Karate Andi Techniken: Eine tiefere Auseinandersetzung

Seit einiger Zeit wird im Training eine Kata Variante geübt, bei der die erste Bewegung immer ein Schritt zurück ist. Bei den 3/4-Drehungen in der Heian Nidan entstehen dabei Schwierigkeiten mit der Schrittfolge. Es stellt sich die Frage, ob solche Variationen sinnvoll sind.

Ura no Kata, Go no Kata, Ushiro no Kata

Seit gut 20 Jahren ist es "in", solche Variationen wie Ura no Kata, Go no Kata, Ushiro no Kata zu üben. Es wird vermutet, dass dies von Kase Sensei stammt. Dabei werden die jeweils ersten Techniken der Bahnen mit Schritt zurück statt Schritt nach vorne ausgeführt. So steht man dann zwar im Endeffekt auch 90° nach links gedreht im hidari Gedan Barai, aber eben in der Körperachse rechts vom Ausgangspunkt.

Nee, eben nicht komplett rückwärts. Sondern die jeweils ersten Techniken der Bahnen mit Schritt zurück statt Schritt nach vorne. Also z.B. So dass du dann zwar im Endeffekt auch 90° nach links gedreht im hidari Gedan Barai stehst, aber eben in der Körperachse rechts vom Ausgangspunkt.

Statt den rechten Fuß diagonal am Linken vorbei nach hinten zu ziehen, setzt du den linken diagonal vor den rechten, landest nach Drehung migi Senkutzu Dachi migi Gedan Barai. Drehung zum nächsten Block wieder "andersrum": statt linken Fuß für Drehung nach links hinter zu setzen, setzt du den rechten nach rechts vorn. Das ist echt tricky.

Ja, genau. Go no Kata. Alle Schritte andersherum, alle Drehungen auf dem anderen Bein, aber die "Endstellung" sieht genau aus wie in der Omote-Variante.

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Einige Karateka betrachten die ganzen Kata und Kihon Kombinationen mit Drehungen, Rückwärts und Andersrum eher als Fluch denn als Segen. Es wird argumentiert, dass es besser sei, die Basiskata gut zu beherrschen, vorwärts, rückwärts, seitwärts, mit geschlossenen Augen, usw.

Es besteht Einigkeit, dass man nicht noch irgendwelche vogelwilden Kihon Kombinationen erfinden muss, da man mit dem Lehrkanon an Kata sowieso schon mehr als genug zu bearbeiten hat.

Damit wir bei ura, ushiro usw. nicht durcheinander kommen, da evtl. Kata im Ablauf von hinten nach vorne oder spiegelverkehrt (bspw. Anfang nach rechts, statt nach links) zu laufen, bringt aus meiner Sicht nicht viel, das ist eine reine Kopfübung. Die Kata ändert sich aber weder in der Anwendung, noch bzgl. Bewegungsschulung. Die Zeit mir das anzutrainieren, nutze ich dann lieber anders.

Weitere Variationen

Dann gibt es auch die Variationen, nach jedem Schritt über den Rücken zu drehen. Das finde ich bzgl. Bewegungsschulung schon interessanter, man muss an sich auch keine neuen Abläufe lernen. Würde hier aber auch sagen, kann man mal machen aber keinen Overkill damit betreiben. Kata bieten genug, um tiefer einsteigen zu können, sowohl bei Anwendungen als auch bei Bewegungsschulung.

Lernen und Üben von Kata

Zum Lernen der Reihenfolge der Bewegungen in den Kata braucht man keinen Platz. Das geht auch ganz gut, wenn man das nur im Kopf macht, ohne den Körper zu bewegen. Der Tipp mit der Imagination ist super, vor sämtlichen Prüfungen alles nochmals im Kopf durchzugehen.

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Es hat sehr geholfen ein Steckbausystem draus zu machen. Wenn man weiß was schlagen, stoßen, blocken, treten heißt und dann noch die Richtungen auf japanisch weiß, ergibt sich das meiste. Und darauf kann man dann recht einfach aufbauen.

Kombinationen, die man im Training hunderte male übt, müssen nicht extra "auswendig" gelernt werden. Die Form wird segmentiert/gechunked und sequentiell wiederholt.

Es gibt unterschiedliche Lernpräferenzen. Einige haben mit Ü40 und nur mäßigem Talent angefangen und haben damals trotz und neben zwei- bis dreimal wöchentlichem Training a) zuhause die Begriffe gebüffelt, b) auf Spaziergängen simpelste Kombinationen geübt (Uke waza mit anschließendem Gyaku Tzuki), c) im Garten mit einem Putzlappen als Start- und Zielpunkt die Heian Shodan geübt, bis sie endlich, endlich auch die Wendungen "richtig herum" hinbekamen.

Im Training die Kata mitgemacht. Man wird ja so aufgestellt, dass man von denen, die es schon besser können die Bewegungen abschauen kann. Habe mir gemerkt in welcher Ecke des Raumes ich rauskommen müßte. Und ganz ehrlich für so eine Kata, bis die einigermaßen Gestalt hat brauche ich schon eineinhalb Jahre. Man soll ja dran üben und sich verfeinern.

Menschen lernen seit Jahrhunderten in der KK ähnlich: Meister macht vor, Leuts machen nach. Und wiederholen. Und Wiederholen.

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Es ist wichtig, herauszufinden, was man zum Lernen benötigt. Sind es genauere Erklärungen? Braucht man evtl. einen Anwendungsbezug? Es benötigt Zeit sich konkret mit Begriffen und Abläufen vertraut zu machen. Setz dir kleinere Ziele wie z.B : Die ersten vier Techniken möchte ich heute ablauftechnisch beherrschen.

Lasse das normale Vereinstraining erst einmal wirken und gewöhne Dich daran. Außerhalb vom Training lerne ich bestimmte Kombis oder Frequenzen auswendig oder stelle mich auch mal in mein eigenes kleines Dojo oder auf die Wiese und übe die Kataformen immer wieder. Dann kommt das von selbst, daß man sich die Sachen merkt.

Spätestens zur ersten Prüfung wirst Du ein wenig in die Sache reingewachsen sein und Deine Sachen für eine Prüfung oder nächstes Nachziel üben, besonders dann, wenn eine Gruppe von dem Lehrer vorbereitet werden. Und noch ein Tipp. Auch in der kleinsten Hütte ist Platz, um was zu üben. Und wenn man es zerlegt oder die Schritte auf der Stelle übt. Dabei kann man sich in Gedanken vorsagen, daß man nun eine Wendung machen muß oder einen Schritt vor oder zurückgehen muß.

Dass Du offensichtlich außerhalb des Dojos auch übst, ist super. Das machen viel zu wenig Leute. Ich habe mir dazu früher ein paar Seiten aus Büchern kopiert oder Dateien ausgedruckt und immer wieder angeschaut. Das ging soweit, dass ich am S-Bahnhof eine Kata auf ca. Für mich ist diese Kombination aus "Bild anschauen - Begriff lesen - Körper dazu bewegen" genau die richtige Lernmethode. Selbst heute mache ich das noch so.

Seit ein paar Jahren lerne ich eine Kata, von der wir nur alte japanische Bücher mit mittelprächtiger Bildqualität haben. Da mein Lehrer diese Kata einmal richtig gelernt hat und sie jetzt mir und ein paar anderen Leuten beibringt, sitzen wir in der Regel nach dem Training nochmals zusammen und besprechen alles und schreiben alles ganz genau auf.

Üben an öffentlichen Orten hat noch einen ganz entscheidenden Neben-Vorteil: das "Vortanzen vor Publikum" verliert seinen Schrecken. Das hilft dann in Gürtelprüfungen.

In der Kata ergeben sich manch Bewegungen aus der vorhergehenden RICHTIGEN Position/Bewegung. Und einige Fehler müssen SOFORT abgestellt werden.

Für die meisten Anfänger (und Fortgeschrittenen) stellt es eine unglaubliche Herausforderung dar, sich gleichzeitig auf die Reihenfolge der Bewegungen und noch Details der Einzelbewegungen zu konzentrieren. Die Detailarbeit würde ich eher im Kihon ansiedeln.

Ich bin begeistert darüber, dass mein Trainer die Kunst der richtig dosierten Korrektur hervorragend beherrscht. Sicher gäbe es viel mehr zu bemängeln, aber ich bekomme selten mehr angesagt, als ich auch umsetzen kann. Und kann auf diese Weise wirklich besser werden.

Karate Andi: Vom Hinterhof-Boss zum Szene-Chef

Andis Selfmade-Debüt »Turbo«, das mit dem neuen Power-Producerteam DIE ACHSE, bestehend aus Bazzazian und Farhot, entstand, erfüllt alle Erwartungen, die Rapdeutschland an den zugezogenen Eckkneipenhustler hätte stellen können. Es geht um Punchlines, Pils und Pennerrap.

Andi legt besonders viel Wert auf Technik, auch wenn er das verneinen würde. Er findet aber schon, dass Reime einen besseren Klang haben, wenn sie mehrsilbig sind. Er ist schon ein Reimnerd, zählt die Silben aber nicht extra nach oder so.

Karate Andi ist sich seiner Vorbildfunktion für die Jugend natürlich bewusst und gibt sich größte Mühe, dieser Rolle gerecht zu werden. Nicht.

Es ist unbestreitbar eine der aktuellsten Entwicklungen im deutschen Rap: Der kompromisslose Fokus auf die Reimtechnik - koste es, was es wolle. Immer mehr deutsche Rapper sind auf der Jagd nach dem längsten - nicht nach dem interessantesten Schema, nicht nach dem unvorhersehbarsten Reim und nicht nach dem besten Flow.