Mixed Martial Arts (MMA) ist eine Disziplin, die in Deutschland viele Fans, aber auch zahlreiche Kritiker hat. Kampfsport bedeutet in der Regel: Vollkontakt. Das ist bei Mixed Martial Arts nicht anders. Allerdings gibt es rund um die in Deutschland boomende Sportart viele Vorurteile.
Was ist ein blutiger MMA-Kampf?
Ein blutiger MMA-Kampf zeichnet sich durch intensive körperliche Auseinandersetzungen aus, bei denen es häufig zu Verletzungen kommt, die Blutvergießen verursachen. Diese Kämpfe ziehen oft die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich und werfen Fragen nach den ethischen Grenzen des Sports auf.
Ein Beispiel aus der UFC
Im legendären Madison Square Garden (New York City) erlebten die MMA-Fans den wohl bisher besten Fight des Jahres: Michael Chandler gegen Justin Gaethje. Ein MMA-Gemetzel! Niederschläge, brutale Konter, Blut - hier gab es wirklich alles.
Am Ende von Runde 2 erwischt Chandler Gaethje mit seinem Finger im Auge. Gaethje will sich mit Schmerzen wegdrehen, geht davon aus, dass er kurz generieren kann - doch Chandler schlägt weiter zu.
Nach diesem Hammer-Kampf ging es für beide direkt ins Krankenhaus. Die Fans in der Halle honorieren diese Schlacht mit Standing Ovations. Einfach der pure Wahnsinn.
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Regeln und Vorschriften im MMA
Die Annahme, zwei Kämpfer oder Kämpferinnen werden in einem Käfig komplett ohne Regeln aufeinander losgelassen, ist falsch. In MMA gibt es sogar sehr viele Regeln. Das Regelwerk greift bereits bei den Voraussetzungen für einen Kampf. Das betrifft Gewichtsklasse, Tiefschutz, Mundschutz und Handschuhe mit einem Gewicht zwischen vier und sechs Unzen (1 Oz = ca. 28 Gramm).
Schlagen, Treten, Knie- und Ellbogenstöße sind erlaubt, aber auch hier gibt es einen Rahmen. Zudem sind auch keine Kopfstöße, Tiefschläge, Schläge auf die Kehle und Stiche ins Auge des Gegners erlaubt. Kratzen, Beißen, Kneifen, die Finger- oder Zehgelenke zu attackieren, ist ebenfalls verboten.
Verlagert sich der Kampf auf den Boden, verschärfen sich die Regeln unter anderem bei Kniestößen. Ist ein Kämpfer in der Drei-Punkt-Haltung, also drei der vier Gliedmaßen berühren den Boden, darf nicht mit Kniestößen zum Kopf angegriffen werden.
Verletzungen und Risiken
Dass Blut fließt, ist in MMA-Kämpfen nicht untypisch, auch Verletzungen passieren. Es handelt sich schließlich um Kampfsport wie Boxen, Ringen, Judo oder Jiu-Jitsu auch. MMA ist ein Vollkontaktsport.
Der Ringrichter soll die Kämpfer vor schweren Verletzungen schützen. Er beobachtet die Körpersprache und auch die Augen eines Kämpfers. Macht einer der Fighter Anzeichen, sich nicht mehr intelligent verteidigen zu können, ist der Kampf vorbei.
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Es gibt auch einen Ringarzt, der in bestimmten Situationen ebenfalls die Kämpfer unter die Lupe nimmt. Auf Ansage des Ringrichters oder in der Pause überprüft der Arzt beispielsweise, welche Auswirkungen ein Cut hat. Ist der zu tief oder sehr nah am Auge, dann kann auch hier der Kampf abgebrochen werden.
Kontroversen und ethische Aspekte
Der Grund: Blutende Wunden sind kein Grund für einen Kampfabbruch, und wenn ein Beteiligter am Boden liegt, darf weiter auf ihn eingeschlagen werden.
Kritiker bemängeln, dass Schläge auf einen am Boden liegenden Kämpfer eine falsche Botschaft senden. Veranstalter betonen jedoch, dass es sich nicht um eine wilde Straßenschlägerei handelt, sondern um einen Sport mit klaren Regeln und einem Ringrichter, der eingreift, wenn ein Kämpfer sich nicht mehr intelligent verteidigen kann.
Im März starb in Südafrika der MMA-Kämpfer Booto Guylain, nachdem er im Kampf schwere Kopfverletzungen und eine Gehirnblutung erlitten. Riskieren MMA-Kämpfer ihr Leben? Das Risiko muss doch jedem bewusst sein, egal ob er Eishockey spielt, Fußball spielt, boxt oder MMA macht, oder Auto- beziehungsweise Motorradrennen fährt. Da kann es überall zu tödlichen Unfällen kommen.
Die Faszination der Zuschauer
Wer Mixed Martial Arts schaut, steht auf Gewalt, will in einer wilden Keilerei Blut sehen. Das ist eine sehr stereotypische Sicht auf den Sport, die nicht zutrifft, sofern man sich mit MMA auseinandersetzt. Regeln, Taktik und letztlich auch die Fähigkeiten in mehreren Kampfsportarten spielen eine entscheidende Rolle.
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Einige sehen MMA in Deutschland bereits auf dem Weg zur Sportart Nummer zwei nach Fußball.
Die Rolle von Gewalt und Brutalität
Es ist keine Gewalt, und es ist keine Brutalität. Das behaupten nur Kritiker, die noch nie auf einem MMA-Event waren. Es gibt ein festes Regelwerk. Die Sportler respektieren und schätzen sich. Nach dem Kampf liegen sie sich in den Armen und beglückwünschen sich, egal wie der Kampf ausgegangen ist.
MMA als Spiegelbild der Gesellschaft
Wenn der Sport stets ein Bild der Gesellschaft spiegelt, wofür steht dann der steile Aufstieg der MMA-Kämpfer? Das Blut, die Gewalt? Die Verehrung der martialischen Helden?
Im MMA werde häufig ein Männlichkeitsideal von Stärke, Dominanz und Durchsetzungswillen propagiert, sagt der Soziologe Olaf Zajonc, der sich mit Kampfsport auseinandersetzt. Diese Werte passen zu einem kriegerischen Zeitgeist und zu einem Weltbild, wie es vor allem Populisten vertreten.
MMA in Deutschland
In Deutschland stand zwischen 2010 und 2015 ein TV-Verbot wegen der „Massivität der gezeigten Gewalt“, wie die Bayerische Landeszentrale für neue Medien damals urteilte.
Doch erst Oktagon, ein tschechisches Unternehmen, das zunächst in Osteuropa Kämpfe veranstaltete, gelingt der Durchbruch. 2023 kamen zu ihren Events bereits bis zu 20.000 Zuschauer, in diesem Jahr folgte die Rekordkulisse in Frankfurt, RTL Plus stieg als Streamingpartner ein.
Die Zukunft des MMA
Ziel ist es, aus MMA eine olympische Disziplin zu machen, um Förderungen vom Deutschen Olympischen Sportbund zu erhalten.
MMA ist ein komplexer und vielseitiger Kampfsport, der weit mehr als nur einen physischen Wettkampf darstellt. Die Verschmelzung von Techniken, Philosophie, Geschichte und Kultur macht MMA zu einer einzigartigen Disziplin, die in der modernen Kampfsportwelt weiterhin an Bedeutung gewinnt.
