Taekwondo ist die koreanische Kunst der waffenlosen Selbstverteidigung. Teakwondo ist eine koreanische Kampfkunst, deren Geschichte sich über viele Jahrhunderte hinweg entwickelt hat. Sie gilt als eine der ältesten Kampfsportarten der Welt und ist über 2.000 Jahre alt. Der Name Taekwondo (koreanisch 태권도) stammt aus dem koreanischen Wort „Tae“ bedeutet Fuß, „Kwon“ bedeutet Faust und „Do“ bedeutet Weg. Also, wörtlich bedeutet Taekwondo „der Weg des Fußes und der Faust“.
Historische Wurzeln des Taekwondo
Die koreanische Geschichte begann der Legende nach im Jahr 2333 v. Ch. Der legendäre Nationalgründer Tangun, gründete „Altes Korea“. In Schriften über die Geschichte des Taekwondo wird Taekwondo gewöhnlich als einzigartiges Produkt der koreanischen Kultur dargestellt, das sich im Laufe der langen koreanischen Geschichte seit der Zeit der Drei Reiche entwickelt hat. Da es nur wenige schriftliche Aufzeichnungen über die alte koreanische Geschichte gibt, sind sachliche Informationen über die koreanischen Kampfkünste rar und lückenhaft.
Die Drei Königreiche Koreas
Im Laufe des ersten nachchristlichen Jahrtausends bildeten sich im heutigen koreanischen Gebiet drei souveräne Teilreiche: Koguryo, Paekje und Silla. Im Sinne der geistigen Stärke wurden mehrere Kampfsysteme zur Verteidigung und zum Schutz des jeweiligen Königreichs entwickelt. Somit waren die Kampfkunstarten Taek Kyon (Fußkampf) und Soo Bak Gi (Faustkampf) geboren und wurden zur nationalen Kriegskunst erklärt. Um den besten Kämpfer zu ermitteln fand jährlich ein Wettkampf statt.
Das kleinste von ihnen, genannt Silla, wurde für seine elitären Kämpfer berühmt, die Anhänger des Hwarang-Do waren - einer Lebensphilosophie, die Übungen der alten Kampftechniken und Geisteswissenschaften Koreas sowie einen philosophischen Kodex enthielt. Zu diesem Zweck wurde unter anderem im 6. Jahrhundert n. Chr. Dieses Ideengut wendete man auf verschiedene Künste, Wissenschaften und die Selbstverteidigung an.
Durch die Notwendigkeit militärischer Anwendung wurden die Techniken des Subak und der anderen einheimischen Systeme kombiniert und kontinuierlich ausgefeilt. Nachdem das Königreich Silla mit Hilfe seinen im Hwarang-Do ausgebildeten Truppen die beiden anderen Teilreiche bezwungen hatte und sich mit ihnen vereinte, wurde die niveauvolle Kampfkunst im ganzen Land verbreitet. Die Namen Subak und Taekyon standen stellvertretend für das vielfältige Angriffs- und Verteidigungssystem, das die Basis für das heutige Taekwon-Do bildete. Vor allem das Militär übte sich in den Kampftechniken, es wurden jedoch auch Wettkämpfe zur Unterhaltung des Adels veranstaltet.
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Die Koryo- und Yi-Dynastien
Auch während der Koryo-Dynastie (918 - 1392 n. Chr.) erfreuten sich die kriegerischen Künste großer Beliebtheit. Nachdem es sich im Laufe der Jahre immer größerer Beliebtheit erfreute, erreichte das Subak im 12. Jahrhundert zunächst den Höhepunkt seines Ruhms. Durch Publikationen der Zentralgewalt in der Yi-Dynastie (14.-19.Jhdt.), in der die Techniken des Subak für jeden verständlich präsentiert wurden, gelangte die Kunst unter die Menschen Koreas und fand begeisterten Zuspruch.
Zu Beginn der folgenden Joseon-Dynastie (1393 - 1910 n. Chr.) verlor die Kampfkunst und ihre Popularisation wesentlich an Bedeutung. Es folgte eine Zeit antimilitärischen Denkens, und das Subak als Ausdruck des alten Militarismus drohte in Vergessenheit zu geraten.
Die japanische Besatzung und die Wiederbelebung der Kampfkünste
Als im 14. Im Jahr 1910 erfolgte die Besetzung Koreas durch Japan und Taekyon wurde in seiner öffentlichen Ausübung verboten. Alles, was Kultur und Geschichte Koreas ausgemacht hatte, wurde systematisch unterdrückt und verboten. Das galt auch für traditionelle koreanische Kampfarten wie Taekgyeon und Ssireum.
Nach der Befreiung von der japanischen Besetzung 1945 strebten viele Kampfkunstschulen danach, ihre Stile organisiert zu verbreiten. Nach dem Ende der japanischen Besatzung 1945 kehrten die Exilkoreaner nach Korea zurück und brachten die Kampfkünste mit, die sie in anderen Ländern erlernt hatten. Die koreanischen Kampfkünste wurden von den schnellen, geradlinigen Bewegungen beeinflusst, die für die verschiedenen japanischen Kampfkünste charakteristisch sind. Meister, die in anderen Ländern (China, Japan und Okinawa) Kampfkünste studiert hatten, kehrten nach Korea zurück und vermischten diese mit den Fußtechniken des Taekkyon, um neue koreanische Kampfkunststile zu schaffen, die nicht nur die einzelnen Koreaner, sondern auch das Land selbst schützen sollten.
Die Fünf Ursprungsstile
Nach der Unabhängigkeit Koreas im Jahr 1945 kehrten dann aber Koreaner zurück in ihr Heimatland, die in Japan und der Mandschurei japanisches Karate gelernt hatten. Sie eröffneten die fünf ursprünglichen Kampfkunst-Schulen, aus denen später das Taekwondo entstehen sollte. All diese Schulen endeten auf Kwan, was im wörtlichen Sinne „Halle" bedeutet.
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- Cheongdo-Kwan („Halle des wahren Weges")
- Moo Duk Kwan (etwa „Halle der Kampftugenden")
- Yeonmu-Kwan (später Jido-Kwan - „Weg der Weisheit")
- Changmu-Kwan („Faustmethode")
- Seongmu-Kwan (abgeleitet von „Seong Do Kwan", der koreanischen Aussprache des japanischen Shotokan)
Die Entstehung des modernen Taekwondo
1955 führte General Choi Hong-hi im Auftrag der südkoreanischen Regierung Taekwando als Nationalsport ein. General Choi setzte sich am 11. April 1955 mit dem Namen Taekwondo als neue Stilbezeichnung für die verschiedenen karatebasierten Kampfkunststile durch.
Die geradlinigen und eher statischen Techniken des Karate wurden so wesentlich flüssiger und dynamischer. Viele Dreh-, Sprung- und Beintechniken wurden in der Folge entwickelt. Anfangs bezeichnete man diese neu entwickelte Kampfkunst aufgrund seiner nicht zu leugnenden japanischen Wurzeln noch als koreanisches Karate. Durch die den neuartigen, teils sehr spektakulären Sprung- und Beintechniken wurde das Taekwondo dann aber schließlich immer weniger mit dem japanischen Karate in Verbindung gebracht und erwarb seinen eigenen Platz in der Welt der Kampfkünste. Heute gehört es mit 100 Millionen Aktiven zu den meistverbreiteten Kampfsportarten weltweit.
Mit Unterstützung der Rhee-Regierung organisierte Choi 1959 die Gründung der ersten Koreanischen Taekwondo-Vereinigung und wurde deren erster Präsident. Korean Taekwondo Association1965 kehrte Choi Hong-hi nach Korea zurück, und er wurde gleich zum neuen KTA-Präsidenten gewählt. Sofort änderte er den Namen der Kunst in Taekwondo - angeblich wurde die Namensänderung mit einer Stimme Mehrheit beschlossen - und forcierte die Bestrebungen nach Internationalisierung.
Die Spaltung und Internationalisierung des Taekwondo
Gründung der ITF: Der permanente Streit zwischen KTA-Präsident Choi und den anderen Kwan-Leitern führte dazu, dass man Choi bereits ein Jahr später nötigte, vom Posten zurückzutreten und ihm im Gegenzug die Gründung eines eigenen Verbandes, der International Taekwon-Do Federation, kurz ITF, zusicherte. Sie wurde am 22. März 1966 in Seoul mit den Gründungsländern Arabien, Deutschland (West), Italien, Korea, Malaysia, Singapur, Türkei, USA und Vietnam vollzogen. Erster und bis zu seinem Tod einziger Präsident war selbstverständlich Choi Hong-hi.
Trennung der Verbände in WTF und ITF: Im selben Jahr verließ Choi Hong-hi vermutlich wegen Verbandsstreitigkeiten Südkorea. Als Folge davon wurde am 28. Mai 1973 im Zuge der im Kukkiwon stattfindenden ersten Taekwondo-Weltmeisterschaft die World Taekwondo Federation, kurz WTF, mit Sitz in Seoul gegründet. Auch hier wurde Kim Un-Yong Präsident.
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Die WTF wurde 1973 als Reaktion auf die Emigration von General Choi Hong-Hi und die parallel stattfindende Verlegung der ITF-Zentrale nach Kanada gegründet. Das Hauptquartier der World Taekwondo Federation ist das Kukkiwon in Seoul (Südkorea). Im Kukkiwon, der internationalen Zentrale des Taekwondo, dreht sich alles um den Kampfsport und seine Geschichte. Das Kukkiwon wurde 1972 fertig gestellt und seit 1973 befindet sich dort das Sekretariat und der Hauptsitz des WTF.
Taekwondo in Deutschland
So kam Taekwondo nach Deutschland und führte 1967 zur Gründung des Deutschen Taekwondo-Verbandes mit Ausrichtung der 1. Deutschen Taekwondo-Meisterschaft. Als Meilenstein der Taekwondo Geschichte in Deutschland wurde 1981 in Frankfurt die DTU - Deutsche Taekwondo Union gegründet. 1994 gründete Josef Fichtner in Miesbach die Jiu-Jitsu und Taekwondo Schule Fichtner.
Taekwondo als olympische Disziplin
Auf dem Weg zur Olympischen Sportart: Die späteren 1970er und 1980er Jahre waren geprägt durch den Konflikt beider Taekwondo-Weltverbände, respektive ihrer Präsidenten Choi Hong-hi und Kim Un-Yong. Kim konnte dabei auf die massive Unterstützung seiner Regierung bauen, und so gelang ihm schließlich 1980 die Anerkennung der WTF als Weltfachverband Taekwondo vom IOC. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona war das WTF-Taekwondo als Demonstrationswettbewerb zugelassen, seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney ist es eine vollwertige olympische Disziplin. Der amerikanische Athlet Steven Lopez ist bislang der einzige Doppel-Olympiasieger in der Taekwondo Geschichte. WTF ist dabei das olympische Taekwondo-System, d.h.
Disziplinen im Taekwondo
Taekwondo als moderner Sport unterteilt sich in einzelne Disziplinen. Je nach Verein oder Schule werden die Schwerpunkte im Training unterschiedlich gesetzt.
- Grundschule (Gibon Yeonseup): Üben einzelner Bewegungen und Techniken durch mehrfaches Wiederholen, ohne Gegner.
- Formenlauf (Teul, Hyeong, Pumsae (Taegeuk/Palgue)): festgelegte Techniken werden in vorgegebener Reihenfolge durchgeführt.
- Einschrittkampf (Hanbon Gyeorugi, Ilbo Matsogi, Ilbo Daeryeon): Ein Übungskampf mit festgelegter Technikenreihenfolge gegen einen Gegner.
Die beiden wichtigsten Bereiche des Taekwondo sind der Wettkampf und der Formenlauf. Der Formenlauf (Poomse) umfasst verschiedene, von der Gürtelgraduierung abhängige Formen, die jeweils eine bestimmte Bedeutung haben.
So ist die Taekwondo-Technik sehr auf Schnelligkeit und Dynamik ausgelegt, was nicht zuletzt durch den Wettkampf bedingt ist. Obwohl Faustschläge gelegentlich mit einfließen, beruht Taekwondo fast ausschließlich auf dem kraftvollsten Treffer den es gibt, dem Fußtritt. Deshalb dominieren hauptsächlich Fußtechniken einen Wettkampf.
Taekwondo ist also nicht nur eine Sportart, sondern vor allem eine Form der Charakterbildung. Taekwondo ist nicht nur eine Sportart, sondern vielmehr eine Tradition, vor allem in ihrem Geburtsland Korea.
