Die Bedeutung der Kata im Karate: Eine umfassende Betrachtung

Katas, Poomsee, Hyong, Taolu - diese Formen werden seit Jahrhunderten geübt. Sie dienen dazu, Anfänger in den Stil einzuführen und ihnen die notwendigen Voraussetzungen zu verschaffen. Mit den Formen werden Kraft, Flexibilität, Durchhaltevermögen, Taktik und Technik geübt. Sie lehren ökonomische und korrekte Bewegungen sowie Techniken, die mit einem Partner möglicherweise nicht geübt werden können.

Katas ermöglichen das Training ohne Partner. Das große Geheimnis der Formen liegt jedoch im Verständnis der Bedeutung, des Nutzens und der Anwendung der Bewegungen. Formen können Partnerübungen nicht ersetzen; nur das eine oder das andere zu trainieren, wäre unzureichend.

Katas sind enorm wichtig, da sie zeigen, wie einzelne Techniken beherrscht werden. Es gibt mehr zu verstehen, als es scheint. Dazu gehört Bunkai, wodurch man begreifen kann, wie man diese Techniken anwenden kann. Allerdings sollte man sich nicht nur auf Kata beschränken, sondern ein ausgewogenes Training anstreben.

Bunkai ermöglicht es, die Anwendung der Techniken zu verstehen. Die realistische Anwendung (Henka) ist zu 100% auf der Straße anwendbar. Manche bezeichnen Oyo bereits als die reale Anwendung, andere haben noch feinere Unterscheidungen. Wichtig ist, die Funktion hinter der Form zu erkennen. Beispielsweise sind die drei Age-Uke in Heian Shodan ein hervorragender Drill gegen Yoko-Mawashi-Empi.

Katas werden auch als eine Überlieferung der Techniken angesehen. Es ist im Prinzip dasselbe wie Kihon: Man übt einen bestimmten Bewegungsablauf, um so zu agieren. Eine Kata ist keine Einzeltechnik, sondern eine Form, in der u.a. Kombinationstechniken geübt werden, was auch bei Randori oder Kihonkumite an Partnern geübt wird. Man lernt durch die Kata sich komplex zu bewegen. Karate sollte als ein Ganzes angesehen werden, das aus Kihon, Kata und Kumite besteht.

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Die Techniken können für den Ernstfall entsprechend angepasst werden. Zitat von Gichin Funakoshi: "Die Kata darf nicht verändert werden." Kata ist selbstverständlich nicht mit Kampf gleichzusetzen, ist aber - richtig betrieben - eine Vorbereitungsübung dazu. Kata ist für mich also eine Art von 'Hausübung', bei der man Karate üben kann, wenn man einmal keinen Partner zur Verfügung hat. Voraussetzung dafür ist allerdings das Verständnis der enthaltenen Techniken.

Selbstverständlich müssen die Gegner im Ernstfall nicht in der selben Reihenfolge und aus den selben Richtungen angreifen wie in der Kata. Das wäre ja wirklich Schwachsinn pur. Ebenso wie sich durch das Wettkampfdenken manche Bewegungen in den Kata in Richtung Show und Theatralik entwickelt haben. Das Dilemma der Kata besteht weiters darin, dass sich das Kumite im Karate durch den Wettkampf und die damit verbundenen Reglementierungen in eine Richtung bewegt hat, die mit dem in den Kata enthaltenen Bewegungen nicht mehr wirklich vereinbar ist.

Um Kata verstehen zu können, muss man ein größeres technisches Repertoire besitzen als dies ein Kumitewettkämpfer besitzt. Wenn man allerdings 'komplette' Systeme betreibt die nicht durch Regeln beschränkt sind, wird man überrascht sein, wie viele der dort enthaltenen Techniken man in den Kata wiederfinden kann.

Mann, dir fehlt elementarer Respekt gegenüber Sachen dir fremder Art, Sachen, die du nie kapiert hast und wohl nie kapieren wirst. Du solltest den ganzen Thread (nochmals) durchlesen, um zu verstehen, dass Kata sehr wohl auf einen "Ernstfall" übertragbar ist.

Kann es sein, dass unsere ausschließlich an Effizienzdenken orientierte Sichtweise eines nie berücksichtigt: Dass es wohl auch Spaß machen kann, Katas zu üben? Mir ist es dabei völlig wurscht, ob irgendjemand das SV-mäßig effektiv findet, oder nicht. Die rein spekulativen Diskussionen, ob Katas ausreichend effektiv, SV-orientiert, oder dem Kumite, wie es sich in der bösen modernen Welt des Wettkampfkarate entwickelt hat, eine Tradition entgegensetzen oder sonstwie für etwas nützlich sein könnten, sollten einem einfach langsam egal sein. Ich bin auch vom Trainingsschwerpunkt her eher kumitelastig, aber es macht mir immer wieder großen Spaß, Katas zu üben.

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Sie enthalten neben der Aufforderung, mit Spaß komplexe und schöne Bewegungsmuster zu praktizieren, einer super Körperschulung, zudem einen wahren Fundus an Möglichkeiten und genialen Ideen. Wem das keinen Spaß macht, der soll´s doch einfach bleiben lassen.

Man lernt durch Katatraining, wie man sich während eines Kampfes bewegt und wie man flexibel und schnell läuft und die Richtung ändert. Man gewinnt Kraft, Flexibilität. Mit der Zeit lernt man auch nicht mehr groß nachzudenken, was man tut (so sollte es in nem Kampf ja dann auch sein), man automatisiert seine Bewegungen einfach.

Was den Katabegriff angeht, gehe ich auch einen Schritt weiter, indem ich alles 'formbehaftete' als Kata betrachte (was das Wort ja auch aussagt). Für mich sind also Grundtechniken, aber auch abgesprochene Partnerübungen Kata.

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