Die Ursprünge des Wrestling: Eine Reise durch die Geschichte

Das Ringen ist so alt wie die Menschheit selbst. Wie es aus der Geschichte der Völker hervorgeht, pflegten sie alle den Ringkampf in irgendeiner Art.

Früheste Beweise und antike Zivilisationen

Die ersten konkreten Beweise dafür stammen aus dem alten Ägypten. Bei Ausgrabungen fand man bemalte Vasen und Wandbemalungen, worauf Ringkämpfer zu sehen sind. Diese beweisen, dass bereits vor 5000 Jahren der Ringkampf gelehrt wurde. Auf mehreren hundert Abbildungen erkennt man das heutige Freie Ringen. In China war 3000 Jahre vor der Zeitrechnung das Ringen neben Jagd, Bogenschießen und Fechten sehr beliebt. Die Soldaten veranstalteten regelmäßig Ringkampfwettbewerbe in den Militärlagern.

Aus Mesopotamien (Dijala) stammt eine kleine Kupferplastik, die neben den Wandmalerein des Grabes von Beni Hasan zu den ältesten erhaltenen Ringerdarstellungen zählt. Zwei Ringer halten sich im Standkampf an einem sumoähnlichen Bauchgürtel fest und versuchen sich mittels Zieh- und Schiebekampf aus dem Gleichgewicht zu bringen. Aus dem Jahr 2080 v. Chr. stammt eine weitere Darstellung, die zwei Ringer zeigt und die Ringer Gilgamesch und Enkidu zeigen soll.

Noch zu Lebzeiten errichteten die Pharaonen und reichen Ägypter ihre Grabstätten. Mit auffallender Häufigkeit waren auf diesen Todesstätten Zeichnungen und Gravuren des Ringkampfes vertreten.

Das Ringen im antiken Griechenland

Als selbständige olympische Sportart ähnelte sie dem heutigen Freien Ringkampf, allerdings mit mehr Freiheiten. Die “Pankration“ war eine Mischung aus Ringen und Faustkampf. Die Sieger Olympischer Spiele wurden als Helden gefeiert und oft hat man für sie eine Statue im Geburtsort errichtet. Der berühmteste Ringer bei den Griechen war wohl der siebenfache olympische Sieger Milon aus der Stadt Kroton.

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Um sich vor der glühenden Sonne zu schützen, wurde der nackte Körper mit Öl eingerieben. Damit man den eingeölten Kontrahenten besser in den Griff bekam, mussten sich beide Ringer selbst mit Sand bewerfen.

Der Ringkampf war die volkstümlichste Sportart und gehörte zur Erziehung der männlichen Jugend zwischen dem siebten und 14. Lebensjahr. Der zentrale Ort des Ringkampfgeschehens war ein quadratischer, offener Hof, Palästra genannt, dessen Boden mit Sand bedeckt war. Schutzpatron und Gott der Ringer war Herakles. Halbgott Theseus soll nach der griechischen Mythologie die Ringkunst erfunden haben.

Ringen im Römischen Reich

Die alten Römer legten mehr Wert auf eine direkte kriegerische Ausbildung als auf die Weiterentwicklung des Ringkampfes, und dieser wurde nicht mehr im Programm der körperlichen Ertüchtigung aufgenommen.

Entwicklung des Ringkampfes in verschiedenen Kulturen

Die Griffkenntnisse blieben erhalten und weiter entwickelt. Es entstanden nationale Ringkampfarten in Georgien, in Tirol, in der Schweiz, in der Türkei, in England und bei anderen kleineren Völkern im Kaukasus.

Im Großreich der Inkas ist auch Ringen verbreitet. Aus Anlass eines Versöhnungsfestes der Schweizer Kantone bei der Burg Unspunnen entsteht wahrscheinlich das Schwingen. Dies ist eine Abwandlung des Ringkampfes in bäuerlicher Kleidung. Die Schweizer Turn- und Schwingerfeste werden für Deutschland zum Vorbild.

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Das Ringen in Deutschland

Das Interesse am Ringen bei den Völkern nahm im Laufe der Jahrhunderte immer mehr zu. In Deutschland lebt der Ringkampf im 14. Jahrhundert wieder auf. Erst im 18. und 19. Jahrhundert hat man sich dem Ringen verstärkt zugewandt.

Jedoch richtig populär wurde es am Ende des 19. Jahrhunderts, als die besten Ringer, wie z. B. der Deutsche Karl Abs, das Ringen zu ihrem Beruf gemacht haben. Ihre Kämpfe, in denen der Sieger oft schon im Vorfeld bestimmt war, wurden in Zirkuszelten und auf öffentlichen Plätzen ausgetragen.

Ab 1891, als man den Deutschen Athletik-Sportverband und 1906 den Arbeiter-Athleten-Bund gegründet hatte, nahm der Ringkampfsport in Deutschland einen schnellen Aufschwung, der durch den ersten Weltkrieg (1914-1918) jäh unterbrochen wurde. In der Nazizeit bis zum Ende des 2. Die Herausbildung zweier deutscher Staaten nach dem Krieg brachte auch eine unterschiedliche Entwicklung des Ringkampfsportes mit sich.

Der Aufstieg des modernen Wrestling

Was vor über 100 Jahren als Jahrmarktsattraktion begann, ist heute zu einem überaus erfolgreichen Medienphänomen geworden.

Tatsächlich unterscheidet sich Wrestling in einem zentralen Punkt grundsätzlich von konventionellem Sport: Während zu Beginn eines 100-m-Laufs oder eines Fußballspiels vollkommen offen ist, wer gewinnen wird, steht der Sieger beim Wrestling vorher fest. Trotzdem handelt es sich bei den Wrestling-Akteuren wie bei jeder konventionellen professionell betriebenen Sportart um Athleten, die viele Jahre trainiert haben, um das tun zu können, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen.

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Selbst wenn Favoriten siegen, sorgen Autoren dafür, dass der Weg zum Sieg mit vielen überraschenden Wendungen gespickt ist. Die Akteure sind immer auffällig und reizen zu emotionaler Anteilnahme, egal, ob zu Sympathie oder Antipathie. Und kein Wrestling-Match steht für sich allein - formal ist es in eine Dramaturgie aus Regelveranstaltungen und besonderen Events, inhaltlich in komplexe Storylines eingebunden.

Wrestling spielt mit der Unterscheidung von Realität und Fiktion mithilfe einer einzigartigen Variante von Theater. Alle Matches sind Teil einer großen Erzählung, die von den Kämpfern und zusätzlichem Personal auf der Bühne des Kampfrings und um ihn herum inszeniert wird. Bei dieser großen Erzählung geht es um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, in neuerer Zeit auch verstärkt darum, zu erkennen, was gut und was böse ist.

Es ist ein intensives, athletisches Körpertheater, das da aufgeführt wird - und ebenso sehr auf die Mitarbeit seines Publikums angewiesen wie das Kaspertheater für Kinder. Welche Storylines für Athleten geschrieben werden und ob sie sich überhaupt beim Wrestling halten können, hängt entscheidend davon ab, wie viel Emotion sie mit ihren Auftritten erzeugen können - egal, ob in Form von Begeisterung oder Buhrufen.

Wer sich auch nur peripher für Wrestling interessiert, weiß heute beispielsweise, dass Kämpfer in Faces und Heels eingeteilt werden. Ein Face, kurz für „Babyface“, ist ein „Guter“, nett, der sich immer an die Regeln hält. Ein Heel dagegen ist „böse“, kämpft unfair und setzt auch verbotene Hilfsmittel ein.

Kayfabe: Die Illusion des Wrestling

Der wichtigste Schlüsselbegriff zum Verständnis von Wrestling kann zwar wie alle anderen terminologischen Eigenheiten problemlos im Internet recherchiert werden, das damit gemeinte Konzept ist jedoch komplexerer Natur: Kayfabe.

Wie Schauspieler beim Theater agieren Wrestler als Darsteller in einem vorher festgelegten Stück und sollen ein Publikum mit ihrem Spiel überzeugen. Das Gespielte soll nicht gespielt wirken, aber Kayfabe bedeutet viel mehr, weil Wrestling im Vergleich mit konventionellem Theater ein strukturell komplexeres Erlebnis beabsichtigt - und damit fast schon mit avantgardistischem Theater verwandt ist.

Einerseits ist „breaking kayfabe“ natürlich ein Illusionsbruch - wenn etwa laut Rollenzuweisung verfeindete Wrestler als Freunde „im wirklichen Leben“ zu sehen sind oder sich ein Wrestler nicht an Absprachen bezüglich eines Matchausgangs hält und sein Gegner dies öffentlich macht. Andererseits gilt für Wrestling natürlich dasselbe wie für alle anderen perfekt produzierten Medienprodukte: Interessant wird es, wenn etwas nicht funktioniert oder ein Akteur aus der Rolle fällt. „Breaking kayfabe“ kann auch neue Aufmerksamkeit erzeugen.

Medienstrategien und kulturelle Kontexte

Der Aufstieg des Wrestlings zu einer Medienattraktion fand in den 1980er-Jahren statt, zentraler Akteur war dabei der Wrestling-Manager Vince McMahon, der 1983 die World Wrestling Federation (WWF) von seinem Vater kaufte.

Eine wichtige Rolle spielten dabei neue Charaktere, deren schrille Kostümierung und übertriebenes Auftreten schon andeuteten, dass es hier nicht um Sport im traditionellen Sinn ging.

Den Beginn der „Hulkamania“ markiert ein Match gegen den Iron Sheik, der als symbolischer Stellvertreter des Irans von Ajatollah Chomeini auftrat. Im Match von Hogan gegen den Iron Sheik, das Hogan mit der Unterstützung eines lautstark „USA! USA!“ skandierenden Publikums gewann, konnte dann wenigstens symbolisch Rache geübt werden.

In neuerer Zeit haben sich die Wrestling-Charaktere deutlich verändert, nicht zuletzt, um ein etwas älteres Publikum zu erreichen - Comicfiguren sind kaum noch anzutreffen, stattdessen viele nicht so einfach zu durchschauende Charaktere, die nach eigenen Regeln spielen und leicht zwischen den Rollen „Face“ und „Heel“ wechseln können, wie etwa Stone Cold Steve Austin.

Eines hat sich beim Wrestling jedoch nicht verändert: Egal, welches aktuelle Thema vordergründig in den Matches verhandelt wird, zentral bleibt ein anderes. Wrestling schafft es, gleichzeitig eine Parodie von Männlichkeitskonzepten aufzuführen und Männlichkeitskonzepte beispielhaft zu repräsentieren.

Catch Wrestling

Catch Wrestling ist eine moderne Form des Ringens mit alten Wurzeln, die ihren Ursprung im englischen Lancashire hat. Catch Wrestling wird oft auch als Catch-As-Catch-Can bezeichnet.

Wrestling in Gambia

Die Trommeln schlagen immer lauter, die Kämpfer umklammern einander mit festem Griff. Das Finale der Ringermeisterschaft hat begonnen. Wrestling ist in Gambia Volkssport Nummer eins. Die besten Wrestler sind Helden, ihre Namen kennt jedes Kind. Das westafrikanische Wrestling hat nichts gemein mit der gleichnamigen amerikanischen TV-Veranstaltung. Bei den Kämpfen in den afrikanischen Dörfern ist alles echt. Der Kampf, der Schmerz und der Sieg. "Wrestling ist so alt wie der Busch", sagen die Einheimischen.