Armwrestling ist eine Kraftsportart, die sich deutlich vom Kneipenvergnügen unterscheidet, obwohl sie vom klassischen Armdrücken abstammt. Als Wettkampfsport unterliegt Armwrestling den Regelwerken der Verbände wie etwa der «World Armwrestling Federation».
Gekämpft wird im Stehen an einem 1,04 Meter hohen Tisch. Die freie Hand umfasst einen Haltegriff, auf Kommando des Kampfrichters gehts los.
Das Training der Champions
Wer all die Treppen hinaufgeklettert ist, der hat bereits die Hälfte des Aufwärmprogramms absolviert. Ganz oben, in der Dachkammer über dem Wiedlisbacher Schlüsselpub, da dröhnt der härteste Heavy Metal und es herrscht eine hitzige Stimmung. Hier putschen sich die Bulldogs zu Höchstleistungen an - genauer gesagt, die Armwrestler des ASC Bulldogs, die hier trainieren.
Und wer hier der Chef ist, das erkennt man auf den ersten Blick. Bei Martin Zangger stehen alle anderen Trainingspartner der Bulldogs an, und er legt einen nach dem anderen ab wie Zündhölzer, bis sein von oben bis unten tätowierter Arm nach etwa 20 Kämpfen so müde ist, dass ihn endlich einer besiegen kann.
Er ist Ehrenmitglied, Trainer und Aushängeschild der Bulldogs: Martin Zangger hat in seinen 16 Jahren als Arm-Wrestler nicht weniger als 13 Schweizer-Meister-Titel in seiner Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm erobert - einige davon mit dem rechten Arm, einige mit dem linken.
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«Mein Götti Magnus Gadient forderte mich immer wieder zum Armdrücken auf, aber als ich ihn mit 15 Jahren das erste Mal besiegte, da war er total überrascht», erzählt der mittlerweile 31-jährige Langendörfer.
«Ich sehe ja nicht aus wie ein Kraftsportler. Meine Mutter kannte jemanden aus der Armsportszene und so habe ich mich ohne viel zu überlegen an die Schweizer Meisterschaften angemeldet.» Zangger wurde auf Anhieb Dritter.
«Da hat es mich so richtig gepackt. Für mich ist das Arm Wrestling der beste Kampfsport. Vor und nach dem Turnier ist man beste Freunde, und selbst während des Kampfes geht es nie darum, den anderen zu verletzen.»
Technik und Strategie
«Ja, Armwrestling ist eben kein Gemurkse, man muss intelligent kämpfen. Und es braucht Ausdauer und Technik. Mein längster Kampf dauerte drei Minuten, und ich gewann, weil die Muskeln des Gegners ausbrannten und übersäuerten.» Dann erklärt der Champion, mit welchen Techniken man das Handgelenk des Gegners in eine Position bringen kann, in welcher dieser keine Kraft entwickeln kann.
Ernährung und Doping
Wenn es ums Thema Anabolika geht, dann hat Martin Zangger eine einleuchtende Metapher bereit: «Eine Eiche im schattigen Wald muss kämpfen, um zu wachsen, sie hat ganz dünne Jahrringe und hervorragendes Holz. Eine Eiche auf dem Feld wächst viel schneller, aber sie hat viel zu breite Jahrringe und schwaches Holz.» Er habe nie Doping verwendet.
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Die Leidenschaft des Roman Hegetschweiler
Für Roman Hegetschweiler ist Armdrücken mehr als einfach nur Hobby. Es ist seine grosse Leidenschaft, der er einiges unterordnet. Und es ist eine Art Wegweiser, der ihn durchs Leben lotst.
Hegetschweiler trainiert mehrmals wöchentlich im spartanisch eingerichteten Clubraum des «Armsport-Club Grizzly's, Uznach». Er amtet als Präsident, den Club gründete er 2008 zusammen mit Matthias und Christoph Steiner, und inzwischen werden 14 Mitglieder gezählt.
«Am Armdrücken fasziniert mich der Umstand, dass man seine Höchstleistung am Tag X auf die Sekunde genau abrufen muss. Wenn man am Tisch steht, den Gegner mit den Augen fixiert, die Hände ineinander greifen und der Schiedsrichter den Kampf freigibt, dauert es meist nur wenige Sekunden, bis der Sieger feststeht. Für diese Glücksmomente trainiere ich», sagt er am Übungstisch im Clubraum.
Victor Iberg: Vom Bodybuilding zum Armwrestling
Der Fitnesstrainer Victor Iberg (27) aus Oberentfelden wurde letztes Jahr Schweizer Meister im Bodybuilding. Dieses Jahr stellte er sich einer neuen Herausforderung: dem Armdrücken. Er nahm an der 33. Schweizer Meisterschaft im Armwrestling teil und holte sich gleich beim ersten Anlauf zwei Schweizer-Meister-Titel - mit dem rechten und dem linken Arm.
Es war ein spontaner Entscheid, so Victor Iberg. Drei Wochen vor dem Turnier meldete er sich an. «Ich wusste, dass ich gut im Armdrücken bin und ich wollte wieder einmal an einem Wettbewerb teilnehmen», sagt der 27-Jährige.
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Armwrestler trainieren bis zu dreimal in der Woche, dafür hatte Victor Iberg aber in den verbleibenden Wochen keine Zeit. Stattdessen bereitete er sich mit Youtube-Videos und Hanteltraining auf den Wettkampf vor.
«Es steckt viel Strategie im Armdrücken. Um diese zu lernen, schaute ich mir Youtube-Videos an. Zudem habe ich meine Hantelübungen angepasst», erklärt der Fitnesstrainer. Das erste Mal an einem Armwrestling-Tisch stand er am Wettkampfstag.
«Die Stimmung war super, sehr familiär und viele Zuschauer wie auch Teilnehmer gaben mir Tipps», schwärmt Iberg. Bis in den Final musste Iberg acht Kämpfe mit dem linken Arm und zehn Kämpfe mit dem rechten Arm bestreiten, dabei verlor er keine einzige Runde.
