Die Geschichte des Wrestlers, der als Inbegriff des deutschen Bösewichts in den USA bekannt wurde, ist facettenreich und überraschend. Dieser Artikel beleuchtet sein Leben und seine Karriere.
Frühe Karriere und Anfänge als Gewichtheber
Am 6. Oktober 1959 wurde Barry Darsow in Minneapolis, Minnesota, geboren. Er besuchte mit späteren Wrestling-Superstars wie "Mr. Perfect" Curt Hennig, Richard Rood (Rick Rude) und Nikita Koloff die High School in Robbinsdale, MN. Eine solche Konzentration von Wrestling-Talenten an einer Schule ist bemerkenswert. Darsow machte 1978 seinen Abschluss, während die anderen bereits im Vorjahr die Schule beendeten.
Seine große Leidenschaft war das Gewichtheben. Nach der Schule wurde er Profi bei der United States Powerlifting Federation (USPF). In Minnesota wurde er nationaler Gewichtheberchampion und hielt zusammen mit Wayne Bloom, dem späteren Beau Beverly, einen Zwei-Mann-Rekord im Kreuzheben.
Da er als Gewichtheber nicht reich werden konnte, arbeitete er zusätzlich als Türsteher in der Bar Grandma B’s in Minneapolis-Saint Paul. Dort waren auch Richard Rood (Rick Rude) und die späteren Road Warriors Hawk & Animal tätig. Der Barkeeper Eddie Sharkey, ein ehemaliger Wrestler, war von den Türstehern so beeindruckt, dass er 1982 in Minneapolis seine eigene Wrestlingschule und Promotion eröffnete. Neben Darsow trainierte Sharkey auch John Nord, Nikita Koloff und Tom Zenk.
Mit einer Körpergröße von 1,88 Metern und einem Gewicht von 132 Kilogramm hatte Barry Darsow ideale Voraussetzungen, um es als Wrestler zu versuchen.
Lesen Sie auch: MMA-Legende Sebastian Baron
Die ersten Erfolge bei Mid-South und Championship Wrestling from Florida
Nach dem Training kontaktierte Barry Darsow Stampede Wrestling in Calgary, Kanada, aber ihm wurde geraten, nach Hawaii zu gehen. Dort feierte er 1982 mit 22 Jahren sein Wrestling-Debüt bei Leah Maivia, der Großmutter von Dwayne "The Rock" Johnson. 1983 ging er nach Neuseeland und trat unter dem Namen Mongol Zar für Steve Rickard an. Hier gewann er die NWA British Empire/Commonwealth Championship (Neuseeland-Version) durch einen Sieg über Promoter Rickard. Bald darauf holte sich Rickard den Titel zurück und wurde zum achten Mal Champion.
Nach einem kurzen Abstecher nach Hawaii begann Barry im Sommer 1983 als Man Mountain Darsow für Georgia Championship Wrestling zu kämpfen. Ende des Jahres wechselte er zu Bill Watt’s Mid-South Wrestling (MCW), wo er zum amerikanischen Verräter wurde, der mit der Sowjetunion sympathisierte. Sein Gimmickname war zunächst Krusher Darsow, wurde aber schnell in Krusher Krushchev umbenannt. Mit dieser Rolle gewann er ein Turnier und wurde erster Mid-South Television Champion. Am 2. Mai 1984 setzte er sich im Finale gegen Terry Taylor durch, der den Titel am 16. Juni im Rückmatch gewann.
Später im Jahr wechselte er kurz nach Dallas zu World Class Championship Wrestling (WCCW) und dann zur National Wrestling Alliance-Mitgliedspromotion Championship Wrestling from Florida (CWF). Dort bildete er mit Jim Neidhart ein Team, das am 2. Oktober 1984 von Hector Guerrero & Cocoa Samoa die NWA Florida United States Tag Team Championship (Florida-Version) gewann. Am 1. Januar 1985 mussten Krushchev & Neidhart die Titel an Mark & Jay Youngblood abgeben.
Barry Darsow wurde mit dem 3. Platz des Rookie of the Year-Awards 1984 vom Magazin Pro Wrestling Illustrated gewürdigt.
Krusher Krushchev, Ivan Koloff und Nikita Koloff: Die Russen kommen
Der Kalte Krieg zwischen den USA und der UdSSR erlebte in den 80er-Jahren unter Präsident Ronald Reagan eine neue Zuspitzung. Das Feinbild des bösen Russen wurde in der US-Kultur wieder populärer, was sich die Wrestlingpromoter zunutze machten. In der WWF verärgerte Nikolai Volkoff die Zuschauer mit der sowjetischen Nationalhymne, während in der NWA ein ganzes Sowjet-Stable gegründet wurde: Die Russians.
Lesen Sie auch: Der überraschende Erfolg von Dave Bautista
Ivan Koloff bildete mit seinem Storyline-Neffen Nikita Koloff ein Tag Team, ehe sich im Dezember 1984 bei Jim Crockett Promotions (JCP) Krusher Krushchev dazugesellte. Damit war eine neue Heel-Gruppierung geboren, die den Amerikanern das Leben schwer machen sollte. Wie Krusher waren auch Ivan und Nikita keine gebürtigen Russen, sondern Kanadier bzw. US-Amerikaner. Ihre Kleidung war wie die sowjetische Flagge Rot mit Hammer und Sichel bestückt und sie trugen Stirnbänder mit der Aufschrift USSR.
Seit dem 4. Dezember 1984 trugen die Koloffs zusammen mit Don Kernodle die NWA World Six-Man Tag Team Championship. Im Januar 1985 turnten Ivan und Nikita gegen Kernodle, der daraufhin durch Krushchev ersetzt wurde. Die drei Russen kämpften daraufhin erfolgreich gegen Kernodle, der mit wechselnden Partnern vergeblich versuchte, die Titel zu gewinnen.
Am 18. März gewannen die Koloffs in Fayetteville, North Carolina, die NWA World Tag Team Titel von Dusty Rhodes & Manny Fernandez. Krusher Krushchev griff ein und machte selbst den Pinfall, so dass alle drei als Champions anerkannt wurden. Jim Crockett übernahm dies von den Fabulous Freebirds, die in der Vergangenheit zu dritt Tag Team Champions waren. Die Promoter führten eine Regel ein, die inoffiziell "Freebird Rule" genannt wurde, die besagt, dass nur jeweils zwei Mitglieder der drei Wrestler den Titel verteidigen mussten. Nach dieser Regel versuchten nun auch die Russians ihre Gürtel zu verteidigen.
Als NWA World Tag Team Champions gegen die Road Warriors und den Rock `n` Roll Express
Als amtierender NWA World Tag Team und World Six-Man Tag Team Champion versuchte Krusher Krushchev auch im Einzel Titel zu gewinnen, scheiterte jedoch im April 1985 an NWA World Television Champion Dusty Rhodes und NWA Mid-Atlantic Heavyweight Champion Buzz Tyler. Im Tag Team mit den Koloffs lief es besser. Ihre schwierigste Aufgabe meisterten die Russen gegen die legendären Road Warriors, die zu diesem Zeitpunkt Tag Team Champions in der American Wrestling Association (AWA) waren.
Am 6. Juli trafen Khrushev & Ivan Koloff beim Great American Bash 1985 auf Hawk & Animal in einem großen NWA World Tag Team & AWA World Tag Team Championtitel Vereinigungskampf. Solche Matches zwischen zwei Promotions gab es bereits in der Vergangenheit mit der World Heavyweight Championship des Öfteren. Um zu verhindern, dass ihre jeweiligen Titel von der Konkurrenz gewonnen werden, enden solche Kämpfe fast immer mit einem Unentschieden. In diesem Fall endete das Match zwischen den Russians und Road Warriors mit einer doppelten Disqualifikation und die Titel blieben bei den jeweiligen Champions.
Lesen Sie auch: Mehr Bewegung durch Kampfsport
Nur zwei Tage nach dem Great American Bash trafen Krushchev & Ivan Koloff am 9. Juli 1985 bei einer House Show in Shelby, North Carolina, auf den noch relativ unbekannten Rock ’n’ Roll Express aus Memphis. Der Express, bestehend aus Ricky Morton und Robert Gibson, feierte bei Jim Crockett Promotions sein Debüt und bekam sofort ein Titelmatch. Den beiden gelang das Unmögliche: Sie konnten sensationell die NWA World Tag Team Titel von den Russians gewinnen. Mit diesem Sieg wurde der Rock ’n’ Roll Express zur Legende. Anschließend bewiesen Morton & Gibson, dass sie kein One Hit Wonder waren.
Im September 1985 setzten sich Krusher & Ivan in einem Non Title Double Chain Match durch. Ein paar Wochen zuvor hatten die drei Russians Auftritte bei der AWA. Krusher & Ivan kassierten eine Niederlage in einem Titelmatch gegen die World Tag Team Champions Road Warriors und alle drei Mitglieder gewannen beim AWA SuperClash ein Six-Man Tag Team Match gegen Baron von Raschke, Dick The Bruiser und The Crusher.
Bei Starrcade am 28. November mussten die Koloffs und damit auch Krushchev endgültig die Tag Team Titel an den Rock ’n’ Roll Express abgeben. Ricky Morton und Robert Gibson gewannen zum Titelgewinn ein Steel Cage Match.
Nach Verletzungspause verhilft Krushchev seinen Genossen Nikita zum NWA US Titelgewinn
Obwohl die Koloffs am 28. November 1985 bei Starrcade den NWA World Tag Team Titelverlust gegen den Rock ’n’ Roll Express hinnehmen mussten, gab es für die Russians trotzdem einen Grund zum feiern. Im Eröffnungsmatch gewann Krusher Krushchev ein Turnierfinale gegen Sam Houston um neuer NWA Mid-Atlantic Heavyweight Champion zu werden. Die Freude hielt nicht lange, denn bereits am 11. Januar 1986 verlor er den Titel bei einer TV-Show auf dem TBS an Houston wieder.
In diesem Match verletzte sich Barry Darsow so schwer am Knie, dass er bis Juni für sechs Monate ausfallen sollte. Übrigens hielt er mit Ivan und Nikita zu diesem Zeitpunkt noch die NWA World Six-Man Tag Team Championship und aufgrund der Verletzung wurde er prompt durch Baron von Raschke ersetzt. Diesen eher unwichtigen Titel verloren die drei im Mai an Dusty Rhodes und die Road Warriors.
Während sich Krushchev noch in der Verletzungspause befand, bekam das größte Talent dieser Gruppierung Nikita Koloff einen Push als Einzelwrestler. Sein Storyline-Onkel Ivan begann damals in Nikita’s Namen Ansprüche auf den Titel abzumelden, der den Namen des verhassten Klassenfeindes trug: Den United States Heavyweight Title. Wenn ein Russe diesen Titel halten würde, so das Kalkül, wäre das die größte denkbare Schmach für Amerika und ein großer Propagandasieg für Mütterchen Russland.
Also forderten die Russians den amtierenden US Champion Magnum TA zu einem Titelmatch. Das NWA-Präsidium setzte eine Best-of-Seven-Serie um dem Titel zwischen Magnum und Koloff an, die zum größten Teil bei den Great American Bash Events 1986 stattfand - der Bash war in dem Jahr als Tour, nicht als einzelne Veranstaltung konzipiert. Diese Matchserie ging über die volle Distanz und hierbei hatte Nikita das bessere Ende für sich, aber nur mit Hilfe seines kürzlich aus der Verletzungspause zurückgekehrten Genossen Krushchev, der den Ringrichter ablenkte und Nikita damit ermöglichte, Magnum mit seiner Russian Chain niederzustrecken. Das Albtraum-Szenario war also wahr geworden: Ein Sowjet hielt den US Title.
Mit Ivan Koloff zum ersten NWA US Tag Team Champion und der Split der Russians
Nikita Koloff war somit amtierender NWA United States Heavyweight Champion und am 28. September 1986 richtete Jim Crockett Promotions ein Turnier um die brandneuen NWA United States Tag Team Titel aus, an dem Krusher Krushchev teilnahmen. Mit Siegen über Nelson Royal & Tim Horner in der 1. Runde, Dusty Rhodes & Magnum TA durch DQ im Halbfinale und den Kansas Jayhawks (Bobby Jaggers & Dutch Mantel) konnten die Russians die Gürtel gewinnen und damit die Schmach für die USA perfekt machen.
Diesmal verhalf Genosse Nikita zum Titel, aber kurz darauf sollte es zum Split des Stables kommen. Im Oktober hatte der Erzrivale der Russen, Magnum TA, einen tragischen und Karriere beendenden Autounfall. Überraschend bestürzt darüber war Nikita, der seinem großen Rivalen um die US Championship großen Respekt zollte. Er turnte zum Babyface, schloss sich mit Magnum’s sehr gutem Freund Dusty Rhodes zusammen und mit ihm fehdete er gegen seine ehemaligen Partner Krushchev und "Onkel" Ivan um die US Tag Team Championship. Die Heels konnten in den nächsten Monaten ihre Titel gegen ihre Erzfeinde Nikita & Rhodes und bei Starrcade 1986 gegen die Kansas Jawhawks in einem ansehnlichen No DQ Match besiegen.
Am 9. Dezember verloren sie die US Tag Team Championship bei der TV-Show NWA Pro Wrestling gegen Ron Garvin und Barry Windham. Unmittelbar danach lief Barry Darsow’s Vertrag aus und er verließ Jim Crockett Promotions.
Für Barry Darsow ist die Rolle des bösen Russen Krusher Krushchev sein Lieblingsgimmick und auch zu seinen beiden Tag Team Partner hat er nur gute Worte parat: "Ivan Koloff war der größte Partner den man nur haben konnte und Nikita war wahrscheinlich der netteste Partner. Ivan brachte mir wie kein anderer das Meiste über Wrestling bei."
Demolition: Mehr als eine billige Road Warriors-Kopie
"Here comes the Ax and here comes the Smasher. The Demolition, walking disaster....pain and destruction is our middle name!" So fängt die spätere Entrance Theme, komponiert von Rick Derringer, von eines der dominantesten Tag Teams in der WWF-Geschichte an: Demolition.
Seit die Road Warriors Animal und Hawk im Jahr 1983 ihr Debüt in der National Wrestling Alliance gaben, wirkten die beiden stilbildend. Nicht nur ihr brutaler Wrestlingstil, auch ihre revolutionären Outfits fanden bei den Fans immensen Anklang. Klar, dass die World Wrestling Federation auf das populäre Team aufmerksam wurde: 1987 wollten sie die Warriors schließlich auch verpflichten. Doch Animal und Hawk...
Die Rolle des Hans Schmidt
Es gab auch andere Wrestler, die deutsche Charaktere verkörperten. "Kurt von Poppenheim" war eigentlich Jake Pappenheim, ein Nachfahre eingewanderter Wolgadeutscher. Diese Figur inspirierte 1955 einen Sohn ungarischer Einwanderer, sich als "Karl Von Hess" zum NS-Sympathisanten zu stilisieren. Der Schweizer Edouard Probst, in Europa als Catcher Rene Lasartesse erfolgreich, gab in den USA "Ludwig von Krupp". Bereits 1939 war der aus Milwaukee stammenden Frank Altinger vom preußisch-stolzen "Hans Schacht" zum Nazi-Verschnitt "Fritz von Schacht" mutiert.
Hans Schmidt spielte eine besondere Rolle, da er die Wunden des Zweiten Weltkriegs auf eine Weise ansprach, die nationale Vorurteile befeuerte. Er war ein Bösewicht, der beim Publikum Anklang fand und sich vor Angeboten kaum retten konnte. Aber warum ausgerechnet als Hans Schmidt?
Es ist ein Allerweltsname. Im Jahr 1951 machte ein Hans Schmidt Schlagzeilen - der letzte von den Amerikanern zum Tode verurteilte Kriegsverbrecher. Trotzdem versuchte seine Heimatstadt Höxter, das Todesurteil in eine Haftstrafe umzuwandeln. Zu Hans Schmidts Beerdigung erschienen mehr als 5000 Menschen. Auch der Wrestler Hans Schmidt zog große Menschenmassen an - wegen seines gespielten schändlichen Charakters.
Anfangs war der junge Kanadier Guy Larose der Gute in diesem Spiel, ein Held, ein "Babyface". Bis sein Haupthaar lichter, sein Schädel schon im Alter von 26 Jahren kahl wurde. Wrestling-Shows waren in den USA das Fernsehereignis. Und da fiel der Kanadier 1951 einem Bostoner Promoter ins Auge. Paul Bowser entdeckte in dem 1,93 Meter großen und 110 Kilogramm schweren Glatzkopf mit dem strengen Gesichtsausdruck das ideale Scheusal - für die Rolle des hässlichen Deutschen.
Guy Larose kam die Verwandlung gelegen. In den USA hatte er erleben müssen, wie man über seinen französischen Namen spottete. Fortan mimte er als Hans Schmidt das personifizierte Böse - und zwar überaus überzeugend. Mehr als einmal fand Larose alias Schmidt sein Auto nach der Show mit platten Reifen oder komplett demoliert. Die Polizei musste ihn eskortieren, weil der wütende Mob mit Hutnadeln auf ihn einstach, Zigaretten an ihm ausdrückte oder Feuerzeuge vor seinem Gesicht entzündete.
Die späten Jahre
Ein weiteres Jahrzehnt später stieg Larose aus dem Geschäft aus. Statt Ringkampf wurde Tauchen seine neue Leidenschaft: "Es ist ein guter Sport, er ist real - nicht wie Wrestling", sagte er. Mit seiner Familie lebte Larose in Kanada, bis er am 26. Mai 2012 starb. Über seine Karriere sprach er nicht mehr so gern, modernes Wrestling schreckte ihn ab. "Ich schaue es ab und zu im Fernsehen, ärgere mich dann und will es nie mehr sehen! Das ist ein Haufen Clowns", sagte er dem Online-Magazin "Slam!
