Wer Thorsten Legat persönlich trifft, bekommt natürlich erstmal einen Eindruck von seinen hart antrainierten Muskeln.
Frühe Karriere und Erfolge im Fußball
Thorsten Legat wurde 1968 in Bochum geboren. Er spielte von 1986 bis 1991 für den VfL Bochum und wechselte dann zum SV Werder Bremen. Mit Bremen gewann Legat die Deutsche Meisterschaft, den Europapokal der Pokalsieger und den DFB-Pokal. Mit Bremen wurde er Europapokalsieger der Pokalsieger (1992) und Deutscher Meister (1993). Mit Bremen (1994), Stuttgart (1997) und Schalke (2001) wurde er DFB-Pokalsieger. Die Trophäe mit drei verschiedenen Vereinen zu holen, schafften außer ihm nur drei Spieler.
Als defensiver Mittelfeldspieler war der frühere Fußballprofi Thorsten Legat ein harter Hund. Im Vergleich zu heute war das aber soft. Jetzt ist er knüppelhart.
Legat war dabei auch für Scherze zu haben war. Einer brachte ihm teuren Ärger ein. Nach seinem Wechsel zu Schalke Anfang 2000 stand ein Mannschaftsfoto an. Die Spieler bauten sich artig auf, Legat mittendrin. Schalke-Legende Olaf Thon frotzelte: "Zieh dir die Hose hoch, dann kriegste 500 Mark." Andreas Möller, Mittelfeld-Star, legte drauf: "1.000 Mark!" Und Legat zog sich die Sporthose hoch, fast bis zur Brust. Den Kollegen und vielen Fans gefiel's - nur Manager Rudi Assauer nicht. Er brummte Legat 20.000 Mark Strafe auf. Macht 19.000 Mark Verlust für einen "Spaß" - schlechtes Geschäft.
Der Weg in den Kampfsport
„Ich liebe Kampfsport, der hat mich schon als Junge fasziniert“, sagt Legat. Zurzeit klettert der Ex-Profi in den Käfig. Mixed Martial Arts (MMA) heißt das, was er da macht. Klingt kriegerisch, ist es auch. Erlaubt ist so ziemlich alles. Fäuste, Füße, Ellenbogen, Knie - alles, womit sich schlagen und treten lässt.
Lesen Sie auch: Die Transformation des Thorsten Legat
Bereits seit dem Frühjahr steht fest, dass Legat 2018 sein MMA-Debüt geben wird, aktuell läuft die Vorbereitung auf Hochtouren. Am 1. September bestreitet der 234-malige Bundesliga-Spieler von VfL Bochum, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart und Schalke 04 bei der MMA German Championship in der Kölner Lanxess-Arena ein Promi-Duell.
Gegner ist Fitnesstrainer Dominic Harrison. Zwei-Meter-Muskelpaket Harrison ist 20 Zentimeter größer, 23 Jahre jünger, 14 Kilo schwerer. Der bei der Hashtag-Generation angesagte Influencer, wie Werbeträger in den sozialen Kanälen genannt werden, ist verheiratet mit Playmate und Reality-TV-Sternchen Sarah Nowak. Die Fangemeinde ist riesig. „Ich weiß nicht, ob er einstecken kann. Sonst macht er ja in Hantel, Yoga und Pilates“, beschreibt Legat seinen Rivalen.
Legat ist in dem Metier nicht ganz unerfahren. Seit rund 40 Jahren betreibt er Kampfsport für den Hausgebrauch: Judo, Jiu-Jitsu, Taekwondo, Kung-Fu, Karate. Taekwondo-Weltmeister, wie er während des letzten Dschungelcamps sagte, war er nie. „Auch schon als Fußballer. Das hat nur niemand bemerkt“, meint er.
Im Oktagon zu stehen, dem Achteck-Käfig bei MMA, erinnere ihn an früher, sagt Legat. „Ich bin in der Gosse aufgewachsen. Wenn es da Streit gab, konntest du auch nicht weglaufen. So ist es auch jetzt im Käfig.“ Nach dem Kampf will Legat einen Schlusspunkt setzen. „Danach werde ich nie wieder Hochleistungssport machen“, behauptet er und reibt sich die Schulter.
Schon als Fußballer habe er „klare Kante“ bevorzugt. „Aber ich hätte noch aggressiver sein müssen“, meint er. Das war er manchmal jenseits des Platzes. Seine Passion für Kampfsport floss in sein Fußballspiel ein. „In meinen Gegenspielern habe ich meinen Vater gesehen. Ihm wollte ich es zeigen“, verrät er. Legat hasste seinen Vater. „Er hat mich als Kind missbraucht und misshandelt.“ Einzelheiten beschreibt er in der Autobiografie „Wenn das Leben foul spielt“. „Deshalb bin ich zum Kampfsport. Ich wollte mich wehren können. Das habe ich geschafft.
Lesen Sie auch: Vom Fußballheld zum Kampfsportler: Thorsten Legat
Um sich gegen seinen gewalttätigen Vater wehren zu können, begann Legat als Jugendlicher neben dem Fußball mit dem Kampfsport. Seither betreibt er Judo, Jiu-Jitsu, Taekwondo, Kung-Fu und Karate. Dafür hatte er schon mit 16 Jahren seinen größten Erfolg: Damals schaffte er es erstmals, seinen Vater zu Boden zu bringen. Dann war Schluss mit der Tyrannei.
Im Fußball war er aber besser. Außerdem gab es mehr Geld. „Vom Straßenkind zum reichen Mann, das war toll“, feixt Legat. Finanziell gehe es ihm gut. „Ich bin zufrieden. Ich war immer sparsam.“ Mit seiner Frau, sagt er, ist er in der Immobilienbranche zugange.
Abseits des Sports: Abstürze und TV-Karriere
Als ihn ein Knorpelschaden im Knie zum Karriereende als Fußball-Profi gezwungen hatte, fiel Legat in ein Loch. Er stürzte und stürzte. „Erst war es ein Bier am Tag, dann ein Kasten, dann anderthalb. Ich hatte Selbstmordgedanken“, gesteht er. Seine Frau drohte: „Wenn du so weitermachst, verlierst du mich und die Kinder.“ Seither trinkt Legat keinen Alkohol mehr. Er erwarb die A-Trainer-Lizenz, wurde Trainer von Jugend-Teams und Landesligisten.
Vor allem im Fernsehen. „Ich bin ein Star - holt mich hier raus“, „Grill den Hensler“, „Schlag den Star“ - wird Lagat gefragt, ist er als Reality-Macho dabei. „Das hat einen anderen Menschen aus mir gemacht“, meint er. „Und es gibt auch noch ein bisschen Geld.“ Obendrein kitzelt es sein Ego. „Die Leute mögen mich. Ich erzähle die Wahrheit, ohne jemanden zu beleidigen. Es wäre doch schade, wenn es Thorsten Legat nicht mehr im Fernsehen zu sehen gibt.
So erwarb er sich bei "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" den Ruf eines latent durchgeknallten Typen mit harter Schale und weichem Kern. Vor allem machte er den Ausdruck "Kasalla" salonfähig. Das ist eines seiner Lieblingsworte. Es stammt aus dem Ruhrpott und steht für Ärger oder Krawall. Wenn es "Kasalla setzen" soll, dann ist eine Abreibung oder eine Tracht Prügel zu erwarten.
Lesen Sie auch: Wie Thorsten Legat zum Kampfsport fand
"Kasalla setzt" Thorsten legat in der Zeit seiner Fußballerkarriere öfters und geriet mehrmals in Prügeleien, bei denen er seine Gegner verletzte. Einmal griff er bei einer Gruppe Jugendlicher, von der er sich bedroht fühlte zu einem Samurai-Schwert. Die Waffe hatte er offenbar im Kofferraum. Der Fall kam später vor Gericht. In einem weiteren Fall verletzte er einen Mann, der ihn mit einem Messer angriff, so schwer, dass er bleibende Schäden davontrug, wie Legat zuletzt im Dschungelcamp gestand.
Das nahm den Kicker derart mit, dass er in die Alkoholsucht schlitterte. Seine Frau Alexandra, mit der er seit 1996 verheiratet ist und zwei Söhne (Nico, 26, und Leon, 25) hat, setzte ihm damals ein Ultimatum: "Hör auf damit oder du verlierst mich und die Kinder." Thorsten hörte auf.
Thorsten ist gerade auch in der dritten Staffel von "Das große Promi-Büßen" bei ProSieben und Joyn zu sehen. Derzeit macht ihm vor allem das Verhältnis zu seinem Sohn Nico (26) zu schaffen. Der schlug wie der Papa den Weg zum Reality-TV ein, allerdings - sehr zu Papas Missfallen - nicht den Weg in die Alkohol-Abstinenz. Vielleicht gibt's beim Büßen aber auch die große Versöhnung. Denn Thorsten sagt bei aller Kritik auch: "Familie geht mir über alles."
Die Meilensteine von Thorsten Legat
| Verein | Erfolge |
|---|---|
| Werder Bremen | Deutscher Meister (1993), Europapokalsieger der Pokalsieger (1992), DFB-Pokalsieger (1994) |
| VfB Stuttgart | DFB-Pokalsieger (1997) |
| Schalke 04 | DFB-Pokalsieger (2001) |
