Die Welt des Kampfsports ist vielfältig und faszinierend. Von klassischen Boxkämpfen bis hin zu modernen Mixed Martial Arts (MMA)-Events gibt es eine lange Tradition von Athleten, die ihre Fähigkeiten und ihren Mut im Ring oder Käfig unter Beweis stellen.
Rocky Marciano: Eine ungeschlagene Legende
Für viele Boxexperten ist Rocky Marciano, gemessen an rein sportlichen Kriterien, eine größere Figur als Muhammad Ali oder Mike Tyson. Der Italo-Amerikaner blieb in seiner Karriere ungeschlagen und beendete seine Laufbahn nach 49 Schwergewichtskämpfen ohne Niederlage. Vor 60 Jahren beendete Rocco Francis Marchegiano als unbesiegter Weltmeister seine Karriere.
Sein jüngerer Bruder Peter erinnert sich noch genau an die Zeit von damals. Er hält wenig davon, dass Weltergewichtler Floyd Mayweather in die Nähe seines Bruders gerückt wird, weil dieser nach dem 49. Sieg ebenfalls unbesiegt zurücktrat.
Am 21. September 1955 verteidigte Rocky im New Yorker Yankee Stadium vor 61.000 Zuschauern seinen Weltmeistertitel gegen Archie Moore durch K.o. in der 9. Runde. Peter Marciano erinnert sich: "Wenn ich daran denke, kommt es mir vor, als wäre das erst gestern gewesen. Der Kampf musste wegen des Hurrikans Ione um einen Tag verschoben werden. Ich saß im Stadion, wie bei allen anderen Kämpfen von Rocky auch. Es herrschte eine sagenhafte Stimmung."
Nach 49 Triumphen trat er als unbesiegter Champion zurück. Am vergangenen Wochenende nun egalisierte Floyd Mayweather diesen Uraltweltrekord. Peter Marciano dazu: "Sicher, auf dem Papier stehen die gleichen Zahlen - 49 zu 0. Sie kennen doch aber den Boxsport, oder? Ich möchte Mayweather nichts von seiner Leistung nehmen. 19 Jahre als Profi nicht einen Kampf zu verlieren, das macht ihn zu einem ganz Großen. Doch er ist nun einmal nur Weltergewichtler."
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Mayweather ist mit seinem Körpergewicht von 67 Kilogramm weit über 50 Pfund leichter als ein Schwergewichtler. In den leichten Gewichtsklassen ist es so gut wie unmöglich, dass einer den anderen mit nur einem Schlag ausknockt. Im Schwergewicht kann das immer passieren. Die Jungs haben einen ganz anderen Punch, wenn du im Schwergewicht richtig getroffen wirst, gehen die Lichter aus.
Für Rocky spricht die unvergleichliche K.o.-Rate von 87,8 Prozent. In der Zeit, als mein Bruder boxte, ging ein Kampf noch über 15 Runden und nicht wie heute über 12. Dann gab es damals nur acht Gewichtsklassen und in jeder nur einen Weltmeister. Jetzt gibt es 17 Gewichtsklassen mit sogenannten Weltmeistern in mindestens vier Verbänden. Das ist völlig absurd.
Mayweather ist ein eiskalter Taktierer. Er brillierte als cleverer Defensivfighter. Von den Sitzen riss sein Kampfstil aber keinen. Ganz anders war das bei Rocky. Mit 1,80 Meter war er für einen Schwergewichtler sehr klein, seine Reichweite betrug nur 1,72 Meter. Er musste also in den Infight gehen, um seine Gegner auszuknocken. Seine Schlagkraft mit beiden Händen war außergewöhnlich.
Oktagon 66 in Düsseldorf: Ein MMA-Heimspiel
Die Lokalmatadoren wollten Oktagon 66 in Düsseldorf zum erfolgreichen MMA-Heimspiel machen. Für einige deutsche Vertreter ging es vor rund 13.500 Zuschauern um den Einzug in die nächste Runde des Gamechanger-Millionen-Turniers, für andere um ihre Position im Titelrennen in ihrer Gewichtsklasse. Das komplette Event ist im Re-Live auf RTL+ zu sehen.
Bemerkenswerte Kämpfe und Kämpfer
- Danielle Misteli: Die 48-jährige Schweizerin, auch bekannt als "Hausfrau", sorgte mit ihrem Sieg gegen Sara Luzar Smajić für eine Sensation.
- Zoran Solaja: Der Düsseldorfer setzte seinem slowakischen Gegner Lukáš Eliáš mit harten Geraden zu und sicherte sich einen schnellen Sieg.
- Tamerlan Dulatov: Der in Düsseldorf aufgewachsene Dulatov legte den schnellsten Submission-Sieg der Oktagon-Geschichte hin.
- Emir-Can "Turkish Bull" Al: Der Düsseldorfer feierte seinen zweiten Profisieg durch TKO gegen Viktor Kováč.
- Danijel Solaja: Machte den Bruder-Doppelpack-Sieg perfekt gegen Raphael Federico nach Punkten.
- Hojat Khajevand: Spitzname "Helmut" aus Freiburg, war mit Kennedy Rayomba kurzfristig ein neuer Gegner im Reservekampf des Gamechanger-Turniers vor die Nase gesetzt worden. Khajevand war Sieger durch Knockout.
- Cihad "Punisher" Akipa: Der Kölner gewann seinen Kampf im Weltergewicht gegen Matous Kohout nach Punkten.
- Deniz Ilbay: Der "Pistolero" vom Rhein besiegte Vladimir Lengal durch TKO in der zweiten Runde.
- David Zawada: Musste sich Matej Penaz im Gamechanger-Turnier geschlagen geben.
- Lom-Ali Eskiev: Drehte den Kampf gegen Wanderley Junior Ferreira und gewann durch TKO.
- Kerim Engizek: Zog mit einem Sieg gegen Kamil Oniszczuk in die nächste Runde des Gamechanger-Turniers ein.
Max Coga: Zwischen Nachtclub und Octagon
Max Coga ist MMA-Kämpfer. Einer der besten und aufregendsten in Deutschland, schon in den USA und Russland aktiv,Spezialist für spektakuläre Finishes - mit dem Ziel, bei dem Event NFC 10 am Samstag (ab 23 Uhr LIVE im Free-TV auf SPORT1) den nächsten Schritt in Richtung Gewinn des Federgewicht-Titels zu machen.
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Coga ist Betreiber des Pik Dame, des ältesten Nachtclubs der Main-Metropole, 1959 von Cogas Großvater Hermann Gauß gegründet als Kabaretthaus und Schauplatz eines bunten Treibens in vielerlei Hinsicht.
Coga ist geprägt von seiner Herkunft aus dem Bahnhofsviertel mit seinen krassen sozialen Gegensätzen zwischen der benachbarten Hochfinanz und offener Drogenszene, Glamour und Gewalt.
Der Nachtclub-Unternehmer in dritter Generation ist längst selbst eine Kultfigur mit Witz und schneller Schnauze, die ihm auch in seiner zweiten Berufung als MMA-Fighter zu einer großen Fanbase verholfen hat.
Über 60.000 Follower bespielt „Mad Max“ auf Instagram, sein besonderer Spagat zwischen Playboy-Lebensstil und sichtbar manischem Kampf- und Trainingsehrgeiz fasziniert ein größeres Publikum, auch sein Spektakel-Stil - 20 seiner 23 Siege fuhr er vorzeitig ein - tragen zum besonderen Nimbus bei.
Branko Cikatic: Ein Pionier des Kickboxens
Branko Cikatic, der erste Grand-Prix-Champion in der Geschichte von K-1, ist tot. Der „Croatian Tiger“ verstarb am Sonntag, 22. Am 3. Oktober 1954 in Split geboren, begann Cikatic im Alter von zwölf Jahren mit Kampfsport. Der Kroate erarbeitete sich den schwarzen Gürtel im Taekwondo und Shotokan Karate und übte sich auch im Judo. Seine Berufung fand er jedoch im Kickboxen. Dort konnte er Ende der 70er als Amateur zahlreiche Titel sammeln und dreimaliger WAKO-Europa- und einmaliger WAKO-Weltmeister im Vollkontakt werden.
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Die Dulatov-Brüder: Vom Krieg zur Karriere
Die Dulatov-Brüder flüchteten 2007 aus dem Tschetschenienkrieg nach Deutschland. Heute sind sie gefeierte Männermodels, Kampfsportler und Jungunternehmer. Eine Geschichte über Einwanderung, Erfolg und Eitelkeit.
Djibril, Islam, Sulumbek und Tamerlan Dulatov sind eine Erscheinung. Vier MMA-Kämpfer, vier Models, viermal der deutsche Traum vom sozialen Aufstieg. Im Jahr 2007 flüchteten sie vor dem Krieg aus ihrem Heimatland Tschetschenien nach Deutschland. Und seit Djibril, der Älteste, Anfang der 2010er Jahre mit dem Modeln begann, träumen sie von der ganz großen Karriere. Im Sport, im Modelbusiness, ja, eigentlich überall, wo sich Geld, Reichweite und Respekt verdienen lassen.
Im Kampfsportstudio ist alles in Schwarz und Rot gehalten, Scheinwerfer leuchten den Raum aus, es ist stickig und riecht nach Männern, die sich an anderen Männern reiben.
Die Dulatovs gehören zu den Shootingstars der deutschen MMA-Szene. Aber weil der Sport hierzulande wenig profitabel ist, wollen die vier ihre Kampfzone ausweiten. Dazu gehört natürlich ein Marketingkonzept. Jeder hat seine Rolle.
Die Brüder entschieden sich für den Sport. Auch weil sie die ersten Jahre in Deutschland zu den Außenseitern gehörten. „Die coolen Leute haben dich ausgeschlossen, weil du kein Deutsch konntest“, sagt Djibril. Allein in der ersten Woche in Deutschland habe er sich zweimal geprügelt und sollte auf die Sonderschule geschickt werden. Inzwischen setzen sich die Brüder selbst gegen Mobbing an Schulen ein.
Das sportliche Ziel der Brüder ist die UFC. Der größte MMA-Verband der Welt, durch den Kämpfer wie Conor McGregor oder Khabib Nurmagomedov berühmt und sagenhaft reich wurden. Noch treten Islam und Djibril in der GMC an. Der German MMA Championship. „Die jüngeren Brüder kämpfen noch im Amateurbereich, trainieren aber bereits auf Profiniveau“, sagt Djibril.
Beim Modeln sind die Klassenunterschiede zwischen ihnen kleiner. Alle vier stehen bei der internationalen Modelagentur IMG unter Vertrag, die auch Kate Moss, Gigi Hadid oder Gisele Bündchen betreut. In Deutschland werden sie von der renommierten MINT-Agentur vertreten. Wegbereiter war auch hier Djibril.
Die Dulatovs verorten sich mehr in der Popkultur als im Nischensport. „Wenn du die Leute fragst, wen sie aus Düsseldorf kennen, dann sagen sie Kollegah, Farid und die Dulatovs“, sagt Djibril und spielt auf die Deutschrapszene im Rheinland an. Sowieso sei der MMA-Sport stark mit dem Hip-Hop verbunden, beides komme von der Straße. Aufstiegsgeschichten. „Was wir haben, ist so ein klassisches Märchen: von Straßenjungs zu Superstars.“
Weitere Kampfkünste und Kampfsportarten
Neben MMA gibt es eine Vielzahl anderer Kampfkünste und Kampfsportarten, die weltweit praktiziert werden:
- Xingyiquan (Hsing-I Chuan)
- Tai Chi Chuan (Taijiquan)
- Systema
- Sumo
- Shaolin Kung Fu
- Ringen
- Pankration
- Ninjutsu
- Muay Thai
- Lethwei
- Kung Fu
- Kenjutsu
- Jiu Jitsu
- Grappling
- Fechten
- Budo
- Kalarippayat (Kalaripayattu)
Khabib Nurmagomedow: Zwischen Sport und Religion
Der Kampfsportler, der über die Jahre zu einem der erfolgreichsten Profis im Mixed-Martial-Arts-Spektakel der Ultimate Fighting Championship (UFC) geworden ist, war in Russland schon eine große Nummer, bevor er 2018 den bis dato größten Star der UFC, den Iren Connor McGregor, besiegt hat.
Nach dem Erfolg gegen den US-Amerikaner Justin Gaethje waren dem Russen die Herzen der Kampfsportwelt zugeflogen. Seine jüngsten Hass-Postings erinnern nun an das finstere Bild, das Nurmagomedow nach seinem Kampf gegen McGregor abgegeben hat.
Dass Nurmagomedow schon damals eine Nähe zum radikalen Islam entwickelt hatte, störte Putin nicht. Der Kämpfer wurde in seiner Heimat Dagestan als Prediger eines reinen islamischen Lebens spätestens bekannt, als er die religiös motivierten Proteste unterstützte, die zu einer Absage eines Konzerts des russischen Rappers Egor Kreed in der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala geführt hatten.
Auch seine Nähe zu Ramsan Kadyrow, dem unverhohlen islamistischen Präsidenten der russischen Teilrepubik Tschetschenien, war da schon lange kein Geheimnis mehr.
