Bares für Rares: Das Reliquienkreuz für 42.000 Euro – Ein Rekordverkauf und seine Kontroversen

In der beliebten ZDF-Sendung "Bares für Rares" kommt es immer wieder zu außergewöhnlichen Momenten. Einer der denkwürdigsten ereignete sich am 22. Mai 2019, als Mutter Cosima Birk und Tochter Stephanie Huber ein ganz besonderes Schmuckstück präsentierten: Ein Reliquienkreuz, besetzt mit 40 Karat Diamanten.

Das wertvolle Reliquienkreuz

Bei dem XXL-Klunker handelt es sich um einen gigantischen Kreuzanhänger, der mit unfassbaren 40 Karat Diamanten besetzt ist. Außerdem ist der glitzernde Hingucker auch noch steinalt: Die Expertin schätzt ein, dass es um das Jahr 1700 gefertigt wurde. Doch der eigentliche Hammer steckt im Inneren: Hinter einem Fenster als Kristall verbirgt sich ein unfassbares Heiligtum: Kleine Holzsplitter aus dem Kreuz Jesu Christi. Die Echtheit wird durch ein päpstliches Siegel bescheinigt.

Die Expertin Heide Rezepa-Zabel erläuterte, es handele sich um eine Pektorale, also um ein Brustkreuz geistlicher Würdenträger aus der Zeit um das Jahr 1700. In der Mitte des Kreuzes ist ein Bergkristall, durch den man die Holzsplitter sehen kann. An der Rückseite des Kreuzes kann man es öffnen, hinter der Klappe verbirgt sich ein päpstliches Siegel.

Die Expertin erklärte, bei den Holzsplittern handele es sich, zumindest gemäß dem Siegel, um „Holzstücke aus dem wahren Kreuz Jesu Christi“. „Das ist toll“, fügte sie hinzu.

Cosima Birk berichtete in der Show, ihre Tante habe eine alte Dame immer sonntags in die Kirche begleitet und aus Dankbarkeit den Anhänger vererbt bekommen, der Experten zufolge aus der Zeit um 1700 stammt.

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Expertenschätzung und Händlerraum

Schon in der Sendung bezifferte Expertin Rezepa-Zabel den Wert des religiösen Kreuzes auf 60.000 bis 80.000 Euro. Allein die Diamanten sollen einen Materialwert von 15.000 Euro haben.

Im Händlerraum war die Begeisterung zunächst groß. Schmuckhändlerin Susanne wirkte plötzlich ganz kleinlaut. "Ich kann dazu gar nichts mehr sagen. Irre", gibt sie zu. Die Händler:innen beginnen mit den Geboten und wenig verwunderlich schnellen die Preise in die Höhe.

Als 30.000 Euro erreicht sind, werden die Händler:innen aber immer zögerlicher. Letztlich werden dann doch die 40.000 Euro geknackt: Händlerin Susanne macht ein finales Angebot - Ihr letztes, wie sie betont: "42.000 Euro."

Der Verkauf und die Kritik

Mutter Cosima Birk und Tochter Stephanie Huber nahmen das Angebot von 42.000 Euro an. Dieser Bares für Rares-Deal sorgt noch immer für reichlich Stirnrunzeln.

Die Kritik vieler Fans: Dieser Verkauf hätte so nie passieren dürfen. Die Verkäuferin sei viel zu billig abgespeist worden - viele fanden sogar, dass der ursprüngliche Schätzpreis zu niedrig läge. Aber auch gegen die Produktion wird geschossen: Viele kritisierten, dass ein solcher Schatz in die Obhut eines Luxus-Auktionshauses hätte kommen müssen - um dort einen angemessenen Preis für die einstigen Besitzerinnen zu erzielen.

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Bei Youtube ist dieser Fall verfügbar - und darunter reden sich die Fans ihren Frust von der Seele. "Bin immer noch fassungslos. So ein unglaubliches Stück Geschichte zu verramschen, unmöglich", schreibt eine wütende Userin. Sie fände, dass das Stück lieber in ein Museum gehöre.

Ein Händler aus Trier bestätigte der „Bild“-Zeitung, dass Mutter und Tochter bei einem anderen Händler „mehr bekommen“ hätten. „Das Kreuz hätte in ein Auktionshaus gehört. Mit passender Vermarktung und einem guten Auktionator wären 100.000 Euro drin gewesen. Mindestens! So etwas taucht auf dem Markt so gut wie nie auf. Ich habe ein Objekt wie dieses noch nie gesehen. Und das in 20 Jahren Antiquitätenhandel“, kritisierte er.

Juristische Aspekte

Herangezogen wurde dazu § 138 (2) BGB, darin wird ein Rechtsgeschäft für nichtig erklärt, „durch das jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des Mangels an Urteilsvermögen […] eines anderen sich oder einen Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zur Leistung stehen“.

Genau auf diese Unerfahrenheit berufen sich verschiedene Jurist*innen, schließlich seien Frau Huber und ihre Mutter nicht ausreichend mit der Materie vertraut gewesen. Dennoch wurde ihnen bereits in der Expertise von Frau Rezepa-Zabel eine weitaus höhere Summe in Aussicht gestellt.

Unabhängige Gutachter*innen und Expert*innen schätzen den Wert der Reliquie sogar noch höher, das Artefakt hätte womöglich für über 100.000 Euro verkauft werden können.

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Nichtsdestotrotz wurde das Geschäft nicht noch ein Mal aufgerollt, von Seiten der Familie Huber gab es keinen Versuch, das Kreuz zurückzuverlangen und es anderweitig für einen höheren Preis zum Verkauf zu bringen.

Was geschah nach dem Verkauf?

Susanne Steiger dürfte dagegen das Geschäft ihres Lebens gemacht haben. „Das ist die Nadel im Heuhaufen. Und die habe ich heute Abend hier gefunden“, hatte die 36-Jährige in der Sendung gesagt.

Händlerin Susanne Steiger war nach dem Kauf überaus glücklich und hatte kaum noch Worte für ihre Freude. So ein Artefakt bekommt man schließlich nicht alle Tage zu sehen, geschweige denn zu erwerben.

Nach dem Erwerb des wertvollen Reliquienkreuzes will die Käuferin es als Leihgabe einem Museum zur Verfügung stellen. „Es haben sich schon so viele Menschen bei mir gemeldet, die das Kreuz gerne ansehen wollten, dass ich es der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte“, sagte Steiger aus Bornheim bei Köln am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

An einen Sammler oder eine Sammlerin weiter verkaufen möchte Steiger allerdings erstmal nicht. Sie plant, die Reliquie als Leihgabe einem Museum zu überreichen, um es in angemessenem Kontext der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Erst vor ein paar Tagen postete sie auf Instagram ein Foto, das sie mit dem besonderen Schmuckstück in der Hand zeigt. „Die Geschichte des Reliquienkreuzes ist noch nicht zu Ende erzählt …“, schreibt sie dazu. „Ich forsche gerade zur Provenienz und versuche die Herkunft des Kreuzes zu lüften.“

Unter dem Begriff Provenienz fassen Antik- und Kunst-Experten die Geschichte eines Objektes zusammen - wo kommt es her, wer hatte es wann in seinem Besitz? Die Provenienz eines Werkes ist auch wichtig, um die Echtheit eines Objektes zu bewerten und zu belegen.

„Meine Faszination und Liebe zu diesem Stück ist ungebrochen und ich freue mich auf den Tag, an dem ich meine Arbeit mit euch teilen kann“, stellt Steiger schon jetzt klar. „Hoffentlich wird das Kreuz final dort ausgestellt, wohin es historisch gehört.“