, ob ein Training im Kampfsport nicht ungewollt aggressive Tendenzen bei Kindern hervorbringen könnte oder ein erhöhtes Verletzungsrisiko beim Training besteht. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Kampfsportarten lehren Kindern, ihre Kraft zu kontrollieren und zu kanalisieren. Konflikte sollen nach Möglichkeiten vermieden oder gewaltfrei bewältigt werden. Eltern können also unbesorgt sein, dass Kampfsport gewalttätiges Verhalten fördert.
Kontrollierte Partnerübungen, Schutzkleidung und die sorgsame Anleitung des Trainers sollen auch hier Verletzungen verhindern. Eine altersgerechte Herangehensweise an den Sport hält das Verletzungsrisiko zudem gering, denn erfahrene und qualifizierte Trainer vermitteln ihren Schülern schrittweise die richtigen Techniken und achten auf Sicherheitsvorkehrungen.
