Die Welt des Karate ist vielschichtig. Sie reicht von persönlichen Fehden zwischen Kampfsportlern bis hin zu der disziplinierten Welt der Wettkämpfe und der tiefen Ehrfurcht vor der Tradition, die in Okinawa, dem Ursprungsort dieser Kampfkunst, gepflegt wird.
Rivalitäten und ihre Folgen
Die Fehde zweier Basler Thaiboxer, Shemsi Beqiri und Paulo Balicha, verdeutlicht die Schattenseiten des Kampfsports. Ihre innige Feindschaft führte zu Handgreiflichkeiten und gipfelte in einem Überfall Balichas auf Beqiris Dojo. Balicha wurde dafür zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die Beqiri als Witz bezeichnete.
Die Rivalität zwischen Beqiri und Balicha entstand auch, weil Beqiri begann, Balicha den Rang abzulaufen. Er gewann mehr Weltmeistertitel, hatte mehr Medienpräsenz und verdiente mehr Geld. Beide liebten den grossen Auftritt, schnelle Autos und teure Uhren. Beide haben ihren Clan, ihre Fans, und beide hatten den Ehrgeiz, dass ihre Kampfsportschule die erste auf dem Platz Basel ist.
Der Überfall auf Beqiris Dojo hatte weitreichende Konsequenzen. Einige der jugendlichen Zeugen leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Beqiri wurde beim Angriff so gravierend verletzt, dass er nicht bei den Titelkämpfen antreten konnte, die in den Tagen nach dem Überfall anstanden. Auch wirtschaftlich hatte das ganze Folgen: Zahlreiche Schüler mieden nach der Auseinandersetzung Beqiris Kampfsportschule aus Angst.
Karate als Kampfkunst und Lebensweg
Karate bedeutet «Kämpfen mit leeren Händen». Pietro Angiolillo, ein erfolgreicher Karateka, betont die Bedeutung der mentalen Ebene im Karate. Er sagt, Karate bedeute «Kämpfen mit leeren Händen», man werde auf sich selber zurückgeworfen. Und man lerne dabei, Geist und Körper unter Kontrolle zu haben.
Lesen Sie auch: Alles über Karate Ränge
Angiolillo begann mit Karate, um sein Selbstbewusstsein zu stärken. Seit 27 Jahren trainiert Angiolillo Karate. Im Jahr 2000 begann er, die Kampfsportart in Ostermundigen zu unterrichten. Seine beiden Söhne, Valerio (16) und Alessio (13), sind ebenfalls begeisterte Karatesportler. Heute sagt Angiolillo, Karate habe ihn nicht nur körperlich stark gemacht, sondern ihm auch geholfen, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln.
Okinawa: Die Quelle des Karate
Vito Avantario reiste nach Okinawa, um von der Quelle des Karate zu trinken. Er lernte, dass der Feind nicht die Welt ist, sondern das eigene Ego. Okinawa gilt als das «Hawaii Nippons» und ist reich an Traditionen und Kampfkunst.
In Naha gibt es unzählige Dojos, in denen Karate gelehrt wird. Für Kampfkünstler ist Okinawa ein Sehnsuchtsort, trotz der Schmerzen, die das Training mit sich bringt. Über den Schmerz gibt es in Okinawa ein Sprichwort: «Der Schmerz bringt den Mann auf Gedanken. Der Gedanke macht den Mann weise. Die Weisheit macht das Leben erträglich.»
Meister Tetsuhiro Hokama lehrt Goju-ryu-Karate und Kobudo. Er betrachtet Karate als Hochkultur und Okinawa als das heilige Land der Karateka. Sein Dojo ist eine Mischung aus Trainingshalle und Museum, in dem Körper- und Asienkunde vermittelt werden.
Meister Meitatsu Yagi betont, dass Karate kein Sport ist, sondern die Beschäftigung mit den letzten Dingen. Das höchste Ziel von Karate-do ist, inneren Frieden zu finden. Da dies jedoch nicht für immer erreichbar ist, bleibt Karate ein ewiger Weg.
Lesen Sie auch: Taekwondo Gürtelgrade erklärt
Schweizer Karateka auf Erfolgskurs
Elena Quirici wurde durch ihren fünften Rang bei den Olympischen Spielen in Tokio bekannt. Sie gründete ihre eigene Karateschule, um Kindern Respekt und Disziplin beizubringen. Sie will den Kids Respekt vor sich selbst und dem Gegner beibringen - und dass man Dinge nicht halbpatzig, sondern ganz angeht», erläutert Quirici, «und sie hoffentlich langfristig für Karate begeistern.
Nina Radjenovic beendete ihre Karate-Juniorenzeit auf Platz 1 des internationalen U-21-Rankings. Sie konzentriert sich nun darauf, auch bei der Elite an die Weltspitze vorzustossen. Seit März führt sie das internationale U-21-Ranking der Kategorie Kumite in der Gewichtsklasse bis 61 kg an. Beim Kumite treten zwei Karateka gegeneinander an, die sich bei ihren Schlägen berühren, aber nicht verletzen dürfen.
Dominique Horath glänzte als Mitorganisatorin und Kämpferin bei den Schweizer Meisterschaften. Sie gewann mehrere Medaillen und zeigte ihr Können in Kumite und Kata. Die 28-jährige Dojo-Leiterin des Gastgeber-Clubs ging unglaublich fokussiert ins erste Duell der Damen Elite ab 18 Jahren und überraschte ihre Gegnerin sofort mit ihren blitzschnellen und platzierten Bewegungen.
Lesen Sie auch: Das Judo Gürtelrangsystem erklärt
