Matthias Schlitte, auch bekannt als "Hellboy", ist eine sportliche Ausnahmeerscheinung im Armwrestling. Seine Erfolge verdankt der amtierende Vizeweltmeister aus Sicht von Medizinern einer genetisch bedingten Besonderheit. Damit meinen sie den bei Schlitte von Geburt an extrem stark entwickelten Unterarmknochen.
„Die Wahrscheinlichkeit, dass einem so etwas passiert, liegt wohl bei eins zu 50 Millionen. Mich hat es halt getroffen.“ Das Besondere: Sein linker Arm ist völlig normal: gut trainiert zwar, aber im Vergleich mit rechts wirkt es fast schmächtig. An der stärksten Stelle hat sein rechter Arm einen Umfang von sage und schreibe 54 Zentimetern. Kein Unterarm in Sachsen-Anhalt ist mächtiger.
Der Athlet über diesen Unterschied: „Ich lebe ganz gut damit.“ Es störe ihn weder im Wettkampf noch privat. Seine Umgebung habe mit dieser Eigenart keine Probleme, an Hänseleien könne er sich nicht erinnern. Und im Alltag falle es ohnehin kaum jemanden auf, höchstens beim Hemdenkauf.
Trotzdem kann er darüber Scherze machen. „Popeye, die Trickfilmfigur, könnte mein kleiner Bruder sein.“ In der Szene freilich geht es ums Ganze. Sein martialisch anmutender Kampfnamen signalisiert den Anspruch: „Hellboy“ (Höllenjunge), in Anlehnung an den unüberwindlichen Teufelskerl aus dem gleichnamigen US-Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2004. Klar, dass auch Schlittes Lieblingsmusik irgendwie dazu passt: Die Band „Rammstein“, erfolgreich unterwegs auf der Welle der Neuen Deutschen Härte, motiviere ihn besonders, erzählt der 28-Jährige.
Seine Karriere begann auf Initiative der Mutter. „Sie hat mich 2004 zu einem Turnier auf dem Süplinger Berg in Haldensleben angemeldet. Und es hat einen riesen Spaß gemacht. Seitdem bin ich dabei.
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Matthias Schlitte (38) aus Bebertal will sich live in SAT.1 und auf Joyn zum Rekordhalter machen. In „Guinness World Records - Die große Show der Weltrekorde“ am 29. und 30. August will der 38-Jährige, dessen rechter Unterarmknochen von Geburt an dreimal dicker ist als der auf der linken Seite, die meisten Siege im Armwrestling in 24 Stunden erreichen.
1025 Herausforderer und Herausforderinnen gesucht:Wer sich mit dem Armwrestling-Weltmeister messen will, kann mitten in München Teil des großen Rekordversuchs werden - inklusive eigener Urkunde. Der Rekordversuch findet statt am Minna Thiel am Bernd-Eichinger-Platz, direkt vor der Hochschule für Film und Fernsehen. Beginn ist am Freitag, 29. August in der Prime-Time-Show in SAT.1 und endet in der Show am 30. August. Dazwischen zeigt Joyn 24 Stunden lang Matthias beim Armwrestling live.
Als Deutschlandfunk-Nova-Autor Martin Krinner Matthias zum Interview getroffen hat, wollte unser Reporter vor allem eins wissen: Hat Matthias als Kind unter seinem riesigen rechten Arm gelitten? Weil er anders war als andere Kinder? Aber Matthias konnte ihn beruhigen: Er wurde als Kind nie wegen seines Arms gehänselt. Im Gegenteil - die anderen haben ihn sogar mit dem Comic-Helden Popeye verglichen.
Schlitte holte sich den Titel erst kürzlich im französischen Dieppe. Sein Wettkampfgegner, der Franzose Denis Pancu, war nach wenigen Sekunden geschlagen. Der Landkreis Börde beschäftigt einen Weltmeister.
Als Sachgebietsleiter im Jugendamt des Landkreises Börde muss sich Schlitte durchsetzen. „Und auch das macht er“, so Stichnoth, „mit Bravour. Schlittes Armwrestlingverein ist der VfL Wolfsburg. Hier laufen die Vorbereitungen auf Welt- und Europameisterschaften.
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Und nicht nur beim Armwrestling zahle sich die Laune der Natur aus, neuerdings auch in der Werbung. Ein deutscher Elektrokonzern wirbt mit ihm in Australien, wo Armdrücken ein Volkssport ist, für unverwüstliche Handwerksgeräte „Made in Germany“.
Armdrücken vs. Armwrestling
Armdrücken oder Armwrestling: Zwischen beiden Arten gibt es große Unterschiede.
Armdrücken: Hier gibt es keine festen Regeln, nur ein Prinzip. Danach sitzen oder stehen sich die zwei Kontrahenten an einem Tisch gegenüber. Beide setzen den Ellbogen eines Arms auf den Tisch, strecken die Hand nach oben und reichen sich die Hand. Auf ein Startkommando hin versuchen beide, den Arm des Gegners auf die Tischplatte zu drücken.
Armwrestling: Die professionelle Variante kam in den 1960er Jahren in den USA auf und ist dort bis heute sehr populär. Einen Wettkampfbetrieb nach festem Regelwerk gibt es in 48 Ländern. Seit 2008 besteht in Deutschland eine Bundesliga. Gekämpft wird in Kategorien: links und rechts sowie in Gewichtsklassen. Es zählt nicht nur die Kraft, sondern es kommt auch auf die Technik an. Der Wettbewerb erinnert entfernt an Ringen. Ein Armwrestler scheidet immer erst nach zwei Niederlagen aus.
Eine Runde im Armwrestling-Wettbewerb dauert manchmal zwar nur wenige Sekunden, spektakulär ist so ein Vergleich aber in jedem Falle. Wenn Schlitte den Arm eines Gegners mit vollem Körpereinsatz niederdrückt, stehen die Männer im Publikum sprachlos, staunend und ein wenig neidisch da. Regelrechter Kreisch-Alarm herrscht in solchen Momenten dagegen bei vielen weiblichen Fans, die ein Triumph des 28-Jährigen oft in Verzückung versetzt. „Ich genieße solche Momente.“
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Der 28-Jährige aus Haldensleben, sportlich beim VfL Wolfsburg aktiv, kann bereits auf drei Dutzend deutsche und internationale Titel verweisen. Und er peilt bereits den nächsten Höhepunkt an. Dafür stellt ihn sein Arbeitgeber, Sachsen-Anhalts Justizverwaltung, sogar einige Tage frei. Ziel ist im Juni die Europameisterschaft in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Darf er dort am Ende auf das Treppchen klettern, will Schlitte einen großen Armdrücker-Wettbewerb nach Sachsen-Anhalt holen. Deutsche oder internationale Meisterschaften in Halle, vielleicht schon 2016/17, sollten es für ihn schon sein.
Doch nicht nur sportlich kann sich Schlitte auf internationalem Parkett bewegen. Er beherrscht fünf Sprachen. „Vokabeln pauken, das ist mein Ausgleich zum Sport.“
Bevor Schlitte sich die Krone aber aufsetzen darf, muss er täglich ranklotzen und sein beeindruckendes Muskelpaket auf Höchstleistung trimmen. Doping erklärt er dabei eine klare Absage. „Ich bin Sportler, kein Kraftprotz, für mich ist das kein Thema.“ Auch lässt er Vorsicht walten, denn die körperliche Belastung sei hoch und manchmal auch riskant. „Schon einmal blieb mein Handwurzelknochen beinahe auf der Strecke“, erinnert sich Schlitte. Dieser Rückschlag sei inzwischen aber längst überwunden, ans Aufhören denke er vorläufig nicht - im Gegenteil: Klimmzüge nutzt er, um in Schwung zu kommen - 25 Stück, einarmig wohlgemerkt. Danach folgt der Wechsel auf die Bank. 70 bis 80 Kilogramm stemmt der Kampfsportler dort. Das entspricht seinem Körpergewicht. Ehe der Schweiß nicht in Strömen fließt, sagt er, darf ein echter Wrestler keinen Gedanken an eine Pause verschwenden.
Zum Ausklang einer jeden Übungsstunde gibt es immer leichte Gymnastik. Dabei sind die zu bewegenden Gewichte schon leichter. Aber trotzdem, eine Hantel bringt dann immer noch 30 Kilogramm auf die Waage. Manchmal kommt auch Freundin Maria mit in den Kraftraum. Ihre Hantel ist dagegen ein Leichtgewicht, wiegt ganze drei Kilogramm. Fast jede Woche trifft Schlitte auf seinen Trainingspartner: Jan Zarembe. Das 110-Kilogramm-Schwergewicht aus Hergisdorf (Mansfeld-Südharz) testet, wie fit der Titel-Anwärter ist und wie er seine technischen Kniffe wie Hakentechnik, Konter und Kampfriemen schon beherrscht. Natürlich kennt der 46-Jährige auch Schlittes Geheimwaffe. Das ist die unter Wrestlern berühmte Top-Roll-Technik. Damit lassen sich die Finger des Gegners öffnen. „Man konzentriert den Druck mit der Fläche unterhalb des Daumens.“ Das sei freilich die hohe Kunst und habe so gar nichts mit einer Kneipendisziplin zu tun, wie mancher hierzulande vielleicht immer noch meinen.
Der erste große Unterschied: Armwrestler sitzen - anders als in vielen Filmen - nie auf Barhockern. Sie stehen sich stattdessen einander an Wettkampftischen gegenüber, die exakt einen Meter und vier Zentimeter hoch sein müssen. Und immer achtet ein Schiedsrichter darauf, dass sich keiner der Kontrahenten unerlaubte Vorteile verschafft. Das wäre bereits der Fall, wenn vor dem Startsignal das Handgelenk gekrümmt oder der Ellbogen zwecks besserer Hebelwirkung nicht mehr auf dem roten Tischpolster aufliegen würde. Zwei „Fouls“ bedeuten automatisch das Aus. Schlitte: „Da gibt es überhaupt kein Pardon.“ (mz)
Hallo, beim Armwrestling, der professionalisierten Form des klassischen Armdrückens, reizt mich persönlich das direkte Kräftemessen Mann gegen Mann. Außerdem kann man bei diesem Sport auch Gegner schlagen, welche vermeintlich stärker sind und körperlich überlegen sind.
2004 fand in der Stadt, wo ich gerade mein Abitur absolvierte, ein Amateurturnier statt. Meine Mom fand damals in einer Tankstelle einen Flyer mit der Aufschrift "Haldensleben sucht den stärksten Armwrestler" und zeigte ihn mir. Da ich schon oft mit meinen Freunden und meinem Dad das klassische Armdrücken praktiziert hatte, entschloss ich mich teilzunehmen. Mit 16 Jahren und 64kg startete ich als jüngster und leichtester Kämpfer in der Klasse bis 90kg. Anfangs wurde ich noch belächelt. Nachdem ich das Turnier am Ende gewonnen hatte, schlug das Lachen jedoch in Respekt um. So wurden auch meine jetzigen Trainer Olaf Köppen und Bill Frank auf mich aufmerksam und holten mich zu meinem Klub VfL Wolfsburg. 2 Monate später startete ich bei der Deutschen Meisterschaft in der Jugendklasse und siegte ohne Niederlage.
Normalerweise trainiere ich in der Saison 4-5 mal die Woche 1-2 Stunden täglich. Neben einem täglichen Programm aus Konditions- und Krafttraining, absolviere ich 1-2 mal pro Woche ein Sparring-Training mit schweren Gegnern bei meinem Klub. Die Kämpfe sind in der Regel sehr kurz, deswegen findet das psychologische Spiel bereits vor dem Startsignal statt. Während viele Sportler Magnesium aufwirbeln, schreien andere oder versuchen den Gegner mit Blicken einzuschüchtern.
Armwrestler brauchen keine Muskelberge oder große Vorkenntnisse bevor sie beginnen. Durchhaltevermögen und Trainingsfleiß sind, wie in allen Sportarten am wichtigsten.
Tabelle: Trainingsplan von Matthias Schlitte
| Trainingseinheit | Beschreibung | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Konditions- und Krafttraining | Tägliches Programm | 4-5 mal pro Woche |
| Sparring-Training | Training mit schweren Gegnern | 1-2 mal pro Woche |
| Gymnastik | Leichte Gymnastik zum Ausklang | Jede Übungsstunde |
