Karate Kid: Legends – Eine neue Ära beginnt

Im Jahr 1984 schrieb ein Film Geschichte: The Karate Kid. Die bewegende Geschichte eines Teenagers, der sich mithilfe seines weisen Mentors Mr. Miyagi gegen Mobbing und innere Unsicherheiten behauptet, hat Generationen geprägt und weltweit Kultstatus erlangt.

Als im Herbst 2022 ein neuer „Karate Kid“-Kinofilm angekündigt wurde, reagierten viele Fans erstmals skeptisch. Schließlich galt die gefeierte Netflix-Serie „Cobra Kai“ bereits als perfekte Weiterführung des legendären Franchise. Was soll ein weiterer Kinofilm da noch draufsetzen? Zumal die Serienverantwortlichen nicht direkt am Leinwandprojekt beteiligt wurden.

Nun, 15 Jahre nach dem Remake geht die Karate-Saga weiter. Mit Karate Kid: Legends sollen gleich zwei Generationen zusammengebracht werden: Ralph Macchio als Daniel LaRusso, das ursprüngliche Karate Kid aus den 80er-Jahren, und Jackie Chan als Mr. Han, den wir aus dem Remake von 2010 kennen.

Die Handlung: Kung-Fu trifft Karate

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Li Fong (Ben Wang), ein talentierter Kung-Fu-Schüler. Nach einer Familientragödie zieht er mit seiner Mutter von Peking nach New York und verspricht ihr, nicht mehr zu kämpfen. Doch als er mit seiner Mutter nach New York ziehen muss, verspricht er ihr, mit den Wettkämpfen aufzuhören. Sehr zum Leitwesen seines Onkels, dem Kung-Fu Lehrer Mr. Han, bei dem er den Kampfsport erlernt hat.

Am Anfang fühlt er sich in der neuen Stadt verloren, doch er findet schnell Anschluss bei einer Mitschülerin Mia (Sadie Stanley) und deren Vater. Immerhin freundet er sich schnell mit der Nachbarin Mia (Sadie Stanley) an. Er trainiert sogar ein wenig mit ihrem Vater Victor (Joshua Jackson), einem Pizzabäcker und Ex-Boxer mit Geldproblemen.

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Allerdings macht Li Fong auch die Bekanntschaft von Mias Ex-Freund Connor (Aramis Knight) - und der Karate-Champion versohlt ihm bei einer Konfrontation mächtig den Hintern. Um sich und seine neuen Freunde zu verteidigen, muss Li an einem großen Karateturnier teilnehmen - und das gegen den Willen seiner Mutter.

Da taucht Mr. Han auf, der gespürt hat, dass mit seinem einstigen Schüler etwas nicht stimmt. Er ermuntert Li Fong, sich beim größten Martial-Arts-Turnier der Stadt anzumelden, um den Titelverteidiger Connor in seine Schranken zu weisen. Doch um Li Fong zu trainieren, braucht es jemanden, der Karate kann. Zum Glück erinnert sich Mr. Han daran, dass ihm sein alter Freund Mr. Miyagi einst von seinem besten Schüler Daniel LaRusso (Ralph Macchio) erzählt hat…

Zur Seite stehen ihm die zwei erfahrenen Mentoren: Mr. Han (Jackie Chan) und Daniel LaRusso (Ralph Macchio).

Ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern

Und dann sollte neben Original-Star Ralph Macchio auch noch Jackie Chan seine Rolle aus dem zwar finanziell erfolgreichen, aber viel gescholtenen Remake „Karate Kid“ von 2010 wieder aufnehmen. Kein Wunder, dass da erst mal die Alarmglocken schrillten.

Aber nun ist es gerade diese Zusammenführung der beiden Welten, die sich in „Karate Kid: Legends“ als Erfolgsgeschichte erweist: Jackie Chan, hier zum ersten Mal seit dem enttäuschenden Remake wieder in einem großen Hollywood-Film zu sehen, macht einfach unglaublichen Spaß.

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Bei "Karate Kid: Legends" findet beim Cast eine durchaus attraktive Reunion statt. Ralph Macchio, wichtigster Protagonist aus den ersten drei "Karate Kid"-Teilen, feiert im nunmehr sechsten Film sein Comeback. Er trifft dabei auf Megastar Jackie Chan, der schon in der Verfilmung von 2010 als Mr.

Mit dem kommenden Karate Kid-Film wird die Original-Filmreihe mit dem Jackie Chan-Ableger vereint. Während bei Netflix die 6. und letzte Staffel der Spin-off-Serie Cobra Kai läuft, macht Sony mit der Karate Kid-Filmreihe im Kino weiter. Nach vier Teilen mit Pat Morita als Kampfkunst-Sensei Mr. Miyagi und der jüngeren Neuauflage mit Jackie Chan als Mr. Han vereinen Daniel-san (Ralph Macchio) und die chinesische Filmlegende für Karate Kid: Legends nun die Kräfte.

Muss man die vorherigen Filme gesehen haben?

Es gibt gute Nachrichten: Karate Kid: Legends funktioniert auch ohne Vorkenntnisse. Wer neu in die Welt von Karate Kid einsteigt, sollte sich problemlos in der Handlung zurechtfinden. Aber: Nur wer die Geschichte kennt, wird mit den vielen kleinen Referenzen und Anspielungen auf die früheren Filme belohnt - insbesondere in Bezug auf die Philosophie der Mentoren und den Kontrast zwischen Karate und Kung-Fu.

Im Stile eines Legacy-Sequels werden mit der Auftaktszene inklusive „Karate Kid II“-Verweis und einer kurzen animierten Einführung zwar die bisherigen Universen vereint - zugleich wird aber auch schnell klar, dass man keinen der Kino-Vorgänger und schon gar nicht „Cobra Kai“ kennen muss, um hier Spaß zu haben. Es ist ein neuer, für sich alleinstehender Film.

Und selbst wenn die Serien-Fans bestimmt schimpfen werden: Das weitgehende Ignorieren von „Cobra Kai“ ist ebenfalls ein schlauer Schachzug! So wird deutlich, dass „Karate Kid“ im Kino einfach viel größer als eine Netflix-Serie ist (und man sich nicht MCU-mäßig zunächst durch sechs Staffeln kämpfen muss, um alle Anspielungen zu verstehen).

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Ein neuer Star betritt die Bühne

Vergangenes Jahr begann die Suche nach dem neuen Karate Kid, auf dessen Rolle sich in kürzester Zeit 10.000 Schauspieler mit Martial-Arts-Hintergrund bewarben. Durchsetzen konnte sich am Ende der heute 25-jährige Ben Wang (American Born Chinese), der wie Macchio damals deutlich jünger aussieht, als er eigentlich ist.

Wang, der bei seinem Vorsprechen nicht nur durch umfangreiche Sprach- und Kampfkunstkenntnisse, sondern eine tiefe Verbindung zur Rolle überzeugte, wird den Teenager Li Fong spielen, der durch einen (oder vielleicht sogar zwei) Senseis zu Stärke und Orientierung kommt.

Denn in der Disney-Serie bekleidete niemand anderes als Ben Wang die Hauptrolle - und der ist nicht nur der wahre Star von „Karate Kid: Legends“, sondern eine echte Action-Entdeckung: Wang besitzt die nötige Körperbeherrschung, die es für grandiose Choreografien braucht - und hat zugleich das Charisma, um uns zu involvieren und zu fesseln.

Bekannte Geschichte, neu erzählt

Der erzählt auch sicher keine innovative Geschichte: Erneut ist der Held verliebt, aber der Ex-Freund seines Schwarms entpuppt sich als durch und durch böser Schläger, der auch noch von einem sadistischen Ex-Trainer angetrieben wird. Und erneut verläuft die Auflösung in erwartbaren Bahnen.

Was „Karate Kid: Legends“ trotzdem sehenswert macht: Es steckt sichtlich unglaublich viel Herz in dieser Geschichte. Das offenbart sich vor allem in den grundsympathischen Figuren, die sich hier versammeln und denen man konsequent die Daumen drückt. Das gilt gerade auch für einige Nebenfiguren, wie dem von „Dawson's Creek“-Kultstar Joshua Jackson verkörperten Victor. In seinem Kino-Comeback nach einem Jahrzehnt voller Serienrollen hat dieser einen überraschend großen Handlungsstrang als Ex-Boxer, der sich mit der Hilfe von Li Fong wieder fit für den Ring machen will.

Action und Choreografie

Das Beste, was er neben seinem Charisma zu „Karate Kid: Legends“ beisteuert, ist seine Action-Expertise. So war am Film nicht nur er selbst beteiligt, er hat auch gleich noch sein persönliches Stunt-Team mitgebracht. Stunt-Koordinator und Second-Unit-Regisseur Peng Zhang ist zudem ein ehemaliges Double von Chan (bei „Rush Hour 3“) - und seit gut zwei Jahrzehnten in Hollywood tätig.

Das Highlight ist dabei ein Hinterhof-Kampf, in dem der gerade frisch in den Big Apple gezogene Li Fong die Schläger eines Kredithais vermöbelt, als diese seinem Nachbarn Victor ans Leder wollen. Die Sequenz steckt voller Ideen und Einfälle, die dem Kampf durchgehend WOW-Momente verleihen.

Allerdings gehört zur Wahrheit auch dazu, dass man gleich an mehreren Stellen das Gefühl hat, dass die Szene noch besser hätte sein können: Mehrfach hätte man gerne länger am Stück die durchgängige Choreografie und Wangs Kampffähigkeiten gesehen!

Fazit

Mit Ben Wang betritt ein möglicher neuer Martial-Arts-Star die Kinobühne. Unterstützt von Jackie Chan (in seinem Hollywood-Comeback) begeistert das neue Karate Kid - und das nicht nur in den stark choreografierten, aber nicht immer ganz perfekt geschnittenen Actionszenen.

„Karate Kid: Legends“ ist der 5. Film des Franchise und knüpft direkt an die Netflix-Serie „Cobra Kai“ (6 Staffeln, 2018-2025) an, in der die Geschichte der beiden Kontrahenten des ersten Films, Daniel „Karate Kid“ LaRossa und Johnny Lawrence, nach mehr als 30 Jahren wieder aufgenommen und weitererzählt wird.

Der fertige Film startet am 29. Mai 2025 in den deutschen Kinos.

Besetzung:

  • Ben Wang (Li Fong)
  • Jackie Chan (Mr. Han)
  • Ralph Macchio (Daniel LaRusso)
  • Sadie Stanley (Mia)
  • Joshua Jackson (Victor)