Karate hat eine lange Geschichte, doch farbige Gürtel sind eine relativ junge Entwicklung. Sie stammen aus dem Judo und werden erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts verwendet. Im Karate dienen die Gürtelfarben (Obi) nicht nur dazu, den Anzug (Gi) zusammenzuhalten, sondern auch als Rangbezeichnung der Karateka. Die Gürtelfarben geben Auskunft über den Fortschritt der Schüler:innen, wobei dunklere Farben einen höheren Rang anzeigen.
Die Bedeutung der Gürtelfarben
Die Gürtelfarben haben in den unterschiedlichen Arten jedoch nicht durchweg die gleiche Bedeutung. Generell gilt aber, dass ein weißer Gürtel die unterste Klasse darstellt. Je höher die Klasse ist, desto dunkler wird in der Regel der Gürtel - bis hin zum schwarzen Gürtel, dem Meistergrad (japanisch: Dan). Die Meistergrade sind unterteilt in 1. bis 10. Dan.
Die Gürtelfarben im Shotokan-Karate sind ein sichtbares Zeichen für den Fortschritt und die Entwicklung der Karateka. Sie geben Aufschluss über den Kenntnisstand und die Erfahrung einer Person. Die Gürtelfarben dienen als Orientierungshilfe auf dem Weg des Karateka, sind jedoch nicht das eigentliche Ziel.
Es ist wichtig zu erkennen, dass der Weg des Karateka kein Wettbewerb gegen andere ist, sondern ein stetiger persönlicher Fortschritt. Jeder Karateka hat seine eigene Reise und individuelle Herausforderungen zu meistern.
Die Schülergrade (Kyu)
Die Schülergrade sind in unterschiedliche Farben aufgeteilt, die dann für deine einzelnen Schritte auf dem Weg zum Meister stehen. Hier eine Auflistung für den Deutschen Karate-Dachverband und nur für die Karatestile Shotokan, Goyu Ryu und Wado Ryu:
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- Weißer Gürtel: Hier beginnt das Lernen. Das Weiß steht für Reinheit und Klarheit. Geschwindigkeit und Kraft sind erst einmal nebensächlich. Wichtiger ist eine korrekte Ausführung der Techniken.
- Gelber Gürtel: Als Gelbgurt sollst du eine klare Entwicklung in deiner körperlichen Stärke und Fähigkeiten durchgemacht haben (wie Gleichgewicht, Stabilität, Hand-/ Augenkoordination und technische Fähigkeiten). Im Vergleich zu anderen farbigen Gürteln vorher sollst du als Gelbgurt aber auch eine innere Entwicklung durchmachen. Karate ist nicht nur ein körperliches Training. Du sollst als Mensch wachsen. Karate bringt dir vieles bei, was du für dein gesamtes Leben brauchst. Durchhaltevermögen, Disziplin, Respekt, Konzentration und vieles mehr.
- Orangener Gürtel: Orange steht hier für das Feuer und die Wärme der Sonne. Orangegurte dürfen aber nicht nur die körperlichen Grundlagen verstehen lernen. Nein, du sollst auch Ehrgeiz, Dankbarkeit, Beharrlichkeit und Respekt entwickeln. Dazu gehört auch, dass du regelmäßig zum Training kommst.
- Grüner Gürtel: Grün ist eine Farbe für fortgeschrittene Schüler. Als Grüngurt solltest du deine Grundtechniken beherrschen. Du lernst auf diesen Weg, deine Technik mit Geschwindigkeit und Kraft zu kombinieren, die du durch das Training entwickelt hast. Auf diese Weise sollten alle Grüngürtel an der Kraft von Karate arbeiten. Kyokushin ist das stärkste Karate. Der Grüngurt sollte diese Stärke in seinem Charakter und im Karate zeigen. Du solltest verstehen lernen, wie du im Verstand und mit dem Körper ohne bewusste Anstrengung richtig handelst. Dies ist eine sehr wichtige Stufe auf deinem Karateweg, die in ernsthafter, verantwortungsvoller und ausgereifter Denkweise durchgeführt werden sollte.
- Blauer Gürtel: "Die Pflanze wächst zum blauen Himmel", heißt es in Japan über diese farbliche Kennzeichnung der Schülerklasse im Karate. Als Blaugurt solltest du dich mehr und mehr mit deinem Karate an die unterschiedlichsten Situationen anpassen und reagieren können. Du lernst, Karate deinen eigenen körperlichen Stärken und Schwächen anzupassen und es besser zu nutzen. Es ist die Zeit, wo du deinen Körper immer weiter stärkst, besonders im Rumpf und in den Armen.
- Brauner Gürtel: Die letzten drei Schülergrade, in denen die Farbe Braun aus dem Japanischen übersetzt bedeutet: "Der Baum hat eine starke Rinde. Als brauner Gürtel solltest du sehr stark und sehr vertraut in der Ausführung aller Techniken sein, während du aber nicht einfach damit zufrieden bist. Du sollst immer weiter daran arbeiten, besser zu werden. Beim Kämpfen solltest du die Fähigkeit entwickeln, einen Anfänger durch Timing, Distanzkontrolle und Sensibilität zu kontrollieren. Du solltest deine Stärke nicht durch reine Kraft zeigen, sondern durch Ruhe und Kontrolle.
Hier ist eine tabellarische Übersicht der Schülergrade und ihrer japanischen Bezeichnungen:
| Gürtelfarbe | Japanische Bezeichnung | Kyu |
|---|---|---|
| Weiß | Mukyu | 9. Kyu |
| Gelb | Hak-kyu | 8. Kyu |
| Orange | Nana-Kyu | 7. Kyu |
| Grün | Rok(u)-kyu | 6. Kyu |
| Blau | Go-kyu / Yon-Kyu | 5. Kyu / 4. Kyu |
| Braun | San-Kyu / Ni-kyu / Ik-kyu | 3. Kyu / 2. Kyu / 1. Kyu |
Die Meistergrade (Dan)
Alle Meister haben dann den schwarzen Gürtel, wo du die Stufe an der Anzahl von goldenen Streifen erkennen kannst. Der erste Meistergrad. Hier hat das Lernen allerdings noch kein Ende gefunden, denn es gibt noch neun weitere und höherrangige Meistergrade, die durch den schwarzen Gürtel symbolisiert werden. Der höchste Meistergrad ist der 10. Dan, dessen Träger auch an einem rot-weißen Gürtel zu erkennen sein können.
Bis dorthin ist es ein sehr langer Weg und nur sehr wenige Menschen haben den 10. Dan im Karate zu Lebzeiten erreicht. Es heißt auch, dass dieser Grad posthum, also nach dem Tod des Karateka, ehrenhalber verliehen werden kann, um die Leistung und das Wirken des Meisters zu würdigen.
Mit 15 Jahren hat er begonnen, Karate zu lernen. Er brauchte also 60 Jahre, um vermeintlich das Ziel im Karate Do (Der Weg der leeren Hand) zu erreichen. Vermeintlich heißt hier, dass man nie vergessen darf, dass besonders im Karate immer der Weg das Ziel ist und ein 10. Dan wird nicht bedeuten, dass dessen Träger perfekt ist und nichts mehr hinzulernen kann.
Weitere Aspekte der Gürtelfarben
Die Bewegungsabläufe in den Grundtechniken sind nun flüssiger. Der Schüler kann schon viel differenzierter und vielseitiger agieren.
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Es ist ein Unterschied, ob ich sage „ich will im Sommer den Blauen Gürtel schaffen“, oder ob ich sage „ich will bis zum Sommer Hüfteinsatz und Atemtechnik verbessern“. Das ist vergleichbar mit dem Wunsch, ein Auto zu besitzen, bzw.
Andererseits wirkt die Gürtelfarbe auch auf den Gürtelträger zurück: Es fühlt sich anders an, die neue Farbe zu tragen. Wenn man den Gürtel aus der Tasche holt und ihn anlegt, erinnert er einen an die letzte bestandene Prüfung, an die Bestätigung der persönlichen Entwicklung. Er erinnert einen aber auch an die höhere Verantwortung, die man als erfahrenerer Karateka trägt.
Obwohl es eigentlich nichts an meinen Fähigkeiten oder Schwächen ändert, welche Farbe mein Gürtel hat, so könnte man doch sagen, dass die Erwartung, die ich selbst oder andere an meine Gürtelfarbe stellen, dazu führt, dass ich motiviert bin, diese Erwartung auch zu erfüllen.
Die Gürtelfarben haben ihren Sinn in größeren Gruppen (Vereine, Lehrgänge, Verbände). Sie helfen bei der Organisation des Trainings, und sie dienen der Motivation der Trainierenden. Sie wirken außerdem auch auf die Leistungsbereitschaft und das Verhalten des Gürteltragenden.
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