Judo Gürtel: Unterschiede und Bezeichnungen

Die technischen Fähigkeiten eines Judoka sind an seiner Gürtelfarbe und -breite erkennbar. Die Farbe des Gurts entspricht der Ausbildungsgraduierung (Kyu-Grad). Eine Graduierung setzt beim Prüfling praktische Fähigkeiten und theoretisches Judo-Wissen voraus. Judo kennt drei verschiedene Systeme:

  • Kinder-Grade mit verminderten Anforderungen
  • Kyu- bzw. Schüler-Grade
  • Dan- bzw. Meister-Grade

Die Gürtel der Schüler-Grade sind farbig, werden mit steigendem Rang dunkler und abwärts gezählt (9-1), die Meister tragen schwarze Gürtel, die Grade werden aufwärts gezählt (1-10). Kyu (8-1) und Dan-Grade (1-6) werden durch Prüfungen erworben.

Die Schülergrade (Kyu-Grade)

Die Schülergrade werden durch farbige Gürtel dargestellt. Je dunkler der Gürtel, desto ausgeprägter sind die Kompetenzen des Trägers. Die Grade werden als Kyū bezeichnet. Ergänzt wird diese Einteilung um eine Abstufung mit Ordnungszahlen, beginnend mit der neun.

  1. 9. Kyu: Weiß

    Mindestalter: -

    Voraussetzung ist es, zwei Falltechniken, zwei Wurftechniken und zwei Bodentechniken zu beherrschen. Außerdem muss man rückwärts und seitlich fallen können. Dieser stellt keine weiteren Anforderungen an das Alter und wird an Anfänger vergeben. Los geht es mit dem weißen Gürtel (9. Kyū).

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  2. 8. Kyu: Weiß-Gelb

    Der Hachikyū, trägt den weiß-gelben Gürtel und muss in seiner Prüfung rückwärts und seitlich fallen können.

    Außerdem werden 2 Wurf- und 2 Bodentechniken verlangt und 2 bis 3 Einheiten Randori von je einer Minute durchgeführt

  3. 7. Kyu: Gelb

    Mindestalter: vollendetes 7. Lebensjahr

    In der Prüfung zum 7. Kyū mit gelbem Gürtel, dem Nanakyū, müsst Ihr eine Judorolle vorwärts beherrschen, je 2 zusätzliche Wurf- und Bodentechniken und 3 bis 4 Einheiten Randori zu je einer Minute demonstrieren.

  4. 6. Kyu: Gelb-Orange

    Mindestalter: vollendetes 8. Lebensjahr

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    Für den 6. Kyū, den Rokkyū, erhaltet Ihr gelb-orange und müsst die Judorolle beidseitig beherrschen.

    Außerdem erlernt Ihr 5 neue Wurftechniken, bekommt unfangreichere Anwendungsaufgaben und müsst 3 bis 5 Randori-Einheiten zu je 2 Minuten durchhalten.

  5. 5. Kyu: Orange

    Mindestalter: vollendetes 9. Lebensjahr

    Der orangefarbene Gürtelträger nennt sich Gokyū und ist der 5. Kyū. Hier müsst Ihr die Judorolle über ein Hindernis vorführen und erlernt neue Wurftechniken, welche auf einem Bein ausgeführt werden, sowie Hebeltechniken am Boden. Randori bleibt wie beim 6. Kyū.

  6. 4. Kyu: Orange-Grün

    Mindestalter: vollendetes 10. Lebensjahr

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    Der Sprung zum orange-grünen 4. Kyū, dem Yonkyū, ist groß und Vorkenntnisse werden von hier an nur noch stichprobenartig geprüft. Hier müsst Ihr erstmals die fortgeschrittene Falltechnik „freier Fall“ demonstrieren. Zu den neuen Wurftechniken zählt der aus Filmen bekannte Tomoe-Nage.

  7. 3. Kyu: Grün

    Mindestalter: vollendetes 11. Lebensjahr

    Für den 3. Kyū, auch Sankyū genannt und den damit verbundenen grünen Gürtel müsst Ihr die erste Kata erlernen. Beim Randori existieren weniger Vorgaben, damit ein ungezwungener Übungskampf stattfinden kann. Weitere Wurf- und Bodentechniken runden die Prüfung ab und Vorkenntnisse werden von hier an seltener abgefragt, da diese aus dem Prüfungsprogramm heraus ersichtlich sind.

  8. 2. Kyu: Blau

    Mindestalter: vollendetes 12. Lebensjahr

    Wenn Ihr die Prüfung zum Nikyū, dem 2. Kyū mit blauem Gürtel, antretet, müsst Ihr erste Würgetechniken beherrschen und Euch in 3 Einheiten Randori zu je 3 Minuten gegen einen Gegner behaupten, welcher extreme Körperhaltungen einnimmt. Außerdem wird eine neue Kata gelehrt.

  9. 1. Kyu: Braun

    Mindestalter: vollendetes 13. Lebensjahr

    Der letzte Schülergrad und Braungürtel, der 1. Kyū namens Ikkyū, verlangt Eure höchste Präzision und Flexibilität, denn hier werden keine Fehler mehr geduldet. Die Würfe und Hebel müssen aus verschiedenen Situationen heraus sicher angewandt werden, beim Randori werden 3 verschiedene Übungspartner ausgewählt und die dritte Kata muss zu beiden Seiten ausgeführt werden.

Die Meistergrade (Dan-Grade)

Den schwarzen Gürtel kann man frühestens als Erwachsener, also mit 18 Jahren, ablegen. Voraussetzung ist, dass der Judoka mindesten 4 Jahre Träger des braunen Gürtels war. Die Meistergrade müssen im DJB zentral vor 2 Prüfern abgelegt werden.

Gürtel oberhalb des 5. Dan können nicht durch Ablegen einer Prüfung erreicht werden. Sie werden ausschließlich verliehen. Eine höhere Graduierung als zum 10. Dan ist weltweit nicht möglich! Lediglich Professor Jigoro Kano, dem Begründer des Judo, hat man nach seinem Tode den 11. Dan verliehen. Der 12. Dan ist für Menschen nicht erreichbar. Der Geist, die Idee des Judo soll den 12. Dan tragen.

Die Prüfungsprogramme zu den Meistergraden 1. bis 10. Dan, allesamt Schwarzgurte (oder ab dem 6. Dan rot-weiß oder komplett rot), sind noch deutlich umfangreicher und umfassen neben neuen Techniken auch eine ständige Wiederholung des Gelernten. Ab der 3. Dan-Prüfung kann der Prüfling den Großteil der Techniken frei wählen.

Die Meistergrade sind:

  1. 1. Dan (Sho-Dan): Schwarz
  2. 2. Dan (Ni-Dan): Schwarz
  3. 3. Dan (San-Dan): Schwarz
  4. 4. Dan (Yo-Dan): Schwarz
  5. 5. Dan (Go-Dan): Schwarz
  6. 6. Dan (Roku-Dan): Rot-Weiß
  7. 7. Dan (Nana-Dan): Rot-Weiß
  8. 8. Dan (Hachi-Dan): Rot-Weiß
  9. 9. Dan (Ku-Dan): Rot
  10. 10. Dan: Rot
  11. 11. Dan: Weiß (nur postum an Jigoro Kano verliehen)
  12. 12. Dan: Weiß (symbolisch)

Bedeutung der Farben

Im Judo gibt die Gürtelfarbe Aufschluss über die Fertigkeiten des Trägers.

  • Orange: Orange steht für Feuer und die Wärme der Sonne. Im Japanischen sagt man über den orangefarbenen Gürtel: "Die Sonne erwärmt die Erde und macht sie fruchtbar". Das bedeutet, dass der Karate-Schüler die Anweisungen des Trainers oder Meisters besser umsetzen kann.
  • Schwarz: Schwarz, Symbol für das Weltall, vereinigt alle anderen Farben in sich und ist somit die stärkste aller Farben. Schwarz soll auch die Autorität, das Wissen und die Erfahrung der Meister symbolisieren.

Hier ist eine Tabelle, die die Mindestalter und Gürtelfarben zusammenfasst:

Gürtelfarbe Mindestalter (vollendetes Lebensjahr)
Weiß -
Gelb 7
Gelb-Orange 8
Orange 9
Orange-Grün 10
Grün 11
Blau 12
Braun 13

Qualitätsunterschiede bei schwarzen Gürteln

Alle bekannten und großen japanischen Judo-Bekleidungshersteller haben in der Regel 3 bis 7 verschiedene Arten von Schwarzgurten in ihrem Katalog oder auf Abruf verfügbar. Der Unterschied zwischen einigen dieser schwarzen Gürtel ist leicht zu erkennen. Der dritte, in der Regel deutlich erkennbare Gürtel ist derjenige mit einem IJF-Etikett darauf.

Da es im Westen gelegentlich Wettkämpfer gibt, die absichtlich die Unversehrtheit ihres Gürtels manipulieren, um sich bestimmte unfaire Vorteile zu verschaffen, musste die IJF die Gürtel regulieren. Die mit dem IJF-Gütesiegel versehenen Gürtel müssen daher nun bestimmte IJF-Kriterien erfüllen.

Ein weiterer, oft sichtbarer Unterschied zwischen einigen Schwarzgurten im Sortiment eines japanischen Jûdô-Herstellers hat damit zu tun, dass einige dieser Firmen eine Standardklasse und eine High-End-Klasse für Jûdôgi und Schwarzgurtprodukte haben.

Die höherwertigen japanischen Gürtel unterscheiden sich von den westlichen Jûdô-Gürteln dadurch, dass sie in der Regel viel dicker und manchmal auch breiter sind, d. h. 4,5 statt 4 cm. Dies ist also ein weiterer Hauptunterschied zwischen den verschiedenen schwarzen Gürteln, die von den einzelnen japanischen Jûdô-Bekleidungsfirmen angeboten werden.