Bernd Römer: Ein Leben für die Musik – Biografie des Karat-Gitarristen

„Siebzig - das ist schon ein bisschen komisch für mich“, gibt Bernd Römer zu. Deshalb begeht er seinen Ehrentag am 6. September auch nur im kleinen Kreis mit der Familie. „Nächstes Jahr feiere ich dann groß meinen 50.“ Dabei ist Bernd Römer bestens in Form und gesundheitlich fit.

„Seit ein paar Jahren mache ich Intervallfasten. Und verzichte weitgehend auf Alkohol. Das tut mir gut.“ Aber er verrät auch: „Wenn man älter wird, macht man sich schon mehr Gedanken. Und wenn man auf die Uhr schaut, wird einem immer klarer: Der Sekundenzeiger dreht sich unaufhörlich.“

Doch was den Gitarristen jedes Mal aufbaut, ist die Musik - egal, wie schwierig die Zeiten auch waren: 2004 beispielsweise starb Karat-Frontmann Herbert Dreilich, danach mussten die Musiker mit dessen Witwe um den Bandnamen kämpfen.

Die frühen Jahre in Erfurt

Angefangen hat alles im schönen Erfurt. Hier kam Bernd 1952 zur Welt. Seine Mutter war eine Putzmacherin aus Wuppertal, sein Vater Goldschmied.

An Kindheit und Jugend hat er nur beste Erinnerungen: „Ich wurde mitten in der Stadt groß, hatte liebevolle, fürsorgliche Eltern und viele Freunde. Die ganze Stadt war unser Abenteuerspielplatz!“ In der Schule gehörte Bernd zwar zu den Besseren, aber in Musik hatte er eine Vier. „Das lag daran, dass ich all das Zeug, was damals auf dem Lehrplan stand, nicht singen wollte...“

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Stattdessen wusste er bereits mit 13 Jahren genau, wohin die Reise gehen sollte: „Bei einer Freundin hörte ich 1965 das Beatles-Album, das damals in der DDR erschienen war. Seine erste Gitarre schenkte sich Bernd Römer selbst zum 14. Geburtstag. „Ich hatte ein Jahr lang gearbeitet und jeden Groschen gespart.“ Das Spielen brachte er sich selbst bei.

Der Weg zu Karat

1973 dann die große Chance: Bernd stieg bei der Berliner Horst-Krüger-Band ein. „Dabei kannte ich damals kaum eine Note!“ Die fehlenden Grundlagen holte er ab 1974 nebenbei an der Musikschule nach.

1976 schlug der damalige Karat-Gitarrist Ulrich Pexa der Band Römer als seinen Nachfolger vor. Bernd kam - und brachte Schlagzeuger Michael Schwandt mit. Der Rest ist Geschichte: Karat wurde zu einer der beliebtesten Bands der DDR.

„Dass wir dazu auch im Westen auftreten konnten, hat uns natürlich stolz gemacht“, erklärt Bernd. „Denn es bedeutete, dass sich unsere Musik auch international messen konnte. Das war wie ein Ritterschlag!“ Umgekehrt galt: Wer im West-TV auftrat, dessen Stellenwert stieg auch im Osten. „In letzter Konsequenz haben wir das aber alles unserer Musik zu verdanken!

Auch nach der Wende schaffte es die Band, an ihre Erfolge anzuknüpfen. „Nach Herberts Tod war unser Glück, dass sein Sohn Claudius als Sänger übernommen hat“, sagt Bernd. „Das ist jetzt unglaubliche 17 Jahre her!

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Privates Glück

Auch privat fand Bernd Römer das Glück - zum ersten Mal mit 27: Er heiratete seine damalige Freundin Tine und wurde Vater einer Tochter. 35 Jahre hielt die Ehe. „Eine tolle Zeit: Wir haben so viel zusammen erlebt, auch mit den Musikerfreunden. Die ganzen Rocker-Feten spielten sich entweder bei Tamara Danz ab, oder in unserem Häuschen.“

Doch irgendwann lebten sie sich auseinander. „Das wollte keiner, aber es ist passiert. Und für Tine war es sicherlich schwer“, gibt Bernd zu. Doch sie schafften es, Freunde zu bleiben. „Als Tine vor zwei Jahren starb, hatten wir Gott sei Dank längst wieder einen guten Draht zueinander.“

Seit 2015 ist er mit Melanie glücklich verheiratet. „Das Wichtigste ist, tolerant zu sein“, sagt er.

Karat: Eine Erfolgsgeschichte

Die Band Karat gilt als eine der erfolgreichsten Bands der ehemaligen DDR, die es auch im Westen zu großen Achtungserfolgen gebracht hat. 1975 entstand die Band aus der Gruppe „Pantha Rei“, mit Sängerin Veronika Fischer an der Spitze. Nachdem die Sängerin, später selbst im Osten ein gefeierter Star, der Band abhandengekommen war, formierten sich die Bandmitglieder Herbert Dreilich, Henning Protzmann und Ulrich Swillms kurzerhand neu. Es entstand die Band Karat.

1979 veröffentlichte die Band einen Ausnahmehit: Über sieben Brücken musst du gehen. Wenig später coverte Peter Maffay das Stück. Damit wurde Karat auch im Westen berühmt. Weitere Veröffentlichungen wie Albatros und Der Blaue Planet feierte man auch im Westen. 1982 trat Karat als einzige DDR-Band in der Sendung „Wetten, dass?“ auf. Nach dem Tod von Frontmann Herbert Dreilich trat Sohn Claudius 2004 in die Fußstapfen seines Vaters. Er steht heute an der Spitze der Kultband.

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Hier ist eine Übersicht der Alben von Karat:

Jahr Albumtitel
1978 Karat
1979 Über sieben Brücken
1979 Albatros
1980 Schwanenkönig
1982 Der Blaue Planet
1984 Die sieben Wunder der Welt
1985 10 Jahre Karat - Auf dem Weg zu Euch
1987 Fünfte Jahreszeit
1990 …im nächsten Frieden
1991 Karat (1991)
1992 vierzehn Karat - Die größten Hits
1995 Die geschenkte Stunde
1997 Balance
1998 sechszehn Karat - Ihre größten Hits
2000 Ich liebe jede Stunde
2001 25 Jahre - Das Konzert
2003 Licht und Schatten
2005 30 Jahre Karat
2010 Weitergeh´n
2013 Symphony
2014 Rock-Legende (Puhdys, City, Karat)
2015 Rock-Legende-Live (Puhdys, City, Karat)
2015 40 Jahre-Live von der Waldbühne Berlin
2015 Seelenschiffe
2017 Rock-Legende- Vol.2 (Puhdys, City, Karat)
2018 Labyrinth

Auszeichnungen

Karat gewann 1978 ihren ersten Preis. Im gleichen Jahr gewannen sie den „Kunstpreis der FDJ“, „Grand Prix beim internationalen Schlagerfestival“ und den „Preis der Presse“. Neben vielen weiteren Preisen gewann Karat vier Mal die „Goldene Schallplatte“ und drei Mal den „nl-Interpretenpreis“.