Karat: Die Bedeutung von "Wenn ein Schwan singt"

Das Lied "Schwanenkönig" von Karat poetisiert den Abschied und die Vergänglichkeit des Lebens durch die Figur des Schwanenkönigs. Was für eine poetische Metapher, mit dem einst die DDR-Rockgruppe Karat den Mythos des Todes zu beschreiben suchte!

Der Schwan ist ein Symbol für Schönheit und Anmut, und sein weißes Gefieder steht für Reinheit und Unschuld. Zu Beginn des Liedes neigt der Schwanenkönig seinen Hals über das Wasser und spiegelt sein Bild im klaren Wasser. Der Schwan neigte den biegsamen Hals aufs Wasser und spiegelte sich lange. Da begriff er die Ursache seiner Müdigkeit und dieser Kälte, die seinen Körper wie mit Zangen griff und zittern machte wie im Winter: Mit absoluter Gewissheit wusste er, dass seine Stunde geschlagen hatte und dass er zum Sterben bereit sein musste.

Seine Federn waren noch weiß wie am ersten Tag seines Lebens. Er hatte Jahre und Jahreszeiten durchmessen, ohne sein unbeflecktes Kleid zu beschmutzen. Jetzt konnte er Abschied nehmen und sein Leben in Schönheit beschließen. Den schönen Hals hebend, steuerte er langsam, fast feierlich unter eine Trauerweide, wo er an heißen Tagen zu ruhen pflegte. Es war schon Abend. Der Sonnenuntergang verfärbte das Seewasser purpurn und violett. Und in dem großen Schweigen, das sich auf alles niedersenkte, begann der Schwan zu singen.

Niemals zuvor hatte er Töne so voller Liebe für alle Natur, für die Schönheit des Himmels, des Wassers und der Erde gefunden. Wenn der Schwan singt, hören die Tiere zu, was die Bedeutung und den Respekt des Moments unterstreicht.

„Wenn ein Schwan singt, schweigen die Tiere Er weiß, das wird sein Abschied sein Und sie raunen sich leise zu: Es ist ein Schwanenkönig, der in Liebe stirbt.“

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Der Gesang des Schwans ist ein Ausdruck seiner Liebe zur Erde und seiner eigenen Sterblichkeit. Mit der Zeit verflüchtigt sich sein Gesang immer mehr, während die Abendsonne untergeht und die Trauerweide still ihre Blätter senkt. Diese Bilder verstärken die Traurigkeit und die Vergänglichkeit des Lebens, während der Schwanenkönig sanft in den Tod entschwindet. Die Tiere neigen sich und zeigen damit ihren Respekt und ihre Trauer.

Die gelungensten Lieder auf dem Album sind in meinen Ohren „Magisches Licht“, „Das Narrenschiff“, „Tiefsee“ und „Le Doyen II“. Der „Schwanenkönig“ an sich ist mir einen Tick zu dick aufgetragen.

Auch hier geht die Wurzel wie beim „Narrenschiff“ wieder weit in die Vergangenheit zurück, denn Karat greifen eine Fabel von Leonardo da Vinci auf. Die meisten Menschen kennen Leonardo da Vinci als Maler, Erfinder und Forscher, aber er hat auch Fabeln geschrieben.

Teilweise haben es die Texter Norbert Kaiser und Herbert Dreilich auch gnadenlos übertrieben mit Kitsch und blumigen Worten. Aber dieses Album ergibt irgendwie die passende Mischung aus Text und Musik, und auch die Zusammenstellung der Lieder ist irgendwie passend. Der „Schwanenkönig“ an sich ist mir einen Tick zu dick aufgetragen.

Der Karat-Klassiker von 1980 bedient sich einer Metapher aus der Mythologie: Schwanengesang als poetische Auseinandersetzung mit dem Tod. Als „Schwanengesang“ wird indes gern das letzte Werk eines Musikers oder Dichters bezeichnet. Musikalisch berühmt ist jene Sammlung von letzten Liedern Franz Schuberts, die dessen Verleger nach des Komponisten Tod unter dem Titel „Schwanengesang“ zusammengestellt hatte.

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Herbert Dreilich - Die Stimme von Karat

„Wenn ein Schwan singt, lauschen die Tiere“, sang Herbert Dreilich in „Schwanenkönig“. In gewisser Weise enthält der Song aber auch ein Stück Selbstbeschreibung. Denn mit dem eigenen Gesang, der manchmal rau, oft melancholisch und immer ausdrucksstark daherkam, gilt Dreilich vielen bis heute als die Stimme der DDR-Kultband.

Wenn sich diese Stimme erhob, hingen die Menschen an Herbert Dreilichs Lippen. Wohl auch deshalb zog er die Massen, die zu den Karat-Shows in Ost- wie Westdeutschland strömten, spielend in seinen Bann. Zwischen Sänger und Publikum entstand ein enges Band. Ihm selbst dürfte das zum Vorteil gereicht haben. Immerhin sagte er einmal, dass er auf seinen Konzerten stets die Augen suche.

Vollends fassbar wird die Persönlichkeit eines Künstlers aber erst, wenn man ihn abseits der Bühne betrachtet. Dort begegnete einem der Sänger von Karat, immerhin eine der namhaftesten Bands der DDR und eine der wenigen, die auch nach der Wende noch Erfolge feierte, oft zurückhaltend, fast schüchtern. Er war zwar Frontman, aber stets im Sinne eines primus inter pares - eines Ersten unter Gleichen.

Dort, in der beschaulich zwischen Salzburg, Innsbruck und Graz gelegenen Gemeinde, zeigte der Junge früh musikalisches Talent. Gemeinsam mit der Mutter sang er zweistimmig Kinderlieder. Später war er Teil von Schul- und Kirchenchören. Mit neun war Herbert gut genug, um die Salzburger Domspatzen auf sich aufmerksam zu machen. Als Herbert Dreilich am 5. Dezember 1942 geboren wurde, war diese Rolle kaum absehbar. Nicht nur, weil er im österreichischen Mauterndorf zur Welt kam.

Er absolvierte eine Lehre als Gebrauchswerber und arbeitete anschließend als Schaufenstergestalter. Doch die Musik ließ ihn nie los. Statt einer musikalischen Karriere hieß es für den bald 18-jährigen Herbert also: Ausbildung. „Ich sollte etwas Ordentliches lernen“, erinnerte sich Herbert Dreilich später an die Worte seines Vaters.

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Fast heimlich brachte er sich Gitarre spielen bei, tüftelte auf dem heimischen Dachboden an Akkorden und Melodien. Herbert Dreilich selbst hatten es vor allem Songs der Beatles, Rolling Stones und The Who angetan. Immerhin hatte vor seiner Übersiedlung in die DDR noch einige Zeit bei einer Tante in England gelebt. „Als wir angefangen haben mit Musik, hat jeder von uns erstmal nachgespielt“, erinnerte er sich später.

In der Berliner Szene machte sich Dreilich schnell einen Namen. Auch dort spielte er in diversen Bands, darunter der Frühbesetzung der Puhdys. Auch kam er Ende der Sechziger zu den Alexanders, die mit einem Mix aus Rock und Jazz Aufsehen erregten. Dort lernte Dreilich auch Ed Swillms kennen. Die Begegnung mit dem klassisch ausgebildeten Musiker und talentierten Komponisten sollte sich als schicksalshaft erweisen.

Doch Ed Swillms bestand darauf: nicht ohne Herbert Dreilich. Als Neumann nach zwei Jahren schließlich ausstieg, rückte der damals 34-Jährige, der bis dahin Gitarre spielte und die Background-Stimme lieferte, ans erste Mikrofon von Karat. Der Rest ist Geschichte. Zum Jahreswechsel 1975 formten sie aus dem, was zuvor die Gruppe Panta Rhei war, eine neue Band: Karat. Zu Beginn sang nicht Herbert Dreilich bei KaratBeim ersten Konzert am 22. Februar 1975 in Heidenau bei Dresden hatte Karat mit Hans-Joachim „Neumi“ Neumann zwar bereits einen Sänger.

Mit Dreilich als Sänger stieg Karat zur kommerziell zweiterfolgreichsten Band der DDR hinter den Puhdys auf. Zwei Jahre später bekam Karat durch Erich Honecker der Nationalpreis für Kunst und Kultur verliehen. Mit Songs wie „Über sieben Brücken mußt du gehn“ und Alben wie „Der blaue Planet“ feierte die Gruppe auf beiden Seiten der Mauer Erfolge. 1982 war sie die erste DDR-Band, die einen Auftritt bei „Wetten, dass..?“ hatte.

Dennoch fand das letzte Konzert mit ihm als Sänger nur wenige Jahre später, am 23. August 2003, in Neustadt (Orla) statt. Kurz darauf wurde bei dem 60-Jährigen ein Magengeschwür und schließlich Leberkrebs diagnostiziert. Am 12. Dezember 2004 erlag Herbert Dreilich seiner Krankheit. Dreilich allerdings hatte ab Mitte der Neunziger bereits mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Bei einem Konzert 1997 in Magdeburg erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich aber wieder erholte.

Dass sein Sohn Claudius heute bei Karat am Mikrofon steht, dürfte Herbert Dreilich wohl gefallen. Dem Ersten unter Gleichen ging es schließlich stets um die Musik, nicht um die eigene Person.

Weitere Erfolge und Bedeutung

Ursprünglich hat die Gruppe den Song für den gleichnamigen Fernsehfilm geschrieben, doch schnell wurde das Lied zum eigenständigen Hit. Die Ost-Berliner Rockband Karat, die auch schon vor der Wende in der BRD bekannt war, wurde spätestens nach ihrem Nummer 1-Hit „Über sieben Brücken mußt du geh‘n“ eine im Westen fest etablierte Rockband.

Die Lyrics des deutschen Songs stammen aus einer polnischen Fabel. Der Songtext können viele mitsingen, die wenigsten wissen aber, wie Karat auf den Text gekommen sind. Das Lied dreht sich um die Liebesbeziehung eines polnischen Mannes und einer deutschen Frau. Die Sehnsucht und das Gefühl von Freiheit spielen auch eine wichtige Rolle.

Er coverte das Lied und machte es im Westen erst richtig berühmt. "Wir haben uns in einem verräucherten Club kennengelernt. Und das war ja keine alltägliche Geschichte - eine ostdeutsche Band und ein westdeutscher Sänger", erinnert sich der deutsche Sänger Peter Maffay im MDR-Gespräch. Das Kulturministerium der DDR verbot Karat, ihren Song im Westen zu spielen.

Ja DER Leonardo da Vinci, der war nämlich nicht nur einer der größten Maler und Erfinder der Renaissance, er hat auch Fabeln geschrieben. Superpoetischer Text und zu dem haben sich Karat von keinem Geringeren als Leonardo da Vinci inspirieren lassen. Mit Klavierbegleitung und Streichern und teilweise mehrstimmig gesungen, geht diese Ballade total unter die Haut.

Es ist 2018 erschienen und Karat haben es geschafft sich darauf einen neuen, moderneren Sound zuzulegen und trotzdem dieselben zu bleiben. Genau wie der Song heißt auch Karats aktuellstes Album Labyrinth. Anstatt Prog-Rock ist die deutsche Musik von Karat bei dem gleichnamigen Album eher zwischen Pop und Schlager. 9 deutsche Songs beinhaltete das Album.

Der Schwanenkönig, der im Mittelpunkt des Geschehens steht, symbolisiert Reinheit und Anmut, während er sich seiner letzten Stunden bewusst wird. Das Lied Wenn ein Schwan stirbt von Karat, geschrieben von Norbert Kaiser und komponiert von Ulrich Swillms, ist eine poetische Reflexion über das Leben, den Tod und die Schönheit von Erinnerungen.

Die Trauerweide, die über den Schwan hängt, wird zum Symbol für Traurigkeit und den Zyklus des Lebens. Ihre senkenden Blätter wirken wie Lanzen, die das noch lebendige Lied des Schwans immer leiser werden lassen. Dieses Bild vereint Trauer und Würde und lässt den Hörer über den Wert des Lebens und die Kostbarkeit der Erinnerungen nachdenken.

Am Ende des Liedes verschmilzt der Gesang des Schwans mit dem Licht, das im Dunkel verschwindet - eine eindrucksvolle Darstellung von Lebensende und dem unvergänglichen Einfluss der Schönheit, selbst in der Traurigkeit.