Judo Wertungen, Regeln und Olympische Geschichte

Judo ist ein Selbstverteidigungs-Sport aus Japan. Der moderne Kampfsport wurde von dem Japaner Dr. Jigaro Kano, langjähriges IOC-Mitglied, Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Jiu-Jitsu entwickelt und erfreute sich bald auch in Europa großer Beliebtheit.

Ziel des Wettkampfes

Ziel ist es, den Wettkampf durch bewertete Griff- und Wurftechniken zu gewinnen. Ziel des Wettkampfes ist es, den Gegner innerhalb der Kampfzone (9 x 9 m) auf den Rücken zu werfen.

Wertungen im Judo

Je nachdem wie erfolgreich ein Wurf war, bekommt der Judokämpfer eine Wertung:

  • Ippon: Höchste Punktzahl, der Kampf ist sofort gewonnen.
  • Wazari: Ein halbes Ippon, bei zwei Wazari ist der Kampf auch gewonnen.
  • Yuko und Koka: Mit diesen kleinen Wertungen - Yuko ist höher als Koka - kann man nicht vorzeitig gewinnen.

Erzielt keiner der Kämpfer vor Ablauf der Kampfzeit ein Ippon, gewinnt der Kämpfer, der die höchste Wertung gesammelt hat, ohne Rücksicht darauf, wieviele Wertungen insgesamt vorhanden sind. Beendet ist der Kampf auch durch Aufgabe, durch einen Festhaltegriff (25 Sekunden) oder wenn der Erfolg einer Würgetechnik oder eines Armhebels für den Kampfrichter klar ersichtlich ist. Die Wertung wird offen angezeigt.

Aktuelle Wertungen im Judo

Seit der Überarbeitung des Wertungssystems gibt es folgende Wertungen:

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  • Ippon: Ein ganzer Punkt, bedeutet den sofortigen Sieg. Die Wertung wird vergeben, wenn der Gegner kontrolliert auf den Rücken geworfen wird.
  • Waza-ari: Steht für 70 Prozent von einem Punkt. Er wird beispielsweise vergeben, wenn der Rücken des Gegners nach einem Wurf nur teilweise die Matte berührt oder der Kontrahent mindestens 10 Sekunden gehalten wird. Gelingt ein zweiter Waza-ari, ergeben beide einen Ippon.

Regeln und Kampfablauf

Die Kampfdauer beträgt maximal vier Minuten. Die "Kampfsprache" ist Japanisch.

Weitere Regeln

  • Golden Score: Im Falle, dass in der regulären Kampfzeit keine Wertung erteilt wurde oder die Zahl der Wertungen gleich ist, wird der Kampf in Golden Score fortgesetzt. Alle Wertungen und Strafen verbleiben auf dem Scoreboard. Die Entscheidung im Golden Score resultiert aus dem Unterschied von Wertungen oder Strafen (Shido).
  • Shido: Es gibt zukünftig nur noch drei Shido (anstatt vier). Das dritte Shido bedeutet Hansoku-Make.

Gewichtsklassen

Die Frauen kämpfen in folgenden Gewichtsklassen:

  • Superleicht (48 kg)
  • Halbleicht (52 kg)
  • Leicht (57 kg)
  • Halbmittel (63 kg)
  • Mittel (70 kg)
  • Halbschwer (78 kg)
  • Schwer (+78 kg)

Maximal 400 Sportler (Frauen und Männer zusammengerechnet) dürfen an den Start gehen, in den 14 Gewichtsklassen (Frauen und Männer) je ein/e Teilnehmer/in pro NOK/Land. Sie qualifizierten sich über die Weltmeisterschaften und über Ranglisten, die mit Hilfe bedeutender vor-olympischer Turniere und Kontinental-Meisterschaften ermittelt werden.

Olympische Geschichte des Judo

Erstmals in Tokio 1964 olympische Sportart (nur für Männer), bei der Premiere mit den Gewichtsklassen 65 kg, 78 kg, 95 kg (Schwergewicht) und der Offenen Klasse. In Mexico City 1968 fehlte Judo und war dann ab München 1972 wieder dabei. In München wurden die Leichtgewichtsklasse (71 kg) und das Halbschwergewicht (95 kg) eingeführt, in Moskau 1980 die 60 kg-Klasse und das Mittelgewicht (86 kg). Die Offene Klasse fiel nach Los Angeles 1984 aus dem Programm, so dass es heute noch sieben Gewichtsklassen gibt. Die Frauen kämpfen seit Barcelona 1992 in ebenfalls sieben Gewichtsklassen um Medaillen.

Bei der Premiere in Tokio gelang dem Holländer Anton Geesink die Überraschung, als er Gold in der Offenen Klasse gewann. Sein Landsmann Willem Ruska holte sich in München 1972 Gold sowohl im Schwergewicht wie in der Offenen Klasse. Der Österreicher Peter Seisenbacher wurde Olympiasieger im Mittelgewicht 1984, womit ihm der erste Sieg eines Österreichers in einem bedeutenden Judo-Turnier gelang, und wiederholte den Erfolg 1988. Deutsche Judoka erzielten Erfolge durch Frank Wienicke, der 1984 siegte und 1988 Zweiter wurde, jeweils im Halbmittelgewicht. Lutz Dietmar (DDR) gewann bei den "Boykottspielen" von Moskau 1980 Gold in der Offenen Klasse. 1996 holte der Deutsche Udo Quellmalz in Atlanta olympisches Gold bis 73 kg. Acht Jahre später in Athen gewann erstmals eine deutsche Frau Gold im Judo: Yvonne Bönisch siegte in der Klasse bis 57 kg (Leichtgewicht).

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Seit Tokio 2021 gehört im Judo ein Mixed-Wettbewerb zum Olympia-Programm. Bei der Premiere in Tokio musste Olympia-Gastgeber Japan eine Schmach erdulden. Ausgerechnet im berühmten Kampfkunst-Tempel Nippon Budōkan entrissen die Franzosen mit ihrem Star Teddy Riner den Erfindern des Judo die Goldmedaille. Deutschland gewann Bronze.

Der Teamwettbewerb findet am Tag nach Abschluss der Einzel-Wettbewerbe statt, für die pro Land und Gewichtsklasse jeweils nur ein Athlet startberechtigt ist. Für das Mixed werden 16 Teams zugelassen. Dabei treten Männer und Frauen abwechselnd in insgesamt sechs Gewichtsklassen gegeneinander an. Es werden nicht zwangsläufig die jeweils schwersten Judoka auf die Matte geschickt. Jeder gewonnene Kampf bringt einen Punkt. Ziel ist es, so schnell wie möglich vier Punkte einzusammeln, damit ist die Runde gewonnen.

Bei Olympia geht es nach einer Vorrunde mit Achtelfinale und Viertelfinale weiter. Neben den Halbfinals gibt es auch eine Hoffnungsrunde, deren Sieger gegen die beiden Halbfinal-Verlierer die Kämpfe um Bronze bestreiten. Endet ein Mixed nach den sechs vorgesehenen Kämpfen 3:3 unentschieden, wird ein Entscheidungskampf durchgeführt. Welche Gewichtsklasse noch einmal ran muss, wird jeweils per Los ermittelt. Genau wie im Einzel wird im Mixed jeweils maximal vier Minuten gekämpft. Ist bis dahin keine Entscheidung gefallen, geht es in den sogenannten Golden Score, in dem die nächste Wertung den Sieg bringt.

Deutsche Erfolge bei Olympia

Die deutschen Judoka konnten bisher 40 Medaillen bei Olympischen Spielen gewinnen. Darunter fünf Olympiasiege, 10 Silber- und 25 Bronzemedaillen.

Anpassung der Kampfregeln für den Olympia-Zyklus

Nach den Olympischen Spielen ist gleich vor den Olympischen Spielen. In Auswertung des vergangenen Olympiazyklus gab die IJF neue Regeln für den Olympiazyklus bis 2028 bekannt. Am Dienstag, den 7. Januar 2025, wurden die neuen Regeln nach IJF am Bundesstützpunkt (BSP) Berlin vorgestellt.

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Grundtenor der Regeländerungen ist, man möchte „Mehr Wertung, weniger Strafen!“.

Nach ca. Bis zu den Weltmeisterschaften im Juni werden diese Regeln getestet.

Die neuen Regeln gelten weltweit ab 1. Januar 2025. Der Paris Grand Slam im Februar ist das erste Event der IJF World Tour 2025, bei dem die Topathleten erstmalig unter den neuen Regeln kämpfen. Bis zu den Weltmeisterschaften 2025 in Budapest wird intensiv beobachtet, wie Judoka die Änderungen aufnehmen und umsetzen. Nach den Weltmeisterschaften wird die Effektivität der Regeln bewertet. Diese werden gegebenenfalls angepasst.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Ippon bleibt unverändert.
  • Waza-Ari umfasst Landungen auf der Seite mit Tendenz zur vollen Landung auf dem Rücken.
  • Yuko wird wieder eingeführt. Er umfasst u.a. Landungen auf dem Gesäß oder auf der Seite mit abgestützten Ellenbogen sowie Haltezeiten von Osae-Komi-Waza von 5-9 Sekunden im Ne-Waza.
  • Alle Jackengriffe und das Greifen unter dem Gürtel auf Höhe der Hüfte/Leiste sind erlaubt, solange sie für eine positiven Fortschritt der Kampfentwicklung genutzt werden.
  • Nach Einnahme des klassischen Griffs (Hikite und Tsurite) haben Judoka 30 Sekunden zur Angriffsvorbereitung.
  • Bärenumarmung („Bear Hug“), ob mit oder ohne vorheriger Kumi-Kata, ist erlaubt. Es ist für den Angreifer nicht erlaubt, dass sich Hände und Arme auf dem Rücken des Gegners zum Kreis schließen.
  • Einsatz des Kopfes zum Werfen und Verteidigen ist erlaubt - außer bei U18-Wettkämpfen, wo dies mit Shido bestraft wird. Das direkte Eintauchen mit dem Kopf (klassisches Diving) bleibt verboten und wird mit Hansoku-Make geahndet.
  • Kansetsu-Waza (Hebelgriffe) in Kombination mit einer Wurftechnik mit geringem Verletzungsrisiko, wo der Angegriffene der Situation entgehen kann, werden mit Shido geahndet.
  • Positive Aktivität in Ne-Waza wird berücksichtigt.
  • Judoka gelten innerhalb der Fläche, solange einer die Kampffläche berührt. Unbeabsichtigtes Verlassen der Matte wird nicht geahndet.